Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Stammtischparole

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Stammtischparole ist eine abwertende Bezeichnung für eine politische Stellungnahme, die der Bezeichner als Ausdruck mangelnder Bildung, mangelnden Intellekts, unhinterfragter Vorurteile oder eines fehlgeleiteten sozialen Gruppenegoismus empfindet oder darstellen möchte. Der Bezeichner macht sich dabei den Umstand zunutze, dass viele Menschen mit dem Wort „Stammtisch“ eine alkoholgeschwängerte, männerbündlerische Zusammenkunft einer Gruppe von Angehörigen bildungs- und einkommensschwacher sozialer Schichten verbinden.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Das Wort „Stammtisch“ bezeichnet im engeren Sinn einen Tisch in einer Gaststätte, der mehr oder weniger dauerhaft für Stammgäste reserviert ist, im übertragenen Sinn die an diesem Tisch stattfindenden mehr oder weniger ritualisierten Zusammenkünfte oder auch die an diesem Tisch zusammenkommende Gruppe. Der Begriff nimmt damit an sich keine Aussage über den Bildungsgrad, die Interessenlage oder die politischen Ansichten der Beteiligten vor. Gruppen von Kulturschaffenden können sich oder ihre Treffen ebenso als „Künstlerstammtisch“ oder „Literaturstammtisch“ bezeichnen, wie sich Gruppen von Brettspielbegeisterten in Form von „Spielestammtischen“ treffen können. Stammtische können damit ohne Weiteres ein ausgewogenenes Geschlechterverhältnis oder auch Frauenüberschuss aufweisen und in Intellektuellencafés ebenso wie in Szenekneipen anzutreffen sein.

Verbreiteter Ansicht nach sind die meisten Stammtische allerdings kleinbürgerlich-männliche Gegenstücke zum weiblichen Kaffeekränzchen: sie befinden sich in Bierlokalen oder vergleichbar niederschwelligen Etablissements, dienen hauptsächlich dem male bonding vergleichsweise bildungsferner und einkommensschwacher Männer und sind von der intellektuellen Anspruchslosigkeit der Beteiligten sowie von rituellem Alkoholkonsum geprägt. Aufgrund dieser Assoziation kann der Begriff der „Stammtischparole“ dazu benutzt werden, die so bezeichnete politische Positionierung als Ansicht einer Gruppe mehr oder weniger alkoholisierter, schlecht informierter und habituell antiintellektueller Proletarier zu diskreditieren.

Verwendung

Der Begriff der Stammtischparole wird meist metaphorisch gebraucht: eine Aussage muss nicht tatsächlich an einem Stammtisch entstanden sein, um wirkungsvoll als Stammtischparole bezeichnet werden zu können, ihr Herrühren aus einer Stammtischdiskussion muss nur grundsätzlich vorstellbar sein.

Als Stammtischparolen abqualifiziert werden hauptsächlich Stellungnahmen, die nicht nur pauschal aburteilen oder übergeneralisieren, sondern aus der Sicht Andersdenkender auch auf allgemeine intellektuelle Bequemlichkeit hindeuten und in eher einfacher Sprache gehalten sind („Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“). Auf Stellungnahmen, die zwar als vereinfachend gesehen werden können, die aber bewusste Auseinandersetzung mit politischen Fragen vermuten lassen („Hinter dem Faschismus steht das Kapital“) und darüber hinaus vielleicht auch noch im Soziolekt gebildeterer Gruppen formuliert sind („Genderdifferenzen sind sozial konstruiert“), wird der Begriff nur äußerst selten angewendet.

Literatur

  • Klaus-Peter Hufer: Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Materialien und Anleitungen für Bildungsarbeit und Selbstlernen. 3. Auflage. Wochenschau Verlag, Schwalbach am Taunus 1999, ISBN 3-87920-054-8

Weblinks

Persönliche Werkzeuge