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Überlebenstraining
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Als Überlebenstraining (englisch "Survival") bezeichnet man ein Training, bei dem versucht wird, mit natürlichen Mitteln abseits der Zivilisation zu überleben. Typische Gebiete für das Überlebenstraining sind Wälder und Wüsten. In der Regel besteht die Aufgabe des Trainings, eine bestimmte Zeit auf sich gestellt oder in der Gruppe zu überleben, einen bestimmten Ort zu erreichen oder auch nur bestimmte Aspekte des Überlebens in der Wildnis zu trainieren. Es ist möglich, das Überleben ohne mitgeführte Ausrüstung (nur Kleidung, evtl. medizinisches Notfallset), mit grundlegender Ausrüstung (Messer und andere Werkzeuge, Verbandszeug, Feuerzeug usw.) oder mit militärischer Ausrüstung (Waffen, zusätzliche Hilfsmittel zur Nahrungsaufbereitung) zu trainieren.
Inhaltsverzeichnis |
Ziele
Vorbereitung auf den Ernstfall
Ursprünglich für Soldaten entwickelt, wird Überlebenstraining heute entsprechend auch für Piloten, Seeleute etc. eingesetzt, und zur Vorbereitung auf Naturkatastrophen.
Entwicklung der Persönlichkeit
Ursprünglich von Indianern als Überlebensübung alleine im Dschungel zum Übergang vom Knaben zum Mann als Initiationsritus gelebt, wird Überlebenstraining heute auch zur Entwicklung persönlicher Stärke und Integrität eingesetzt. Eigene Grenzen werden dabei erfahren und überwunden.
Entwicklung der Teamfähigkeit
Überlebenstraining in der Gruppe entwickelt Teamfähigkeit, gemeinsames strategisches Handeln und Rollendifferenzierung. Führunskräfte lernen Führungskompetenz für Extremsituationen.
Psychologie des Überlebens
Extrembelastungen führen zu psychischen Reaktionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg trat bei zurückgekehrten Kriegsgefangenen und Lagerinsassen ein Phänomen auf, das Anlass zu weiteren Untersuchungen bot. Die aus der Extremsituation Gerettetten verstarben im Krankenhaus, obwohl keine schwerwiegenden Verletzungen vorlagen und der Gesamtzustand zwar nicht gut aber keinesfalls lebensbedrohend war. Die Patienten wurden eingehend untersucht und befragt.
Bei denen, die die Extremsituation endgültig überstanden hatten, wurde festgestellt, dass der entscheidende Moment für Rettung und Überleben die Beibehaltung des Lebenswillens war. So banal es klingen mag, der Wille ist für das Überleben von Extremsituationen entscheidend.
Folgende Wechselwirkung zwischen der Funktionsweise des menschlichen Nervensystems und den Extrembelastungen wurden festgestellt. Extremsituationen sind in den meisten Fällen verbunden mit Verletzung, Körperlichen Schmerzen, Trauer z.B. durch Verlust von Angehörigen und Freunden, etc. Diese Faktoren können zur Unkonzentriertheit, Gereiztheit, Neigung zu Depression, Hyperaktivität, oder Aggression führen. Furcht kann sich zu Angst oder Panik steigern. Sinnvolles und planvolles Handeln wird dann immer schwieriger, leztendlich unmöglich. Wenn Lethargie die Oberhand gewinnt und die Person sich aufgibt kommt es zu dem oben beschriebenen Phänomen. Um die Überlebenschancen zu erhöhen wurde von der US-amerikanischen Armee, als Gedächtnisstütze, quasi als Mantra, S-U-R-V-I-V-E entwickelt.
Praxis
Ü-B-E-R-L-E-B-E
Hier die Übertragung des von der US-amerikanischen Armee entwickelten S-U-R-V-I-V-E Merksatzes ins Deutsche.
Ü_berdenke deine Situation
B_ewahre Ruhe
E_rinnere Dich wo du bist
R_ichte deine Gedanken gegen Furcht und Panik
L_erne zu improvisieren
E_rkenne den Wert des Lebens
B_enimm dich wie ein Eingeborener
E_rarbeite Dir grundlegende Fähigkeiten.
Psychische Erste Hilfe in Extremsituationen
Bei Depression
Vorsicht, eventuell Selbstmordgefahr. Darum ständige Aufsicht sicherstellen, auch nachts. Falls Waffen vorhanden sind, entwaffnen und Waffen außer Reichweite bringen. Der Depressive neigt zur "Sündenbockmentalität" und fühlt sich vermeintlich mitschuldig oder schuldig an der bestehenden Situation, darum muss die Aufmerksamkeit der Person gefesselt werden. Etwas zeigen, erklären, ansprechen, fragen, soweit ansprechbar zu aktiven Tun auffordern oder zur Arbeit anregen. Es soll versucht werden das Selbstwertgefühl zu steigern, Erfolgserlebnisse verschaffen.
Bei Hyperaktivität
Aufsicht ist notwendig. Es besteht die Gefahr der körperlichen und seelischen Überanstrengung. Die Kritikbereitschaft ist gesteigert. Der Hyperaktive wirkt dann streitlustig und könnte versuchen, anderen die Schuld an der Situation zu zuschreiben oder diese angreifen oder bestrafen zu wollen. Hier gilt der Grundsatz, erst muss alles für die Rettung getan werden, dann können wir die Verantwortlichkeit klären. In diesem Fall ist der Hyperaktive von depressiven Personen zu trennen! Den Patienten auf jeden Fall ernst nehmen und versuchen ihn nützliche Arbeiten verrichten zu lassen.
Vorbeugung einer Panik
Furcht entsteht in Extremsituationen quasi von selbst. Furcht vor Verletzung, wie soll es weitergehen, Furcht vor dem Unbekannten und der eigenen aufkommenden Schwäche. Furcht geht einher mit dem Ansteigen des Adrenalinspiegels und stellt den Organismus auf den Verteidigungsmechanismus um. Folgen sind geschärfte Aufmerksamkeit, schnellere Reflexe für etwaige Flucht. Die Furcht muss eingegrenzt werden, denn Panik vergeudet Energie, das rationale Denken wird beeinflusst und endlich zunichte gemacht. Zur Vermeidung von Panik haben sich folgende Maßnahmen bewährt:
- Hunger, Durst, Erschöpfung und Schlaflosigkeit vermeiden.
- Beschäftigung, Unterhaltung, permanente Information, Anweisungen geben.
- Schrecken und Ängste minimieren, Tote begraben, Schutz vor Lärm und Dunkelheit.
- Bereits von Panik erfasste Personen isolieren und unter Aufsicht halten.
Maßnahmen bei akuter Panik
- Blickkontakt halten, Körperkontakt aufnehmen
- tief atmen, ruhige Stimme, gemeinsam atmen
Vorbereitung
"Be prepared" der Wahlspruch der Pfadfinder und Murphy's Gesetz "Alles geht schief, was schiefgehen kann" sind der richtige Ansatzpunkt zur Bewältigung entstehender Angst.
Weitere Grundkenntnisse
Als Grundtechniken sind Kenntnisse in Erste Hilfe, Selbst- und Kameradenhilfe notwendig. Grundkenntnisse über Ernährung, mechanische Fertigkeiten und Improvisation, Navigation und Meteorologie sind ebenfalls sehr nützlich. Man muss natürlich auch mit dem Bau von Schlafplätzen vertraut sein.
Ausrüstung und Bekleidung
Der Bekleidung kommt beim Überleben eine überaus wichtige Rolle zu. Sie muss den Körper unbedingt vor Kälte, Wind, Nässe, Sonneneinstrahlung, Wasserverlust durch Verdunstung und mechanische Verletzungen durch Vegetation und Insekten schützen. In jeder Notfallsituation sollte man nach der Ersten Hilfe das erste Augenmerk auf die schnelle Beschaffung von Bekleidung und Schuhwerk richten, denn wie lange die Extremsituation anhält, ist unbekannt. Hat man keinen Zugang zu Kleidung, kann auch Behelfskleidung (z.B. Decken, Zeltbahnen, Sitzbezüge von Fahrzeugen oder mit Gras ausgestopfte Müllsäcke) verwendet werden. Ist es möglich, im Vorfeld die Bekleidung auszusuchen, sollte man auf jeden Fall mehrere Lagen wählen, um variabel auf große Hitze oder Kälte reagieren zu können. Auch die Farbwahl kann entscheidend sein, nicht umsonst haben z.B. Pilotenjacken leuchtend rotes Innenfutter, um von Luftrettungsfahrzeugen schneller gesehen zu werden. Die Wärmereflexion von Rettungsdecken - ca. 80% - ist hinlänglich bekannt. Dies gilt, wenn auch mit wesentlich schwächerer Wirkung, ebenfalls für Textilien. Die Reflexionswirkung ist stärker, je heller die Farbe des Kleidungsstücks ist: Weiß reflextiert am stärksten, Schwarz nimmt die meiste Wärmestrahlung auf. Der Unterschied zwischen schwarzer und weißer Bekleidung beträgt ca. 2 °C. Richtige - der Umgebung angepasste - Kleidung kann Leben verlängern oder retten. Winddichtigkeit hat auf Grund des Windchill-Faktors auch eine hohe Bedeutung bei der Erhaltung der Körpertemperatur. Je höher die Windgeschwindigkeit, desto größer ist die Erfrierungsgefahr an den unbedeckten Körperpartien, sodass es notwendig wird, den Körper so schnell wie möglich zu verhüllen.
Grundtechniken
Orientierung im Gelände
Ohne Hilfsmittel: am Stand der Sonne, nach Sternbildern, Moosbewuchs an Bäumen etc. Mit Hilfsmitteln: Karte, Kompass, GPS, Höhenmesser, Sextant und Armbanduhr, Brille. Siehe auch Navigation.
Orientierung an der Sonne zur Mittagszeit
Nicht immer wenn man um 12:00 Uhr mittags zum Himmel schaut, steht die Sonne im Süden. In unseren Breiten mag das stimmen. Ob die Sonne mittags im Süden oder Norden steht, hängt von der geographischen Breite ab, auf der man sich befindet. Nördlich von 23,4°Nord steht die Sonne zur lokalen Mittagszeit im Süden. Südlich von 23,4°Süd steht die Sonne zur lokalen Mittagszeit aber im Norden! Achtung: In den Tropen steht die Sonne je nach eigenem Standort und Datum sowohl im Norden als auch im Süden. Also wenn man in unseren Breiten einen ca. 30 cm langen Stab in die Erde rammt, zeigt der Schatten um 12:00 Uhr Winterzeit, 13:00 Uhr Sommerzeit nach Norden. Die Linie des kürzesten Schattens, ist die Linie des Ortsmeridians.
Orientierung an Sonnenaufgang und Sonnenuntergang
Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Die Tabelle zeigt den rechtweisenden Azimut,(siehe auch Kurs) der aufgehenden Sonne für sämtliche Monate in der nördlichen und südlichen Hemisphäre.
Tabelle Azimut der auf- und untergehenden Sonne Weiterer Vorteil der Tabelle ist, daß bei Verlust des Datums in den meisten Fällen durch einfache Messreihen des Winkels über mehrere Tage das Tagesdatum wieder ermittelt werden kann.
Bestimmung der geographischen Breite mit Hilfe des Sonnenstands am Mittag
- Wasser
- Feuer - Feuermachen ohne Streichhölzer
- Schutz und Obdach
- Nahrung aus der Natur
Überleben in bestimmten Situationen
Hierunter fallen beispielsweise
- Überleben auf See Infos von DGzRS
- Überleben in der Wüste z.B. Wasser aus der Luft
- Überleben im Gebirge Bergwacht
Literatur
Grundkenntnisse
- Wolfgang Linke Orientierung mit Karte, Kompass, GPS 11., durchgehend überarbeitete Auflage, 2003, ISBN 3-512-03259-1
- Joshua Piven/David Borgenicht, Das Survival Buch - Überleben in Extremsituationen, 2000, ISBN 3-548-36256-7
- Gerhard Buzek, Das große Buch der Überlebenstechniken, 5. Auflage 1994, ISBN 3-7015-0254-4
- Hans-Otto Meissner, Die überlistete Wildnis-Vom Leben und Überleben in der freien Natur, 1972, ISBN 3-570-06600-2
- Nehberg, Rüdiger: Survival-Lexikon. Piper, München, Zürich 2000, ISBN 3-492-23055-5
- Nehberg, Rüdiger: Überleben ums Verrecken. Piper Malik, München 2002, ISBN 3-89029-219-4
Hilfe bei kriminellen Attacken
- Klaus-Dieter Matschke/Reimer Ick, Security Quality Management, Handbuch, Grundsätze und Verfahren für umfassende Unternehmenssicherheit, ISBN 3922746-42-X
Überleben auf/an der See
- Dr. Joachim Krug, Ebbe und Flut, ISBN 3-929901-00-5
- US Army Survival Handbuch - Die Hohe Schule des Überlebens, Pietsch Verlag, ISBN 3-87943-838-2
- Robin, Bernard: Navi Survival Handbuch - Überleben auf See, Pietsch Verlag, ISBN 3-87943-942-7
- Hake Matthias: Field Manual - Das Survivalbuch für Hiker, Trekker, Fernreisende und Expeditionsteilnehmer, Pietsch Verlag, ISBN 3-613-50352-2
- Darman, Peter: Das Survival-Handbuch der Eliteeinheiten, Pietsch Verlag, ISBN 3-613-50301-8
- Meissner, Hans-Otto: Die überlistete Wildnis - Vom Leben und Überleben in der freien Natur, C. Bertelsmann Verlag, 1967, ISBN 3-570-06600-2
- McManners, Hugh: Survival Total - Das grosse Buch des Überlebens, Pietsch Verlag, ISBN 3-613-50216-x
- Lichtenfels, Karl L. von: Lexikon des Überlebens - Das Survival-Handbuch für Krisenzeiten, Verlag Herbig, ISBN 3-7766-2192-3
- Buzek, Gerhard: Das große Buch der Überlebenstechniken - Das umfassende Lese- und Nachschlagewerk für alle, die sich in Ausnahmesituationen rasch richtig verhalten und durchsetzen wollen. Verlag Orac, ISBN 3-85368-968-x
- Wiseman, John "Lofty": SAS Survival Handbook: How to Survive in the Wild, in Any Climate, on Land or at Sea. HarperResource, 2004, ISBN 0060578793
- Mears, Ray: [1]
Weblink
- Links zum Thema „Überlebenstraining“ im Open Directory Project
- Das U.S. Army Survival Manual FM 21-76 in Englisch als pdf
- Rüdiger Nehberg
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