Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Standardkostenmodell
Aus Kefk.
Durch das Standardkostenmodell (kurz: SKM), welches in den Niederlanden erfunden und zum ersten Mal angewandt wurde, werden die durch bundesstaatliche Informationspflichten verursachten Bürokratielasten ermittelt.
Das Standardkostenmodell ist ein methodischer Ansatz, mit dem ein wesentlicher Ausschnitt bestehender bürokratischer Belastungen systematisch ermittelt wird:
Gemessen werden Belastungen der Wirtschaft, der Bürger und der Verwaltung, die auf gesetzlich vorgeschriebenen Informations- und Berichtspflichten (Anträge, Formulare, Statistiken, Nachweise etc.) beruhen.
Inhaltsverzeichnis |
Berechnungsmethode
Das Standardkostenmodell misst lediglich einen Teil der Bürokratiekosten, nämlich die Kosten, die aus Informationsverpflichtungen der Wirtschaft bestehen.
Diese sind relativ leicht zu berechnen. Es handelt sich um das Produkt aus Anzahl der meldepflichtigen Vorgänge, Bearbeitungsdauer und Stundensatz.[1]
Beispiel: Ist ein Unternehmen verpflichtet monatlich eine Statistik abzugeben für das der Mitarbeiter 2 Stunden benötigt und der Mitarbeiter Lohnkosten von 80 € pro Stunde verursacht, entstehen dem einzelnen Unternehmen Kosten in Höhe von 160 € pro Monat oder 1.920 € pro Jahr. Sind nun in Deutschland in dieser Branche 10.000 Unternehmen tätig so betragen die Standardbürokratiekosten dieser Meldeverpflichtung 19.200.000 €.
Kategorien von Informationsverpflichtung
Die Informationsverpflichtungen der Unternehmen treten in vielfachen Formen auf.
- Pflicht zur Berichterstattung/Mitteilung (auch der Archivierung von Informationen)
- Antrag auf eine Genehmigung
- Antrag auf Anerkennung (beispielsweise einer Berufsausbildung)
- Durchführung von Registrierungen/Messungen
- Durchführung regelmäßiger Untersuchungen
- Erstellung regelmäßiger Berichte
- Durchführung von Inspektionen (z.B. Maschinen, Gesundheitsrisiko, Umweltrisiken)
- Antrag auf Freistellung (z.B. einen Mitarbeiter von einer gesetzlichen Pflicht befreien zu lassen)
- Ständige Aktualisierung der Katastrophen-Pläne und Programme eines Unternehmens
- Kooperationen mit Audits (beispielsweise Überwachung des externen Personals)
- Beschriftung (von Lebensmitteln etwa)
- Bereitstellung von Informationen an Drittparteien (z.B. eine finanzielle Beilage für Investment-Produkte)
- Vorlage von Dokumenten (wie ein IHK-Register oder ein Frachtbrief)
- Kenntnis der Gesetze und Verordnungen (z.B Beschäftigung eines Haus-Juristen, der die Geschäftsleitung und die Fachabteilung über neue Gesetze auf dem Laufenden hält)
- Einsprüche und Berufungsverfahren
- Abwicklung von Beschwerden (Beschwerde-Kommission einrichten)
- Ablage im Register (zur übergeordneten Informationssammlung)[2]
Nicht betrachtete Kosten
Durch die Berechnungsweise werden große Teile der Bürokratiekosten gar nicht erfasst, z. B.:
- IT-Kosten für die Umsetzung automatisierter Meldungen (sofern diese nicht in den Stundenlohn eingerechnet werden)
- Vermeidungskosten (z. B. um der Pflicht, einen Betriebsrat zuzulassen zu entgehen, wird eine Schwestergesellschaft gegründet)
- Unterlassene Investitionen oder Konsumausgaben
Anwendung in Deutschland
In Ostwestfalen-Lippe, Nordrhein-Westfalen, wurde für die Zwecke des Bürokratieabbaus die erste deutsche Pilotmessung nach dem niederländischen Standardkostenmodell durchgeführt.
Im April 2006 hat das Bundeskabinett das Programm "Bürokratieabbau und bessere Rechtsetzung" beschlossen. Die große Koalition hat die Einführung des international anerkannten und bewährten Standardkostenmodells beschlossen.[3]
Das Standardkostenmodell soll in Deutschland durch den Normenkontrollrat zum Bürokratieabbau verwendet werden. Dabei sollen die administrativen Belastungen der Unternehmen und Betriebe objektiv gemessen und ein konkretes Ziel zur Rückführung von Bürokratiekosten bis 2009 festgelegt werden.[4]
Quellen
- ↑ Bertelsmann Stiftung: Weniger Bürokratie in Deutschland Online Fassung
- ↑ Böhret, C; Konzendorf, G.: Handbuch Gesetzesfolgenabschätzung (GFA) – Gesetze, Verordnungen, Verwaltungsvorschriften, Baden-Baden: Nomos (2001)
- ↑ Hrsg. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Jahresbericht 2005/2006, Stand Oktober 2006, Seite 18, ISSN 1616-1874 Online-Fassung
- ↑ Die Wirtschaft, Das Wirtschaftsmagazin der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, Ausgabe Nr. 7-8/Juli-August 2006, Seite 9
Literatur
- Böhret, C; Konzendorf, G.: Handbuch Gesetzesfolgenabschätzung (GFA) – Gesetze, Verordnungen, Verwaltungsvorschriften, Baden-Baden: Nomos (2001)
- Brinkmann, H.; Ernst, T., Bertelsmann Stiftung: Moderne Regulierung für Deutschland - Messverfahren als Teil einer umfassenden Regulierungsreform, Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung (2005)
- Ernst, T., Bertelsmann Stiftung: Das „Standard Cost Model“ – Bericht von einer Informationsreise in die Niederlande, Berlin (2005)
- European Commission: Developing an EU common methodology for assessing administrative costs imposed by EU legislation – Report on the pilot phase, Brüssel (2005)
- Charité, D.; Kirkegaard, P.; Svensson, G.; Greve, J.: Das Standard-Kostenmodell – Konzept zur Definition und Quantifizierung des Verwaltungsaufwandes für Unternehmen durch staatliche Regulierung (2005)
- Fachhochschule d. Mittelstandes: Kreibohm, Zülka, Kaltenbrunner: Standardkosten-Modell - Erstes Deutsches Handbuch für das Messen und Reduzieren administrativer Belastungen für Unternehmen und Betriebe in Deutschland, Bielefeld (2005)
- Merk, Richard (Hrsg.) u.a.: Bürokratieabbau und Bürokratiekostenmessung in der Bundesrepublik Deutschland - Strategien und Modelle unter besonderer Berücksichtigung ausländischer Erfahrungen, Bielefeld (2005)
- Ministry of Finance Netherlands: Reducing administrative burdens: now full steam ahead, Interministerial Project Unit for Administrative Burdens (IPAL), www.compliancecosts.com (2005)
- Ministry of Finance Netherlands: The administrative burden declaration, www.administratievelasten.nl
- Richter, M.; Schorn, M.: Eine Definition des Bürokratiekostenbegriffs für Politik und Forschung, Schriften zur Wirtschafts- und Politikforschung Nr. 1, IWP Institut für Wirtschafts- und Politikforschung Richter & Schorn (2004)
- Schorn, M.: Ein Konzept zur Bürokratiekostenfolgeabschätzung – Zusammenfassung einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, Schriften zur Wirtschafts- und Politikforschung Nr. 1, IWP Institut für Wirtschafts- und Politikforschung Richter & Schorn (2004)
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Standardkostenmodell, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
