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Rundturmkirche
Aus Kefk.
Bild:Theberton.jpg Beispiel für eine reetgedeckte Rund- turmkirche: Theberton St Peter's Church, Suffolk, England |
Bild:Cockley Cley.jpg Beispiel für einen verfallenen Rundturm: Cockley Cley All Saints Church, Norfolk, England |
Bild:Bramfield.jpg Beispiel für eine Rundturmkirche mit separatem Turm: Bramfield St Andrew's Church, Suffolk, England |
Bild:Berg-Kirche.jpg Die Rundturmkirche St. Martin in Berg/Elsaß, Frankreich |
Bild:Oeversee-g1.jpg Beispiel für eine deutsche Feldsteinkirche: Oeversee St Georg, Schleswig-Holstein |
Rundturmkirchen stellen eine besondere architektonische Form von Kirchengebäuden dar. Der Großteil dieser Kirchen findet sich in England, und hier insbesondere in der östlichen Region East Anglia. So gibt es allein in Norfolk 124 Rundturmkirchen, in Suffolk 38. Weitere counties mit mindestens einer Rundturmkirche sind Essex, Cambridgeshire, Sussex und Berkshire.
Auch in Deutschland ist diese Kirchenform anzutreffen. So gibt es u.a. in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland Beispiele von Rundturmkirchen.
Weitere Länder mit mindestens einer Rundturmkirche sind u.a. Frankreich (hier finden sich alleine in der Region Elsaß-Lothringen über ein Dutzend dieser Kirchen), Andorra, Schweden und Schottland.
Insbesondere die Rundturmkirchen in East Anglia sind häufig sächsischen Ursprungs, und somit teilweise schon über 1.000 Jahre alt. Ein typisches Charakteristikum vieler Rundturmkirchen gerade in Norfolk ist das Reetdach, eine in dieser Gegend früher oftmals anzutreffende Form der Bedachung.
Kurios ist häufig auch die Lage dieser Kirchen: sie liegen teilweise weit ab von jeglichen menschlichen Ansiedlungen. Ein Grund hierfür ist, dass die Landherren früher häufig die ihnen unterstellten Bewohner umsiedelten, um sich Jagdgründe zu schaffen. Die Behausungen wurden dann einfach abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut, an die Kirchen traute man sich jedoch nicht heran, so dass sie heute häufig sehr einsam und allein in der Landschaft stehen, und manchmal nur über Fußwege erreichbar sind.
Hieraus ergibt sich allerdings heute das Problem, dass viele dieser Kirchen keine Gemeinden mehr haben, und damit entweder ausgesegnet und dem Verfall preisgegeben werden, oder durch gemeinnützige Organisationen wie z.B. den „Churches Conservation Trust“, die sich über Spenden finanzieren, erhalten werden müssen. Geldmangel führt auch oft dazu, dass die eigentlich ursprünglichen Reetdächer nicht mehr erneuert werden können, oder – schlimmer noch – die Kirchen teilweise oder ganz verfallen.
Hauptmerkmal dieser Kirchenform ist natürlich der runde Turm. Nach wie vor ist jedoch ungeklärt, wieso auf diese Form zurückgegriffen wurde. Hierzu gibt es verschiedene Theorien:
- Viele Rundturmkirchen – gerade in East Anglia – befinden sich in Gebieten, in denen es wenig geeignetes Baumaterial gab. Da es einfacher ist, runde Formen mit den vorhandenen weicheren Steinen zu bauen, wurden die Türme rund konstruiert. Gegen diese Theorie spricht wiederum, dass man gerade in Norddeutschland viele Rundturmkirchen aus Feldstein findet.
- Andere Kirchen befinden sich in Gebieten, die häufigen Plünderungen durch Wikinger unterworfen waren. Daher gibt es die Theorie, dass es sich ursprünglich um Wehrtürme gehandelt haben könnte. Gegen diese Theorie spricht jedoch, dass die Türme im Regelfall zu kurz waren, um ausreichenden Schutz zu bieten, und außerdem häufig erst später an bestehenden Kirchen angebaut wurden. Dies erkennt man häufig daran, dass die Wände des Turms an der Stelle, an der er an das Schiff angebaut ist, flach sind.
- Häufig gibt es auch Versuche, die runden Türme aufgrund örtlicher Gegebenheiten zu erklären, wie z.B. frühgeschichtliche Steinkreise oder Brunnen.
Eine abschließende, allgemein zufriedenstellende Erklärung steht jedoch nach wie vor aus.
Rundturmkirchen sind übrigens nicht zu verwechseln mit den keltischen Rundtürmen, wie man sie in Irland oder Schottland häufig findet (z.B. im irischen Glendalough), bzw. mit Rundkirchen, die - im Gegensatz zu Rundturmkirchen - einen runden Grundriß aufweisen.
Literatur
- W. J. Goode, Round Tower Churches of South East England (Round Tower Churches Society); das Standardwerk zum Thema
- The Round Tower Churches of Norfolk by Lyn Stilgoe – Illustrations by Dorothy Shreeve, Canterbury Press Norwich, ISBN: 1853114480
- Heidi Kügler, Rundturmkirchen im Bliesgau, 1. Aufl.. – Neuss 1993., 19 S., zahlr. Ill., ISBN: 3-88094-755-4. - (Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Reihe: Rheinische Kunststätten 394: Saarland)
Weblinks
- Seite in Deutsch und Englisch mit Photos von Rundturmkirchen in ganz Europa
- Seite der „Round Tower Churches Society“ mit Sitz in Norfolk/England
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