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Tarnkleidung
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Tarnkleidung ist Kleidung, die anhand des Musters und der Farbgebung die Konturen des Trägers vor entsprechendem Hintergrund „verwischt“, also die optische Aufklärung erschwert oder unmöglich macht. Tarnkleidung wird z.B. von Soldaten oder Jägern getragen.
In der Regel ist Tarnkleidung auf eine bestimmte Umgebung angepasst, aber es werden auch Tarnmuster zur universellen Verwendung entwickelt (z.B. ACUPAT oder MULTICAM).
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Geschichtliche Entwicklung
Im preußischen Heer Friedrichs II. wurde 1740 aus dem Stamm des Forstpersonals ein Jägerkorps zu Fuß für Streifendienst und Kleinkrieg gebildet, welches einen zeisiggrünen Rock, gelbe Lederhosen und braunlederne Patronenranzen trug. Zumeist beschränkte man sich aber in der Praxis, bei besonderen Gelegenheiten auf das Verdecken von blanken Ausrüstungsstücken durch Laub, Gras etc. 1882 wurde in Russland bei allen Waffengattungen ein erdgrauer Mantel eingeführt. Gleichzeitig wurde auf Schimmel als Reitpferde in allen modernen Feldheeren weitgehend verzichtet. Um 1900 erhielt das ostasiatische Expeditionskorps der kaiserlichen Armee eine Tropenuniform in „erdfarbenen Feldgrau“. 1905 wurde im gesamten deutschen Heer feldgraue Uniformen mit braunen Lederzeug eingeführt. Die ersten Versuche mit Tarnkleidung startete Louis Guingot, ein französischer Maler im ersten Weltkrieg mit dem sogenannten „Leopard-Muster“. Eine weite Verbreitung effektiver Tarnmuster fand jedoch erst im Zweiten Weltkrieg in den Reihen der Waffen-SS statt. Deren sogenanntes „Erbsentarnmuster“ (pea pattern) zählt noch heute zu den besten und meistkopierten Tarnmustern weltweit. Eines der bekanntesten Tarnmuster ist sicher das „Woodland“-Muster der USA, eine vergrößerte Version des ERDL-Musters (Engineer Research & Development Laboratory) von 1948, das schon in Vietnam zum Einsatz kam. Heutzutage hat praktisch jede Armee der Welt ihr eigenes Tarnmuster, welches damit auch schon wieder einen Erkennungswert darstellt.
Eine der interessantesten Neuerungen ist die Entwicklung von digitalisierten, also mit Hilfe von Computern generierten Fraktalen erstellten Mustern, wie z. B. das CADPAT der Kanadischen Armee oder auch das MARPAT des United States Marine Corps. Auch zivile Firmen wie „Hyperstealth“ erstellen ihre Muster am Computer. Einer der ersten und größten Aufträge dieser Firma war die Ausstattung der jordanischen Streitkräfte und Polizeieinheiten mit diversen, digitalen Tarnmustern.
Strukturtarnung
Eine andere Form der Tarnkleidung, bei der weniger die Farbgebung als vielmehr die Struktur entscheidend ist, ist der sogenannte Ghillie Suit. Ein Ghillie Suit ist ein Tarnanzug, der meistens von Scharfschützen eingesetzt wird. Er verbirgt die Form des menschlichen Körpers und lässt ihn mit seiner Umgebung „verschmelzen“. In der Regel besteht ein Ghillie Suit aus einem Netzmaterial, entweder in Form eines Überwurfes oder als zweiteilige Ausführung. Zudem kann bestehende Tarnkleidung mit Hilfe von bis zu 80cm langen, gefärbten Jutestreifen zu einem Ghillie Suit verwandelt werden. Die Streifen werden eingeknotet oder angenäht und je nach Material auch zusätzlich zerfasert, um die gewünschte Tarnwirkung zu erzielen.
Das Wort Ghillie stammt aus dem Schottischen und bezeichnet eine Art Jagdaufseher. Zu dessen Aufgaben gehörte u.a. das Einfangen von Wild, welches dem Adel zu Vergnügungszwecken direkt vor die Flinte getrieben wurde. Zum Einfangen des Wildes musste sich der Ghillie im Wald verstecken, und regungslos verharren, bis das Wild so nah herangekommen war, dass es mit der bloßen Hand gefangen werden konnte. Hierzu stellten sich die Ghillies Tarnkleidung aus Blättern, Stofffetzen u.ä. her, um nicht entdeckt werden zu können.
Eine weitere, selten dokumentierte Geschichte der Ghillies begann ab dem Ende des 17Jh., anfang 18 Jh., betraf eigentlich nur ausgewählte, schottische Wildhüter, die nicht nur den Wildbestand kontrollierten, sondern auch zum größten Teil Wilderer auf frischer Tat ertappen mussten, um Sie dem Gebietsherren vorzuführen und des Diebstahles beschuldigen zu können. Einige dieser Wildhüter waren früher selber Wilderer, die gefangen wurden und man Ihnen nahe legte entweder für den Gebietsherren zuarbeiten, um andere Wilderer zu überführen oder am Galgen zu baumeln. Da man nicht am Galgen baumeln wollte entschied man sich logischerweise für den Gebietsherrn zu arbeiten. Auch die Wilderer wurden immer gerissener und wussten nun, dass aus den eigenen Reihen Gefahr drohte. Es wurde immer schwerer diese Wilderer auf frischer Tat zu ertappen. Die Wildhüter mussten sich was einfallen lassen, um diese Wilddiebe zu erwischen. Darum wurden auch die Bekleidungstücke mit großen, aus Leinen ähnlichen Fetzen benäht, die mit nassem Lehm, Erde und frischen Grässern verschmierter Oberfläche eine Erdbodentarnung wiedergeben sollte. Die Silouhette wurde nun zu einer am Boden liegenden Erderhöhung und somit eins mit der Natur. Hier begann dann die eigentliche Geschichte der von den "Ghillies" (Wildhüter) benutzten "Suits" (Anzug, Anzüge). Leider gibt es kein Bilder oder Zeichnungen davon, wie so ein Ur-Ghillie aussah.
Siehe auch
Weblinks
- Bauanleitung für einen Ghillie-Suit
- Bauanleitung auf Englisch
- Multicam von CRYE PRECISION
- Eine beachtliche Sammlung von Tarnuniformen
- Hyperstealth Biotechnology Corp.
| Wiktionary: Tarnung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
