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Stiefmutter
Aus Kefk.
Eine Stiefmutter ist die Frau, mit der der Vater eine neue Lebensgemeinschaft eingegangen ist (z.B. zweite Ehe des Vaters), und damit einer der beiden Erwachsenen einer Stieffamilie.
Die "Stiefmutter" in übertragener Bedeutung
In der Vergangenheit war es durch die hohe Sterblichkeitsrate bei der Geburt und im Wochenbett und der Notwendigkeit der Wiederverheiratung des Witwers durchaus üblich, dass Kinder mit Stiefmüttern aufwuchsen. Das Motiv der Stiefmutter wird somit in Märchen häufig verwendet.
Sprichwörtlich und aus Märchen (wie "Aschenputtel") wohlbekannt ist die 'böse Stiefmutter' (seltener ein 'böser Stiefvater' - vergleiche aber "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren"). Erklärend hilft hier in der Soziologie (auch Ethnologie) der Strukturalismus weiter: In allen Kernfamilien gibt es Paarfiguren mit größerer emotionaler Nähe (z.B. Vater + Tochter plus Mutter + Sohn), die somit strukturell dafür sorgen, dass Vater + Sohn, Mutter + Tochter und übrigens auch Vater + Mutter auf merklich größerer Distanz zueinander stehen. Wenn jetzt die Tochter vom Kind zur Jugendlichen wird, tritt sie zunehmend in Konkurrenz zur Rolle der Mutter als erwachsener Frau; Konflikte sind vorauszusagen, ihr Kampffeld wird (mehr als bei Vater + Sohn) der eigene Haushalt sein, und die herkömmliche Distanz verstärkt sie. Psychologisch wird aus der ehedem 'lieben' Mutter (wie übrigens auch aus der 'lieben' Tochter) eine 'böse'. Das überrascht oft beide Teile: Die Mutter ist 'wie ausgetauscht'; verkürzt gesagt wird sie zur "Stiefmutter" - Schneewittchens Mutter merkt es dann, wenn sie in den Spiegel sieht und wird danach offen feindselig gegen die eigene Tochter, die sich eine eigene Peer Group sucht (verächtlich: von "Zwergen"), bis sie ein 'Märchenprinz' 'erlöst'.
Auch ist im Auge zu behalten, dass auffallend viele deutsche Volksmärchen eine "matrilineare" Erbfolge voraus setzen (merklich daran, dass Prinzen bzw. "Schweinehirten" kommen, heiraten und über die geheiratete Tochter erben). Wenn sie gleich bei deren Herkunftsfamilie bleiben, liegt auch Uxorilokalität vor (vergleiche Familiensoziologie). Da wird die Tochter der Mutter also noch gefährlicher. Doch es muss auch nicht immer eine Stiefmutter sein: In Dornröschen tritt die Mutter erst als Böse Fee und Jahre später als altes Mütterchen mit der Schlafspindel auf.)
Der Analytischen Psychologie in der Tradition Carl Gustav Jungs gilt die Figur der (bösen) Stiefmutter als Ausprägung des nefasten Aspekts des sogenannten Mutterarchetyps, also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.
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