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Schachweltmeister

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Bild:Vladimir Kramnik 2005.jpg
Der amtierende Schachweltmeister Wladimir Kramnik

Der Titel Schachweltmeister ist die höchste Auszeichnung im Schachspiel, die – in der Regel – nach vorausgehenden Qualifikationsturnieren und schließlich durch einen Zweikampf um die Schachweltmeisterschaft vergeben wird. Als erster offizieller Schachweltmeister gilt der Österreicher Wilhelm Steinitz nach seinem Wettkampfsieg gegen Johannes Hermann Zukertort im Jahr 1886. Bei den Damen wurde die Tschechoslowakin Vera Menchik 1927 erste Schachweltmeisterin der Geschichte. Amtierender Weltmeister bei den Herren ist der Russe Wladimir Kramnik, bei den Damen die Chinesin Xu Yuhua.

Der Austragungsmodus der Weltmeisterschaften bei den Herren wurde erstmals 1948 nach dem Tod des Titelinhabers Alexander Aljechin von einem Zweikampf um die Schachkrone auf ein Rundenturnier mit mehreren Teilnehmern umgestellt. Danach wurde der Titel wieder über Zweikämpfe ausgespielt, wofür sich die Titelaspiranten über Zonenturniere, Interzonenturniere und Kandidatenturniere qualifizieren mussten. In den Jahren 1997 bis 2004 trug der Weltschachverband FIDE die Weltmeisterschaft in einem Turnier im K.-o.System aus, im Jahr 2005 in einem doppelrundigen Einladungsturnier mit acht Spielern.

Inhaltsverzeichnis

Die weltbesten Spieler vor Einführung der Weltmeisterschaftskämpfe

Im 16. Jahrhundert waren die besten Spieler der Welt der Spanier Ruy López de Segura (um 1560) und nach ihm die Italiener Paolo Boi, Leonardo da Cutri (um 1575) und Alessandro Salvio (um 1600), beginnend mit dem 17. Jahrhundert ab etwa 1620 dann Gioacchino Greco.

Im 18. Jahrhundert boten die Italiener mit Domenico Lorenzo Ponziani, Ercole del Rio und Giambattista Lolli richtungsweisende Theoretiker auf, doch Frankreich besaß die praktisch besseren Spieler und lief Italien diesbezüglich den Rang ab. Die Franzosen Kermuy Sire de Legal (1730–1745), André Danican Philidor (1745–1795), Alexandre Louis Honoré Lebreton Deschapelles (1800–1820) und Louis-Charles Mahé de La Bourdonnais (1820–1840) lösten sich als weltbeste Spieler gegenseitig ab. Berühmtheit erlangte La Bourdonnais durch 6 aufeinander folgende Wettkämpfe (insgesamt 85 Partien) gegen den Iren Alexander MacDonnell in London 1834, die der Franzose gewann.

Nach dem Wettkampfsieg des Engländers Howard Staunton über den Franzosen Pierre Saint Amant in Paris 1843 galt nun England als erste Schachnation. Staunton war es auch, der sich maßgeblich für die Durchführung des ersten internationalen Schachturniers überhaupt, anlässlich der Weltausstellung 1851 in London, einsetzte. Überraschend gewann nicht der englische Vorkämpfer, sondern es siegte der bis dahin gänzlich unbekannte Deutsche Adolf Anderssen aus Breslau.

Anderssens Sieg vor Staunton ließ ihn nun in der Schachwelt als weltbesten Spieler gelten. 1858 spielte Anderssen in Paris einen Wettkampf gegen den US-Amerikaner Paul Morphy. Morphy errang einen glänzenden Sieg, der Amerikaner beendete allerdings bald danach seine Schachkarriere, sodass Anderssen nun wieder als führender Meister der Welt galt.

Nachdem der Österreicher Wilhelm Steinitz 1866 Anderssen in einem in London gespielten Wettkampf bezwungen hatte, galt er als unbestritten bester Spieler der Welt.

Die Zeit der Weltmeisterschaftskämpfe

Nach seinem überwältigenden Sieg beim großen Internationalen Turnier in London 1883 (vor Steinitz) betrachtete sich Johannes Hermann Zukertort als Champion of the World und forderte Steinitz' Führungsanspruch heraus. Die Schachwelt erwartete einen Zweikampf dieser Rivalen und bekam ihn: Durch seinen 12,5:7,5-Sieg (+10-5=5) über Zukertort im Wettkampf vom 11. Januar bis zum 29. März 1886, der in New York, St. Louis und New Orleans stattfand, gilt Wilhelm Steinitz allgemein als der 1. Schachweltmeister.

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/ Bild:Flag of the United States.svg Wilhelm Steinitz
1000011½1½110½½1½11112½
Bild:Flag of the United Kingdom.svg Johannes Hermann Zukertort 0111100½0½001½½0½000

Nach Steinitz' Wettkampfsieg fanden sich etliche Herausforderer, die mit ihm um die Weltmeisterschaft spielen wollten. Bis 1948 entschied allein der Weltmeister, wessen Herausforderung er annahm und wem er einen Weltmeisterschaftskampf verweigerte. Der Titelhalter bestimmte die Bedingungen und das Preisgeld fast nach Belieben.

Insbesondere während der Zeit Emanuel Laskers auf dem Weltmeisterthron wurde dies oft kritisiert, da würdige Gegner nicht oder erst nach langjährigen Verhandlungen zum Zuge kamen.

José Raúl Capablanca versuchte 1922 klare Regeln einzuführen, die von seinen potentiellen Herausforderern (Alexander Aljechin, Efim Bogoljubow, Géza Maróczy, Richard Réti, Akiba Rubinstein, Savielly Tartakower und Milan Vidmar) akzeptiert wurden. Sie bestanden aus 21 Paragraphen, die im Dezember 1923 im American Chess Bulletin abgedruckt wurden. Die Hauptpunkte waren:

  1. Der Titelhalter muss seinen Titel innerhalb eines Jahres verteidigen, wenn er von einem anerkannten Meister herausgefordert wird, sofern dieser einen Preisfonds von mindestens 10.000 Dollar garantiert und 500 Dollar vorab als Sicherheit hinterlegt. Der Weltmeister hat aber das Recht, das genaue Datum für den Beginn des Wettkampfes festzulegen.
  2. Vom Preisgeld gehen 20 Prozent an den Titelhalter, der Rest wird im Verhältnis 60:40 zwischen Gewinner und Verlierer des Wettkampfes verteilt.
  3. Der Wettkampf geht auf sechs Gewinnpartien, Remis zählen nicht. Die Bedenkzeit ist 150 Minuten für 40 Züge. Nach fünf Stunden Spielzeit gibt es eine Hängepartie.

Der Nachfolger Capablancas als Weltmeister, Alexander Aljechin, hielt sich zwar formal an diese Regeln, einem Rückkampf mit Capablanca ging er aber dadurch aus dem Weg, dass er die Herausforderungen anderer Spieler stets bevorzugt berücksichtigte.

Von 1948 bis 1993 wurde die Weltmeisterschaft vom Weltschachbund FIDE ausgerichtet. Der jeweilige Herausforderer des Weltmeisters wurde durch ein mehrstufiges Qualifikationssystem (regionale Zonenturniere, Interzonenturnier und Kandidatenturnier) ermittelt.

Nachdem Kasparow 1993 nicht mehr bereit war, seinen Titel unter der Ägide der FIDE zu verteidigen, hat sich der vor 1948 übliche Zustand wieder eingestellt. Kasparow verteidigte seinen Titel nach seinen eigenen Bedingungen. 2000 verlor er ihn an den nun amtierenden Weltmeister Wladimir Kramnik. Parallel hierzu veranstaltet die FIDE eine offizielle Weltmeisterschaft, deren Gewinner aber nicht allgemein als weltbeste Spieler anerkannt werden.

Ein Versuch, die beiden Weltmeistertitel wieder zu vereinigen, war das von dem amerikanischen Großmeister Yasser Seirawan initiierte Übereinkommen von Prag, welches am 6. Mai 2002 von Garri Kasparow, Wladimir Kramnik und Kirsan Iljumschinow, dem Präsidenten der FIDE, unterzeichnet wurde. Dieses ist mittlerweile gescheitert, da geplante Qualifikationswettkämpfe nicht zustande kamen.

1. Weltmeister: Wilhelm Steinitz (1886–1894)

Steinitz war eine Kämpfernatur und scheute keine Auseinandersetzung. Wie schon vor dem Wettkampf mit Zukertort wählte er sich erneut den erfolgreichsten und seine Stellung in der Schachwelt am ehesten bedrohenden Spieler zum Kampf um den Weltmeistertitel.

  • Die erste Titelverteidigung vom 20. Januar bis zum 24. Februar 1889 in Havanna gewann er 10,5:6,5 (+10-6=1) gegen Michail Tschigorin.
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0101100111010111½10½
Bild:Flag of Russia.svg Michail Tschigorin 1010011000101000½
  • Zur zweiten Titelverteidigung trat er vom 9. Dezember 1890 bis zum 22. Januar 1891 in New York gegen Isidor Gunsberg an und gewann 10,5:8,5 (+6-4=9).
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½1½0011½½1½01½½0½1½10½
Bild:Flag of the United Kingdom.svg Isidor Gunsberg ½0½1100½½0½10½½1½0½
  • Vom 1. Januar bis zum 28. Februar 1892 verteidigte Steinitz seinen Titel wiederum in Havanna gegen Michail Tschigorin erfolgreich mit 12,5:10,5 (+10-8=5).
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0½½1½100½01011010101½1112½
Bild:Flag of Russia.svg Michail Tschigorin 1½½0½011½10100101010½0010½
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/ Bild:Flag of the United States.svg Wilhelm Steinitz
0101½½00000½11001½07
Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker 1010½½11111½00110½112

2. Weltmeister: Dr. Emanuel Lasker (1894–1921)

Lasker war insgesamt 27 Jahre von 1894 bis 1921 Weltmeister. Seine überragende Stellung in der Schachwelt jener Zeit ist unbestritten. Allerdings war seine Weltmeisterschaft auch dadurch geprägt, dass er Zweikämpfen ungewissen Ausganges durch das Aufstellen nur schwer zu erfüllender Bedingungen aus dem Weg zu gehen wusste. So kam es nicht zu einem von der Schachwelt gewünschten Wettkampf mit dem polnischen Meister Akiba Rubinstein. Das Kräftemessen mit José Raúl Capablanca fand erst 1921 statt.

Im einzelnen spielte Lasker nach seinem Sieg über Steinitz 1894 noch folgende Weltmeisterschaftskämpfe:

  • Vom 7. November 1896 bis zum 14. Januar 1897 gab es in Moskau einen Revanchekampf gegen Steinitz, den Lasker wiederum für sich entscheiden konnte. Endergebnis: 12,5-4,5 (+10-2=5)
1234567891011121314151617Ergebnis
Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker 1111½1½½½11001½1112½
Bild:Flag of the Habsburg Monarchy.svg
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/ Bild:Flag of the United States.svg Wilhelm Steinitz
0000½0½½½00110½00
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Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker 111½½½½1½½½111111½
Bild:Flag of the United States.svg Frank James Marshall 000½½½½0½½½0000
  • 1908 (Dauer: vom 17. August bis 30. November) besiegte der Weltmeister seinen deutschen Rivalen Siegbert Tarrasch. Die Städte Düsseldorf und München teilten sich die Ausrichtung. Endergebnis: 10,5-5,5 (+8-3=5)
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Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker 11011½1½½0101½½110½
Bild:Flag of the German Empire.svg Siegbert Tarrasch 00100½0½½1010½½0
  • Vom 19. November bis 9. Dezember 1909 konnte sich Lasker in Paris überlegen gegen David Janowski durchsetzen. Endergebnis: 8-2 (+7-1=2)
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Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker ½111101½118
Bild:Flag of France.svg David Janowski ½000010½002
  • Vom 7. Januar bis 10. Februar 1910 verteidigte Lasker seinen Titel gegen Carl Schlechter. Der Wettkampf endete unentschieden, was zur Titelverteidigung ausreichte. Endergebnis: 5-5 (+1-1=8). Spielorte waren Wien und Berlin.
12345678910 Ergebnis
Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker ½½½½0½½½½15
Bild:Flag of the Habsburg Monarchy.svg
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Carl Schlechter
½½½½1½½½½05
  • 1921 (15. März bis 28. April) unterlag Lasker dem kubanischen Meister José Raúl Capablanca in Havanna. Endergebnis: 5-9 (+0-4=10). Lasker brach den Wettkampf durch Aufgabe ab, da er mit dem tropischen Klima nicht zurechtkam.
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Bild:Flag of the German Empire.svg Emanuel Lasker ½½½½0½½½½00½½05
Bild:Flag of Cuba.svg José Raúl Capablanca ½½½½1½½½½11½½19

3. Weltmeister: José Raúl Capablanca (1921–1927)

Capablanca dominierte die Schachturniere in den 1920er Jahren und war vor allem für sein tiefes positionelles Verständnis berühmt. Vom 16. September bis zum 29. November 1927 kam es in Buenos Aires zum langerwarteten Wettkampf um die Weltmeisterschaft gegen Alexander Aljechin, den Capablanca mit 15,5-18,5 (+3-6=25) verlor. In der Folgezeit versuchte er vergebens, Aljechin zu einem Revanchekampf zu bewegen.

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Bild:Flag of Cuba.svg José Raúl Capablanca 0½1½½½1½½½00½½½½
Bild:Flag of France.svg Alexander Aljechin 1½0½½½0½½½11½½½½
171819202122232425262728293031323334Ergebnis
½½½½0½½½½½½½1½½0½015½
½½½½1½½½½½½½0½½1½118½

4. Weltmeister: Alexander Aljechin (1927–1935 und 1937–1946)

Durch seinen spektakulären Sieg über Capablanca bestieg Aljechin 1927 den Schachthron. Obwohl er seinem Vorgänger einen Revanchewettkampf versprochen hatte, wich Aljechin in den nächsten Jahren Capablanca aus und ein Rückkampf kam nicht zustande. Statt dessen spielte er folgende Wettkämpfe:

  • Vom 6. September bis zum 17. November 1929 verteidigte er seinen Titel erfolgreich gegen Efim Bogoljubow. Endergebnis: 15,5-9,5 (+11-5=9). Der Wettkampf wurde teilweise in den Niederlanden (verschiedene Orte) und Deutschland (ebenfalls an verschiedenen Orten) gespielt.
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Bild:Flag of France.svg Alexander Aljechin 1½½01011½1½100½1101½11½½½15½
Bild:Flag of Germany (2-3).svg Efim Bogoljubow 0½½10100½0½011½0010½00½½½
  • Vom 1. April bis zum 14. Juni 1934 trat er erneut gegen Bogoljubow an, der wiederum keine ernsthafte Chance gegen Aljechin hatte. Endergebnis: 15,5-10,5 (+8-3=15). Verschiedene Städte Deutschlands waren Ausrichter.
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Bild:Flag of France.svg Alexander Aljechin ½1½1½½½½101½½½½11½½½1½001½15½
Bild:Flag of Germany (2-3).svg Efim Bogoljubow ½0½0½½½½010½½½½00½½½0½110½10½
  • 1935 (Wettkampfdauer: 3. Oktober bis 15. Dezember) verlor er den Weltmeistertitel an Max Euwe. Endergebnis: 14,5-15,5 (+8-9=13). Gespielt wurde in verschiedenen niederländischen Städten.
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Bild:Flag of France.svg Alexander Aljechin 1011½½1010½0½0
Bild:Flag of the Netherlands.svg Max Euwe 0100½½0101½1½1
15161718192021222324252627282930Ergebnis
½1½½100½½½001½½½14½
½0½½011½½½110½½½15½
  • 1937 gelang es ihm im Revanchekampf gegen Euwe, den Titel zurückzugewinnen. Endergebnis: 15,5-9,5 (+10-4=11). Gespielt wurde vom 5. Oktober bis zum 7. Dezember wieder in verschiedenen niederländischen Städten.
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Bild:Flag of the Netherlands.svg Max Euwe 10½½1000½0½½10½½1½½½00½00
Bild:Flag of France.svg Alexander Aljechin 01½½0111½1½½01½½0½½½11½1115½

Zu weiteren Wettkämpfen kam es während des Zweiten Weltkrieges nicht. 1946 starb Aljechin, der Kollaboration mit den Deutschen und des Antisemitismus bezichtigt, in Portugal.

5. Weltmeister: Prof. Dr. Max Euwe (1935–1937)

Der Niederländer Machgielis (Max) Euwe konnte durch seinen Sieg über Aljechin zwei Jahre lang den Weltmeistertitel für sich beanspruchen. Er war der einzige Amateur, der den Titel Schachweltmeister innehatte.

Hierdurch war er auch als einer der Kandidaten für das Weltmeisterschaftsturnier von 1948 prädestiniert, bei dem er sich jedoch nicht durchzusetzen vermochte.

Das Weltmeisterschaftsturnier von 1948

Durch den Tod Alexander Aljechins wurde der Weg frei für die Ausrichtung der Weltmeisterschaftskämpfe durch den Weltschachverband (FIDE). Der von der FIDE gekürte und als solcher auch allgemein anerkannte Weltmeister (die FIDE ernannte bereits 1928 Efim Bogoljubow zum offiziellen Champion der FIDE) wurde im Weltmeisterschaftsturnier 1948 ermittelt, das Michail Botwinnik für sich entscheiden konnte.

An dem Turnier, veranstaltet vom 1. März bis zum 18. Mai 1948 in Den Haag und Moskau, nahmen neben Michail Botwinnik Paul Keres, Wassili Smyslow, Samuel Reshevsky und Ex-Weltmeister Max Euwe teil. Der ursprünglich gleichfalls als Teilnehmer vorgesehene amerikanische Großmeister Reuben Fine verzichtete. Die fünf Teilnehmer spielten jeder gegen jeden 5 Partien. Endergebnis:

BotwinnikSmyslowKeresReshevskyEuwePunkte
1. Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik xxxxxxxxxxxxxxxx3-2 (+1-0=4)4-1 (+4-1=0)3½-1½ (+3-1=1)3½-1½ (+2-0=3)14
2. Bild:Flag of the Soviet Union.svg Wassili Smyslow 2-3 (+0-1=4)xxxxxxxxxxxxx2-3 (+1-2=2)3-2 (+1-0=4)4-1 (+4-1=0)11
3. Bild:Flag of the Soviet Union.svg Paul Keres 1-4 (+1-4=0)3-2 (+2-1=2)xxxxxxxxxxxxxxx2-3 (+1-2=2)4½-½ (+4-0=1)10½
4. Bild:Flag of the United States.svg Samuel Reshevsky 1½-3½ (+1-3=1)2-3 (+0-1=4)3-2 (+2-1=2)xxxxxxxxxxxxxxxx4-1(+3-0=2)10½
5. Bild:Flag of the Netherlands.svg Max Euwe 1½-3½ (+0-2=3)1-4 (+1-4=0)½-4½ (+0-4=1)1-4 (+0-3=2)xxxxxxxxxxxxxx4

Die Weltmeisterschaften der FIDE bis 1990

Das neue Weltmeisterschaftsregelment sah vor, dass der Weltmeister den Titel alle drei Jahre verteidigen musste. Der jeweilige Herausforderer wurde durch Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturniere ermittelt.

Bis 1963 galt zudem die Regel, dass dem Weltmeister im Falle eines Titelverlustes ein Revancherecht ein Jahr später zustehen sollte.

6. Weltmeister: Dr. Michail Botwinnik (1948–1957, 1958–1960, 1961–1963)

Nach dem FIDE-Reglement spielte Botwinnik folgende Titelkämpfe:

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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik ½½½½011½½½01½½½½0½1½001½12
Bild:Flag of the Soviet Union.svg David Bronstein ½½½½100½½½10½½½½1½0½110½12
123456789101112131415161718192021222324Ergebnis
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik 11½1½½0½00011011½½½0½½0½12
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Wassili Smyslow 00½0½½1½11100100½½½1½½1½12
  • 1957 verlor Botwinnik seinen Titel an Smyslow. Endergebnis: 9,5-12,5 (+3-6=13). Man spielte vom 2. März bis zum 27. April in Moskau.
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik 0½½110½0½½½01½½½0½½0½½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Wassili Smyslow 1½½001½1½½½10½½½1½½1½½12½
  • Vom 4. März bis zum 8. Mai 1958 gelang Botwinnik in Moskau die Revanche gegen Smyslow. Endergebnis: 12,5-10,5 (+7-5=11)
1234567891011121314151617181920212223Ergebnis
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Wassili Smyslow 000½10½½½½10½01½½01½½1½10½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik 111½01½½½½01½10½½10½½0½12½
123456789101112131415161718192021Ergebnis
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik 0½½½½0011½0½½½½½0½0½½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Tal 1½½½½1100½1½½½½½1½1½½12½
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Tal 010½½½0100010½0½101½08
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik 101½½½1011101½1½010½113
  • 1963 trat Botwinnik zu seinem letzten WM-Kampf an. Die FIDE änderte das Reglement und nahm dem Weltmeister das Privileg des Revanchekampfes. Botwinnik unterlag in dem vom 23. März bis zum 22. Mai in Moskau ausgetragenen Wettkampf dem armenischen Großmeister Tigran Petrosjan mit dem Endergebnis 9,5-12,5 (+2-5=15).
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Michail Botwinnik 1½½½0½0½½½½½½10½½00½½½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Tigran Petrosjan 0½½½1½1½½½½½½01½½11½½½12½

7. Weltmeister: Wassili Smyslow (1957–1958)

Der Zweitplazierte des Weltmeisterschaftsturniers von 1948 konnte Botwinnik 1957 im Weltmeisterschaftskampf bezwingen, unterlag dem alten Weltmeister jedoch ein Jahr später bei dem von den Statuten vorgesehenen Revanchekampf.

8. Weltmeister: Michail Tal (1960–1961)

Der junge Michail Tal galt als "Feuerkopf" unter den Schachmeistern seiner Zeit. 1960 setzte er sich gegen Weltmeister Botwinnik durch. Zur allgemeinen Überraschung gelang dem weitaus älteren Botwinnik aber dank seiner präzisen Wettkampfvorbereitung erneut die Revanche.

9. Weltmeister: Tigran Petrosjan (1963–1969)

1963 gelang es Petrosjan, einem der besten Defensivspieler der Schachgeschichte, Botwinnik, zu schlagen. Danach spielte Petrosjan folgende Wettkämpfe:

123456789101112131415161718192021222324Ergebnis
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Tigran Petrosjan ½½½½½½1½½1½½0½½½½½01½10½12½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Boris Spasski ½½½½½½0½½0½½1½½½½½10½01½11½
  • Im Wettkampf von 1969 (14. April bis 17. Juni ebenfalls in Moskau), verlor er den Titel an einen diesmal weit besser vorbereiteten Spasski. Endergebnis: 10,5-12,5 (+4-6=13)
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Tigran Petrosjan 1½½00½½0½11½½½½½0½010½½10½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Boris Spasski 0½½11½½1½00½½½½½1½101½½12½

10. Weltmeister: Boris Spasski (1969–1972)

Spasskis Weltmeisterschaft dauerte drei Jahre bis zu dem vielbeachteten Wettkampf mit dem amerikanischen Schachgenie Robert James "Bobby" Fischer.

  • Vom 11. Juli bis zum 31. August 1972 fand in Reykjavík der durch die Massenmedien zum Kampf der Systeme und Match des Jahrhunderts hochstilisierte Weltmeisterschaftskampf zwischen dem Sowjetbürger Spasski und dem US-Amerikaner Fischer statt: Robert Fischer gewann den Wettkampf mit dem Endergebnis 12,5-8,5 (+7-3=11, wobei Fischer die 2. Partie wegen Nichterscheinens kampflos verlor).
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Boris Spasski 1+0½00½0½01½0½½½½½½½0
Bild:Flag of the United States.svg Robert James Fischer 0-1½11½1½10½1½½½½½½½112½

11. Weltmeister: Robert James (Bobby) Fischer (1972–1975)

Die Weltmeisterschaft Fischers wurde im Westen stark bejubelt. Zu der Faszination, die das Schachgenie Fischer ausstrahlte, gesellte sich die Genugtuung darüber, dass es einem Amerikaner gelungen war, in die Domäne der Sowjetischen Schachschule einzudringen.

Fischers Eroberung des Schachthrons erwies sich sehr überraschend zugleich als das Ende seiner Karriere: Der Amerikaner zog sich vom Schach zurück und verteidigte den Titel im Jahr 1975 nicht gegen den von der FIDE ermittelten Herausforderer Anatoli Karpow. Dem Verzicht Fischers gingen lange Verhandlungen über die Modalitäten im Wettkampfreglement voraus. Die FIDE war nicht bereit zu Fischers Bedingungen (Spiel auf 10 Gewinne, Remis zählen nicht, beim Stand von 9-9 wird das Match als Unentschieden abgebrochen) den Wettkampf auszurichten.

12. Weltmeister: Anatoli Karpow (1975–1985)

Nachdem Fischer zum Weltmeisterschaftskampf 1975 nicht angetreten war, wurde Herausforderer Karpow von FIDE-Präsident Euwe kampflos zum Weltmeister proklamiert. Als Weltmeister spielte Karpow folgende Wettkämpfe:

  • Vom 16. Juli bis zum 17. Oktober 1978 spielte Karpow gegen Viktor Kortschnoi in Baguio auf den Philippinen um die Weltmeisterschaft. Die FIDE änderte das Reglement - nicht mehr 24 Partien wurden gespielt sondern ein Match auf 6 Gewinne, Remis zählten nicht. Das Endergebnis lautete 16,5-15,5 (+6-5=21) für den Titelverteidiger.
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow ½½½½½½½1½½0½11½½
Bild:Flag of Switzerland.svg Viktor Kortschnoi ½½½½½½½0½½1½00½½
17181920212223242526272829303132Ergebnis
1½½½0½½½½½100½0116½
0½½½1½½½½½011½1015½
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow 11½1½0½½1½½½01½½½111
Bild:Flag of Switzerland.svg Viktor Kortschnoi 00½0½1½½0½½½10½½½07
  • Ein 1984 begonnener Weltmeisterschaftskampf gegen Garri Kasparow wurde Anfang 1985 nach einer Vielzahl von Partien (48 Partien) abgebrochen. Man spielte, wie 1978 und 1981, auf sechs Gewinne, Remis zählten nicht. Endergebnis: 25-23 (+5-3=40). Spielort war seit 1969 erstmals wieder Moskau. Der Wettkampf begann am 10. September 1984 und wurde am 14. Februar 1985 vom FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes entgegen FIDE-Reglement beendet. Bei Abbruch des Wettkampfes lag Karpow zwar in Führung, war aber sichtlich angeschlagen, so dass der Abbruch allgemein als eine Begünstigung des Weltmeisters gegenüber seinem jungen Rivalen angesehen wurde. Andererseits konnte Campomanes vorbringen, dass ein Fall wie der vorliegende, Dutzende von Remispartien, in der Satzung einfach nicht behandelt würde, und dass nun mit 48 Partien genau die doppelte Anzahl eines bisherigen Weltmeisterschafskampfes gespielt wurde und somit der beste Zeitpunkt für einen Abbruch vorläge. Auch könne nicht einfach weitergespielt werden, bis ein Kämpfer körperlich Schaden nehme. Dies sei nicht das Wesen des Schachs.
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow ½½1½½11½1½½½½½½½½½½½½½½½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Garri Kasparow ½½0½½00½0½½½½½½½½½½½½½½½
252627282930313233343536373839404142434445464748Ergebnis
½½1½½½½0½½½½½½½½½½½½½½0025
½½0½½½½1½½½½½½½½½½½½½½1123
  • Vom 3. September bis zum 9. November 1985 wurde der Wettkampf unter einem neuen Reglement (24 Partien. Sieger wurde, wer 12½ Punkte machte) in Moskau wiederholt. Karpow musste sich Kasparow geschlagen geben. Endergebnis: 11-13 (+3-5=16).
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow 0½½11½½½½½0½½½½0½½0½½1½011
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Garri Kasparow 1½½00½½½½½1½½½½1½½1½½0½113

13. Weltmeister: Garri Kasparow (1985–1993)

Unter der Leitung der FIDE spielte Kasparow zunächst folgende Wettkämpfe:

  • Vom 28. Juli bis zum 8. Oktober 1986 spielte Kasparow in London (erste 12 Partien) und Leningrad (letzte 12 Partien) ein Revanchematch gegen Karpow. Karpow unterlag erneut. Endergebnis: 12,5-11,5 (+5-4=15).
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Garri Kasparow ½½½10½½1½½½½½1½1000½½1½½12½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow ½½½01½½0½½½½½0½0111½½0½½11½
  • 1987 verteidigte er seinen Titel erneut gegen Karpow, diesmal durch ein Unentschieden. Spielort war Sevilla, man spielte vom 12. Oktober bis zum 18. Dezember. Endergebnis: 12-12 (+4-4=16).
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Garri Kasparow ½0½10½½1½½1½½½½0½½½½½½0112
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow ½1½01½½0½½0½½½½1½½½½½½1012
  • Vom 8. Oktober bis zum 31. Dezember 1990 spielten die beiden Dauerrivalen ihr letztes Match um die Weltmeisterschaft. Die erste Hälfte fand in New York City statt, die letzten 12 Partien wurden in Lyon gespielt. Endergebnis: 12,5-11,5 (+4-3=17) für Kasparow.
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Bild:Flag of the Soviet Union.svg Garri Kasparow ½1½½½½0½½½½½½½½101½1½½0½12½
Bild:Flag of the Soviet Union.svg Anatoli Karpow ½0½½½½1½½½½½½½½010½0½½1½11½
  • 1993 kam es zum Bruch zwischen Kasparow und der Weltschachorganisation. Kasparow weigerte sich, unter den finanziellen Bedingungen der FIDE erneut um die Weltmeisterschaft zu spielen und wurde daraufhin gemeinsam mit Nigel Short, seinem Herausforderer für 1993, von der FIDE disqualifiziert. Die beiden Spieler waren in der Folge maßgeblich an der Gründung eines eigenen Schachverbandes, der Professional Chess Association (PCA), beteiligt. Hiernach wurden in beiden Verbänden rivalisierende Weltmeister ermittelt.

Die Weltmeisterschaften außerhalb der FIDE (klassische Weltmeisterschaft)

13. Weltmeister: Garri Kasparow (1993–2000)

Kasparow verteidigte

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Bild:Flag of Russia.svg Garri Kasparow 1½11½½1½1½½½½½10½½½½12½
Bild:Flag of the United Kingdom.svg Nigel Short 0½00½½0½0½½½½½01½½½½
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Bild:Flag of Russia.svg Garri Kasparow ½½½½½½½½011½11½½½½10½
Bild:Flag of India.svg Viswanathan Anand ½½½½½½½½100½00½½½½

Erst im Jahre

  • 2000 verteidigte Kasparow seinen Titel erneut. Der Niedergang der PCA führte mit sich, dass kein Herausforderer für den Weltmeister ermittelt wurde. Kasparows Gegner Wladimir Kramnik war seit Aljechins Tagen der erste Herausforderer, den der Weltmeister sich aussuchte. Dass und wie – nämlich ohne einen einzigen Sieg zu erreichen – Kasparow seinen Titel an Kramnik verlor, wurde allgemein als sensationell angesehen. Man spielte vom 8. Oktober bis zum 2. November in London. Endergebnis: 6,5-8,5 (+0-2=13).
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Bild:Flag of Russia.svg Garri Kasparow ½0½½½½½½½0½½½½½
Bild:Flag of Russia.svg Wladimir Kramnik ½1½½½½½½½1½½½½½

14. Weltmeister: Wladimir Kramnik (seit 2000)

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Bild:Flag of Russia.svg Wladimir Kramnik 1½½½0½½0½½½½½17
Bild:Flag of Hungary.svg Péter Lékó 0½½½1½½1½½½½½07

FIDE-Weltmeisterschaften 1993 bis 2005

Nachdem die FIDE den amtierenden Weltmeister und seinen ermittelten Herausforderer disqualifiziert hatte, wurde zeitgleich mit dem PCA-Weltmeisterschaftskampf eine "Ersatz"-WM durchgeführt. Die FIDE nominierte die beiden letzten Gegner von Nigel Short in den Kandidatenkämpfen, Jan Timman und Anatoli Karpow.

  • 1993 besiegte Karpow den Niederländer Timman mit 12,5-8,5.
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Bild:Flag of Russia.svg Anatoli Karpow 10½½½1½½½1½½½111½½½0½12½
Bild:Flag of the Netherlands.svg Jan Timman 01½½½0½½½0½½½000½½½1½

Die FIDE ließ ihren Weltmeister 1995 bereits in das Halbfinale der Kandidatenkämpfe eingreifen. Karpow besiegte Boris Gelfand mit 6-3, ehe es

  • 1996 zum Weltmeisterschaftskampf (zugleich das Kandidatenfinale) Karpows gegen Gata Kamsky kam (10,5-7,5), der zugleich der letzte WM-Kampf in der Geschichte der FIDE war.
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Bild:Flag of Russia.svg Anatoli Karpow 10½1½11½10½½½1½0½½10½
Bild:Flag of the United States.svg Gata Kamsky 01½0½00½01½½½0½1½½

Von 1997 bis 2004 fanden K.-o.-Turniere um die FIDE-Weltmeisterschaft statt (die FIDE hat diese WM inzwischen für zukünftige Veranstaltungen zum 'World-Cup' umgetauft), die sich von den 'klassischen' Weltmeisterschaften dadurch unterschieden, dass auf eine umfassende Qualifikation verzichtet und die Partiezahl deutlich gesenkt wurde. Ein Turnier nach K.-o.-Regeln mit 128 Teilnehmern, durchgeführt innerhalb weniger Wochen, sollte den FIDE-Weltmeister ermitteln. Man spielte auf eine sehr kurze Distanz (in den ersten Runden zwei Turnierpartien pro Wettkampf, ab dem Halbfinale 4 Turnierpartien, im Finale 6 Turnierpartien). Über das Weiterkommen bei Gleichstand entschieden sehr oft Schnell- und Blitzpartien.

Beim ersten Turnier in dieser Form, in Groningen, im Dezember 1997, erhielt Karpow als Titelverteidiger noch das Privileg, in das Finale, das im Januar 1998 in Lausanne ausgespielt wurde, gesetzt zu werden. Er besiegte Anand, den Sieger des K.-o.-Wettbewerbes, in zwei 25-Minuten-Partien mit 2-0, nachdem der reguläre Wettkampf nach Turnierpartien 3-3 endete. Dieses Privileg des Titelverteidigers wurde bei den folgenden K.-o.-Weltmeisterschaften nicht mehr angewandt, da von den Spielern heftigst kritisiert worden ist, dass der Weltmeister unter anderen physischen Voraussetzungen antritt und einen ungeheuren Vorteil gegenüber dem Herausforderer, der mehrere Wochen schwerster Qualifikationskämpfe hinter sich hat, besitze. Karpow nahm seitdem nur noch einmal (2001/02 in seiner Heimatstadt Moskau) an dieser Veranstaltung teil.

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Bild:Flag of Russia.svg Anatoli Karpow 10½1½0115
Bild:Flag of India.svg Viswanathan Anand 01½0½1003

Das zweite K.-o.-Turnier um die FIDE-Weltmeisterschaft fand 1999 in Las Vegas statt. Keiner der Favoriten konnte sich durchsetzen. Überraschend wurde Alexander Chalifman, der im Finale Wladimir Hakobjan mit 3,5-2,5 besiegte, Weltmeister.

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Bild:Flag of Russia.svg Alexander Chalifman 1½01½½
Bild:Flag of Armenia.svg Wladimir Hakobjan 0½10½½

Die dritte Veranstaltung fand 2000 in Neu-Delhi, das Finale in Teheran statt. Diesmal setzte sich einer der Favoriten durch: Anand schlug Alexei Schirow im Finale mit 3,5-0,5.

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Bild:Flag of India.svg Viswanathan Anand ½111
Bild:Flag of Spain.svg Alexei Schirow ½000½

Der vierte K.-o-Wettbewerb fand ein Jahr später statt. Zur Jahreswende 2001/2002 in Moskau gab es wiederum eine Überraschung: der junge Ukrainer Ruslan Ponomarjow gewann im Finale gegen seinen Landsmann Wassyl Iwantschuk mit 4,5-2,5.

Heftig kritisiert wurde die FIDE nach dem WM-Turnier für die Einführung einer neuen, drastisch verkürzten, Bedenkzeit: das Spieltempo beträgt seit 2002 bei offiziellen FIDE-Turnieren (WM, Olympiade, Jugend-WM etc.) 90 Minuten für 40 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie, zusätzlich werden 30 Sekunden für jeden ausgeführten Zug addiert. Die 'klassische' Bedenkzeit, die nach wie vor auf internationalen (nicht-FIDE) Turnieren gilt und von der überwiegenden Mehrzahl der Spieler favorisiert wird (gemäß einer ChessBase-Umfrage 80%) ist 2 Stunden für 40 Züge, 1 Stunde für die nächsten 20, dann 1 oder eine halbe Stunde für den Rest. Bei manchen Turnieren gibt es in der 7. Spielstunde noch einen zusätzlichen Aufschlag von 30 Sekunden pro Zug, wie z. B. bei den beiden Weltmeisterschaftskämpfen, die Kramnik spielte.

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Bild:Flag of Ukraine.svg Ruslan Ponomarjow 1½½½1½½
Bild:Flag of Ukraine.svg Wassyl Iwantschuk 0½½½0½½

Die fünfte und letzte dieser Veranstaltungen fand 2004 in Tripolis statt, wo es die bis dahin größte Überraschung gab, als sich der Usbeke Rustam Kasimjanov den Titel holte. Er besiegte den Briten Michael Adams im Finale mit 1,5-0,5 in zwei fällig gewordenen 25-Minuten-Partien, da der Stand nach regulären Turnierpartien 3-3 war. An diesem umstrittensten aller FIDE-K.-o.-Turniere nahmen allerdings nur sehr wenige Weltklassespieler teil. Einerseits hinderte die libysche Staatsführung alle israelischen und jüdischen Schachspieler daran einzureisen, andererseits war ein umstrittener Vertrag der FIDE, der die Teilnehmer im Ungewissen über eine Vergütung ihrer Spesen ließ, Grund für zahlreiche Absagen.

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Bild:Flag of Uzbekistan.svg Rustam Kasimjanov ½1010½1½
Bild:Flag of the United Kingdom.svg Michael Adams ½0101½0½

Die FIDE-Schachweltmeisterschaft 2005 fand vom 27. September bis 16. Oktober in San Luis (Argentinien) statt. Die FIDE nahm Abstand vom umstrittenen K.O-System und veranstaltete zum ersten Mal seit 1948 ein Rundenturnier, das den Weltmeister küren sollte. Auch auf die heftig kritisierte verkürzte Bedenkzeit verzichtete die FIDE in dem Turnier, das mit der klassischen Bedenkzeitregelung von 2 Stunden/40 Züge danach 1 Stunde/20 Züge und 1 Stunde für den Rest ausgespielt wurde. Eingeladen waren acht Spieler; neben dem Titelverteidiger Rustam Kasimjanow auch Wladimir Kramnik und Garri Kasparow. Da Kramnik dieses Turnier nicht als WM und den Vereinigungsvertrag der konkurrierenden Weltmeisterschaften als von der FIDE gebrochen ansah, nahm er die Einladung nicht an, ebenso sagte auch Kasparow, der seine Karriere beendet hatte, ab. Es nahmen acht Spieler teil, die in 14 Runden jeweils zwei Partien gegeneinander zu spielen hatten. Der Bulgare Wesselin Topalow gewann das Turnier ungeschlagen mit 1,5 Punkten Vorsprung auf Viswanathan Anand und Pjotr Swidler, nachdem er eine überragende Leistung in der ersten Hälfte geboten hatte, indem er 6,5 Punkte aus den ersten 7 Partien erzielte, und in der zweiten Hälfte alle restlichen Partien remisierte.

WTVAPSAMPLRKMAJPPunkte
Bild:Flag of Bulgaria.svg Wesselin Topalow ##½½10
Bild:Flag of India.svg Viswanathan Anand ½½##½½½10111
Bild:Flag of Russia.svg Pjotr Swidler ½½##11½½½½
Bild:Flag of Russia.svg Alexander Morosewitsch 00##½1½1½½½½7
Bild:Flag of Hungary.svg Peter Leko ½0½0##½1
Bild:Flag of Uzbekistan.svg Rustam Kasimjanov 10½½½0½0##½½01
Bild:Flag of the United Kingdom.svg Michael Adams ½½½½½½##½½
Bild:Flag of Hungary.svg Judit Polgar 00½½10½½##

Die Wiedervereinigung 2006

Vom 23. September bis zum 13. Oktober 2006 fand in Elista ein Wettkampf zwischen Wesselin Topalow und Wladimir Kramnik statt, der die Zweiteilung der Schachweltmeisterschaft beenden sollte.

Gespielt wurden 12 Partien mit klassischer Turnierbedenkzeit (120 Minuten für die ersten 40 Züge, dann 60 Minuten für die nächsten 20 Züge, dann ab dem 61. Zug 15 Minuten für den Rest der Partie plus 30 Sekunden pro Zug). Sollte danach Gleichstand herrschen, geht es im Tiebreak weiter. Dabei werden zunächst 4 Partien gespielt, bei der jeder Spieler nur 25 Minuten Bedenkzeit erhält, plus 10 Sekunden pro Zug. Sollte auch damit keine Entscheidung herbeigeführt werden können, folgen 2 Blitzpartien. Wenn dann immer noch kein Weltmeister ermittelt wurde, gibt es eine letzte Partie, bei der Weiß 6 Minuten Bedenkzeit erhält und Schwarz 5 Minuten. Bei einem Remis wäre Schwarz Weltmeister.

123456789101112ErgebnisTiebreaks1234Endergebnis
Bild:Flag of Bulgaria.svg Wesselin Topalow 00½½+½½110½½6½010
Bild:Flag of Russia.svg Wladimir Kramnik 11½½-½½001½½6½101

Die 5. Partie wurde kampflos für Topalow gewertet. Nach einer mehrtägigen Auseinandersetzung aufgrund eines Protests Topalows (bzw. seines Managers Danailow), wonach geklärt werden müsse, ob die häufigen Toilettenbesuche Kramniks während der Partien rechtens seien, trat Kramnik zur 5. Partie nicht an. Die 6. Partie wurde zunächst zweimal verschoben. In dieser Zeit wurden zu den Meinungsverschiedenheiten weitgehend Kompromisse gefunden. Unter anderem wurde das Berufungskommitee abgelöst. Kramnik hielt seinen Protest gegen die Wertung der 5. Partie aufrecht, setzte den Wettkampf aber fort. Nachdem nach zwölf Runden kein Sieger feststand, setzte sich Kramnik im Tiebreak gegen Topalow durch und ist nun neuer einziger Schachweltmeister.

siehe: www.worldchess2006.com

Liste der FIDE-Schachweltmeister

Name Zeitraum Land
Efim Bogoljubow 1928–1929 UdSSR/Deutschland
Michail Botwinnik 1948–1957/1958–1960/1961–1963 UdSSR
Wassili Smyslow 1957–1958 UdSSR
Michail Tal 1960–1961 UdSSR
Tigran Petrosjan 1963–1969 UdSSR
Boris Spasski 1969–1972 UdSSR
Bobby Fischer 1972–1975 USA
Anatoli Karpow 1975–1985 UdSSR
Garri Kasparow 1985–1993 UdSSR/Russland
Anatoli Karpow 1993–1999 Russland
Alexander Chalifman 1999–2000 Russland
Viswanathan Anand 2000–2002 Indien
Ruslan Ponomarjow 2002–2004 Ukraine
Rustam Kasimjanov 2004–2005 Usbekistan
Wesselin Topalow 2005–2006 Bulgarien
Wladimir Kramnik seit 2006 Russland

Bemerkung: 1928 richtete die FIDE ihre erste offizielle Weltmeisterschaft aus: einen Wettkampf zwischen Efim Bogoljubow und Max Euwe (Ergebnis: 5,5-4,5), 1929 nochmals zwischen den beiden gleichen Gegnern (Ergebnis: 5,5-4,5). Beide Weltmeisterschaften gewann Bogoljubow. Auf dem 5. Kongress der FIDE, 1928 in Amsterdam - an dem der Weltmeister Alexander Aljechin gleichfalls teilnahm -, wurde Bogoljubow der Titel Champion der FIDE verliehen. (vgl. Isaak und Wladimir Linder: Das Schachgenie Aljechin, Berlin 1992, S.197.)

Von 1993 bis 2006 war die Schachwelt durch die PCA und FIDE geteilt, wodurch es zwei verschiedene Weltmeister gleichzeitig gab. Nach der Auflösung der PCA im Jahr 1995 wurden mehrere Versuche unternommen, die Weltmeistertitel zusammenzuführen. Mit der Weltmeisterschaft 2006 zwischen Wladimir Kramnik und Wesselin Topalow wurde diese Wiedervereinigung durchgeführt.

Liste der Schachweltmeister (In Kontinuität der Person seit Steinitz)

(Anm.: Diese Einteilung ist umstritten, da an die „Kontinuität“ teils unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden. So weigerte sich Fischer, seinen Titel gegen Karpow zu verteidigen, woraufhin der Titel 1975 kampflos an Karpow ging. 1993 wurden Kasparow und sein Herausforderer Short von der FIDE disqualifiziert, nachdem sie eine Konkurrenzorganistion zur FIDE gründeten, die die Schirmherrschaft über ihren Wettkampf übernahm, um mehr Preisgeld für sich zu aquirieren. Die FIDE veranstaltete eine "Ersatz-WM", und es kam zu einer Spaltung der Schachwelt.)

Name Zeitraum Land
Wilhelm Steinitz 1886–1894 Österreich-Ungarn/USA
Emanuel Lasker 1894–1921 Deutschland
José Raúl Capablanca 1921–1927 Kuba
Alexander Aljechin 1927–1935/1937–1946 Russland/Frankreich
Max Euwe 1935–1937 Niederlande
Michail Botwinnik 1948–1957/1958–1960/1961–1963 UdSSR
Wassili Smyslow 1957–1958 UdSSR
Michail Tal 1960–1961 UdSSR
Tigran Petrosjan 1963–1969 UdSSR
Boris Spasski 1969–1972 UdSSR
Bobby Fischer 1972–1975 USA
Anatoli Karpow 1975–1985 UdSSR
Garri Kasparow 1985–2000 UdSSR/Russland
Wladimir Kramnik seit 2000 Russland

Schachweltmeisterinnen

Name Zeitraum Land
Vera Menchik 1927–1944 Tschechoslowakei/Großbritannien
Ljudmila Rudenko 1950–1953 UdSSR
Jelisaweta Bykowa 1953–1956/1958–1962 UdSSR
Olga Rubzowa 1956–1958 UdSSR
Nona Gaprindaschwili 1962–1978 UdSSR (Georgien)
Maja Tschiburdanidse 1978–1991 UdSSR (Georgien)
Xie Jun 1991–1996/1999–2001 China
Zsuzsa Polgár 1996–1999 Ungarn
Zhu Chen 2001–2004 China
Antoaneta Stefanowa 2004–2006 Bulgarien
Xu Yuhua seit 2006 China

Weblinks

Siehe auch

Wikipedia
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