Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Staatsversagen
Aus Kefk.
Unter Staatsversagen (auch Politikversagen) versteht man in den Wirtschaftswissenschaften durch staatliche Eingriffe in den Markt verursachte, suboptimale Ergebnisse. Diese können sich beispielsweise als mangelhafte Güterallokation, Instabilität oder Ineffizienz in der Produktion äußern. Als Teilbereich der Neuen Politischen Ökonomie kann Staatsversagen als Gegenstück zum Marktversagen aufgefasst werden.
Das Konzept des Staatsversagens wird vielfach interpretiert als Antwort auf die Keynesianische Schule, die wirtschaftspolitische Interventionen befürwortete. Kritiker der Keynesianischen Sichtweise hingegen versuchen, analog zum Marktversagen Situationen nachzuweisen, in denen staatliches Handeln systematisch zu Ineffizienz insbesondere bei der Bereitstellung öffentlicher Güter führt. Als Gründe hierfür nennen sie:
- Methodologischer Individualismus: als eigennutzenmaximierende Individuen seien Politiker in erster Linie machtorientiert, weshalb sie dem Gemeinwohl nur dienten, wenn sie sich daraus einen Vorteil versprächen
- Kurzfristige Perspektive: maßgeblich sei für Politiker in erster Linie die nächste Wahl. Daher würden unpopuläre Entscheidungen verzögert und die lange Sicht bei Entscheidungsfindungen vernachlässigt
- Die Ausrichtung an ihrem eigenen Vorteil mache wirtschaftspolitische Entscheidungsträger beeinflussbar durch Interessengruppen wie Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften. Dieses Verhalten sei für Wähler nur schwer zu kontrollieren. (Siehe hierzu auch Lobbyismus, Prinzipal-Agent-Theorie, politische Rente (rent seeking))
- Die Komplexität des Marktes führe zu Unsicherheit bei der Planung, der Ausführung und der kurz- und langfristigen Wirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen (Second-best)
- Diktat der Bürokratie: wenn die Bürokratie sich auf immer neue Handlungsfelder ausdehne und in der Folge keine Kosten-Nutzen-Analyse mehr stattfinde, verhindere sie den effizienten Einsatz der Produktionsfaktoren
Literatur
- Olivier Blanchard und Gerhard Illing, Makroökonomie. München 2004 (Pearson Studium). ISBN 3-8273-7051-5 (Kapitel 24)
- Arne Heise, Einführung in die Wirtschaftspolitik. Grundlagen, Institutionen, Paradigmen. UTB/Wilhelm Fink München 2005. ISBN 3-8252-8297-X (Kapitel 8)
