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Theorie der rationalen Entscheidung

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Rational Choice ['ræʃənl tʃɔɪs] oder Rationale Entscheidung ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Ansätze einer Handlungstheorie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Generell schreiben diese Ansätze handelnden Subjekten (Akteuren) rationales Verhalten zu, wobei diese Subjekte aufgrund gewisser Präferenzen ein nutzenmaximierendes (oder kostenminimierendes) Verhalten zeigen.


Inhaltsverzeichnis

Ziel und Methode

Historisch orientieren sich die Theorien der Rationalen Wahl an der klassischen Ökonomie Adam Smiths und berufen sich auf Max Webers Programm einer verstehenden Soziologie. Sie versuchen, komplexe soziale Handlungen mit Hilfe möglichst einfacher Modellannahmen zu fassen. In der frühen Anwendung des Rational Choice Ansatzes, etwa in den Politikwissenschaften durch William H. Riker an der US-amerikanischen University of Rochester, war das angestrebte Ziel soziale Gesetze zu finden, die universelle Gültigkeit und logische Kohärenz wie etwa die der Newtonschen Physik besitzen. Moderne Vertreter des Rational Choice Ansatzes verweisen auf die Vorteile der logisch-deduktiven Eigenschaften mathematischer Modelle für rigoroses Theoretisieren. Sie verweisen zudem auf die Vorteile des Ansatzes für das Generieren von Kausalerklärungen auf der Ebene des Individuums.

Menschenbilder der Rationalen Wahl reichen vom klassischen Homo oeconomicus bis zum RREEMM (Restricted Resourceful Expecting Evaluating Maximising Man) der modernen Soziologie. Über den Rationalitätsbegriff des rationalen Individuums gibt es ebenso wie über die Gewichtung und Entstehung der Präferenzen keine Einigkeit.

Umstrittene Punkte

Während die rationale Entscheidung in den Wirtschaftswissenschaften in einigen Theorien ein bedeutendes Paradigma ist (in anderen freilich nicht, etwa Teilen der Prinzipal-Agent-Theorie), da es in vielen Modellen ausreicht, von rationaler Entscheidung auszugehen, wird sie in Soziologie und Politikwissenschaft kontrovers diskutiert. Einer der Hauptstreitpunkte ist der verwendete methodologische Individualismus; es wird debattiert, ob sich soziales Verhalten und soziale Gesetze durch das Verhalten vieler einzelner Individuen bestimmen lassen, oder ob das soziale Handeln eigene Gesetzmäßigkeiten aufweist. Eine schwächere Version dieser Kritik wirft dem Ansatz der Rationalen Entscheidung vor, soziale Probleme strukturell bedingt unterkomplex zu fassen. Zum anderen steht die starke Modellhaftigkeit des Ansatzes in der Kritik: Es gibt empirisch Evidenz, dass Menschen nur begrenzt rational handeln. Die meisten Theoretiker der Rationalen Entscheidung räumen das ein, machen aber geltend, dass rationale Nutzenmaximierung eine plausible Grundannahme darstelle, von der aus die Modelle bestimmten Situationen angepasst werden könnten.

Ansätze, die auf Rationaler Entscheidung basieren, üben einen immer stärkeren Einfluss sowohl auf die globalen als auch auf die deutschen Sozialwissenschaften aus.

Spezielle Anwendungsgebiete

Bekannte Vertreter

Literatur

  • Karl-Dieter Opp: Methodologie der Sozialwissenschaften; 6.Auflage. Wiesbaden, VS Verlag 2005.
  • Wolfgang Ludwig Schneider: Grundlagen der soziologischen Theorie. Band 2; 2.Auflage. Wiesbaden, VS Verlag 2005.
  • M. Baurmann: Der Markt der Tugend. Recht und Moral in der liberalen Gesellschaft. Tübingen, J.C.B. Mohr 1996.
  • H.B. Schäfer und K. Wehrt (Hrsg.): Die Ökonomisierung der Sozialwissenschaften; Frankfurt a.M., New York 1989.
  • Amartya Sen: Rational Fools. A Critique of the Behavioural Foundations of Economic Theory in: ders. Choice, Welfare and Measurement; Oxford, Blackwell 1982. (Kritik: Eine schlechte deutsche Übersetzung ist als Rationalclowns. Eine Kritik der behavioristischen Grundlagen der Wirtschaftstheorie in: K.P. Markl (Hrsg.): Analytische Politikphilosophie und ökonomische Rationalität, Bd. 2, Opladen (Westdeutscher Verlag) 1984, erschienen.)
  • Herbert A. Simon: Homo rationalis. Die Vernunft im menschlichen Leben. Frankfurt/ New York 1993.

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge