Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Stadial

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Stadial bezeichnet eine Eisvorstoßphase innerhalb eines Glazials.

Die ca. 100.000 Jahre dauernden Glaziale sind zumeist nicht als ein kontinuierlicher, ununterbrochener Eisbvorstoß während einer stets gleich kalten Klimaperiode zu verstehen, sondern vielmehr als Perioden mit zwar langfristig betrachtet (100.000 Jahre) durchschnittlich kälterem Klima aufzufassen, die sich jedoch klimatisch und auch aufgrund ihrer geomorphologischen Hinterlassenschaften weiter untergliedern lassen. So war jedes Glazial (bei natürlich grundsätzlich kaltem Klima) geprägt von kleineren Temperaturschwankungen mit etwas wärmeren und wieder etwas kälteren Perioden, die sich jeweils über einige Jahrhunderte bis Jahrtausende erstreckten. Diese (im Vergleich zur Dauer des gesamten betrachteten Glazials) relativ kurzzeitigen Klimaschwankungen blieben aber nicht ohne Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Schneeakkumulation und Ablation der Inlandeise und Gletscher. Als Reaktion auf die Kilmaschwankungen kam es deshalb innerhalb eines Glazials zu Eisvorstoßphasen und dann wieder Phasen mit vermehrter Eisschmelze, die den Eisrand rückverlegten. Eine Eisvorstoßphase mit kälteren Temperaturen entspricht einem Stadial, während eine etwas wärmere Periode, die zu vermehrter Ablation führt, einem Interstadial entspricht.

Entsprechend der durch die Wechsel zwischen Stadialen (=Eisvorstoßphasen) und Interstadialen (=Eisrückzugsphasen) verursachten Dynamik des Eises als landschaftsformendes Element veränderten sich natürlich auch die glazigenen geomorphologischen Formungsprozesse mit dem Wechsel zwischen Stadialen und Interstadialen (z. B. Aufschüttung gestaffelter Endmoränenwälle, bedingt durch Sedimentation einer neuen Endmoräne nach vorheriger Rückverlagerung des Eisrandes aufgrund eines Interstadials).

Am besten rekonstruieren lassen sich die Stadiale und Interstadiale des letzten, jüngsten Glazials (Würm- bzw. Weichselglazial), da ihre geologischen Spuren natürlich besser erhalten sind als die vorheriger Vereisungen. Innerhalb des Würm-/Weichsel- Glazialkomplexes werden (abgesehen von der Untergliederung in Fini-, Goti-, Dani-, und Germaniglazial) zahlreiche Stadiale und Interstadiale unterschieden (einige Beispiele: "Ältere Dryas" (=Stadial) von 12900 bis 12700 b. p.; dann "Alleröd" (=Interstadial) von 12700 bis 11900 b. p.; dann "Jüngere Dryas" (=Stadial) von 11900 bis 10700 b. p.). Nach der "Jüngeren Dryas" als letztem Stadial des Würm-/ Weichsel- Glazialkomplexes beginnt dann das Interglazial des Holozäns, in dem wir heute leben.

Es herrscht zumeist ein sehr missverständliches Nebeneinander der Begriffe Eiszeit, Warmzeit, Glazial, Interglazial, Stadial und Interstadial. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass all diese Begriffe streng genommen etwas Unterschiedliches bedeuten und keiner dieser Begriffe als Synonym für den jeweils Anderen verwendet werden darf.

Siehe auch: Glazial, Eiszeit

Literatur

Thome, Karl N. (1998): Einführung in das Quartär. Das Zeitalter der Gletscher. Berlin: Springer- Verlag.

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Stadial, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen