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Täuschkörper
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Täuschkörper sind ausstoßbare Verlustkörper, die fast ausschließlich von militärischen Plattformen wie Landfahrzeugen, Luftfahrzeugen und Schiffen eingesetzt werden, meist um anfliegende Lenkwaffen auf den Täuschkörper zu ziehen und sich selbst zu schützen. Täuschkörper können vorbeugend (präventiv, engl. preemptive) oder reaktiv eingesetzt werden.
Im Falle des präventiven Einsatzes besteht die Hauptaufgabe eines Täuschkörpers darin, den für die Zielerfassung und Zielverfolgung erforderlichen Kontrast der Szene auf ein für den jeweiligen Waffensystemsensor nicht mehr verwertbares Maß herabzusenken.
Beim reaktiven Einsatz soll der Täuschkörpers die elektromagnetische Signatur des bereits ausgewählten, beleuchteten (engl: painted) Zielobjekts imitieren, um den Waffensystemsensor vom Ziel auf den Täuschkörper zu lenken (engl: Break lock). Der Täuschkörper soll in diesem Fall das "attraktivere" Ziel darstellen.
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Luftfahrt
Grundsätzlich ist bei Luftfahrzeugen zwischen Infrarot- und Radartäuschkörpern zu unterscheiden.
IR-Täuschkörper
IR-Täuschkörper (engl. Decoy Flares) dienen der Abwehr infrarot-gesteuerter Boden-Luft-Raketen bzw. Luft-Luft-Raketen und werden je nach antizipierter Bedrohung in voreingestellten Sequenzen ausgestoßen. Als Infrarotbereich wird der Wellenlängenbereich zwischen 0.8 - 5 µm verstanden.
IR-Täuschkörper enthalten als Energiespeicher entweder pyrotechnische Sätze, pyrophore Feststoffe oder Flüssigkeiten bzw. leicht entzündliche Feststoffe. Wird der Täuschkörper angezündet, so wird eine stark exotherme Reaktion ausgelöst, die in Abhängigkeit von der chemischen Zusammensetzung des Energiespeichers mit einer mehr oder minder starken sichtbaren Flammen- und Rauchentwicklung einhergeht[1].
Es gibt eine Vielzahl von Kalibern und Formen für Täuschkörper. Aufgrund des Platzmangels an Bord von Flugzeugen werden in vielen Plattformen amerikanischen Ursprungs und von NATO-Mitgliedsländern quaderförmige Täuschkörper eingesetzt. Zylindrische Täuschkörper gibt es ebenfalls an Bord amerikanischer Flugzeuge wie z. B. den MJU 23/B an Bord der Rockwell B-1 oder den MJU-8A/B an auf der F-18 aber vorzugsweise an Bord französischer Flugzeuge und solcher russischer Bauart wie z. B. der PPI-26 IW an Bord der Mig-29.
Quaderförmige Kalibertypen und typische Scheinziele in diesem Kaliber
- 1x1x8 Inch . z. B. M-206,MJU-61,(MTV basiert) M-211, M-212 (spektral angepasst)
- 2x1x8 Inch . z. B. MJU-7A/B (MTV basiert), MJU-59/B (spektral angepasst)
- 2x2,5x8 Inch z. B. MJU-10/B (MTV basiert)
Zylindrische Kalibertypen:
- 2,5 Inch z. B. MJU-23/B (MTV basiert)
- 1,5 Inch z. B. MJU 8 A/B (MTV basiert)
- 1 Inch z. B. PPI 26 IW
Ein typischer MJU-7A/B-Täuschkörper ist nebenstehend dargestellt. Es besteht aus einer äußeren Aluminiumhülle(1), einer elektrisch initiierbaren Impulskartusche (2), welche den Ausstoß der Wirkladung und ggfs. deren Anzündung bewirkt und einen zu einer Rohrsicherung ausgebildeten Treibspiegel(3), der eine Anzündung der Wirkmasse (4) mit der Anfeuerung(5)und der umhüllenden meist selbstklebenden Aluminiumfolie (6) erst außerhalb der Patronenhülse erlauben soll. Die Patrone ist an der Vorderseite mit einer Abdeckplatte (7) abgeschlossen.
Pyrotechnische Wirkladungen
Wirkladungen mit Schwarzkörpercharakteristik
Bestimmte pyrotechnische Zusammensetzungen wie z. B. Magnesium/Teflon/Viton liefern beim Abbrand eine temperaturabhängige Signatur und können als Graue Körper hoher Emissivität beschrieben werden können. Diese Täuschkörper nennt man Schwarzkörperwirkladungen (engl.: blackbody payload). Andere Zusammensetzungen wie z. B. Eisen/Kaliumperchlorat-Tabletten liefern eine nur geringe Flammenentwicklung und zeigen ebenfalls eine temperaturabhängige Signatur [2]. Allerdings wird bei diesen Reaktionen aufgrund der erheblich niedrigeren Temperatur weniger Energie im kurzwelligen Infrarotbereich emittiert als vergleichsweise bei einer Magnesium/Teflon/Viton Formulierung. Andere Schwarzkörperwirkladungen enthalten beispielsweise Ammoniumperchlorat/Anthracen/Magnesium und einen auf Polybutadien basierenden Binder[3]
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Wirkladungen mit selektiver Strahlungscharakteristik
Andere Wirkladungen schließlich erzeugen beim Abbrand große Mengen heißes Kohlendioxid und liefern daher eine überwiegend temperaturunabhängige, selektive Ausstrahlung im Wellenlängenbereich zwischen 4 - 5 µm. Typische Wirkladungen dieses Typs ähneln z. B. pyrotechnischen Pfeiffsätzen und enthalten meist Kaliumperchlorat und wasserstoffarme organische Brennstoffe [4]. Andere Wirkladungen dieses Typs ähneln doppelbasigen Treibladungspulvern und enthalten Nitrocellulose und andere Nitratesterverbindungen [5] oder organische Nitroverbindungen als Oxidationmsittel wie z. B. Hexanitroethan und Nitroverbindungen und Nitramine als Brennstoffe[6]. Vorteil dieser Wirkmassen ist die geringe visuelle Sichtbarkeit. Dies gründet auf der Abwesenheit kondensierter Reaktionsprodukte und auch auf der Abwesenheit thermisch leicht anregbarer Alkalimetalle wie z. B. Natrium oder Kalium die hingegen in den o.g. Pfeiffsatz-ähnlichen Formulierungen enthalten sind.
Pyrophore Wirkladungen
Im Gegensatz zu pyrotechnischen Wirkladungen entnehmen pyrophore Stoffe den für die Verbrennung erforderlichen Sauerstoff der Luft. Daher ist die Leistung pyrophorer Scheinziele grundsätzlich von der Einsatzhöhe, also dem Sauerstoffpartialdruck abhängig. Ein typisches flüssiges pyrophores Medium für Scheinziele ist z. B. Triethylaluminium (TEA). Beim Abbrand liefert dieses ein selektives Infrarotspektrum, das wesentlich durch Kohlendioxid und Wasser dominiert wird. Die Verbrennungsprodukte des Aluminiums sind in diesem Bereich nicht IR-aktiv [7] .
Feste pyrophore Wirkladungen beruhen auf Eisenfolien die mit einer sehr porösen Aluminumschicht versehen sind. Aufgrund der sehr hohen spezifischen Oberfläche des Aluminiums oxidieren diese Folien spontan bei Kontakt mit der Luft und liefern im Gegensatz zu dem pyrophoren TEA eine temperaturabhängige Strahlung.
Leicht entzündliche Wirkladungen
Diese Gruppe von Wirkladungen schließlich enthält meist Roten Phosphor als energetischen Brennstoff. Der Rote Phosphor wird dazu mit organischen Bindemitteln zu Pasten verarbeitet und auf dünne Kunststofffolien aufgetragen. Der Abbrand dieser Streifchen liefert, aufgrund der Abwesenheit IR-aktiver Moden für die Verbrennungsprodukte des Phosphors im 0.8 - 5 µm Bereich, eine im wesentlichen temperaturabhängige Intensitätsverteilung, welche durch den Zusatz inerter Additive, wie z. B. hochdisperse Kieselsäure noch weiter modifiziert werden kann [8].
Radar-Täuschkörper
Zur Abwehr von radargelenkten Flugkörpern verwenden Luftfahrzeuge sogenannte Düppel. Düppel (engl. = chaff) sind z. B. Aluminium- oder silberbeschichtete Glas- oder Nylonfäden mit Längen, die einem ganzzahligen Vielfachen der halben Wellenlänge der zu erwartenden Radar-Sendefrequenzen entsprechen. Luftwaffenradarsysteme arbeiten zwischen 3 und 30 GHz (entsprechend Wellenlängen von 100 bis 10 mm). Eine Gegenmaßnahme dazu ist das MTI-System, eine sogenannte "Festzeichen-Unterdrückung", die die quasi-statischen, langsam zu Boden taumelnden Düppel in der Zielauswertung ausblendet und das bewegte, eigentliche Ziel als nunmehr einziges präzise weiter darstellt.
Schifffahrt
Zur Abwehr von zielsuchenden feindlichen Torpedos dienen ihrerseits zieldarstellende Gegen-Torpedos, die ein oder mehrere Schein-Ziele simulieren, meist mit sehr starkem elektromagnetischen und/oder einem abgestimmten akustischen Frequenzspektrum (zur Schraubengeräusch-Darstellung). Fast immer schalten angreifende Torpedos dann auf das stärkere Schein-Ziel auf (sogenanntes "Lock On") - und ermöglichen dem Angegriffenen ein zwischenzeitliches Absetzen aus der bedrohlichen Lage.
Es gibt auch rein akustische Täuschkörper für U-Boote, welche durch die Müll-Luke ausgestoßen werden und große Mengen von Gas freisetzen. So entsteht für Sonargeräte eine "Gasblase", in der sie nicht orten können.
Interkontinentalraketen
Auch bei den Gefechtsköpfen von modernen Interkontinentalraketen, häufig mit Mehrfachsprengköpfen, werden Täuschkörper eingesetzt, um Abwehrwaffen von den wirksamen Gefechtsköpfen abzulenken oder auch nur die Abwehr so zu sättigen, dass statistisch eine ausreichende Anzahl wirksamer Flugkörper durch ein Abwehrschild dringen kann.
Literatur
- ↑ [1]E.-C. Koch, Pyrotechnic Countermeasures: II. Advanced Aerial Infrared Countermeasures, Prop.,Expl.,Pyrotech. 31 2006, 3
- ↑ J. Callaway, Expendable Infrared Radiating means, GB Patent 2 387 430, 2003, GB.
- ↑ D. B. Nielson, D. M. Lester, Blackbody Decoy Flare Compositions for Thrusted Applications and Methods of Use, US Patent 5 834 680, 1998, USA
- ↑ J. Callaway, T. D. Sutlief, Infrared Emitting Decoy Flare, US Patent Application 2004/0011235 A1, 2004, GB.
- ↑ R. Gaisbauer, V. Kadavanich, M. Fegg, C. Wagner, H. Bannasch, Explosive Body, WO 2006/034746, 2006, DE
- ↑ E.-C. Koch, Infrarotleuchtmasse, DE 102004043991, 2006, DE
- ↑ [2]D. B. Ebeoglu, C. W. Martin, The Infrared Signature of Pyrophorics, AD921319, National Technical Information Service, May 1974.
- ↑ H. Bannasch, M. Wegscheider, M. Fegg, H. Büsel, Spektrale Scheinzielanpassung und dazu verwendbare Flarewirkmasse, WO 95/05572, 1995, D.
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