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Robert Jonquet
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Robert Jonquet (* 3. Mai 1925 in Paris) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler.
Inhaltsverzeichnis |
Die Vereinskarriere
1946-1956
Jonquet spielte in seiner Jugend in Châtenay-Malabry im südlichen Pariser Umland, danach für die Société Sportive Voltaire de Paris. 1946/47 bestritt er seine erste Saison für Stade de Reims in der Division 1, gehörte praktisch von Anfang an zu dessen Stammformation und wurde im Frühjahr 1947 auch zum ersten Mal in die Nationalelf berufen. Seine Spielposition füllte der nur 1,76 m große und eher schmächtige Mittelläufer mit Eleganz und Technik aus, war weniger der zentrale Zerstörer, der damals dem typischen Bild des Spielers mit der Rückennummer 5 entsprach. Hätte es die Rolle des Libero schon gegeben, sie wäre Jonquet auf den Leib geschneidert gewesen.
In der Spielzeit 1948/49 folgte der erste Gewinn der französischen Meisterschaft, 1950 des französischen Pokals, 1953 seines zweiten Meistertitels und der Coupe Latine. Im Jahr darauf nahm er mit Les Bleus an seiner ersten Weltmeisterschaftsendrunde in der Schweiz teil, 1955 wurde er erneut Landesmeister, erstmalig Gewinner des französischen Supercups, war Finalist in der Coupe Latine und erreichte mit Stade Reims das Endspiel im neu geschaffenen Europapokal der Landesmeister, das 1956 gegen Real Madrid allerdings 3:4 verloren ging. Zwei weitere Höhepunkte dieser Jahre fanden ebenfalls auf internationalem Parkett statt: im Oktober 1951 trotzte Frankreich in London der englischen Elf (mit Alf Ramsey und Billy Wright) vor allem dank eines überragenden Robert Jonquet ein 2:2 ab, dem am nächsten Morgen die Zeitungsschlagzeile "The Hero of Highbury" gewidmet war. Und 1955 gehörte dieser Held zur Europa-Auswahl, die England bezwingen konnte; solche Auswahlspiele hatten zwar nur Freundschaftscharakter, waren bis in die 1960er Jahre aber fußballerische Feier- und Zahltage.
Zentraler Spieler in einer der besten Mannschaften Europas
Die Aufzählung von Robert Jonquets Mitspielern bei Reims liest sich wie ein Who's Who des französischen Fußballs der 1950er Jahre: zwischen Torwart (Dominique Colonna) und hochkarätigen Offensivkräften (Raymond Kopa, Michel Hidalgo, Léon Glovacki, Jean Vincent, Just Fontaine, Roger Piantoni, René Bliard) standen sichere Defensivspieler wie Roger Marche, Armand Penverne, Albert Batteux, Michel Leblond, Jean Wendling – und eben über ein Jahrzehnt auch Jonquet, der zudem als einziger Spieler in sämtlichen vier Finalbegegnungen auf dem Platz stand, die sein Verein in europäischen Wettbewerben bestritt. Albert Batteux übrigens begleitete und unterstützte Jonquets Karriere gleich dreifach: als Mitspieler (bis 1950), als Vereinstrainer (1950-1959) und als selectionneur der Nationalelf (ab 1955).
1957-1961
Die Spielzeit 1957/58 hielt für Jonquet weitere Titel, aber auch seine wohl schwärzeste Stunde bereit. Mit Reims gewann er das französische Double aus Meisterschaft und Pokal, wurde zudem erneut Supercupgewinner seines Landes. Außerdem nahm er an seiner zweiten Fußballweltmeisterschaft teil, die mit Frankreichs bis dahin bestem Abschneiden bei einer WM endete: in Schweden wurden Les Bleus Dritte. Allerdings verhinderte sein Malheur im Halbfinale (siehe unten) Jonquets Mitwirken im Spiel um Platz 3 (6:3 gegen Deutschland).
Nach dem zweiten Europapokalfinale gegen Real Madrid (1959, 0:2) kehrte der große Raymond Kopa von den Madrilenen zu den Rémois zurück – und prompt gewann Jonquet 1960 seine fünfte französische Meisterschaft und den dritten Supercup. In diesem Sommer beendete der inzwischen 35-jährige seine Karriere in der Nationalelf und wechselte zu Racing Strasbourg in die zweite Liga, das mit ihm 1961 den Aufstieg in die Division 1 schaffte; das war sein letzter Erfolg als Spieler.
Der Nationalspieler
Zwischen April 1948 und Juli 1960 spielte Robert Jonquet insgesamt 58mal in der Équipe Tricolore und war in neun Länderspielen auch deren Mannschaftskapitän. Er nahm an den Weltmeisterschafts-Endrunden 1954 (ein Einsatz) und 1958 (fünf Einsätze) teil. In Schweden prallte er im Halbfinale gegen Brasilien nach 30 Minuten mit deren Mittelstürmer Vava zusammen, konnte sich danach kaum noch bewegen, biss aber die Zähne zusammen. In der Halbzeitpause – Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt – injizierte ihm der Mannschaftsarzt eine schmerzstillende Spritze, und Jonquet stand in der 2. Halbzeit mehr oder weniger nutzlos am rechten Flügel herum. Nach Spielende stellte sich heraus, dass er sich das Schienbein gebrochen hatte. Gut vier Monate später stand er wieder in der Nationalmannschaft.
Seinen internationalen Abschied gab er bei der für Frankreich enttäuschenden Endrunde der Fußball-Europameisterschaft 1960 im Spiel um den dritten Platz (0:2 im Stade Vélodrome von Marseille gegen die CSSR).
Leben nach der Zeit als Aktiver
Robert Jonquet wechselte vom Spielfeld auf die Trainerbank im Straßburger Stade de la Meinau, gab danach auch ein kurzes Gastspiel bei Stade Reims und anschließend bei einem kleinen Vorortverein. Beruflich vertrieb er Artikel für die Champagnerproduktion; auch privat ist Reims sein Lebensmittelpunkt geblieben.
Jonquets Laufbahn im Überblick
Stationen
- SS Voltaire Paris
- Stade de Reims (1946-1960, 502 Einsätze in der D1)
- Racing Club Strasbourg (1960/61, D2)
- Trainer bei RC Strasbourg
- Trainer bei Stade de Reims
Palmarès
- Französischer Meister: 1949, 1953, 1955, 1958, 1960 (und Vizemeister 1947 bzw. 1954, außerdem je dreimal Dritter und Vierter der D1; lediglich 1956 nur Platz 10 für Reims)
- Französischer Pokalsieger: 1950, 1958
- Gewinner des französischen Supercups (Trophée des champions): 1955, 1958, 1960
- Europapokale: Finalist im Landesmeisterwettbewerb 1956 und 1959, Gewinner der Coupe Latine 1953 (und Finalist 1955)
- 58 A-Länderspiele, dabei neunmal Spielführer
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jonquet, Robert |
| KURZBESCHREIBUNG | ehemaliger französischer Fußballspieler |
| GEBURTSDATUM | 3. Mai 1925 |
| GEBURTSORT | Paris, Frankreich |
