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Schleier

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Ein Schleier ist ein leichtes, durchscheinendes Gewebe bzw. eine verhüllende Kopfbedeckung. Der Schleier hatte und hat in allen Ländern, die näher am Äquator liegen, auch schützenden Charakter, da er den Kopf und die Haut vor der sengenden Sonne schützt.

Inhaltsverzeichnis

Verschleierung in der Antike

Bereits seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. wurde im Alten Orient der Schleier getragen. So wird er im Alten Testament an verschiedenen Stellen erwähnt, unter anderem in der ersten Begegnung zwischen Isaak und Rebekka (Genesis 24,65 [http://www.bibleserver.com/go.php?lang=de&bible=EU&ref=Gen

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24,65 EU]

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Der Prophet Ezechiel beschreibt einen Zauberschleier (13,18 [http://www.bibleserver.com/go.php?lang=de&bible=EU&ref=Hes

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13,18 EU]

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, 13,21 [http://www.bibleserver.com/go.php?lang=de&bible=EU&ref=Hes

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13,21 EU]

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Im Römischen Imperium und im antiken Griechenland trugen die Frauen über ihrem Haar einen Schleier ohne religiösen Zwang als Teil der Bekleidung und Symbol des Anstands.

Die vornehme Römerin z. B. trug über ihrem Obergewand eine Art Mantel, die Palla. In sie hüllte sie sich ganz ein; der obere Stoffteil wurde um den Nacken und den rechten Oberarm geführt. Das über den Rücken fallende Stoffteil zog sie über den Kopf.

Der Römer C. Sulpicius Gallus ließ sich nach F. Ramm[1] von seiner Frau scheiden, da sie in der Öffentlichkeit ihr Haar nicht bedeckt hatte.

Erst später unter Augustus soll sich die Sitte der Verhüllung der Haare gelockert haben.

In Assyrien tauchte der Schleier erstmals um 200 vor Christus auf, wo er den Damen der Oberschicht vorbehalten war. Die unerlaubte Verwendung eines Schleiers, etwa von Sklavinnen, wurde bestraft. Vor rund 2000 Jahren drang der Schleier auf die Arabische Halbinsel vor und war dort ebenfalls ein Kleidungsstück der Aristokratie. Noch zu Mohammeds Zeiten war es nicht üblich, dass sich Frauen verhüllten. Obligatorisch wurde die Verschleierung im Kalifat erst im 9. Jahrhundert.

Irmhild Richter-Dridi[2] schreibt, dass in Nordafrika – auch in Tunesien – der Schleier erst im 15. Jahrhundert eingeführt wurde. In diesem Zeitraum emigrierten nämlich zigtausende Mauren aus Andalusien und diese führten ihn „als Zeichen von Anstand und guten Sitten“ ein.

Verschleierung in der arabisch-islamischen Welt

Der Schleier gehört zu den charakteristischen und in neuester Zeit zu den umstrittenen Bestandteilen der traditionellen arabischen Kleidung (Hidschab). Frauen und Mädchen tragen ihn nach der Geschlechtsreife und bei den Tuareg tragen ihn auch die Männer. Zu unterscheiden sind der Gesichts-, der Kopf- und der Ganzkörperschleier. Der Halb- oder Mundschleier (Litham oder Milfa) bedeckt die untere Gesichtshälfte und der Niqab ist ein das gesamte Gesicht mit Ausnahme der Augen verhüllender Vollschleier.

Bis ins späte Mittelalter hinein war der Schleier in der arabisch-islamischen Welt Ausdruck eines hohen sozialen Prestiges und wurde auch von wohlhabenden Jüdinnen und Christinnen getragen.

Der Koran enthält mehrere Stellen, die etwas über die Kleidung der Frauen aussagen.

  • Sure al-Ahzab> Vers 31
  • Sure al-Ahzab> Vers 59-60
  • Sure al-Aʿraf> Vers 27
  • Sure an-Nur> Vers 59-61
  • Sure al-Ahzab> Vers 53
  • Sure al-Ahzab> Vers 55

Es gibt auch zahlreiche Hadith die etwas über die Kleidung der Frauen aussagen. Beispielsweise in einem Hadith aus dem Fathu-l-Bâri ‘Â’ischah die Frau des Propheten:

„Bei Allâh, niemals sah ich bessere Frauen oder stärkere in der Befolgung des Buches Allâhs als die Frauen der Ansâr. Als Sûrat An-Nûr herabgesandt wurde - ‚... und dass sie ihre Tücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen ...‘ - gingen ihre Männer nach Hause und berichteten ihnen, was Allâh offenbart hatte. Jeder zitierte den Vers vor seiner Frau, seiner Tochter, Schwester und den Verwandten. Es gab keine Frau, die nicht auf der Stelle aufstand, ihren Rock zerriss und sich selbst von Kopf bis Fuß (i’tajarât) damit bedeckte. Am nächsten Tag beteten sie von Kopf bis Fuß bedeckt (mu’tajirât) das Fajr-Gebet.“

Die große Mehrheit der Rechtsgelehrten im Scharia-Islam befürwortet daher die Bedeckung des Haupthaars. Es wird auch daraus abgeleitet, dass die Frauen sich mit einem Hidschab genannten Ganzkörperschleier bedecken sollen.

In einigen islamischen Ländern ist das Tragen des Schleiers gesetzlich vorgeschrieben, etwa in Saudi-Arabien oder noch vor einigen Jahren im Iran. Dafür gibt es eine Religionspolizei. Auch in Afghanistan zur Zeit der Taliban war die Burka Pflicht.

In der Türkei schaffte Atatürk das Tragen des Kopftuchs in öffentlichen Einrichtungen der Türkei, wie Schulen, Universitäten und dem Parlament ab, stieß aber auf großen Widerstand der weiblichen Bevölkerung. Für viele Frauen war dies gleichbedeutend mit nackt sein und so widersetzten sich viele der Anordnung. Studentinnen, die mit Kopftuch studieren wollen, müssen ins Ausland, etwa in die USA oder nach Deutschland. Auf amtlichen Urkunden, wie z. B auf Ausweisen, dürfen nur noch Fotos ohne jegliche Kopfbedeckung vorhanden sein.

In einigen Bundesländern Deutschlands ist Lehrerinnen an staatlichen Schulen das Tragen von Schleiern, bzw. dem Kopftuch untersagt, nicht jedoch den Schülerinnen, wie in der Türkei.

Der Schleier im Christentum

Der Apostel Paulus schreibt vom Tragen des Schleiers in den Gottesdiensten in seinem 1. Korintherbrief ([[1. Brief des Paulus an die Korinther

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|1 Kor]] 11,4 EU

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–([[1. Brief des Paulus an die Korinther

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|1 Kor]] 11,6 EU

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. Besonders in pietistischen Kreisen sind noch Frauen anzutreffen, die ihr Haar in der Kirche mit einem Tuch bedecken (z.B. Brüdergemeinden, russische Baptisten).

In Europa im 14./15. Jahrhundert trugen die Frauen der Vornehmen ihr Haar stets unter einer Haube oder bedeckten es mit einem Schleier. Dieser Brauch hat sich im südlichen Europa bis vor kurzem erhalten. Der Schleier macht aus dem Körper der christlichen Jungfrau ein Gefäß Gottes. Da das Christentum, anders als im Islam, in der Sexualität die stärkste Quelle der Sünde verortete, ist der Schleier auch ein Zeichen für eine christliche Überwindung der Sexualität.

Das Tragen des Brautschleiers bei der Trauung wird heute nur noch als Brauchtum verstanden. Ursprünglich bedeutete aber das Führen der verschleierten Braut vom Brautvater vor den Altar und das Lüften des Schleiers vom Bräutigam, dass die Verfügungsgewalt über die Frau von Vater auf den Ehemann überging.

Weitere Formen des Schleiers in der „modernen“ Welt

Als Hochzeitsschleier oder Brautschleier wird der Schleier häufig im Abendland benutzt und verdeckt bei der Hochzeit das Gesicht der Braut.

Ein Schleier gehört in den meisten Fällen zum Habit von Ordensschwestern; in den Ostkirchen tragen teilweise auch Mönche einen Schleier.

Ein Trauerschleier wird getragen, um die Trauer über den Verlust eines Menschens zum Ausdruck zu bringen.

Wird die Sicht durch ein Fenster mit Stoff verhüllt, spricht man nicht von einem Schleier, sondern von einer Gardine.

Ein Schleier kann getragen werden zum Schutz vor Insekten, z. B. Mücken. Imker tragen oft einen Schleier zum Schutz vor Bienenstichen.

Schleier im übertragenen Sinne

Will man verhindern, dass jemand von einem Ereignis erfährt, spricht man von "verschleiern",

Im übertragenen Sinn:

  • Auf Farben oder Lacken kann sich ein unerwünschter Schleier ablegen.
  • Beim Wein spricht man bei einer leichten Trübung von einem Schleier.
  • Man spricht z. B. von Schleierwolken oder dass Nebel einen Schleier auf etwas legt. Regen kann wie ein Schleier „stauben“[3].
  • Bei einem Foto spricht man bei einer Eintrübung, zum Beispiel durch ungenügendes Fixieren oder Überentwicklung hervorgerufen, von einem Schleier.
  • Bestimmte Zuchtformen von Fischen benennt man nach den vergrößerten Flossen. Dazu gehören zum Beispiel der Schleierkampffisch, das ist eine Zuchtform des Kampffisches (Betta splendens), und der Schleierschwanz, das ist eine Zuchtform vom Goldfisch (Carassius auratus)
  • Verschiedene Gartenpflanzen nennt man wegen ihres Effektes Schleierkraut (Gypsophila elegans, Gypsophila paniculata L.).

Siehe auch

Quellen

  1. Frederik Ramm: Die Frau in der Römischen Antike (1998)
  2. Irmhild Richter-Dridi (1981): Frauenbefreiung in einem islamischen Land – ein Widerspruch? Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag. ISBN 3-596-23717-3
  3. Reinhard Mey: „Über den Wolken“

Weblinks

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