Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Saturn-Film

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:Johann Schwarzer movies about 1906.jpg
Erotische Aufnahmen für Herrenabende - produziert ab 1906 vom Wiener Fotografen Johann Schwarzer.

Die Saturn-Film war eine von 1906 bis 1911 bestehende Wiener Filmproduktionsgesellschaft. Gegründet wurde sie vom damals 26-jährigen Fotografen Johann Schwarzer. In seinem Fotoatelier in der Fasangasse 49 des 3. Wiener Gemeindebezirkes stellte er ab Mitte 1906 erotische Kurzfilme her. Da bis zu diesem Jahre in Österreich nur im Ausland oder von ausländischen Produzenten hergestellte Filme gezeigt wurden, gilt die Saturn-Film auch als erste österreichische Filmproduktionsgesellschaft.

Wenig später nach der Gründung übersiedelte Johann Schwarzer mit seinem Atelier an den Arenbergring 15, wo er die Herstellung ausbauen konnte. Ab 1. April 1907 lassen sich Inserate in der Fachzeitschrift „Kinematographische Rundschau“ nachweisen. Seine Kataloge zur Filmauswahl versandte er auch ins Ausland. So stand am Katalog des Jahres 1907 geschrieben „Saturn-Atelier pour films piquants“, gefolgt vom Hinweis „Wir machen an dieser Stelle aufmerksam, daß unsere Films rein künstlerischer Tendenz sind und wir auf das peinlichste vermeiden, der Schönheit durch Geschmacklosigkeit Abbruch zu tun“. Rasch erfreuten sich die „pikanten Herrenabendfilme“ internationaler Beliebtheit.

Zu jedem der 20 im Katalog angebotenen Filme gab es eine genaue Beschreibung und ein Foto – so hatte es sich Schwarzer von den großen französischen Produktionsgesellschaften wie den Pathé Frères abgeschaut. Verrechnet wurde nach Filmlänge. Der 110 Meter lange Streifen „Eine moderne Ehe“ (1906) kostete beispielsweise 198 Kronen. Andere Filme im Katalog trugen Titel wie „Am Sklavenmarkt“, „Das Sandbad“ und „Weibliche Ringkämpfer“. Das Geschäftstreiben endete 1911 durch polizeiliche Beschlagnahmung der Filmmaterialien. Zu dieser Zeit war Österreich bezüglich nackter Haut noch sehr restriktiv. So wurde ein Jahr später auch der Maler Egon Schiele wegen „pornographischer Darstellungen“ für 24 Tage inhaftiert.

Produktionen

Bei sämtlichen Produktionen handelte es sich aus technischen Gründen um schwarz-weiße, stumme, Kurzfilme im Format 35 mm. Das Filmmaterial war der damals übliche Zelluloidfilm aus Nitrozellulose, dessen wesentliche Eigenschaften leichte Entflamm- und Zersetzbarkeit sind. Dennoch sind die einigen wiedergefundenen Produktionen von der Länge her großteils erhalten und werden vom Filmarchiv Austria aufbewahrt.

  • Eine moderne Ehe, 1906 (Originallänge: 110 Meter; erhaltene Länge: 107 Meter; deutsche Zwischentitel)
  • Der Traum des Bildhauers, 1906 (Originallänge: 95 Meter; erhaltene Länge: 79 Meter)
  • Die Macht der Hypnose, 1908 (erhaltene Länge: 131 Meter)
  • Am Sklavenmarkt, 1906/1907 (erhaltene Länge: 50 Meter)
  • Das Sandbad, 1906/1907 (erhaltene Länge: 29 Meter)
  • Weibliche Ringkämpfer

Literatur

  • Michael Achenbach, Paolo Caneppele, Ernst Kieninger: Projektionen der Sehnsucht: Saturn, die erotischen Anfänge der österreichischen Kinematografie. Filmarchiv Austria, Wien 2000, ISBN 3901932046.
  • Walter Fritz: Im Kino erlebe ich die Welt: 100 Jahre Kino und Film in Österreich. Verlag Christian Brandstätter, Wien 1996, ISBN 3854476612.
  • Walter Fritz: Kino in Österreich 1896 - 1930. Der Stummfilm. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1981, ISBN 3-215-04429-3.
  • Ernst Kieninger: Das klassische Wanderkino 1896-1914. Diplomarbeit, Wien 1992, S.306ff
Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Saturn-Film, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge