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Sozialpsychiatrie
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Die Sozialpsychiatrie ist eine Arbeits- und Betrachtungsweise innerhalb der Psychiatrie, die besonders die sozialen Ursachen von psychischen Störungen in den Vordergrund der Betrachtung rückt. Die sozialen Bezüge und die familiären und gesellschaftlichen Bedingungen der Patienten werden gleichberechtigt neben den sonst üblichen medizinischen Aufmerksamkeitsschwerpunkten bewertet. Neben diesen körperlichen, neurologischen und psychischen Aspekten bekommt also das soziale Umfeld eine besondere Bedeutung zugewiesen und gilt als ursächlicher Auslöser für viele Störungen.
Gemeindepsychiatrie
Die Gemeindepsychiatrie ist die Hilfe für Psychisch Behinderte (d.h. Patienten oder Klienten, die nicht nur vorübergehend krank sind) auch in der Gemeinde, das heißt außerhalb der großen Anstalten und der Praxen der niedergelassenen Psychiater. Somit ist sie eine praktische Anwendung der Sozialpsychiatrie. Sie ist, wie auch die Antipsychiatriebewegung, entstanden als Antwort auf die großen Anstalten und die Zustände in diesen.
Dazu gehören:
- psychiatrische Stationen an allgemeinen Krankenhäusern
- der Sozialpsychiatrische Dienst
- ambulante psychiatrische Pflege (APP)
- eine Tagesstätte
- evtl. Arbeitsangebote wie z.B. eine Werkstatt für behinderte Menschen
- evtl. ein Verein, der sich im Betreuten Wohnen betätigt
- evtl. eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)
- Angebote wie Ergotherapie, Musiktherapie, Gespräche. Für Klienten, die diese Dinge in von Monat zu Monat verschiedenem Umfang in Anspruch nehmen, wird zurzeit in einigen Landkreisen das Modell: "Persönliches Budget" getestet.
In einigen Landkreisen haben sich Gemeindepsychiatrische Zentren (GpZ) entwickelt. Dies ist in der Regel ein Haus, das mehrere Hilfsangebote zusammenfasst, u.a. eine Tagesstätte, dies ist jedoch keine Tagesklinik.
Im Gegensatz zum Besuchen einer Tagesstätte ist der Aufenthalt in einer Tagesklinik eine spezielle Form der Krankenhausbehandlung. Fachkräfte: Sozialpädagogen, Beschäftigungs- bzw. Ergotherapeuten, Arbeitstherapeuten (heißt auch Arbeitserzieher), evtl. Ärzte, evtl. Verwaltungsfachkräfte bzw. Sekretärinnen, evtl. eine Hauswirtschaftsleiterin.
Beispiel für die Entstehung eines Gemeindepsychiatrischen Zentrums: Friedrichshafen, Bodenseekreis:
In Friedrichshafen existierte zunächst bis 2003 eine Tagesstätte mit Werkstatt, getragen von der BruderhausDiakonie und dem Verein Pauline 13 e. V. In der Tagesstätte war ein hauswirtschaftlicher Bereich mit Küche, so dass die Besucher der Tagesstätte und die in der Werkstatt beschäftigten Behinderten zu Mittag essen konnten. Behinderte konnten dort nicht nur in der eigentlichen Werkstatt, sondern auch im hauswirtschaftlichen Bereich arbeiten.
Sowohl in der Werkstatt als auch im hauswirtschaftlichen Bereich gibt es ein niederschwelliges Arbeitsangebot für Patienten, die nur wenige Stunden am Tag arbeiten können oder wollen. Dieses niederschwellige Arbeitsangebot heißt Zuverdienst.
Da es im Bodenseekreis so viele verschiedene Träger von Hilfsangeboten für Psychisch Behinderte gibt, findet ungefähr einmal im Monat eine so genannte Hilfeplankonferenz statt.
Die Einrichtung ist Anfang 2004 in ein größeres Haus umgezogen, wobei folgendes noch dazu kam: der Sozialpsychiatrische Dienst, die Pauline 13 e.V., einige Mitarbeiter des Psychiatrischen Pflegediensts, und die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA). Seither nennt sich das ganze Gemeindepsychiatrisches Zentrum (GpZ).
Literatur
- Wollschläger (Hrsg. ), Sozialpsychiatrie. Entwicklungen Kontroversen Perspektiven, Tübingen: 2001.
- Christ, Jakob: Erlebte Sozialpsychiatrie. Von amerikanischen Anfängen und europäischen Traditionen (Edition das Narrenschiff). Psychiatrie-Verlag, Bonn 2002, ISBN 978-3-88414-302-5
- Konrad, M. / Schock, S. / Jäger, J.: Dezentrale Heimversorgung in der Sozialpsychiatrie. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2006, ISBN 978-3-88414-411-4
- Krisor, Matthias: Aufgehoben in der Gemeinde. Entwicklung und Verankerung einer offenen Psychiatrie. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2005, ISBN 978-3-88414-387-2
Weblinks
- Weitere Informationen über Sozialpsychiatrie http://www.psychiatrie.de/startseite
- Information über Gemeindepsychiatrie u.a. http://www.ibrp-online.de
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