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Rumänische Sprache

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Rumänisch (limba româna)
Gesprochen in Rumänien, Moldawien, Serbien, Ukraine, Bulgarien, Ungarn
Sprecher 30 Millionen
Linguistische
Klassifikation
Rumänisch
Offizieller Status
Amtssprache in Rumänien, Moldawien, Vojvodina (Serbien) und Europäische Union
Sprachcodes
ISO 639-1: ro
ISO 639-2: (B) rum (T) ron
ISO 639-3 (SIL): RUM

Rumänisch (auch Dakorumänisch) ist eine Sprache aus dem romanischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Dort gehört sie zur Untergruppe der balkanromanischen Sprachen bzw. ostromanischen Sprachen (gekennzeichnet durch das Fehlen des Plural-s). Als offizielle Mehrheitssprache wird das Rumänische in Rumänien und Moldawien gesprochen. In Rumänien, das eine Bevölkerung von mehr als 21,7 Mio. Einwohner hat, gibt es ca. 19,4 Mio. Muttersprachler, in Moldawien mit einer Bevölkerung von 4,5 Mio. sind es 3,9 Mio. Muttersprachler. Außerhalb dieser Länder sprechen ca. 4,5 Mio. Menschen Rumänisch als Muttersprache. In der Ukraine, in Bulgarien, Serbien und Ungarn wird das Rumänische als eine Minderheitssprache lokal und in der Familie gesprochen. Rumänische Kolonien gibt es in den USA, Kanada, Südamerika, Australien, Israel, der Türkei und mehreren europäischen Staaten, wie Frankreich, Deutschland, Schweden, sowie in Asien (Kirgisistan und Abchasien).

Der Sprachcode des Rumänischen ist ro bzw. ron oder rum (nach ISO 639).


Inhaltsverzeichnis

Verbreitung und rechtlicher Status

Bild:Map Roumanophone World.png
Rumänisch in der Welt; Blau: Amtssprache, Hellblau: Verkehrsprache
Bild:RumänischSprachigesEuropa.png
Rumänisch in Europa; Blau: Amtssprache, Hellblau: Verkehrsprache

Land Sprecherzahl Erhebung
Rumänien 21.660.679 Januar 2006
Moldawien 4.455.421 Juli 2005
Serbien (meistens in den Grenzregionen zu Rumänien) 74.630 April 2002
Ukraine (hauptsächlich Oblast Czernowitz und Budschak) 410.000 2001
Quellen: Volkszählungen der verschiedenen Staaten


Rumänisch wird von ungefähr 30 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen der größte Teil in Rumänien und Moldawien lebt. Die moldauische Sprache, die in Moldawien Amtssprache ist, ist bis auf den Namen weitgehend mit dem Rumänischen identisch.

In Serbien wird rumänisch von 74.630 Personen gesprochen. Nördlich der Donau bezeichneten sich diese Sprecher meistens als "Rumänen", während südlich davon die Eigenbezeichnung "Vlachen" vorwiegt (Siehe Hauptartikel Walachen in Serbien). In der Vojvodina ist Rumänisch eine der 6 offiziellen Sprachen der Region. Dort ist sie die Muttersprache von 30.520 Menschen.

In Bulgarien wird rumänisch von ein paar Tausend Personen im Nordwesten des Landes gesprochen (in einigen Dörfern in der Umgebung von Vidin).

Weitere mit dem Rumänischen verwandte Sprachen werden in weiteren Ländern des Balkans gesprochen (Aromunische Sprache, Istroromanische Sprache, Meglenoromanische Sprache). Die nächstverwandte Sprache ist Italienisch. Muttersprachliche Rumänen können einfaches Italienisch meist recht gut verstehen, umgekehrt gelingt dies seltener, da das Rumänische ungefähr 10% slawische Wörter aufgenommen hat. Zudem unterscheidet sich die Lautsprache im Rumänischen von der italienischen Sprache, da es Laute kennt, die es aus dem Slawischen übernommen hat.

Die rumänische Rechtschreibung orientiert sich ähnlich stark wie die italienische an der tatsächlichen Aussprache, wenn man bedenkt, dass das Rumänische ein Sortiment an Sonderzeichen hat, um die aus dem Slawischen kommenden Laute auch zu kennzeichnen, die das Italienische nicht kennt.

Bis zum 18. Jahrhundert schrieb man Rumänisch in kyrillischer Schrift, die Siebenbürgische Schule entwickelte das bis in die heutige Zeit benutzte Lateinische Alphabet mit Sonderzeichen. Die Rechtschreibung wurde allerdings zwei großen Reformen unterzogen, die zweite fand 1993 statt.

Bild:Romania Graiuri2007.jpg
die rumänischen Mundarten

Sprachliche Situation und Dialekte

Allgemeines

Das Rumänische ist eine romanische Sprache. Demzufolge ist es eine indoeuropäische flektierende Sprache, und zwar die östlichste romanische Sprache. Es ist aus dem Latein, das in den römischen Provinzen Dakien (Dacia) und Moesien, d.h. nördlich und südlich der Donau, gesprochen wurde, hervorgegangen. Die kurze Zeit der römischen Herrschaft von 107 bis 271 n. Chr. nördlich der Donau genügt nicht, um die Herausbildung des Rumänischen in diesem Raum zu erklären. Es müssen sowohl die stärker romanisierten Gebiete südlich der Donau, die weiterhin unter römischer Herrschaft verblieben waren, als auch die starken wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte der in Dakien verblieben Bevölkerung mit dem römisch-byzantinischen Reich in Betracht gezogen werden.

Die Entstehung des Rumänischen wird analog zur Geschichte der anderen romanischen Sprachen im 7. bis 9. Jahrhundert angesetzt. Die Elemente, die der rumänischen Sprache zugrunde liegen, sind das lateinische Strat, das thrako-dakische Substrat.

Substrat und Superstrat

Das Thrako-Dakische ist höchstwahrscheinlich eine indoeuropäische Satemsprache, mit der das Lateinische nach der Eroberung Dakiens durch Trajan (106 n. Chr.) in Kontakt getreten ist. Die äußerst spärlichen Angaben über diese Sprache gestatten nur Hypothesen über den Umfang seines Einflusses. Aus dem Substrat stammen höchstwahrscheinlich Wörter wie buză "Lippe", copac "Baum", copil "Kind", mal "Ufer", măgar "Esel", moş "Greis", raţă "Ente", a se bucura "sich freuen" usw.

Das Superstrat des Rumänischen ist das Slawische und teilweise das Deutsche. Bei der Bildung des Rumänischen spielten sie die gleiche Rolle wie die Germanen in der westlichen Romania. Auch sie wurden letzten Endes durch die romanische Bevölkerung assimiliert, da sie soziopolitisch noch wenig differenziert waren. Ihr Einfluss im Rahmen des romanisch-slawischen Bilinguismus des 6. bis 9. Jahrhunderts ist besonders groß im Wortschatz und in der Wortbildung. Wichtige Wörter, viele aus dem Kernwortschatz, stammen aus dem slawischen Superstrat, wie etwa boală "Krankheit", bogat "reich", boier "Bojar, Adliger" brazdă "Furche". Nicht selten drücken slawische Substantive Begriffe aus, die Verben lateinischen Ursprungs entsprechen: plug "Pflug" - a ara "pflügen" sită "Sieb" a cerne "sieben" a rade "rasieren" usw.

Die Stilebenen

Geht man von den diamesischen Unterschieden aus, kann man die rumänischen Stilvarietäten einteilen in: a) geschriebene Sprache, deren wichtigste Form die Literatursprache (limba literară) ist, die wieder in "gepflegt" (cultă) und "volkstümlich" (populară) unterteilt werden kann. Die gepflegte "Literatursprache" (ungefähr "Hochsprache") weist wiederum funktionelle Varietäten auf; gesprochene Sprache, die in "ländliche" (rurală) und "städtische" (citadină) zerfällt.

Alphabet und Aussprache

Die rumänische Sprache wird seit 1860 mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Dabei entsprechen alle Vokal- und die meisten Konsonantenbuchstaben jeweils genau einem Laut. Entwickelt wurde das Alphabet durch die Siebenbürgische Schule, die Phonologie leitet sich teils vom Italienischen und teils vom Französischen ab. Das vollständige Alphabet umfasst das lateinische Alphabet mit dazu 5 Sonderzeichen:

a, ă, â, b, c, d, e, f, g, h, i, î, j, k, l, m, n, o, p, q, r, s, ş, t, ţ, u, v, x, y, z

Damals, als ausgehend von den Bestrebungen der Siebenbürgischen Schule das kyrillische durch das lateinische Alphabet ersetzt wurde, enthielt es noch zusätzlich die Buchstaben ê und û, so dass die Schriftsprache zusätzliche etymologische Information enthalten konnte. Folgerichtig wurde damals sînt (ich bin) sûnt geschrieben, da es dem vulgärlateinischen sum entstammt, und nicht etwa sim. Da auch damals die Nichtgelehrten des Lateinischen nicht mächtig waren und es somit schwierig zu wissen war, wann â, wann ê und wann î zu schreiben sei, wurde eine Rechtschreibung, nach der sämtliche ɨ-Laute durch î geschrieben werden sollten, eingeführt. In den 1990er Jahren wurde dann wieder das â zusätzlich zum î offiziell eingeführt. Folgende Tabelle stellt die rumänischen Buchstaben dar, deren Aussprache sich von den deutschen unterscheidet:

Buchstabe IPA Aussprache im Deutschen
ă ə Ungerundeter halboffener Zentralvokal, annähernd wie das "e" im dt. Dschungel. Kann für Deutsche akustisch einem ö nahekommen.
â ɨ hat in der Deutschen Sprache keine Entsprechung, siehe ɨ. Kann für Deutsche akustisch einem ü nahekommen.
c wie "k", aber vor e und i wie "tsch" (wie Cembalo im ital. Cicciolina)
ch (vor e oder i) weiches "k" (wie im ital. Chianti)
e stets ein offenes "e", auch im Wortauslaut, ähnlich dem dt. "ä" in Bäcker
g wie "g", aber vor e und i wie stimmhaftes "dsch" (wie im ital. Angelo oder Gigolo)
gh (vor e oder i) "g" (wie Garnitur)
h ein sanfteres "ch" als in Bach (im Anlaut)
i unbetont am Ende eines Wortes fast unhörbar (palatalisiert), sonst "i"
î ɨ genau wie â, die Unterschiede in der Schreibweise sind sprachhistorisch bedingt
j ʒ stimmhaftes "sch" wie in frz. journalist
r das r wird gerollt
s s immer stimmloses "s" (wie im dt. Gasse)
ş ʃ "sch"
ţ "ts", wie geschriebenes dt. "z", naţionalitate
v wie dt. "w"
y i wie "i" (nur in Fremdwörtern), i-grec
z z immer stimmhaftes "s" (wie im dt. Suppe)

Phonologie

Vokale

Das Rumänische besitzt 8 Monophthonge.

Monophthonge des Rumänischen
  vorne zentral hinten
stimmhaft stimmlos
geschlossen i ɨ u
mittel e 1   ə o 1
offen   a  
  1. Die Halbvokale /e˘ o˘/ sind Bestandteil von Diphthongen und Triphthongen.

Konsonanten

Das Rumänische hat 20 Konsonanten.

Konsonanten des Rumänischen
  bilabial labio-
dental
alveolar post-
alveolar
palatal velar glottal
Plosive p b   t d     k g  
Affrikaten     ts      
Nasale m   n        
Vibranten     r        
Frikative   f v s z ʃ ʒ     h
Approximanten w1       j1    
Laterale     l        
  1. Die Laute w j sind Halbvokale.

Quelle: SAMPA für Rumänisch (englisch)

Grammatik

Hauptartikel: Rumänische Grammatik

Das Rumänische ist diejenige romanische Sprache, die bei der Flexion am meisten ausgebildet ist bzw. sich am wenigsten zurückentwickelt hat (und in dieser Hinsicht noch eng an das Lateinische angelehnt ist). Es besitzt eine Konjugation, die dem Lateinischen und Italienischen ähnelt, und es hat als einzige romanische Sprache eine Deklination mit den Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ. Während etwa die italienischen Nomen nur mit Artikel dekliniert werden können (wie im Deutschen z.B "dem Hund"), hat im Rumänischen jedes deklinierte Substantiv eine eigene Form.

Wortschatz

Die rumänische Sprache entwickelte sich aus dem Vulgärlatein und weist dementsprechend viele Wörter lateinischen Ursprungs auf. Zur Zeit wird die Wortähnlichkeit mit Italienisch auf 77 %, mit Französisch auf 75 %, mit Katalanisch auf 73 %, mit Spanisch auf 71 % sowie mit der portugiesischen und rätoromanischen Sprache auf 72 % geschätzt.

Um einen Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der fünf modernen romanischen Sprachen zu ermöglichen, folgt der Satz "Sie schließt immer das Fenster vor dem Essen." in der jeweiligen Sprache sowie in Latein. Verwandte Wörter sind zusammen mit dem Artikel fett geschrieben.

Ea semper fenestram claudit antequam cenet. (Latein)
Ea închide întotdeauna fereastra înainte de a cina. (Rumänisch)
Lei chiude sempre la finestra prima di cenare. (Italienisch)
Elle ferme toujours la fenêtre avant de dîner. (Französisch)
Ella sempre tanca la finestra abans de sopar. (Katalanisch)
Ella siempre cierra la ventana antes de cenar. (Spanisch)
Ela fecha sempre a janela antes de jantar. (Portugiesisch)


Aus dem Dakischen, der Sprache der von den Römern eroberten Daker vermutet man einige, wenige lexikale Vererbungen:

  • târg = Handelsplatz/-ort; moş = Greis; balaur = Drache; brânză = Frischkäse; mal = Ufer

Historisch bedingt weist Rumänisch, besonders das vorheriger Jahrhunderte, mehrere Entlehnungen aus anderen Sprachen auf:

aus slawischen Sprachen und speziell aus dem Altkirchenslawischen:

  • dragoste = Liebe; a iubi = lieben; nevoie = Bedarf/Erfordernis; prieten = Freund; cinste = Ehrlichkeit, Ehre; zdravăn = stark, kräftig

aus dem Griechischen:

  • ófelos → folos = Nutzen; buzunára → buzunar = Hosen-/Jackentasche; prósfatos → proaspăt = frisch

aus dem Ungarischen:

  • város → oraş = Stadt; költeni → a cheltui = (Geld) ausgeben; fogadni → a făgădui = versprechen; menteni → a mântui = retten, bewahren

aus dem Deutschen:

  • Kartoffel → cartof; Bier → bere; Schraube → şurub, Schublehre → şubler, Schanze → şanţ, Henker → hingher, gelb → galben

aus dem Türkischen:

  • kahve → cafea = Kaffee; kutu → cutie = Schachtel; papuç → papuc = Hausschuh; köfté → chiftea = Fleischkloß

Ursprung und Geschichte

Ähnlich der Grimm'schen Lautverschiebung in der Deutschen Sprache fanden auch auf dem Weg der Entwicklung von Vulgärlatein zum heutigen Rumänisch Lautverschiebungen statt. Aufgrund der zu den anderen romanischen Sprachen isolierten Lage finden sich hier mehrere Unterschiede. Es gibt auch einige Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel mit der italienischen Sprache [kl] > [kj] (Lat. clarus > Rom. chiar, Ital. chiaro = berühmt, tatsächlich) und mit der dalmatinischen Sprache, z. B. [gn] > [mn] (Lat. cognatus > Rom. cumnat, Dalm. comnut = Schwager). (nero negro negru)

Einige der beachtenswerten Verschiebungen:

  • Diphthongisation von e und o
    Lat. cera > Rom. ceară (Wachs)
    Lat. sole > Rom. soare (Sonne)
  • Jotazismus [e] → [ie] am Wortanfang
    Lat. herba > Rom. iarbă (Gras, Kraut)
  • Velare [k], [g] → Labiale [p], [b], [m] vor Alveolaren Konsonanten:
    Lat. octo > Rom. opt (acht)
    Lat. quattuor > Rom. patru (vier)
    Lat. lingua > Rom. limbă (Zunge, Sprache)
    Lat. signum > Rom. semn (Zeichen)
    Lat. coxa > Rom. coapsă (Oberschenkel, Schenkel)
  • Rotazismus [l] → [r] zwischen Vokalen
    Lat. caelum > Rom. cer (Himmel)
  • Alveolare [d] und [t] palatalisiert zu [dz]/[z] and [ts] wenn vor kurzem [e] oder langem [i]
    Lat. deus > Rom. zeu (Gott)
    Lat. tenem > Rom. ţine (halten)

Weblinks



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