Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Raum der Werke
Aus Kefk.
Der Begriff des Raums der Werke ist ein literatursoziologischer Fachausdruck. Eingebettet ist er in denjenigen Teil der Kunstsoziologie des französischen Kultursoziologen Pierre Bourdieu, der den Literaturbetrieb als literarisches Feld und dessen Entstehung am historischen Beispiel der Nationalliteratur Frankreichs zum Gegenstand hat.
Gemeint ist mit dem 'Raum der Werke' die manifeste Ebene literarischer Kommunikation, d.h. die diskursive Aneinanderreihung sowie das Nebeneinanderbestehen der Gesamtheit aller zu einem bestimmten Zeitpunkt existierenden literarischen Werke sowie aller Äußerungen über literarische Werke und deren Produktion bzw. Rezeption. Diese Äußerungsakte bezeichnet Bourdieu auch als 'Stellungnahmen' bzw. 'Positionsnahmen', die miteinander in komplexen und prinzipiell konkurrenzhaften Wechselbeziehungen stehen. Die Struktur des Raums der Werke entsteht jedoch nicht allein sui generis, sondern in wechselseitiger Abhängigkeit vom Raum der Stellungen und dem Raum der Möglichkeiten, d.h. in Abhängigkeit vom sozioökonomischem Status eines Akteurs im Vergleich zu anderen auf dem literarischen Feld engagierten Akteuren sowie in Abhängigkeit von den von einem Akteur wahrgenommenen Chancen hinsichtlich künstlerisch sinnvoller zukünftiger Spielzüge auf dem literarischen Feld.
Um die Struktur des Raums der Werke literatursoziologisch zu rekonstruieren, bieten sich stilistische sowie gattungssystemische Analysekategorien an. Je nach Forschungsinteresse können aber auch noch weitere Kriterien angelegt werden, was dem Theoriekonstrukt eine hohe wissenschaftspraktische Applikabilität verschafft.
Gelegentlich verwendet Bourdieu in seiner Literatursoziologie anstelle des Terminus "Raum der Werke" in seinem kunsttheoretischen Hauptwerk Die Regeln der Kunst und anderswo auch den Begriff "Raum der Stellungnahmen", der in seiner theoriebautechnischen Bedeutung jedoch weitgehend synonym ist. Allerdings betont er den Konkurrenzcharakter sozialen Handels etwas stärker und findet auch in Bezug auf die Theorie anderer sozialer Felder Verwendung, etwa im Bereich des politischen Feldes. Daher kann man auch sagen, dass der Raum der Werke die spezifisch literarische Ausprägung des allgemeinen Raums der Stellungnahmen darstellt.
Literatur
- Pierre Bourdieu. Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Frankfurt/M. (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft), 1999.
Siehe auch
Literarisches Feld, Literatursoziologie
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Raum_der_Werke, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
