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Suspense
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Suspense (engl. für "Gespanntheit") ist ein Begriff aus den Kulturwissenschaften, der ein Gefühl der Spannung in Zuschauern oder Lesern kennzeichnet. Er leitet sich von dem lateinischen "suspendere" ab: "in Unsicherheit schweben" hinsichtlich eines bestimmten Eintreffens. Dadurch wird ein Spannungsbogen im Ablauf erzeugt.
Die englische Sprache unterscheidet anders als das Deutsche zwei grundlegend verschiedene Spannungskonzepte, wie Patricia Highsmith in ihrem Werkstattbericht "Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt" ausführlich erörtert. "Tension" bezeichnet eine akute Bedrohungssituation, die zumeist nur kurz anhält (und sich nur bedingt zeitlich strecken lässt). Der Kontext der Erzählung ist für diese Form der Spannung i. d. R. unerheblich. Wird beispielsweise der Filmheld unmittelbar von einem Mörder angegriffen, so ist dieser Vorgang in praktisch jeder Situation spannend. Überraschung ist ein wesentliches Moment zur Erzeugung von Tension. "Suspense" hingegen beschreibt einen weiter gefassten Spannungsbogen und ist ohne die semantischen Zusammenhänge kaum vermittelbar. Im obigen Beispiel könnte der Mörder nach einem gescheiterten Anschlag entkommen. Dadurch wäre die Gefahr eines erneuten Angriffs gegeben, und die Spannung bleibt erhalten, ohne dass die weitere Handlung selbst bedrohliche Elemente enthalten muss. Im Gegensatz zum Überraschungsmoment basiert Suspense auf dem Konzept der Vorhersehbarkeit.
Suspense ist neben der Überraschung eines der wesentlichsten Mittel dramatischen Erzählens. Durch geschickte Mischung der Spannungselemente können diese sich gegenseitig verstärken.
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Bestandteile
Suspense zerfällt in Erwartung und Zweifel. Die Erwartung ist an die Vorstellung von etwas künftig Eintreffenden geknüpft. Da jede vorgestellte Zukunft auch nicht eintreffen kann, ist ihre Erwartung immer auch mit der Vorstellung von Nicht-Erfüllung oder – positiver – dem Eintritt von etwas anderem verbunden, dessen Wahrwerden die Verwirklichung des ursprünglich Erwarteten verhindern würde. Im Zustand von Suspense oder Spannung springt nun die Phantasie des Zuschauers zwischen solch entgegengesetzten Zukunftsvorstellungen, einer befürchteten und einer erhofften ("Er schafft's!" - "Er schafft's nicht!" - "Er schafft's doch!" usw.), hin und her.
Sorten
Je nach Erwartungs-Inhalt handelt es sich um eine Entscheidungs- oder Erklärungsspannung; im ersten Fall ist man gespannt auf den Ausgang des Außen- oder Innenkampfes zwischen Held und Widerspiel, im zweiten auf die Erklärung eines rätselhaften Umstands (in der Regel eines Mords im Kriminalroman). Entscheidungs- beziehungsweise Erklärungsspannung bedingen unterschiedliche Formen der Überraschung.
Zum Ziel der Erwartung können entweder berechnende oder beschwörende Handlungen führen. Die Berechnung steht etwa bei einem ungestört verlaufenden Diebstahl im Vordergrund, die Beschwörung bei einer Liebeswerbung. Beim (unmanipulierten) Glücksspiel helfen weder die Berechnung noch die Beschwörung, daher hat es eine besondere dramaturgische Bedeutung.
Stärke
Die Stärke des Spannungsgefühls hängt von der Wichtigkeit der vorgestellten künftigen Ereignisse für den Protagonisten , mehr noch aber für den Zuschauer (wie brennend seine persönlichen Interessen davon berührt sind) ab sowie von der Erheblichkeit des Unterschiedes zwischen Erhofftem und Befürchtetem.
Verlauf
- Anspannung – künftiges Ereignis taucht in Phantasie auf
- Überraschung – Nicht-Erfüllung oder Eintreffen von etwas anderem scheint möglich
- Verwicklung – Voraussetzungen der Erfüllung vollziehen sich eine nach der anderen, unterbrochen durch neue zweifelbegründende Ereignisse
- Lösung – nach den Erfahrungsgesetzen muss die Erfüllung, indem der Ring der Notwendigkeiten sich schließt, eintreten
Erzeugung
- Titel stiften bestimmte Erwartungen: "Jäger des verlorenen Schatzes", "Der Freund meiner Freundin", "Tod eines Handlungsreisenden", "Warten auf Godot"
- Genre-Konventionen implizieren ein bestimmtes Eintreffen (z.B. der Überwältigung des Widersachers durch den Helden oder die Klärung des Rätsels durch den Ermittler/Detektiv)
- Informationsvergabe
- Konflikt zwischen Beleidigtem (Protagonist) und Beleidiger (Antagonist) oder in der Brust des Beleidigten (Innenkampf) stellen einen Entscheidungskampf in Aussicht, auf dessen Ausgang man spannt
- ein überraschender Vorfall – häufig ein Mord (Whodunnit) – heischt nach Aufrollung seiner Vorgeschichte, auf deren Klärung man gespannt ist
- Mantik – Träume, Ahnungen, Sinnbilder, Vorhersagen, aufziehendes Wetter oder verheißende Musik implizieren ein bestimmtes Eintreten
Geschichtliche Entwicklung
Suspense als öffentlich geduldetes und gefördertes Medienphänomen gibt es erst seit dem Sport oder dem Bühnenmelodram seit dem späteren 18. Jahrhundert. Das öffentliche Entfachen starker Emotionen setzt ein recht hohes Zivilisationsniveau voraus, um nicht aus dem Ruder zu laufen. Zudem stand die christlich-mittelalterliche Ethik, die sich in Opposition zu den römischen Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen entwickelt hatte (Tertullian), jeder Art von Suspense entgegen: Alle Versuche, etwas gemeinsam zu planen und gespannt auf Bestätigung zu warten, hatten kaum Wert gegenüber der Hoffnung, von Gott oder andern Autoritäten erhört zu werden. Erst die Französische Revolution brachte diese Gnadenordnung grundsätzlich ins Wanken.
Im Film gilt seit 1962 das anschauliche Beispiel, das Alfred Hitchcock François Truffaut in Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? gab. Sinngemäß und verkürzt wiedergegeben: Wenn eine unter einem Tisch versteckte Bombe, auf dem gefrühstückt wird, plötzlich explodiert, ist dies ein Schreck und unterhält 20 Sekunden, wenn der Zuschauer die Lunte jedoch lange brennen sah und die Figuren nichts davon ahnten, ist dies Suspense und fesselt fünf oder zehn Minuten. Einsatz filmischer Mittel und Kostenpunkt bleiben sich gleich, bei besserem Effekt. Dementsprechend gilt Alfred Hitchcock als "master of suspense". Zwar wurden Techniken der Spannungssteigerung und Suspenseerzeugung schon lange in narrativen Medien benutzt, doch perfektionierte er sie und prägte damit die Filmlandschaft.
Siehe auch
Melodram (Theater), Thriller, Actionfilm, Sport
Literatur
- Patricia Highsmith: Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt, Zürich: Diogenes Verlag 1985, ISBN 3-2570-1685-9
- Henning Eichberg: Leistung, Spannung, Geschwindigkeit. Sport und Tanz im gesellschaftlichen Wandel des 18./19. Jahrhunderts. Stuttgart: Klett 1978
- Peter Vorderer, Hans J. Wulff, Mike Friedrichsen (Hrsg.): Suspense: Conceptualizations, Theoretical Analyses, and Empirical Explorations. Hillsdale NJ: Lawrence Erlbaum 1996
- Eric Dunning, Norbert Elias: Sport und Spannung im Prozess der Zivilisation. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003
- Ralf Junkerjürgen: "Spannung - Narrative Verfahrensweisen der Leseraktivierung. Eine Studie am Beispiel der Reiseromane von Jules Verne", Frankfurt a. M. usw.: Peter Lang, 2002.
Weblinks
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