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Skiffle

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Skiffle ist Musik, die auch auf unkonventionellen, improvisierten Instrumenten gemacht wird. Nicht der Wert des Instruments ist entscheidend, sondern der Spaß und die Geräuschentwicklung. Neben der Gitarre und Banjo findet man Waschbrett und Teekistenbass, selbst Geräte wie Eimer, Tonne und Gießkanne finden Verwendung. Mit diesem Instrumentarium wird eine Musik erzeugt, die ihre Hörer oft durch ihre Originalität verblüfft.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Skiffle basiert sowohl auf der anglo- also auch afro-amerikanischen Folk-, Country-, Blues- und Jazzmusik. Der Begriff tauchte zum ersten Mal 1925 auf Schallplatten von Jimmy O'Briant and His Chicago Skifflers auf.

1948 spielten Dan Burley and His Skiffle Boys unter der Leitung des Barrelhouse-Pianisten und Journalisten Burley der Bassist Pops Foster (New Orleans) und die Brüder Brownie und Sticks McGhee (Gitarre).

Ab 1953/54 wurde Skiffle von Traditional Jazz-Musikern wie Ken Colyer und Chris Barber, aber auch von Alexis Korner und Lonnie Donegan in Großbritannien bekannt gemacht. Mit Lonnie Donegans erstem Hiterfolg (Rock Island Line), begann 1956 der Skiffle-Boom, der in Großbritannien eine Vielzahl von Teenagern zur Gitarre und zum Waschbrett greifen ließ. Obwohl Donegans Band ab 1956 mit der gleichen Standardinstrumentierung wie die Rockbands auftrat (Leadgesang, Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Kontrabass und Schlagzeug), begannen die Teenager nach dem Beispiel der amerikanischen Jugbandmusik der 20er Jahre neben dem Waschbrett auch weitere improvisierte Instrumente wie Jug, „Teekistenbass“, Kazoo usw. einzusetzen. Diese Instrumente sind daher mit dem Klischee „Skifflemusik“ untrennbar verbunden. Auch andere professionelle Skiffle-Bands der Jahre 1956 bis 1958 verzichteten auf unkonventionelle Instrumente: Vipers Skiffle Group, Chas McDevitt Skiffle Group, Dickie Bishop & His Sidekicks (eine der ersten Gruppen, die mit elektrischer Bassgitarre anstelle eines Kontrabasses auftraten).

Skiffle - The Story Of Folk Song With A Jazz Beat[1] war der vielsagende und treffende Titel des ersten, 1958 erschienenen Buches über diese Musikrichtung.

Lonnie Donegan wurde zum Vorbild vieler britischer Pop-Superstars der 60er und 70er Jahre, die als Teenager in den 50er Jahren mit Skiffle begonnen hatten, so zum Beispiel die Beatles, die Rolling Stones, Eric Clapton, Mark Knopfler, Elton John, Rod Stewart, Chris Farlowe, Van Morrison, The Kinks, Led Zeppelin, Roger Daltrey, Simply Red etc.

Ab 1958 verschwand Skiffle weitgehend aus der Popmusik, nur Lonnie Donegan hielt sich noch einige Jahre erfolgreich an der Spitze und landete einige Hits wie My Old Man's a Dustman und Does Your Chewing Gum .... Ab 1962 dominierte die Beatmusik dann die Hitparaden und verdrängte damit endgültig die Skifflemusik.

Trotzdem hatten einige Skiffle-Hits in den folgenden Jahren noch Erfolge:

  • 1970 Mungo Jerry mit In the Summertime,
  • 1972 die Les Humphries Singers mit Mexico (eine Adaption von Jimmy Driftwoods Battle Of New Orleans, das seit 1959 auch in Lonnie Donegans Repertoire zu finden war);
  • Mitte der 70er The Walkers aus den Niederlanden mit Ain´t No More Cane on the Brazos, eine Coverversion von Lonnie Donegans 1956er Aufnahme dieses Titels. Die Single der Walkers verkaufte sich 3,2 Millionen Mal in den Benelux-Ländern;
  • 1995 Rednex mit Cotton Eyed Joe', eine Art „Skiffle Update“.
  • Anfang 2000 fand Lonnie Donegan auch wieder zurück in die internationalen Charts einiger Länder wie USA, Großbritannien und Deutschland - durch die Zusammenarbeit mit Van Morrison beim Album The Skiffle Sessions - Live In Belfast

Deutschland

In der Pre-Beat-Ära gab es auch in Deutschland in den späten 50ern und frühen 60ern etliche Skifflegruppen, aus denen zum Beispiel Reinhard Mey oder die bekannten Lords hervorgingen, die mit einigen Donegan-Covern sogar große Hiterfolge feiern konnten (Have A Drink On Me, Over In The Gloryland).

Revivals

Doch Skiffle überlebte vor allem auf dem Live-Markt, so gab es ein erstes großes Skiffle-Revival im Deutschland der 70er: Wichtigste Interpreten: Leinemann / Hamburg (mit Ulf Krüger, Lonzo Westphal, Gottfried Böttger, Ulli Salm u.v.a.), Bourbon Skiffle Company (Hannover), Black Bottom Skiffle Group (München), Heupferd Jug Band (mit Götz Alsmann), Caddy Ltd. (Hannover), Some Old Friends (Essen), Walter h.c. Meier Pumpe, High Life Skiffle Band (Berlin), Dusty Region Shuffle (Duisburg) u.v.a.

Mitte der 90er Jahre gab es ein erneutes Skiffle-Revival, diesmal mit Schwerpunkt Großbritannien. Es begann mit der Verleihung des Ivor Novello Awards an Lonnie Donegan für sein Lebenswerk. An diesem Abend jammte er spontan mit Van Morrison, und Van bearbeitete ihn gemeinsam mit Lonnies damaligem Bassisten Brian Hodgson, nach über 20 Jahren wieder ein Studioalbum einzuspielen und zu veröffentlichen (es erschien 1999: Lonnie Donegan - Muleskinner Blues).

Höhepunkt des englischen Skiffle-Revivals der 90er war jedoch das Konzert in der Royal Albert Hall am 7. Dezember 1998, "Skiffle - The Roots Of British Rock", u.a. mit Chas McDevitt, Nancy Whiskey, Ray Bush, Tony Sheridan, Diz Disley, The Lonnigans Skiffle Group, Chas & Dave, Lonnie Donegan & his Band etc.

"But the train rolls on", das Skiffle-Revival geht weiter. Schwerpunkte gibt es in Großbritannien (wo u.a. die Donegan-Söhne Tony & Peter wie auch die Paul Leegan Band und der junge Warren James sehr rege sind), in Deutschland und den Niederlanden (eine gut gepflegte Liste der bekannten aktiven Skiffle Gruppen findet man auf www.skiffle.net).

In Finnland und Hamburg haben sich in den letzten Jahren recht erfolgreiche Skiffle-Festivals etabliert, die neben lokalen Gruppen auch Austausch betreiben und Gäste von Nah und Fern einladen.

In Finnland ist es das "Kihveli Soikoon", ein dreitägiges Event mit mehreren tausend Zuschauern, regelmäßig im Juli in dem kleinen Ort Hankasalmi bei Jyväskyla in Mittelfinnland. Dort treten neben finnischen Bands auch immer Gäste aus England und Deutschland auf, wobei der Begriff "Skiffle" dort musikalisch nicht allzu eng gesehen wird. Die Lokalmatadoren "Werner Bros." sind ein Erlebnis für sich.

In Hamburg findet das eher traditionelle Hamburger Skiffle Festival jährlich Ende Januar statt, dort spielen mehrere Hamburger Bands und ein paar deutsche oder europäische Gastbands an einem Sonntag Nachmittag in der berühmten "Fabrik". Fast 1000 Zuschauer feiern regelmäßig Gäste wie die "Werner Bros." oder die "Bourbon Skiffle Company". Hamburger Skiffle Festival

Seit 2005 findet im September ein weiteres Festival, die "Summer Skiffle Night" im Freilichtmuseum Kiekeberg im Süden von Hamburg statt. Dort spielen Skiffle-Bands auf drei verschiedenen Bühnen in historischen Häusern, wodurch noch mehr Vielfalt entsteht. Auch hier sind neben Bands aus Hamburg und Umgebung immer mehr deutsche oder europäische Gastbands dabei. Hamburger Skiffle Festival

Nach Lonnie Donegans Tod am 3. November 2002 gibt es auch verschiedene Tribute To Lonnie Donegan-Aktivitäten, so z.B. die seit 1997 aktive Paul Leegan Band / Coventry / England, das Royal Albert Hall Konzert "(An emotional tribute to) Lonnie Donegan: Rock Island Line" u.a., die Musical-Tournee "The Story Of Lonnie D." mit Lonnies Band und seinen Söhnen Peter & Anthony (im Herbst 2004 in Großbritannien auf Tour) oder die 2003/2004 im BMB-Studio in Essen / Deutschland laufende CD-Produktion "An International Tribute To Lonnie Donegan".

Lonnie Donegan

Lonnie Donegan (1931-2002) wurde zum "King Of Skiffle", da er zwischen 1956 und 1962 mit Abstand die meisten Titel in den britischen und amerikanischen Charts platzieren konnte, so zum Beispiel

Rock Island Line (1956),
Lost John (1956),
Putting On The Style (1957),
Don´t You Rock Me Daddy-O (1957),
Cumberland Gap (1957),
Tom Dooley (1958),
My Old Man´s A Dustman (1960),
Have A Drink On Me (1961),
Michael Row The Boat Ashore (1961),
Does Your Chewing Gum Lose Its Flavour On The Bedpost Overnight? (1961),
(Somewhere) Over The Rainbow (1962),
Pick A Bale Of Cotton (1962)

Lonnie Donegan nahm 1974/75 zwei Langspielplatten mit Leinemann auf und toppte diese exzellenten Aufnahmen 1977/78 durch die LP "Putting On The Style", auf der viele Größen des Rockbusiness Lonnie begleiteten, alles einstige Skiffle-Musiker, zum Beispiel Rory Gallagher, Leo Sayer, Brian May, Ringo Starr, Elton John, Ron Wood, Ray Cooper u.v.a.

Anmerkungen

  1. Autor Brian Bird (Verlag: Robert Hale Limited, England)

Literatur

  • Chas McDevitt: Skiffle - The Definite Inside Story mit Vorworten von Joe Brown, Mark Knopfler und George Harrison;
  • Mike Dewe: The Skiffle Craze mit Vorwort von Chris Barber;
  • Putting On The Style - The Story Of Lonnie Donegan Autor: Spencer Leigh; Verlag: Finbarr International

Weblinks

Wikipedia
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