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Sockenpuppe (Netzkultur)
Aus Kefk.
Der Begriff Sockenpuppe (auch: Smurf, Multiaccount, Second) bezeichnet in der Kommunikation im Internet ein zweites oder weitere/mehrere Benutzerkonten, die angelegt werden, um eigene Argumente innerhalb einer Online-Community mit mehreren „Stimmen“ zu vertreten oder Regeln der Community zu unterlaufen. Die Bezeichnung spielt auf einen Bauchredner an, der sich mit seiner Sockenpuppe „unterhält“.
Das Anlegen derartiger Zweitkonten wird sehr ungern gesehen. Die Aufdeckung von Sockenpuppen führt häufig zum Ausschluss aller bekannten Benutzernamen. Die gegen Sockenpuppen gerichtete Konvention orientiert sich an Umgangsformen in der „realen Welt“ außerhalb des Internets: Dort, in der Netzkultur auch „Real Life“ genannt, wird erwartet, dass eine Person genau eine Identität hat.
Ein neues Benutzerkonto, das angelegt wird, weil beispielsweise der Name gewechselt werden soll oder das Passwort vergessen wurde, gilt nicht als Sockenpuppe.
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Nachweis von Sockenpuppen
Der Nachweis einer Zweit-Identität ist meist schwierig. Mögliche Hinweise:
- erhebliches Wissen eines Neulings über Technik, Regeln, Community-Mitglieder und Umgangsformen,
- alleiniges Einmischen in Diskussionen und umstrittene Artikel,
- Einmischen in komplizierte Sachverhalte und Vertreten umstrittener Positionen,
- sehr ähnlicher Diskussionsstil,
- gemeinsame IP-Adresse,
- Sockenpuppen verhalten sich anders als gewöhnliche Neulinge,
- Sockenpuppen starten gelegentlich harte Scheindiskussionen, um ein Thema in den Mittelpunkt des Interesses zu bringen,
- versteckte oder direkte Hinweise der Sockenpuppe auf ihr Sockenpuppentum.
Diese Hinweise können aber auch anders gedeutet werden, insbesondere weil viele Nutzer erst nach längerer anonymer Mitarbeit sich dazu entschließen, ein Benutzerkonto anzulegen.
Problematik von Sockenpuppen
Wegen der relativ einfachen Möglichkeit, Sockenpuppen zu erschaffen, ist es in offenen Wikis oder Webforen schwierig, demokratische Abstimmungen nach dem Prinzip: „Ein Mensch, eine Stimme“ durchzuführen.
Sockenpuppen werden auch angelegt, um andere Internetbenutzer zu karikieren oder andere Benutzer oder deren Argumente zu diskreditieren, etwa durch absichtliches Einfügen charakteristischer Argumentationsteile anderer Benutzer, durch Nutzung einer ähnlichen IP-Adresse oder durch ähnliche Namensgebung (Signatur).
Da sich ein Benutzer mit Sockenpuppen-Account nicht offiziell für seine Beiträge rechtfertigen muss, werden insbesondere bewusst störende oder sonst unproduktive Beiträge, in der Wikipedia auch nicht neutrale Beiträge, als Sockenpuppe von sich gegeben.
Vorteile von Zweitkonten
Zweitkonten können auch verwendet werden, um private, dienstliche oder offizielle und anonyme Äußerungen voneinander zu trennen, oder für verschiedene Funktionen und Themengebiete. Wenn das offizielle Benutzerkonto einen Rückschluss auf die wahre Identität des Benutzers zulässt, ist es für Angestellte ggf. notwendig, von ihrer Arbeitsstelle aus unter einem anderen Benutzerkonto zu editieren, um arbeitsrechtliche Nachteile zu vermeiden. Personen, die z.B. aufgrund einer beruflichen oder ehrenamtlichen Funktion bestimmte Standpunkte nicht offen meinen äußern zu können, können dies mit Hilfe von Sockenpuppen tun. Ähnliches gilt für sozial integrierte Benutzer, die mit einzelnen Meinungen ihren Bekannten- und Freundeskreis nicht enttäuschen möchten. Unabhängig von den vertretenen Inhalten befürchten manche Benutzer Nachteile für den Fall, dass bekannt würde, dass sie in teilweise tabusierten Themenfeldern wie z.B. Pornographie editieren und benutzen deswegen Sockenpuppen.
Wenn eine anspruchsvollere Arbeitsstelle besetzt werden soll, wird in immer stärkerem Umfang von den Personalverantwortlichen ein Google-Suchlauf hinsichtlich des Namens des Bewerbers durchgeführt. Je nach zu besetzender Arbeitsstelle und Vorlieben des potentiellen Arbeitgebers kann sich z.B. eine identifizierbare Communtiy-Tätigkeit positiv, eher aber negativ auswirken. Dies bezieht sich nicht nur auf die vertretenen Inhalte, sondern auch auf die Intensität der nachvollziehbaren Internetaktivität. Die Benutzung einer Sockenpuppe kann den Bewerber davor schützen.
Durch mehrere Konten wird auch die Anonymität besser geschützt, da Interessen- und Persönlichkeitsprofile nicht mehr so leicht erstellt werden können.
Sockenpuppen in Internet-Foren
Der Begriff wird auch in Internetforen verwendet. Er beschreibt allgemein Zweit-Accounts von bereits registrierten Usern, findet aber im besonderen Verwendung bei gesperrten Usern, die sich immer wieder neue Accounts anlegen, um trotzdem in das Forum schreiben zu können (oft Spam oder Flames).
Sockenpuppen in Computerspielen
Bei Multiplayer-Computerspielen ist Smurf (vom englischen Wort für Schlumpf) ein gebräuchlicher Ausdruck zum Erstellen eines neuen Accounts bei Spielen.
Beispielsweise bei WarCraft III erstellen viele professionelle Spieler, die bereits einen Account in den Top 20 besitzen, einen sogenannten Smurf-Account, der wieder von Null beginnt und sie schnell hochsteigern lässt (u. a. auch, um ihre Gewinnrate zu steigern), da sie die ersten 100 Spiele meist nur gegen Neulinge spielen. Ursprünglich wurde der Smurf-Account generiert, um vor anderen Profis geheim zu sein (da man meist unter einem ganz bestimmten Namen bekannt geworden ist).
Ein PlayStation-2-Spiel, bei dem es Sockenpuppen-Nutzer gibt, ist Formel Eins 05. Da das Bugusing darin sehr leicht möglich ist, legen viele professionelle Spieler einen zweiten oder sogar einen dritten Account an, um einen für Bugusing zu haben und einen für die reguläre „Jagd“ nach guten Rundenzeiten für die Rangliste. Dies wird unter den Spielern mit nur einem Account äußerst ungerne gesehen, da sie in den Ranglisten somit von vielen Bugusern von den vorderen Plätzen verdrängt werden.
Verwandte Themen
- Trolle im Internet sind Benutzerkonten, die zu Provokationen und anderem Unfug genutzt werden.
- Ein Faker tritt unter falscher Identität auf.
- Ein Pseudonym ist ein erfundener Name, der häufig die echte Identität verbergen soll.
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