Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Tangible User Interface
Aus Kefk.
Ein Tangible User Interface ist eine anfassbare Benutzerschnittstelle, die einem Computerbenutzer die Interaktion mit der Maschine durch physikalische Objekte erlaubt. Oftmals wird auch das akronym TUI verwendet (engl. Tangible User Interface). Der Name Graspable User Interface wurde in den initialen Arbeiten verwendet, wurde aber vollständig durch Tangible User Interface verdrängt.
Vier Eigenschaften kennzeichnen eine Benutzer- bzw. Benutzungsschnittstelle als Tangible User Interface (aus: Ullmer, B., Ishii, H.: Emerging frameworks for tangible user interfaces. IBM Systems Journal 39 (2000) 915--931):
- Physikalische Objekte sind mit digitaler Information verbunden.
- Physikalische Objekte enthalten und realisieren Mechanismen zur interaktiven Kontrolle.
- Physikalische Repräsentationen sind wahrnehmbar verbunden mit ihrer digitalen Repräsentation.
- Der Zustand des physikalischen Objekts verkörpert Schlüsselzustände des digitalen Systems dar.
Folgende Aspekte sind dabei kennzeichnend für die Interaktion zwischen einer TUI und dem Benutzer bzw. dem an die TUI gekoppelten digitalen System: (nach: Hornecker, E.: A design theme for tangible interaction: Embodied facilitation. In: Proceedings of ECSCW '05, Springer (2005) 23--43)
- "Tangible Manipulation": physikalische Objekte werden von einem Menschen manipuliert, d.h. bewegt, gedreht, aufgehoben, etc.
- "Spatial Interaction": physikalische Objekte existieren im realen Raum, d.h. sie unterliegen den Gesetzen der Umwelt und geschehen im dreidimensionalen Raum (auch wenn einige Projekte TUIs zur Manipulation in einer Ebene einsetzen, wie z.B. Pin & Play)
- "Embodied Facilitation": Die Interaktion mit der TUI hat ein Äquivalent in der digitalen Welt, ihre Konstellation und Gruppierung in der physikalischen Welt hat Einfluss auf ihre Funktionalität.
- "Expressive Representation": Material, Form und digitale Funktionalität definieren als Einheit die Interaktion mit der TUI.
Eine Computermaus stellt kein Tangible User Interface dar, da sie anwendungsdomänen unabhängig abstrakte Eingaben verarbeitet.
Eines der frühestend und am meisten beachtetes Beispiel für TUIs ist die Marble-Answering-Machine von Durrell Bishop (1992), auch wenn diese nur ein Objekt aus einer ganzen Reihe von miteinander in Verbindung stehenden Objekten (Ecology) darstellt. Dabei handelt es sich um einen Anrufbeantworter. Jeder Anruf wird mit einer Kugel (engl. marble) verknüpft, die aus dem Anrufbeantworter heraus fällt. Wird diese an einer bestimmten Stelle abgelegt, so wird die Nachricht abgespielt, oder der Anrufer zurück gerufen. Die Marble Answering Machine ziert, in Honoriering ihrer Bedeutung für den Forschungsbereich der TUIs, z.B. das Titelbild der Proceedings der ersten Konferenz der TEI-Serie.
Führende Pioniere auf diesem Gebiet sind Hiroshi Ishii und Brygg Ullmer vom Massachusetts Institute of Technology Media Lab. Ishiis Vision für Tangible User Interface hat er in seinem Konferenzbeitrag Tangible Bits bereits 1997 festgehalten. Darin beschreibt er die Verknüpfung digitaler Informationen mit physikalischen Objekten, die die digitalen Informationen direkt wahrnehm- und manipulierbar machen.
Anwendungsfelder für TUIs sind unter anderem Stadtplanung (z.B. URP, siehe Beispiele für TUIs unten), industrielle Abläufe, aber auch in der Musik, im Spielbereich und beim Lernen.
Weblinks
- Hiroshi Ishii und Brygg Ullmer, Tangible Bits: Towards Seamless Interfaces between People, Bits and Atoms. Veröffentlicht in Proceedings of Human Factors in Computing Systems: CHI 97, Denver (Colorado)
- Tangible and Embedded Interaction Conference, organisiert von Brygg Ullmer und Albrecht Schmidt]
- Tangible Media Group MIT, [1]
- Übersicht über TUIs von Ullmer, [2]
- The reacTable, a state-of-the-art multi-user electro-acoustic music instrument with a tabletop tangible user interface, [3]
- Tangint: Wiki von Brygg Ullmer's Forschungsgruppe zum Thema Tangible User Interfaces und Tangible Interaction.
Beispiele für Tangible User Interfaces
- John Underkoffler und Hiroshi Ishii,Urp: a luminous-tangible workbench for urban planning and design
- Nicolas Villar, Pin & Play
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Tangible_User_Interface, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
