Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Gammafunktion

Aus Kefk.

(Weitergeleitet von Satz von Bohr-Mollerup)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:Gamma.png
Graph der Gammafunktion im Reellen
Bild:Gamma abs.png
Betrag der Gammafunktion für komplexe Argumente

Die Gammafunktion ist in der Mathematik eine Funktion, die definiert wird als

\Gamma(x)=\int_0^\infty t^{x-1} e^{-t} \mathrm{d}t

für x > 0. Sie genügt der Funktionalgleichung

\Gamma(x+1) = x\cdot\Gamma(x),

aus der sich mit der Bedingung Γ(1) = 1 der Wert der Gammafunktion für alle positiven ganzen Zahlen n als

Γ(n) = (n − 1)!

ergibt. Sie erweitert also die Fakultätsfunktion auf die positiven reellen Zahlen.

Die Gammafunktion lässt sich als meromorphe Funktion ohne Nullstellen auf die komplexe Zahlenebene mit einfachen Polstellen an den nichtpositiven ganzen Zahlen fortsetzen.

Aus der Gammafunktion leitet sich Gamma-Wahrscheinlichkeitsverteilung ab.

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsformen

Eine weitere Ausweitung des Definitionsbereichs erlaubt die Darstellung der Gammafunktion nach Gauß:

Parser-Fehler (die PNG-Konvertierung schlug fehl): \Gamma(x) = \lim_{n \to \infty} \frac{n!\,n^x}{x(x+1)(x+2)\cdots(x+n)} \;\hbox{für}\; x \in \mathbb{R}\backslash \{0, -1, -2, \dots\}.


Direkt aus der Gaußschen Darstellungsform abgeleitet ist diejenige von Karl Weierstraß:

\Gamma(x) = \left[ x \cdot \mathrm{e}^{\gamma x} \cdot \prod_{k=1}^{\infty} \left(1+\frac{x}{k}\right)\mathrm{e}^{-x/k} \right]^{-1},

wobei die Eulersche Konstante γ definiert ist als

\gamma = \lim_{n \to \infty} \left( \sum_{k=1}^n \frac{1}{k} - \ln n \right).

Näherungswerte der Gammafunktion für x > 0 liefert die Stirlingsche Formel da

x! = \Gamma(x+1) = \sqrt{2\pi}\frac{x^{x+1/2}}{\mathrm{e}^{x-\mu(x)}}

folgt für die Gamma Funktion

\Gamma(x) = \sqrt{2\pi}\frac{\left(x-1\right)^{x-1/2}}{\mathrm{e}^{x-1-\mu(x-1)}} \; \hbox{mit} \; 0 < \mu(x-1) < \frac{1}{12\left(x-1\right)}.

Der Satz von Bohr-Mollerup

Der Satz von Bohr-Mollerup (H. Bohr und J. Mollerup, 1922) erlaubt eine erstaunlich einfache Charakterisierung der Gammafunktion:

Eine Funktion G\colon\mathbb R_{>0}\to\mathbb R_{>0} ist in diesem Bereich gleich der Gammafunktion, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind:
  1. G(1)=1 \
  2. G(x+1)=x\cdot G(x)
  3. G \ ist logarithmisch konvex, d.h. x\mapsto\log G(x) ist eine konvexe Funktion.

Funktionalgleichungen

Die Gammafunktion genügt der Funktionalgleichung

\Gamma(x+1) = x\cdot\Gamma(x) mit Γ(1) = 1 und Γ(1 / 2) = π1 / 2

Der Ergänzungssatz der Gammafunktion

\Gamma(x) \Gamma(1-x) = \frac{\pi}{\sin( \pi x)}

erleichtert die Berechnung von Werten der Gammafunktion aus bereits bekannten Funktionswerten ebenso wie die Legendresche Verdopplungsformel

\Gamma\left(\frac{x}{2}\right)\Gamma\left(\frac{x+1}{2}\right) = \frac{\sqrt{\pi}}{2^{x-1}}\Gamma(x).

Unvollständige Gammafunktion

In der Literatur wird dieser Begriff, im Hinblick auf Integrationsgrenzen und Normierung(Regularisierung), nicht einheitlich verwendet.

Häufige Notationen sind:

\gamma(a,x)=\int_0^x t^{a-1} e^{-t}\,\mathrm{d}t     unvollständige Gammafunktion der oberen Grenze
\Gamma(a,x)=\int_x^\infty t^{a-1} e^{-t}\,\mathrm{d}t     unvollständige Gammafunktion der unteren Grenze
P(a,x)=\frac{\gamma(a,x)}{\Gamma(a)}     regularisierte (unvollständige) Gammafunktion der oberen Grenze
Q(a,x)=\frac{\Gamma(a,x)}{\Gamma(a)}     regularisierte (unvollständige) Gammafunktion der unteren Grenze

Spricht man von einer regularisierten Gammafunktion so induziert dies bereits schon dass sie unvollständig ist.

\Gamma(a,x,y)=\int_x^y t^{a-1} e^{-t}\,\mathrm{d}t     bzw.     \Gamma(a,x,y)=\frac{1}{\Gamma(a)}\int_x^y t^{a-1} e^{-t}\,\mathrm{d}t

steht für die verallgemeinerte unvollständige Gammafunktion. Unklar ist ob sie regularisiert ist oder nicht. Ebenso unklar ist ob man das Wort verallgemeinert darauf beziehen soll, dass nun beide Integrationsgrenzen variabel sind, oder ob es sich, wie bei den obigen vier Darstellungen, um eine Verallgemeinerung der (vollständigen) Gammafunktion handelt.

Geschichtliches

1730 stellte Leonhard Euler in einem Brief an Christian Goldbach folgendes Integral zur Interpolation der Fakultätsfunktion vor:

\Gamma(x) = \int_0^1 \left[\ln\left(\frac{1}{t}\right)\right]^{x-1} \mathrm{d}t

(Diese Funktionsdefinition geht durch die Substitution u = ln(1 / t) in die obige Form über.)

Dieses Integral entdeckte Euler bei der Untersuchung eines Problems aus der Mechanik, bei dem die Beschleunigung eines Partikels betrachtet wird.

Die Verwendung des griechischen Gamma-Zeichens und die uns heute vertraute Darstellung wurde erst später durch Adrien-Marie Legendre eingeführt.

Literatur

  • Emil Artin: Einführung in die Theorie der Gammafunktion. Leipzig, Teubner 1931.
    (nur noch in Bibliotheken erhältlich)
  • Philip J. Davis: Leonhard Euler's Integral: A Historic Profile of the Gamma Function. In: American Mathematical Monthly, Band 66, Jahrgang 1959, Seiten 849-869.
  • Konrad Königsberger: Analysis 1. Heidelberg, Springer 2003, ISBN 3-540-40371-X.

Weblinks

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Gammafunktion, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Gammafunktion, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge