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Sperma

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Bild:Horse semen 2.jpg
Zu Zwecken der künstlichen Besamung gesammeltes Pferdesperma

Das Sperma (gr. σπέρμα, spérma, „Keim, Same“, vom Verb σπείρειν, speírein „säen“), auch das Ejakulat (von lat. eiaculari, „herausspritzen“), ist die Samenflüssigkeit männlicher Tiere und Menschen. Es setzt sich aus Spermien, Epithelzellen der Hodenkanälchen und der eigentlichen Samenflüssigkeit, dem Samenplasma, zusammen.

Sperma wird beim männlichen Orgasmus durch den Penis ausgestoßen. Beim Vaginalverkehr kann es durch den Kontakt von Sperma mit einer Eizelle zur Befruchtung kommen.

Bei vielen Würmern, Gliederfüßern, Weichtieren und auch noch bei einigen Amphibien (Molchen) dienen Spermatophoren (Samenpakete) anstelle des flüssigen Spermas zur Spermienübertragung, viele wasserlebende Tiere geben die Spermien direkt ins Wasser ab.

Die medizinische Untersuchung des Spermas wird Spermiogramm genannt.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Das frische Ejakulat ist milchig-trüb und leicht glänzend. Es ist schwach alkalisch. Gelegentlich (z. B. nach längerer Enthaltsamkeit) findet man gelbe Pigmente (sogenannte Flavine), wodurch das Sperma auch leicht gelblich wirken kann. Es riecht und schmeckt charakteristisch, etwa wie Weißer Moschus oder Kastanienblüten, verursacht durch Spermin. Es ist mit glasigen, klebrigen Fäden durchsetzt.

Unter UV-Licht leuchtet Sperma bläulich; auch Waschen befreit mit Sperma "kontaminierte" Gewebe nicht von der fluoreszierenden Eigenschaft, was für die Gerichtsmedizin von Bedeutung ist.

Spermien in an der Luft getrocknetem Sperma können bis zu zwölf Stunden überleben[1].

Zusammensetzung

Herkunft des Spermas [2]
Drüse Anteil
am Ejakulat
Hoden und Nebenhoden 5 %
Samenbläschen 45–80 %
Prostata 10–30 %
Cowpersche Drüsen 2–5 %

Sperma besteht aus zellulären Bestandteilen, den reifen Samenzellen (Spermien oder Spermatozoen, auch Samenfäden), und dem Sekret der akzessorischen (zusätzlichen) Geschlechtsdrüsen, dem Samenplasma.

Im Schnitt beträgt das Volumen einer menschlichen Ejakulation 2 bis 6 ml (ca. 5 Kilokalorien), wobei 1 ml durchschnittlich 20 bis 150 Millionen Spermien enthält (vgl. beim Hengst 200-300 Mio.). Das sind 0,5 % des gesamten Ejakulats – der Rest ist Samenflüssigkeit.

Die Samenflüssigkeit ist zudem meist leicht salz- und proteinhaltig (durch die Spermien) und enthält Dopamin, Noradrenalin, Tyrosin, die Bindungshormone Oxytocin und Vasopressin sowie verschiedene Östrogene, Pheromone (Geruchsstoffe), β-Endorphin und als Hauptbestandteil Wasser.

Es gibt Hinweise darauf, dass Bestandteile der Samenflüssigkeit die Produktion von Zytokinen in der Gebärmutter anregen. Diese begünstigen die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut[3].

Produktion

Spermien

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Geschlechtsorgane des Mannes.

Die Spermien entwickeln sich in den Hoden während der Spermatogenese. Dabei teilt sich eine Spermatogonie mitotisch in zwei Spermatozyten I. Ordnung. Diese teilt sich nun in der Ersten Reifeteilung in zwei Spermatozyten II. Ordnung. Diese haben im Gegensatz zum Spermatozyt I. Ordnung, der noch 46 Chromosomen enthält, nur noch 23 Chromosomen. In der zweiten Reifeteilung teilen sich die Spermatozyten II. Ordnung in Spermatiden, die dann zu Spermien reifen.

Samenplasma

Das Samenplasma wird aus Sekreten der sogenannten akzessorischen Geschlechtsdrüsen, also der Samenleiterampulle (Ampulla ductus deferentis), Samenblasendrüse (Glandula vesicularis), Vorsteherdrüse (Prostata), der Bulbourethraldrüse (Glandula bulbourethralis) und zu geringen Teilen aus Sekreten von Hoden und Nebenhoden gebildet.

Im Hoden und Nebenhoden, die nur 3–5 % des gesamten Volumens eines Ergusses beisteuern, wird neben den Spermien unter anderem auch Testosteron, das regulierend auf die Produktion der Samenzellen wirkt, und eine Flüssigkeit, die zum Reifen und Ruhigstellen der Samenzellen beiträgt, produziert.

Die Samenbläschen sind paarig angelegte Drüsen, die aus einer verschlungenen Röhre bestehen. Die Innenwand dieser Röhre besteht aus sekretorischem Epithel. Das Sekret der Samenbläschen steuert das meiste Volumen, ca. 50–70 %, des Ejakulats bei. Sie dient der Verflüssigung des Ejakulats und enthält Fruktose (Fruchtzucker) und andere Stoffe die der Ernährung der Samenzellen dient, außerdem große Mengen an Prostaglandinen und Fibrinogen. Semenogelin verleiht dem frischen Ejakulat eine gelartige Konsistenz[4], die Prostaglandine tragen zur Befruchtung bei, indem sie die Gebärmutterschleimhaut empfänglicher für die befruchtete Eizelle machen[5], und möglicherweise indem sie die glatte Muskulatur in der Gebärmutterwand zu peristaltischen Bewegungen anregen, die die Spermien in Richtung Eierstöcke bringen. Außerdem verhindern sie Infektionen im männlichen Geschlechtstrakt[6].

Beim Erguss steuert die Prostata (Vorsteherdrüse) noch 10–33 % in Form einer dünnflüssigen, milchigen Flüssigkeit bei. Die Kapsel der Prostata zieht sich ebenso wie das Samenbläschen während der Ejakulation zusammen, so das die Flüssigkeit der beiden Organe vermischt und ausgestoßen wird. Das Sekret der Prostata enthält Ionen (Natrium, Kalium, Zink und Magnesium, Calcium, Citrationen, Phosphationen), ein Gerinnungsenzym und Profibrinolysin. Der pH-Wert ist leicht sauer (pH 6,4). Dies ist besonders bedeutsam, da Spermien erst bei einem pH-Wert von 6.0 bis 6.5 optimal beweglich werden. Weiterhin ist PSA (Prostataspezifisches Antigen) enthalten, um die Spermien beweglich zu machen. Die Prostata entlässt außerdem weiße Blutkörperchen, verschiedene Granulozyten ins Samenplasma, normalerweise 1 (max. 2) Millionen pro 1 ml. Daher auch die Infektiösität des Spermas (z. B. HIV). Der charakteristische Geruch des Spermas wird durch das gleichfalls von der Prostata bereitgestellte Spermin verursacht.

Vorab, ausgelöst durch die Erregung, innerviert der Parasympathikus die Cowperschen Drüsen und regt sie zur Sekretion eines verhältnismäßig kleinen Anteils von 2–5 % klaren Schleims, auch Lusttropfen genannt, an. Das schleimige Sekret dient vermutlich vor allem der Neutralisierung von Harnresten, eventuell auch des sauren Scheidenmilieus.

Menschliches Sperma

Während Erektionen bereits beim Säugling auftreten, beginnt die Produktion von Sperma in der Regel erst mit dem Einsetzen der Pubertät. Sperma wird auch ohne (manuelle) Stimulation, in Pollutionen während des Schlafes ausgestoßen, wenn der Betreffende über einen längeren Zeitraum keinen Orgasmus hatte. Bei einer solchen Pollution entledigt sich der Körper dabei der Spermien, die länger als zehn Tage reif sind.

Klinische Bedeutung

Sperma kann auch Krankheitserreger wie das HI- oder das Hepatitis B-Virus enthalten; die betreffenden Krankheiten sind also sexuell übertragbar.

Manche Frauen reagieren mit verschiedenen Allergiesymptomen auf das Sperma ihres Partners. Spermaallergien sind sehr selten und noch wenig erforscht. Die betreffenden Frauen reagieren auf ein Protein im Sperma allergisch; die Symptome gleichen denen einer Pollenallergie[7][8].

Häm(at)ospermie bezeichnet das Auftreten von Blut im Sperma. Dies kommt bei akuter oder chronischer Samenblasenentzündung, bei Tuberkulose, Verstopfung, Entzündungen oder Verletzungen vor.

Antidepressive Wirkung

In einem Artikel des New Scientist vom 26. Juni 2002 mit dem Titel „Semen acts as an anti-depressant“[9] wird über eine Studie von Gordon Gallup von der State University of New York berichtet, in der festgestellt wurde, dass verschiedene Bestandteile des männlichen Samens, unter anderem Hormone wie Testosteron, Östrogen und das Follikelstimulierende Hormon, Prolactin und verschiedene andere Prostaglandine (Sekrete der Prostata-Drüse) eine anti-depressive, also stimmungsaufhellende Wirkung auf die Frau haben könnten. Bisher wurde lediglich die Aufnahme dieser Stoffe mittels vaginaler Absorption untersucht.

Quellen

  1. Heiskanen ML, Pirhonen A, Koskinen E, Maenpaa PH.: Motility and ATP content of extended equine spermatozoa in different storage conditions. PMID 3479564
  2. Das Sperma bei Netdoktor.de
  3. Ohne Samenflüssigkeit wächst die Eizelle nicht; Artikel in Die Welt, erschienen am 5. Februar 2005.
  4. H.H. von Horsten: HE2, ein humanes Spermienoberflächenantigen epididymaler Herkunft. Dissertation, Fachbereich Biologie der Universität Hamburg, 2002. online (abgerufen am 28. Februar 2007).
  5. Robertson SA.: Seminal plasma and male factor signalling in the female reproductive tract. PMID 15909166
  6. Clavert A, Cranz C, Bollack C.: Functions of the seminal vesicle. PMID 2132069
  7. Ärzteverband Deutscher Allergologen / Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: Presseerklärung: Allergisch auf den eigenen Mann?, Juli 2000
  8. Weidinger S, Ring J, Kohn FM.: IgE-mediated allergy against human seminal plasma. PMID 16129942
  9. New Scientist vom 26.6.02

Literatur

  • Robert F. Schmidt, Florian Lang, Gerhard Thews: Physiologie des Menschen. Springer, Berlin 2004, ISBN 3540218823
  • Stefan Silbernagl, Agamemnon Despopoulos: Taschenatlas der Physiologie. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3135677060

Weblinks

wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Sperma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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