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Russische SFSR

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Bild:COA Russian SFSR.png
Wappen der RSFSR (1917 bis Ende)
Aufschrift: РСФСР - Пролетарии всех стран, соединяйтесь!
RSFSR - Proletarii wsech stran, sojedinjaites!/Proletarier aller Länder, vereinigt euch! (Motto der UdSSR)
Bild:SovietUnionRussia.png
Karte der RSFSR (Gebietsstand 1956-1991); restliche UdSSR hellrot.

Die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) (eigentlich Russländische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, russische Росси́йская Сове́тская Федерати́вная Социалисти́ческая Респу́блика; Rossijskaja sowetskaja federatiwnaja sozialistitscheskaja respublika) war die größte und bevölkerungsreichste Unionsrepublik der Sowjetunion.

Sie wurde kurz nach der Oktoberrevolution am 7. November 1917 gegründet und gehörte 1922 zu den Gründungsmitgliedern der neu gegründeten Sowjetunion. Kurz vor deren Auflösung im Dezember 1991 wurde sie dann unter dem Namen Russische Föderation bzw. Russländische Föderation als juristischer Nachfolger der ehemaligen Sowjetunion unabhängig.:

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Die Februarrevolution 1917 beendete die Zarenherrschaft in Russland. Daraufhin trat eine Doppelregierung aus Parlament (Duma) sowie Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjet) die Nachfolge an. Der Oktoberumsturz durch die kommunistischen Bolschewiki des Jahres 1917 veränderte den Charakter bzw. das Handeln der Sowjets (Räte) grundlegend. Der "begrenzte" Pluralismus, der in der Selbstbezeichnung des Jahres 1917 in der revolutionären Demokratie zum Ausdruck kam, ging zu Ende. Die Sowjets verstanden sich zunächst zwar entschieden parteilich als Interessenvertretung der ausgebeuteten Klassen, wovon sie Repräsentanten bzw. Vertreter der bürgerlichen Schichten und des politischen Liberalismus ausschlossen. Aber sie ließen Raum für unterschiedliche Auffassungen über die geeignetsten Mittel und Wege, das Los der Unterdrückten zu verbessern.

Die Bolschewiki und ihre linkssozialrevolutionären Genossen wollten diese Toleranz nunmehr nicht länger akzeptieren. Ihre Delegierten im zweiten Allrussischen Kongress der Arbeiter- und Soldatendeputiertenräte wählten noch am Abend des 25. Oktobers ein neues Exekutivkomitee (Ausübendes Komitee) aus den eigenen Reihen. Obwohl mit Lew Kamenew ein Befürworter einer sozialsozialistischen Allparteienkoalition an seiner Spitze stand, war die Gleichstellung damit faktisch bereits vollzogen. Der oberste Sowjet wurde zum Instrument der Bolschewiki.

Gründung

Bild:Flag RSFSR 1918.svg
Erste Flagge der RSFSR (1918/20-1937)
Bild:Flag of Russian SFSR.svg
Vorletzte Flagge der RSFSR (1954-1991)

Bild:Flag of Russia.svg Die neuen Machthaber bauten den Sowjet (Rat) systematisch zu einem alternativen Repräsentationsorgan der Vollbürger ihrer Definition aus. Ein erster Schritt bestand in der Einverleibung des Allrussischen Bauernsowjets, die der dritte Allrussische Kongress der Arbeiter- und Soldatendeputierten in der zweiten Januarwoche 1918 förmlich vollzog. Damit wurde ein zentrales Gremium geschaffen, das als Gegenmodell zum bürgerlichen Parlament fungieren konnte und auf die Provinz übertragbar war. Der zweite Schritt bestand in der Ausarbeitung einer förmlichen Verfassung, die eine solche Hierarchie von Räten auf vier Ebenen (ländliche Bezirke (russ.: wolosti), Kreise (uezdi), Gouvernements (gubernii) und Großregionen (Oblasti)) etablierte und die jeweiligen Kompetenzen regelte. Dieses Dokument, mit dem die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) offiziell in die Staatenwelt eintrat, fixierte auch die prinzipiellen Eigenarten der Räteordnung im Unterschied zur parlamentarischen Demokratie.

Zu nennen sind dabei:

  1. die Beschränkung des Wahlrechtes auf diejenigen, die ihren Lebensunterhalt aus produktiver und gesellschaftlich nützlicher Arbeit bestritten. Wer Lohnarbeiter beschäftigte oder von Rentnen und Wertpapieren lebte, war ausgeschlossen; Kaufleute und Priester entmündigte man per definitionem.
  2. die Trennung zwischen Exekutive (ausübende) und Legislative (gesetzgebende Gewalt), wie sie Baron de Montesquieu (Vom Geist der Gesetze, 1748) erstmals gefordert hatte und seit der Französischen Revolution zur Grunde der liberalen Demokratie geworden war, wurde aufgehoben. Da sich der Arbeiter- und Bauernstaat exklusiv als Instrument seiner Klientel verstand, büßte auch die Justiz ihre Unabhängigkeit ein. Die Sowjetverfassung hob damit die Gewaltenteilung insgesamt auf.
  3. der Verzicht auf eine Direktwahl der höheren Räte und deren pyramidale Bestellung. Auf diese Weise war der Selektion der wichtigen Entscheidungsträger Tür und Tor geöffnet. Um sie zu konterkarieren, hätte es eines starken Pluralismus auch im Zentrum der Macht bedurft. Einen solchen vermochte Lenin auch am Ende des Bürgerkrieges (und auch darüber hinaus) zu verhindern.

Unabhängigkeitsbewegungen

Nachdem das zaristische Russland im Februar 1917 zusammenbrach und von einer nachfolgende Doppelregierung regiert wurde, die im Oktober des selben Jahres durch den bolschewistischen Staatsstreich gestürzt wurde, sprachen sich einige Nationalebewegungen der "Nicht"russische Bevölkerung für einen eigenen Nationalstaat aus, nachdem sie bis dahin nur nach mehr Selbstbestimmung forderten. Von Sowjetrussland und seiner Roten Armee ging zwischen den Jahren 1918 und 1921 außerdem eine Restitution des ehemaligen Zarenreiches und dem damaligen Vielvölkerreiches aus. Von den ehemaligen Gebieten, die zum Zarenreich gehörten, wurden das vom Zarenreich besetzte Polen, die Baltischen Staaten und Bessarabien unabhängig.

Gebietsänderungen

Schon kurz nach der Gründung der UdSSR erweiterte sich das Gebiet der RFSFR. So wurden Anfang der 1920-er Jahre die Fernostlichen Pufferstaaten zwischen Japan und Sowjetrussland (Fernöstliche Republik bzw. Küstenrepublik) und 1925 das Gebiet um die damalige kasachische Hauptstadt Orenburg russisch.

Die größten Änderungen des Gebietstandes der RFSFR geschahen jedoch um den zweiten Weltkrieg, die ersten Änderungen waren Folgen des Hitler-Stalin-Paktes: Nach der Annexion Ostpolens durch die westlichen Sowjetrepubliken, wurden einige Grenzgebiete im Osten, so die Stadt Smolensk, von den westlichen Mitgliedern der UdSSR an die RFSFR abgetreten. Die im Winterkrieg 1939/40 eroberten Gebiete wurden teilweise der RFSFR zugschlagen, zum Teil aber mit den russischen Teilen Kareliens zur Karelo-Finnischen SSR vereinigt.

1944 trat die faktisch seit den 1920-er Jahren sowjetische Volksrepublik Tannu-Tuwa der UdSSR bei, um als ein autonomes Gebiet, später autonome Republik innerhalb der Russlands zu werden.

Nachdem Finnland den Fortsetzungskrieg 1941-1944 verloren hatte, musste es 1947 weitere kleinere Gebiete (vor allem den einzigen Zugang Finnlands zum Nordmeer) an Russland abtreten. Im Westen gliederte die UdSSR den Osten Ostpreußens um Königsberg, die heutige Oblast Kaliningrad, in die RFSFR ein. Im Osten fielen die lange zwischen Russland und Japan umstrittenen und im zweiten Weltkrieg durch die UdSSR eroberten Inseln Sachalin und die Kurilen an die RFSFR.

1954 verringerte sich das Gebiet Russlands, als auf Anweisung Stalins die Krim an die Ukrianie transferiert würde. 1956 wurde die Karelo-Finnische SSR in die RFSFR als Autonome SSR Karelien eingegleidert.

Bevölkerung

In der RSFSR lebten nach der letzten Volkszählung, im Jahre 1989, ca. 147 Millionen Menschen, dies stellte ungefähr 51 % der gesamten Bevölkerung in der UdSSR dar. Die Bevölkerung setzte sich zu dieser Zeit, größtenteils, aus den folgenden Bevölkerungsgruppen zusammen:

Nationalität Bevölkerungsanzahl Nationalitätenanteile
Russen 120 Mio.¹² 81,5 %¹
Tataren 5,5 Mio.¹² 3,8 %¹
Ukrainer 4,3 Mio.¹² 3,0 %¹
Tschuwaschen 1,8 Mio.¹² 1,2 %
Baschkiren 1,3 Mio.¹² 0,9 %
Mordwinen 1,0 Mio.¹² 0,7 %
Gesamte RSFSR 147 Mio.¹² 100,0 %

¹ Bevölkerungszahlen und Prozentzahlen, laut [1].

² Bevölkerungszahlen, laut [2]

Bei den über 27 Mio. "Nicht"-Russen, die in der RSFSR lebten nur 9,4 Mio.(Stand 1989) von ihnen in ihren eigentlichen jeweiligen nationalen bzw. historischen Gebieten, da sie durch Flucht, Umsiedlung oder aus eigenem Antrieb diese Gebiete verlassen hatten.

Literatur

  • Kappeler A.; Rußland als Vielvölkerreich: Entstehung, Geschichte, Zerfall, München 1992.
  • Mark, R. A., Die Völker in der ehemaligen Sowjetunion: Die Nationalitäten der GUS, Georgiens und der baltischen Staaten, Ein Lexikon, 2. Aufl. Opladen 1992.
  • Roland Götz/Uwe Halbach; Politisches Lexikon GUS, 3. Aufl. 1995.
  • Simon G. und N.; Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums, München 1993.
  • Simon G.; Nationalismus und Nationalitätenpolitik in der Sowjetunion: Von der totalitären Diktatur zur nachstalinistischen Gesellschaft, Baden-Baden 1986.Wein, N., Die Sowjetunion, 2. Aufl., Paderborn usw. 1983.

Fußnoten

  1. Roland Götz/Uwe Halbach; Politisches Lexikon GUS, 3. Aufl. 1995.
  2. Mark, R. A., Die Völker in der ehemaligen Sowjetunion: Die Nationalitäten der GUS, Georgiens und der baltischen Staaten, Ein Lexikon, 2. Aufl. Opladen 1992.

Siehe auch

Wikipedia
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