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Sibylle (Prophetin)

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Eine Sibylle (griechisch σίβυλλα), auch fälschlich Sybille, ist dem Mythos nach eine Prophetin, die im Gegensatz zu anderen göttlich inspirierten Sehern ursprünglich unaufgefordert die Zukunft weissagt. Wie bei vielen anderen Orakeln ergeht die Vorhersage meistens doppeldeutig, teilweise wohl auch in Gestalt eines Rätsels.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bild:Cumae.jpg
Sibyllengrotte von Cumae, Eingang

Die Ursprünge der Sibylle liegen vermutlich im Orient. In der Regel ist ihr Aufenthaltsort eine Felsenhöhle, die Sibyllengrotte. Es gibt zwei archäologisch gefasste Sibyllengrotten, wobei diese relativ jüngeren Datums sind, denn sie stammen aus römischer Zeit. Heute noch kann man in Cumae, in der Nähe von Neapel, eine Sibyllengrotte besichtigen, in der sich auch Augustus aufgehalten haben soll. Es ist vollkommen unklar, ob es jemals eine (oder gar mehrere) lebende historische Person(en) diesen Namens gegeben hat. Erst spätere literarische Überlieferungen versuchen, verschiedene Sibyllen namentlich zu unterscheiden.

Zehn Sibyllen

Die Sibylle ist also möglicherweise ein rein mythologisches Wesen. Erhalten sind allein prophetische Schriften, die sogenannten Oracula sibyllina, wobei unklar ist, wer ursprünglich diese Orakelverse verfasst hat. Die Oracula sibyllina genießen aber seit vorchristlicher Zeit großes Ansehen; dies ist besonders für die römische Zeit belegt (z.B. Textstellen bei Livius). Varro, ein römischer Historiker des 1. Jahrhunderts v.Chr., unterschied in einem seiner Bücher zehn Sibyllen, die jeweils mit einem geographischen Epithet versehen sind, z.B. Sibylla Persica, Sibylla Libica etc. Varros Buch ist im Originaltext nicht erhalten, aber der Kirchenvater Lucius Firmianus Lactanius, der Erzieher des Sohnes von Kaiser Konstantin d.Gr., zitierte in seinem berühmten Buch der "Göttlichen Unterweisungen" die Stelle aus Varro. Die Verse der bis heute erhaltenen Oracula sibyllina sind stark verderbt. Es wird vermutet, dass die originalen Orakelsprüche mindestens zweimal überarbeitet wurden, einmal von alexandrinischen Juden und dann noch einmal von christlichen Autoren. Diese christianisierten Verse konnten Kirchenväter wie Origines oder Irenäus ohne weiteres in ihre Schriften übernehmen, sie künden häufig von der Inkarnation Christi und der zweiten Parusie des Messias am Ende der Zeiten.

Die zehn von Varro genannten Sibyllen sind:

Siehe auch

Darstellung der Sibylle in der Kunst

Bild:Ulm-Muenster-ChorgestuehlHellespontische-061209.jpg
Die hellespontische Sibylle im Chorgestühl des Ulmer Münsters
Bild:Ulm-Muenster-ChorgestuehlTiburtinische-061209.jpg
Die tiburtinische Sibylle im Chorgestühl des Ulmer Münsters

In den von Michelangelo gemalten Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle erscheinen neben sieben Propheten auch fünf Sibyllen.

  • Cumäische Sibylle als alte Frau mit kräftiger Statur, dunkler Haut und einem Gesicht voller Falten.
  • Delphische Sibylle als junge Frau, deren Gesicht frontal dargestellt ist und eine Schriftrolle in der Hand hält.
  • Erythräische Sibylle als junge Frau, die sich zur Seite wendet, um das auf einem Lesepult liegende Buch umzublättern.
  • Libysche Sibylle als jugendliche Frau, die sich, wie es scheint, gerade von ihrem Thron erhebt.
  • Persische Sibylle als Frau im fortgeschrittenen Alter, nach hinten gewendet um besseres Licht zu Lesen zu haben.

Joseph Beuys, "Sybilla", 1957; Bronze; 55 x 185 x 60 cm (im "Block Beuys", Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Raffael, Fresko der Sibyllen in der Kirche S.Maria della Pace in Rom.

In den mittleren beiden Lünetten der Werktagsseite des Genter Altars sind die Sibylle von Cumae und die Sibylle von Erythrai dargestellt.

Im Chorgestühl des Ulmer Münsters, welches von Jörg Syrlin d.Ä. und Michel Erhart zwischen 1469-1474 geschaffen wurde sind auf der Südseite acht Sibyllen, darunter die hellespontische und die tiburtinische Sibylle, dargestellt. Am Dreisitz aus dem Jahre 1468 sind weiterhin die Sibyllen von Samia und Eritrea zu finden.

Literatur

  • Alfons Kurfess: Sibyllinische Weissagungen. 1951
  • Thomas Blisniewski: Kaiser Augustus und die Sibylle von Tibur. Ein Bildmotiv des Meisters der Verherrlichung Mariae im Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud. In: Kölner Museums-Bulletin 2005 (3), S. 13-26
  • Wolfger Stumpfe: "Sibyllendarstellung im Italien der frühen Neuzeit. ܜber die Identität und den Bedeutungsgehalt einer heidnisch-christlichen Figur." Diss. Universität Trier 2005, online nachzulesen auf der Seite http://ubt.opus.hbz-nrw.de/frontdoor.php?source_opus=385

Siehe auch

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Sibyllen – Bilder, Videos und/oder Audiodateien
Wikipedia
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