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Robert Rauschenberg
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Robert Milton Ernest Rauschenberg (* 22. Oktober 1925 in Port Arthur, Texas) ist ein US-amerikanischer Maler, Grafiker, Fotograf und Objektkünstler und Wegbereiter der Pop-Art in den USA.
Rauschenberg vertritt die Ansicht, dass die von ihm angestrebte Wiedervereinigung der künstlerischen Bildwirklichkeit mit der Lebenswirklichkeit am besten dadurch gemacht werden könne, indem man Teile der realen Welt unverändert in die Kunst hereinholt.
So kombiniert er in seinen Werken etwa Tennisbälle, Autoreifen, Fahrräder und ausgestopfte Ziegen auf hintersinnige Weise. Anders als andere Materialkünstler verändert er diese materiellen Reste der "realen Welt" jedoch nicht, sondern belässt sie so, wie sie sind.
Künstlerische Einflüsse
Künstlerische Vorbilder und Wesensverwandte sind für Rauschenberg vor allem auch deutsche Künstler wie der Dadaist Kurt Schwitters, der Maler und Kunsttheoretiker Josef Albers, aber auch der Fett-und-Filz-Künstler Joseph Beuys. Einen nicht zu unterschätzenden Bezugspunkt in der künstlerischen Entwicklung Rauschenbergs stellt aber auch Willem de Kooning dar. Als Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus, der in der amerikanischen Nachkriegszeit führenden gegenstandslosen Malereiauffassung, wurde er mit Albers für Rauschenberg zum Anstoß einer persönlichen Rebellion. Nach dem Studium am Kansas City Art Institute und der Académie Julian in Paris war die Farbfeldmalerei seines Lehrers Josef Albers' am Black Mountain College North Carolina, das er seit 1948 besuchte, und die abstrakten Arbeiten de Koonings - vereinfacht ausgedrückt – für sein Verständnis zu wenig Teil der realen und formbaren Lebenswelt, die er verstärkt in seine Kunst-Leben-Gleichung zu integrieren suchte. Die von Albers geforderte Disziplin und der verlangte methodisch-theoretische Ansatz zur Schaffung von Kunst verführte Rauschenberg, wie er selbst sagte dazu, immer "exakt das Gegenteil" von dem, was Albers lehrte, zu tun. Die von Rauschenberg mit de Koonings Einverständnis ausradierte Grafitzeichnung, ist die Ikone dieses Paradigmenwechsels in der Kunst der 50er Jahre hin zur Pop-Art.
White, Black und Red Paintings
Den Schritt in die künstlerische Eigenständigkeit vollzieht Rauschenberg 1951 mit den sieben monochrom-weißen Tafeln seines "White Painting", die er in seiner ersten Einzelausstellung in der Betty Parson Gallery, New York, ausstellt, und die den Zweck hatten, "die Malerei auszulöschen". Das Thema Stille wurde thematisiert sowie sollte der Betrachter des Bildes und dessen Umgebung wie z.B. die Uhrzeit oder der Schatten des Betrachters, der sich im Bild spiegelt, Teil der Arbeit werden. Er erschuf sie aus Wandmalfarbe, die er auf die Leinwand rollte. 1951 radiert er eine Zeichnung seines New Yorker Kollegen Willem de Kooning aus, eine nicht minder radikale Geste, mit der Übermacht des amerikanischen Abstrakten Expressionismus abzurechnen.
Die schwarzen Bilder entstanden u.a. auch 1951. Hier ging Rauschenberg folgendermaßen vor: er bemalte die Leinwände mit glänzender schwarzer Farbe und übermalte diese anschließend mit matter schwarzer Farbe. Robert Rauschenberg benutzt die Farbe Schwarz, um darunter die Spuren der Tradition und der eigenen Konditionierung verschwinden zu lassen und darauf ihr Grundvokabular neu zu erfinden. Schwarz steht bei Rauschenberg für die Selbstbeschränkung auf das Quasi-Nichts, das ihm bei der Suche nach sich selbst als Ausgangspunkt dient. Für Rauschenberg bedeutete Schwarz auch das Nicht-Wissen, wie es für ihn künstlerisch weitergehen wird. Die Farbe Schwarz scheint mit einem Prozess der Transformation verbunden. Sie lässt sich als Mittel zur Grenzüberschreitung deuten – als Grenzüberschreitung vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, vom Materiellen zum Spirituellen, vom Bewussten zum Unbewussten. Dass ausgerechnet schwarze Bilder Ausdruck eines Wandels sind, könnte mit ihren nächtlichen Eigenschaften erklärt werden. Die Nacht steht in der Mystik, Mythologie, der Kunst und Literatur für den Wandel. Das Sehen in der Dunkelheit verändert die Wahrnehmung. Je länger man sich in der Dunkelheit aufhält, je mehr man sich auf sie einlässt, desto klarer konturiert sich die Umwelt. Der Prozess des Sehens rückt in den Mittelpunkt – ein bewusstes, vielleicht präziseres Sehen. Man mag sogar auch den Wunsch hinter sich lassen, die Umwelt erkennen zu wollen. Dann nämlich ermöglicht die Nacht die besondere Qualität des Nicht(s)-Sehens, das die Entsprechung zum Nicht-Wissen ist. Dieses Nicht-Wissen als eine Form von Reinigung wiederum ist Voraussetzung für einen Wandel.
Im Licht der Entwicklungsgeschichte des Abstrakten Expressionismus entsteht der Eindruck, dass die amerikanischen Künstler gerade in den Jahren zwischen 1950 und 1965 auch von der Idee getragen wurden, sich von dem prägenden Einfluss der europäischen Tradition loszusagen und mit New York – neben Paris – ein neues Zentrum der Avantgarde zu begründen. Vor diesem Hintergrund wirken die Black Paintings gleichsam wie der Ausdruck eines kollektiven Strebens nach künstlerischer Selbstbehauptung. Mit offenen Augen auf ein schwarzes Bild zu blicken, ist mit dem Sehen in der Nacht vergleichbar. Der Künstler, der sich für Schwarz entscheidet, verlangt dem Auge ein Sehen ab, das sich an Dunkelheit gewöhnt: Der Blick trifft auf Schwarz; das vermeintliche Nicht(s)-Sehen-Können bewirkt ein Anders-Sehen-Können, ein differenzierteres Sehen: etwa das Erkennen von Nuancen in Struktur und Farbe. Die erschwerte Sicht erhöht die Konzentration auf das Sichtbare und Unsichtbare, vielleicht sogar auf das Wesen der Dinge und das eigene Selbst. Dies gilt zunächst für den Betrachter des Bildes, doch kann es auf einer existenziellen Ebene auch für den Künstler gelten.
Die roten Bilder entstanden aus Rauschenbergs Reaktion auf das Unverständnis den vorherigen weißen - und schwarzen Bildern gegenüber. Sein Lehrer Albers hatte ihm Demut der Farbe gegenüber gelehrt und so versuchte er sich an die Farbe zu wagen,die in seinen Augen die schwierigste darstellte: rot.
Bis heute gilt diese Bilderserie der Weißen, Schwarzen und Roten als die Radikalste von Rauschenberg.
Happenings, Musik und Theater
Mit der Betonung des Spannungsverhältnisses von Kunstwerk zu Lebenswelt knüpft Rauschenberg direkt an die Arbeit seines Freundes John Cage an, der, um neue Klangbereiche zu erschließen, Alltagsgeräusche in seine Kompositionen mit aufnimmt. Mit ihm und dem Tänzer Merce Cunningham ist Rauschenberg immer wieder Initiator von Happenings und Theateraufführungen. Dabei trägt er zumeist die Verantwortung für Bühnenbild, Kostüme und Requisite, aber auch für die Erarbeitung der Choreografie und tritt selbst als Mitglied des aufführenden Ensembles auf. Zwischen 1964 und 1968 hat er 11 Choreographien inszeniert.
Combine Painting
Seine diesen Stil repräsentierende Arbeiten entstanden zumeist in dem Zeitraum von 1953 bis Anfang der 1960er Jahre. Es handelt sich um neodadaistische Collagen, bestehend aus einer Kombination von Abstraktem Expressionismus und Pop art, ausgedrückt durch Malereien in Verbindung mit darauf befestigten Gegenständen des täglichen Lebens (z. B. Glühbirnen, Küchengeräten, Postkarten, Comics, Druckgraphikblättern, Tapetenresten, ausgestopften Tieren, Radios etc.), die zum Teil übermalt wurden. Malerei wird mit Objekten „kombiniert“ und erweitert so hin zum dreidimensionalen Raum. Deshalb wird die traditionelle Grenze zwischen Malerei und Skulptur eingerissen.
Rauschenberg meinte zu seinen Arbeiten, dass sie sich durch Wirklichkeit auszeichnen. Seiner Ansicht nach befindet sich die Malerei am Scheideweg zwischen Kunst und Leben, und er versucht, die Lücke zu schließen, die sie trennt.
Die Beschäftigung mit Fundstücken, Material des Alltäglichen, hat ihn in einer Werkphase beeinflusst, in der er sein Atelier mitten in New York aufgeschlagen hatte. Es entstanden die so genannten „Elemental Sculptures“, experimentelle Arbeiten aus Pflastersteinen und anderen Fundmaterialien, die er in der unmittelbaren Umgebung seines Ateliers vorfand. Die Skulpturen stehen zwischen „ready mades“ und dadaistischen Assemblagen, wobei Rauschenberg die Eigenheit dieser Fundstücke betont und er sie nicht in eine Kontextverschiebung umwerten will. In diesen Werken ist einerseits maßgeblich die Entwicklung der Pop Art begründet, andererseits ist hier der Ausgangspunkt für Rauschenbergs weitere Werkentwicklung gelegt, insofern Bild und Skulptur als eigenständige Bereiche weiterverfolgt werden. Bei den „Combines“ unterscheidet Rauschenberg die „combine paintings“ und die freistehenden „Combines“ wie z.B. „Odalisque“ aus dem Jahre 1955/58. "Monogram" (1959) ist das berühmteste seiner "Combine Paintings".
Die Combines lassen oft eine satirische Absicht erkennen und sind ironische Paraphrasen von Träumen der Konsumgesellschaft und von typischen Figuren unserer Zeit.
Fotografie und Siebdruck
1962 entdeckt Rauschenberg für sich das Siebdruckverfahren zeitgleich mit den ersten fotomechanisch vervielfältigten Siebdrucken von Andy Warhol.Aber anders als Warhol vermeidet er die stereotype Wiederholung und die Isolierung des Motivs zugunsten einer komplexen inhaltlichen Aussage, die das politisch-soziale Bewusstsein des Betrachters direkt anspricht: "Ich möchte die Leute wachrütteln", so Rauschenberg, "ich möchte, dass die Leute das Material betrachten und darauf reagieren. Ihre individuelle Verantwortung möchte ich ihnen bewusst machen, sowohl für sich selbst wie für die übrige Menschheit. Wie einfach ist es, der Welt gegenüber selbstgefällig zu sein. Die Tatsache, dass du ein paar Groschen für eine Zeitung ausgibst, beruhigt fast schon dein Gewissen. Mit der Lektüre glaubst du bereits deinen Teil getan zu haben. Und du wickelst dein Gewissen in die Zeitung, so wie du deinen Abfall darin einwickelst."
Im Herbst beginnt er die Siebdrucktechnik auf seine Leinwände anzuwenden. Er entwickelt ein Verfahren, welches einen Transfer von bedruckten Materialien (Bilder und Texte) mittels Lösungsmittel ist. Die Übertragung von dreidimensionalen Objekten, Textilien und von Stoffen auf die Fläche erzielt Rauschenberg durch lichtempfindlich gemachte Lithografiesteine. Dies erlaubt die Kombination von frei ausgeführten Partien mit Lichtbildern und Objekten und somit von allen zur Verfügung stehenden Vorlagen. Weitere Vorteile des fotomechanischen Offsetverfahrens liegen in deren Vergrößerung sowie in der Farbintensität.
1962 beginnt Rauschenberg ebenso mit ersten Lithografien. Aus der Zusammenarbeit mit verschiedenen Drucken überträgt R. viele Kenntnisse auch zurück auf das Medium Zeichnung.
In kombinierten Techniken von Siebdruck und Lithografie entstehen grandiose Arbeiten mit dem oftmaligen Thema der Wechselwirkung von Mensch und Technik wie z.B. Booster (1967) Sie gehören zu den größten Drucken, die Rauschenberg bis heute hergestellt hat.
E.A.T.
Ende 60er bis Anfang 70er beginnt Rauschenberg, mit Elektronik zu experimentieren und gründet gemeinsam mit Billy Klüver das Projekt "Experiments in Art and Technology" (E.A.T.). Es entstehen Bildobjekte und Skulpturen, die Klänge und Musik integrieren oder auf Geräusche reagieren. Das Ziel ist die Gründung einer non-kommerziellen Gesellschaft, die die Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Ingenieuren fördern soll und die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft der Weltgesellschaft. So entstehen vier komplizierte, multimediale und auf Interaktion ausgelegte Arbeiten wie Oracle (1965), Soundings (1968), Solstice (1968) und Mud-Muse (1971).
1970er und 1980er sowie R.O.C.I.
In den 1970ern versucht sich Rauschenberg in unterschiedlichen Materialien wie Pappe (Cardboars und Cardbirs) und transparenten Geweben (Hoarfroasts) und er bemüht sich durch symmetrische Anordnung strukturell sehr ähnlicher Elemente die Wirkung zu steigern (Bifocals). Seine Arbeiten besitzen Leichtigkeit, sie sind im Raum platziert und gelegentlich sind Boden und Decke miteinander verknüpft sowie mit halbtransparentem Gewebe bespannt. 1973/74 entstehen z.B. Sant`Agnese, Untitled (Venetian).
Es zeigt sich eine zögerliche Öffnung der Farbe gegenüber. Hier erkennt man den Einfluss Josef Albers – Rauschenbergs Lehrer am Black Mountain College. Dieser legte ihm einen bedächtigen Umgang mit Farbe auf.
Ende der 70er beginnt Rauschenberg mit ¼ Mile:Er beginnt die Arbeit als Antwort auf die Verwirrungen der damaligen Zeit wie Verzweiflung über Kambodscha oder Vietnam. Das Werk ist über 400 Meter lang und besteht aus Collagen, Gemälden und Objekten.Es ist ein unmittelbarer Reflex des Künstlers auf seine Zeit – eine Chronik seiner Imaginationen, Erlebnissen, Ängsten und Obsessionen.
1983 besinnt sich Rauschenberg auf Techniken, die er 20 Jahre früher angewendet hat. Hierbei geht es ihm um das Festhalten, Bergen und Konservieren von Bildern die ursprünglich in einem anderen Zusammenhang vorgesehen sind. Rauschenberg greift die Siebdrucktechnik wieder auf in breiterem Umfang für großformatige Leinwände. Nun entnimmt er seine Motive nicht mehr den Massenmedien, sondern legt eigene Fotos zugrunde.
Die 70er und 80er Jahre sind allgemein für Rauschenberg die Zeit der großen Projekte, Reisen und Kooperationen. 1971 verlegt er seinen Wohnsitz von New York nach Captiva Island, Florida, und gründet einen eigenen Verlag und ein Studio, außerdem Change Inc., eine gemeinnützige Organisation, die Mittel für in Not geratene Künstler bereitstellt.
1984 beginnt das weltumspannende Projekt "Rauschenberg Overseas Culture Interchange" (ROCI), eine Wanderausstellung mit einem wechselnden Bestand an rund 200 Kunstwerken, die in Zusammenarbeit mit Künstlern und Handwerkern in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Der Künstler bereiste von 1984 bis 1991 zehn Länder, um das jeweils Kulturspezifische bildnerisch zu verarbeiten - im Zusammenarbeit mit den Künstlern vor Ort. Die Stationen sind Chile, Venezuela, Mexiko, Sowjetunion, Tibet, Japan und Berlin, 1990 noch als Hauptstadt der DDR. "Roci begann mit meinem Entschluss, etwas gegen die Weltkrise zu tun, anstatt mich der Midlife Crisis hinzugeben", sagte er flapsig.
Die 1990 gegründete Robert Rauschenberg Foundation widmet sich als gemeinnützige Einrichtung wissenschaftlichen Forschungsprojekten und politisch-gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit.
Der Künstler Rauschenberg ist neben diesen Aktivitäten immer präsent geblieben - die Bilder und Skulpturen der 90er Jahre zeigen ihn als erfindungsreichen Fortführer des in den 50er Jahren entwickelten Konzepts der "Combines", das heißt seines Anspruchs einer möglichst verlustlosen Umsetzung von Realität in Kunst.
Stellung in der Kunstkritik und Kunsthistorische Einordnung
Rauschenbergs erste große Anerkennung war die Goldmedaille der Biennale in Venedig 1964. Für sein Cover zum Talking Heads Album Speaking in Tongues gewann er einen Grammy Award. 1998 wurde ihm der Praemium Imperiale verliehen, eine Art „Nobelpreis für Kunst“ des japanischen Kaiserhauses. Robert Rauschenberg war Teilnehmer der documenta II (1959), der documenta III (1964), der 4. documenta (1968) und auch der documenta 6 im Jahr 1977 in Kassel.
Kunsthistorisch gilt der immer noch äußerst agile 80jährige als bahnbrechender Vorreiter der amerikanischen Pop-Art. Seine Verwendung von Alltagsgegenständen in den Combine paintings ist wichtiges Beispiel der Methode der Assemblage, des Objet trouvé und der Arte povera.Rauschenberg ist ein Künstler der Postmoderne.
Rauschenberg stellt ständig in seinen Arbeiten die Fragen: Wie wird etwas von wem wahrgenommen? Was ist Erinnerung und was Zeit, was ist ein Bild und was ein Objekt? Wie verhalten sich Produktion und Rezeption? Rauschenbergs Hauptthema ist die Kommunikation und die Wahrnehmung. Auch interessiert ihn das erkenntnistheoretische Problem – die Frage, wie sich Kontinuität und Wandel zueinander verhalten.
Rauschenbergs bildnerisches Vorgehen basiert auf zwei Grundprinzipien der Moderne: Collage und Readymade und er ist in erster Linie Graphiker und Maler. Er denkt in Flächen und versteht den Raum als Bewegungsraum – dies bestätigt sein tänzerisches Engagement. Ihn interessieren Materie, Gestalt, Funktion und Motorik; Gegenständliches mehr als Räumliches und Zeichen mehr als plastisches Volumen.
Für Rauschenberg kann alles Kunst sein – es gibt eine Gleichberechtigung unter den Dingen. Alles kann der Kunst dienen, alles hat seine Schönheit und Berechtigung. Dies zeigt sich in seinen Werken formal: in seinen komplexen Arbeiten stößt man kaum auf eine hervorgehobene Mitte. Hierarchische Strukturen lehnt er ab und zieht eine demokratische Motivverteilung vor – ein gleichberechtigtes Nebeneinander der Motive.
Seine Kunst sucht direkten Kontakt zum Betrachter. Er schließt keine formalen Lösungen von vornherein aus und setzt sich über kulturelle, geografische und finanzielle Grenzen hinweg.
Unter den bildenden Künstlern ist Rauschenberg der wichtigste und aktivste Protagonist einer Synthese von Kunst und Technik und seine Darstellungen sind in hohem Grad Ausdruck der kulturellen und sozialpolitischen Gegebenheiten der Phase, in der sie konzipiert und geschaffen wurden.
Biografisches
Der Maler, der sich selber augenzwinkernd als "Straßenkötermischung" bezeichnet, hat deutsche und indianische Wurzeln: Ein Großvater kam aus Berlin, eine Großmutter war eine Cherokee. Rauschenberg lebt und arbeitet in Captiva Island. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2002 sitzt er im Rollstuhl und ist in seiner Bewegungsfreiheit durch Lähmungserscheinungen eingeschränkt. Die von ihm konzipierten Arbeiten werden mit Hilfe von Assistenten umgesetzt. Robert Rauschenberg ist Legastheniker.
Zitate
- "Ich bin der Meinung, dass ein Kunstwerk wirklicher ist, wenn es aus Teilen der wirklichen Welt gemacht ist.“
- "Ich hasse Ideen, wenn ich doch mal eine habe gehe ich spazieren um sie zu vergessen."
- "Kunst soll kein Konzept haben... Das ist das einzige Konzept, das für mich durchgängig gegolten hat"
- "So etwas wie ein fertiges Kunstwerk, das gibt es für mich nicht."
Wichtige Einzelausstellungen
- Robert Rauschenberg - Retrospektive. Solomon R. Guggenheim Museum, New York; The Menil Collection, Contemporary Arts Museum, Houston; Museum Ludwig, Köln; Guggenheim Bilbao Museoa. September 1997 - März 1999
- Robert Rauschenberg - Combines. The Metropolitan Museum of Art, New York; The Museum of Contemporary Art, Los Angeles; Musée national d'art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris; Moderna Museet, Stockholm. Dezember 2005 - May 2007
Siehe auch
Literatur
- R. Rauschenberg im Gespräch mit Barbara Rose. Aus dem Amerikanischen übersetzt von L. Gorris. Köln 1989.
- Leo Steinberg: Encounters with Rauschenberg (a lavishly illustrated lecture). Houston/Chicago/London 2000.
- Hanno Rauterberg: Interview mit RR: »Ich habe meinen Himmel«. In: DIE ZEIT 12.01.2006 Nr.3. Der Jahrhundertkünstler Robert Rauschenberg ist 80 Jahre alt und krank, die Zeit, die ihm bleibt, gilt seinen Bildern. Interviews will er nicht mehr geben. Dann aber spricht er doch – über seine deutsche Herkunft, seine Liebe zur Müllkunst und die Angst vor dem Sterben
- Klaus Honneff: Pop Art; VG Bild – Kunst, Bonn 2004
- Kunst des 20. Jhd.; hrsg. Von J. Tesch und E. Holland; Prestel Verlag München 2005
- art – Das Kunstmagazin; Nr. 12 2006, S. 42 – 53
- M. Gundel: Rauschenberg Poster; VG-Bild Kunst, Bonn 2001
- H. Bastian: Beuys, Rauschenberg, Twombly, Warhol; Prestel - Verlag München, 1982
- A. Zweite: Robert Rauschenberg; DuMont Buchverlag, Köln 2004
- G. Adrian: Robert Rauschenberg; R. Piper & Co. Verlag, München, 1979
- Staatliche Kunsthalle Berlin: Robert Rauschenberg; 1980
- J. Wissmann: Robert Rauschenberg – Balck Market; Reclam Verlag Stuttgart, 1970
- B. Rose: Robert Rauschenberg; Kunst Heute Nr.3; Kiepenheuer & Witsch, 1989
Weblinks
- Literatur von und über Robert Rauschenberg im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ausstellungstermine
- Informationen und Links
- Kulturtussi.de: Robert Rauschenberg und die Beat Generation
- Robert Rauschenberg in der Galerie Jamileh Weber, Zürich. Dokumentarvideo.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rauschenberg, Robert Milton Ernest |
| ALTERNATIVNAMEN | Rauschenberg, Bob |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Maler und Objektkünstler |
| GEBURTSDATUM | 22. Oktober 1925 |
| GEBURTSORT | Port Arthur, Texas |
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