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SPUR

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SPUR, auch S. P. U. R., war eine avantgardistische Gruppe bildender Künstler, die 1958 in München gegründet wurde. Sie leistete einen wichtigen künstlerischen und mit ihrem Manifest auch theoretischen Beitrag zur deutschen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Ihr gelang der Anschluss an die europäische Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zur Gruppe SPUR gehörten folgende Künstler:

Gegen 1960 stieß Dieter Kunzelmann (* 1939) zu der Gruppe und wurde ihr Theoretiker und Mitherausgeber der Zeitschrift SPUR. Er war hier Autor mehrerer Artikel und war Verfasser und Unterzeichnender diverser Flugblätter und Manifeste, wie z.B. des Januar-Manifests.

Die Malerei der Gruppe ist geprägt von abstraktem Expressionismus, dem Tachismus und der Richtung Informel, sowie von den Theorien der Situationisten um Asger Jorn und Guy-Ernest Debord. Bis zum ihrem Ausschluss am 10. Januar 1962 durch den Zentralrat der Situationistischen Internationale galt die Münchener Gruppe als offizielle deutsche Sektion der S.I.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die SPUR-Künstler lernten sich an der Akademie der Bildenden Künste in München kennen. 1957 formierten sie sich zur Gruppe, die bis 1965 bestand. Mitglieder der Gruppe SPUR waren zusammen mit der Gruppe COBRA, Vertretern der Gruppe um Debord und anderen Künstlern, Literaten und Theoretikern die Situationistische Internationale. Die Künstler beschäftigten sich sowohl mit Malerei als auch mit gesellschaftspolitischen Fragen, was für sie kein Widerspruch, sondern programmatischer Bestandteil war.

Die Gruppe SPUR gab insgesamt 7 Hefte unter dem Namen SPUR heraus. Das berühmteste Heft mit einer Auflagenhöhe von 1500 Stück und zahlreichen Abbildungen ist das Heft Nr. 6 „Spur im Exil“.

Am Ende der dritten Konferenz der Situationistischen Internationalen verteilte die Gruppe am 21. April 1959 in München ihr Manifest, das Fluglatt Ein kultureller Putsch während Ihr schlaft!. Unterzeichner waren H. Prem, H. P. Zimmer, H. Sturm, G. Stadler, L. Fischer, A. Jorn, D. Rempt, E. Eisch und G. Britt. In dem Flugblatt setzt sich die Gruppe mit markigen Worten vom Kunstbetrieb ab und fordert: „Wer Kultur schaffen will, muß Kultur zerstören.“. Die Künstler sprechen der Kunst jeden Bezug zur Wahrheit ab und nennen die abstrakte Malerei einen „hundertfach abgelutschte[n] Kaugummi“. Sie fordern „den Kitsch, den Dreck, den Urschlamm, die Wüste“, „den Irrtum, einen ehrlichen Nihilismus und prohpezeihen die Malerei der Zukunft als „polydimensional“. Als jeweils „dritte Welle“ setzten sich in die Tradition des Tachismus, des Dada, des Futurismus und des Surrealismus. Das Manifest schließt mit beschwörungsartigen Formeln: „WIR SIND DIE DRITTE WELLE. Wir sind ein Meer von Wellen (SITUATIONISMUS). WIR SIND DIE MALER DER ZUKUNFT!“

Gegen die Gruppe fand u. a. einer der spektakulärsten Gotteslästerungsprozesse der BRD statt. Heimrad Prem, Helmut Sturm, H. P. Zimmer und Dieter Kunzelmann wurden in der ersten Instanz wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften zu Haftstrafen von 5 Monaten bzw. 5 Monaten und 2 Wochen verurteilt, die aber in zweiter Instanz zur Bewährung ausgesetzt wurden. Eine Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht wurde allerdings 1975 endgültig abgelehnt.

Sammlungen

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Museum SPUR in Cham

Das Museum S. P. U. R. in Cham will Wirken und Arbeiten der Gruppe sowie ihren regionalen Bezug zur Oberpfalz (ein Teil der SPUR-Künstler stammt aus dieser Region) und zu Cham dokumentieren.

Eine weitere umfangreiche Spezialsammlung mit etwa 30 Werken ist in den Räumen der Peter-und-Gudrun-Selinka-Stiftung in Ravensburg ausgestellt.

Literatur

  • Ein kultureller Putsch: Manifeste, Pamphlete und Provokationen der Gruppe SPUR. Edition Nautilus, Hamburg 1991
  • Frank Böckelmann, Herbert Nagel: Subversive Aktion – Der Sinn der Organisation ist ihr Scheitern. Edition Nautilus, Frankfurt 1976, ISBN 3-8015-0142-6
  • Markus Henning, Rolf Raasch: Neo-Anarchismus in Deutschland. Entstehung, Verlauf, Konfliktlinien. OPPO-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-926880-13-9
  • Nina Zimmer: SPUR und andere Künstlergruppen. Gemeinschaftsarbeit in der Kunst um 1960 zwischen Moskau und NewYork. Berlin, 2002 (zugl. Diss., Univ. Göttingen 2001)
  • Dieter Kunzelmann: Leisten Sie keinen Widerstand. Transit Verlag, Berlin-Kreuzberg 1998, ISBN 3-88747-132-6
  • Literatur von und über SPUR im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Weblinks

Wikipedia
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