Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Romeo und Julia auf dem Dorfe
Aus Kefk.
| Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf bitte mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung. |
Romeo und Julia auf dem Dorfe ist eine Novelle von Gottfried Keller, die erstmals 1856 in der Sammlung Die Leute von Seldwyla erschien. Das Buch ist keine „müßige Nacherzählung“ des im Titel benannten Stoffes, sondern beruht auf einem Ereignis, in dem dieselbe Fabel zu Tage tritt, wie der Autor zu Anfang erläutert. Handlungsort ist das fiktive schweizerische Städtchen Seldwyla und dessen Umgebung.
Inhaltsverzeichnis |
Inhalt
Die Geschichte beginnt an einem Septembermorgen, an dem die wohlhabenden Bauern Manz und Marti ihre Felder pflügen. Zwischen den beiden Feldern liegt ein Feld brach, welches von niemandem bewirtschaftet wird. Beide Bauern vermuten, dass der „Schwarze Geiger“, ein fahrender Musiker, rechtmäßiger Erbe des Felds ist. Dieser kann seinen Anspruch aber mangels Taufschein nicht nachweisen. Da man dieses Feld, da sind sich beide einig, weder von den Behörden pachten noch brach liegen lassen möchte, pflügen sie ruhigen Gewissens jedes Jahr eine Furche weiter in das Land hinein, sodass ihre Felder immer größer werden. Die Bauern sind gute Nachbarn. Auch ihre Kinder Sali und Vrenchen (7 bzw. 5 Jahre alt) treffen sich daher regelmäßig.
Nach Jahren wird der mittlere Acker versteigert und von Manz erworben. Dieser besteht darauf, dass Marti einen kürzlich durch Pflügen seinem Besitz einverleibten Zipfel dieses Ackers an ihn zurückgibt. Den Streit, der daraus entsteht, wollen die beiden vor Gericht lösen, was sie aufgrund des kostspieligen Prozesses viel Geld kostet. Durch den Versuch, dieses durch Lottospielen wiederzugewinnen, ruinieren sie sich völlig. Manz zieht, in der Hoffnung auf eine bessere finanzielle Situation, mit seiner Familie in die Stadt und eröffnet eine kleine Gaststube. Martis Frau stirbt und so lebt Vrenchen alleine mit ihrem Vater im Haus. Die Landwirtschaft wird in der Familie vernachlässigt. Sali, Manz' Sohn, und Vrenchen, die sich bereits vor dem Streit aufgrund des sozialen Drucks („Bubenmädchen“) der anderen Kinder nur noch selten gesehen haben und sich während der Feindschaft beinahe aus den Augen verloren haben, haben so nun gar keinen Kontakt mehr untereinander.
Nach einigen Jahren begegnen sich Manz und Marti beim Fischen wieder, einer beliebten Beschäftigung veschuldeter Seldwyler, was eine Prügelei der beiden zur Folge hat. Auch Sali und Vrenchen (inzwischen 19 bzw. 17 Jahre alt) sind dabei und trennen ihre kämpfenden Väter. Sie bemerken dabei eine enge Verbundenheit. Aufgrund der Rivalität ihrer Eltern müssen sie sich allerdings ohne das Wissen ihrer Väter auf dem schicksalsbehafteten Feld treffen. Marti sucht seine Tochter und überrascht sie nach dem Liebesspiel mit Sali. Als er ihr Gewalt antun will, schlägt Sali ihm einen Stein auf den Kopf, was zur Folge hat, dass dieser ins Irrenhaus muss. Da Vrenchen nach diesem Vorfall auf sich alleine gestellt ist, muss sie das Dorf verlassen und sich eine Betätigung suchen. Sie will jedoch noch einen schönen Abend mit Sali verbringen. Die beiden haben den Wunsch, ihren letzten gemeinsamen Abend beim Tanzen zuzubringen, wozu sie jedoch weder genug Geld noch Tanzschuhe haben. Dafür opfert Sali seinen letzten Wertgegenstand und verkauft seine Uhr. Bei einer Kirchweih, die sie dann aufsuchen, treffen sie in der Schenke „Paradiesgärtlein“ den ihnen bekannten schwarzen Geiger, der ihnen rät, in die Berge zu den Heimatlosen zu gehen und dort deren ungebundenes Leben zu führen. So könnten sie, so lange es ihnen gefalle, zusammen leben. Für sie kommt aber deren „loses Leben“ – sie sind Zeugen, wie eine Frau ihren Geliebten, dem sie untreu ist, verspottet – nicht in Betracht. Auch trennen wollen sie sich nicht, und ein bürgerliches Zusammenleben ist ihnen nicht möglich. Sie entscheiden sich für den Freitod, und nachdem sie, die Idee des schwarzen Geigers, ein „Hochzeitsbett in einem Heustock“ zu beziehen, aufgreifend, ein Heuschiff losgebunden und als Hochzeitsbett genutzt haben, stürzen sie sich in den Fluss und ertrinken.
Keller schloss mit dem Hinweis, das Vorkommnis sei in den Zeitungen als „ein Zeichen von der um sich greifenden Entsittlichung und Verwilderung der Leidenschaften“ aufgefasst worden. Er greift die bürgerliche Gesellschaft heftig an und wirft ihr Oberflächlichkeit vor. Das „gleichgültige Eingehen und Lösen von ‚Verhältnissen‘“ sei „zehnmal widerwärtiger als jene Unglücksfälle“. Auch er hätte aber ein arbeitsames Leben für moralisch besser gehalten als den Freitod; dieses hätte „vielleicht noch alles möglich gemacht“. Seit einer Novellensammlung von Paul Heyse, dem Keller selbst zu der Kürzung des Schlusses zugunsten einer „schnöden, prosaisch schnarrenden Schlussbetrachtung“ geraten hatte, wird diese moralisierende Passage weggelassen.
Personen
- Sali (Salomon) ist der Sohn von Manz. Zu Beginn der Geschichte ist er noch ein kleiner Junge; später ist er 19 Jahre alt. Trotz der Verarmung der Familie wirkt er nicht heruntergekommen und bekommt alles was er sich wünscht. Da er Vrenchen liebt, verkauft er seinen letzten Wertgegenstand, um die Zeit mit ihr genießen zu können.
- Vrenchen ist die Tochter von Marti und 2 Jahre jünger als Sali. Sie ist sehr hübsch, ist aber gezwungen, mit ihrem Vater alleine zu leben, seit ihre Mutter verstarb. Von der feindlichen Art ihres Vaters ist sie angewidert. Als er dem Irrsinn verfällt, kümmert sie sich jedoch aufopfernd um ihn.
- Manz ist der Vater von Sali. Er hält sich fast nur in seinem Gasthaus auf, da er von den Bewohnern von Seldwyla verspottet wird.
- Marti ist der Vater von Vrenchen. Durch den Streit mit Manz verliert er Gut und Ansehen. Seine Frau stirbt darüber vor Gram; später wird er von Sali in Notwehr schwer geschlagen und muss daher in das „Irrenhaus“ eingeliefert werden.
- Der „Schwarze Geiger“ ist der Besitzer des umstrittenen Feldes, kann jedoch seinen Besitz nicht belegen. Das Unglück der Familien von Manz und Marti befriedigt ihn daher, trotzdem versucht er deren mittellos gewordenen Kindern zu helfen. Er ist eine geheimnisvolle Figur, die im Handlungsverlauf immer wieder unerwartet auftaucht. Er tritt als Symbol des Teufels (siehe Kleidung und Aussehen) und des Todes auf. Der Autor setzt ihn zur Spannungssteigerung ein.
- Ansonsten gibt es keine Personen, die einen Namen und wichtige Rolle haben.
Die Geschichte bezieht sich nur auf die Hauptpersonen Vrenchen und Sali. Manz und Marti sowie der Schwarze Geiger sind Schüsselfiguren und dienen nur dazu die Ereignisse zu kommentieren und verständlich zu machen. Keller verwendet aber sehr viel Symbole und Metaphern, die in der späteren Handlung wieder auftauchen.
Hintergrund
In Kellers Novelle vermischen sich Realismus und Romantik bzw. Romantizismus zu „poetischem Realismus“. Dem Autor gelingt es, die Problematik und die Not des Bauerntums seiner Zeit aufzuzeigen. Die romantischen Elemente stehen zwar im Kontrast zur bis dahin realistisch erörterten Handlung (der Vätergeschichte), trotzdem wirken diese nicht aufgesetzt und verstärken nur die Ausweglosigkeit der Situation. Keller zeigt zudem mit seinem Werk die verkrampften Prinzipien der damaligen Zeit auf. Auch heute sind diese in manchen Gebieten noch sehr aktuell, was die Geschichte sehr lebensnah macht. Der Anlass für dieses Buch war ein Zeitungsartikel von 1847, in dem im Grunde genau diese Geschichte passiert. In diesem wird die Heirat aber direkt durch die Eltern verboten.
Ausgaben (Auswahl)
- „Hamburger Leseheft“ mit erklärendem Nachwort und Worterklärungen, ISBN 978-3-87291-102-5 (für diesen Artikel vorwiegend verwendet)
- Reclam Universal-Bibliothek, ISBN 978-3-15-006172-5
Sekundärliteratur
- Freund-Spork, Walpurga: Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 251). Hollfeld: Bange Verlag 2003. ISBN 978-3-8044-1790-8
Weblinks
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Romeo_und_Julia_auf_dem_Dorfe, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
