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Rathaus (Heilbronn)
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Das Rathaus der Stadt Heilbronn wurde im 16. Jahrhundert erbaut und befindet sich am Heilbronner Marktplatz.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Kaufhaus
- 1300: Im Jahr 1300 wird zum ersten Mal ein Kaufhaus in Heilbronn erwähnt. Der Name Rathaus ist jung. Er wird in Helbronn erst etwa von der Mitte des 15. Jahrhunderts ab üblich, vorher wurde der Ausdruck Kaufhaus verwendet. [1].
- 1400: Die Steuerstube erwähnt hier verschiedene Zölle und Ungeld vom Kaufhaus [2].
- 1417 erfolgt eine Erweiterung des Kaufhauses.
- 1462: Für dieses Jahr nennt die Steuerstube einen Zins vom neuen Kaufhaus [3].
Brand des alten Rathauses 1535
- 1535 : Wird ein Brand des alten Rathauses an der Kirchbrunnenstraße erwähnt: Der Heilbronner Chronist J.M. Faber (1626-1702) schreibt in seinem Heilbronner Zeitregister folgenden Satz:
..." An 1535 verbran daß alte rathaus, welches wa jezo daß offne bad bey dem Kirchbrunnen gestanden, und ginge darmit daß Archiv mitt vilen schrifften im rauch auff..." Auch Carl Jäger schreibt 1828 in seiner Geschichte der Stadt Heilbronn (Teil II, S. 163):..."Im Jahre 1535 brannte das alte Rathaus ab..." Die erste Nachricht vom Brande des alten Rathauses an der Kirchbrunnenstraße geht auf Sebastian Hornmold den Jüngeren zurück, den berühmten poeta laureatus der Stadt Heilbronn. Hornmold kam 1575 als 13-jähriger Junge mit seinem Vater Samuel Hornmold (1537-1601) nach Heilbronn, wo dieser 19 Jahre als Synadicus der Stadt Heilbronn tätig war. Hornmolds Großvater Sebastinan Hornmold der Äldere (1500-1581) war württembergischer Vogt im benachbaren Bietighein. [4]. [5].
Marktstraße: Kirchbrunnenstraße
Dass es mal einen anderen Ort für einen Marktplatz in Heilbronn gegeben hat, belegen verschiedene Zitate:
- ..."wahrscheinlich hatte vor der Vergrößerung der Pfarrkirche (St. Kilian) der Marktplatz westlich davon gelegen, also in dem Bereich des heutigen Kirchturmes und der Windgasse und weiter nach Westen...[]...Für diese These sprechen zwei Fakten:...[]...Erstens ist dort mit dem Kirchbrunnen das für Marktzwecke unerlässliche Wasser vorhanden...Zweitens weist dieses Areal eine ungewöhnlich regelmäßige Bebauung auf, was darauf schließen lässt, dass es wohl spät und planmäßig aufgesiedelt worden ist...Wo sich das Rathaus damals befunden hat, ist nicht mit Sicherheit geklärt. Als Möglichkeit kommt jedoch der Bereich der heutigen Kirchbrunnenstraße in Betracht..." . [6].
- ..."Die heutige Kirchbrunnenstraße war die älteste West-Ost-Achse der Siedlung. Das heutige Zentrum der Stadt Rathaus/Marktplatz war zu dieser Zeit überbaut. Die Fläche des heutigen Marktplatzes war von den Gebäuden eines Wirtschaftshofes bedeckt, in den mittelalterlichen Quellen als Hofstatt genannt..." [7].
Eine Radierung (1910) von Willi Stahl, die im Besitz des historischen Museums ist, zeigt ein architektonisch einmaliges Gebäude im Hinterhof der Kirchbrunnenstraße, das möglicherweise als Kaufhaus in Frage käme: Ein hohes, schmales Steinhaus mit einem nach Süden gerichteten, schön bearbeiteten Staffelgiebel. Die Zinnen des Treppengiebels waren mit Blendbögen versehen.[8].
Rathaus am heutigen Marktplatz
- 1579-82 wird das Rathaus am heutigen Marktplatz von Baumeister Hans Kurz und Bildhauer Adam Wagner im Stil der Renaissance umgebaut. Dabei erhält das Rathaus am Marktplatz die heutige Südfassade in Stil der Renaissance mit der markanten Galerie, sowie das Uhrwerk des Elsässers Isaac Habrecht (1544-1620), der 1574 schon die Kunstuhr am Straßburger Münster geschaffen hat. Das rahmende bildhauerische Werk schuf Jakob Müller, die Malerei Peter Eberlin.
- 1589 kauft die Stadt zwei nördlich und östlich an das Rathaus angrenzende Gebäude und lässt diese für spätere Rathaus-Erweiterungen abreißen. 1590-93 erfolgt die nördliche Erweiterung „hinter dem Ratshof“ mit markantem Zwerchgiebel, womit erstmalig ein Rathaus-Innenhof entsteht. Ab 1593 wird die östlich gelegene „neue Kanzlei“ durch Baumeister Hans Kurz errichtet. Kurz erweitert das Ensemble im Anschluss daran nochmals um das östlich anschließende "Syndikatshaus“.
- 1897-1906 in der bèlle époque Heilbronns, wird das Rathaus durch die Professoren Vollmer und Jassoy restauriert.
- 4. Dezember 1944 wird das Rathaus wie die gesamte Stadt beim Luftangriff auf Heilbronn zerstört.
- 1953 erfolgt der Wiederaufbau des Hauptbaues des Rathauses im Stil der Renaissance.
- 1957-1959 erfolgt ein dreiflügeliger großzügiger Rathauserweiterungsbau nach Plänen des Dr.-Ing. Rudolf Gabel. Dabei wurde auf den Wiederaufbau der beiden östlichen Anbauten (Neue Kanzlei, Syndikatshaus) an der südlichen Verlängerung der Lohtorstraße in den Marktplatz hinein (ehemals Zwerchjudengasse) zugunsten eines modernen Zweckbaues verzichtet. Der rückwärtige Flügel des Rathauserweiterungsbaues wurde 1963 mit einem Amtsschimmel von Blasius Spreng geschmückt und steht Ecke Lohtorstraße/Kieselmarkt.
Uhrwerk
Drei Uhren
Mitten in die Fassade wurde ein neue astronomische Kunstuhr eingelassen. Dieses von den Zeitgenossen vielbewunderte Uhrwerk hat 1580 Isaac Habrecht gefertigt. Die Kunstuhr ist dreiteilig:
- astronomische Uhr unten
- Zeituhr in der Mitte
- Mondphasenuhr oben.
Die astronomische Uhr zeigt die Wochentage, Monate, das Datum sowie den Stand der Sonne und des Mondes in den jeweiligen Tierkreiszeichen an.
- Der innere Kreis: Auf dem inneren Kreise der astronomischen Tafel sind die sieben Wochentage durch Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter Venus und Saturn bildlich dargestellt
- Der mittlere Kreis:Im mittleren Kreis werden die einzelnen Monate durch die 12 Tierkreiszeichen wiedergeben.
- Der äußere Kreis: Der äußere Kreis hat einen in Tage, Wochen und Monate aufgegliederte Gradeinteilung
Die Zeituhr mit dem dreiteiligen Zifferblatt zeigt die Minuten, Viertelstunden und vollen Stunden an.
1896 wurde das historische Uhrwerk durch eine Neuanfertigung der Firma Hörz aus Ulm ersetzt. Da dieses Uhrwerk 1944 bei der Zerstörung Heilbronns ebenfalls den Bomben zum Opfer fiel, wurde 1953 abermals von Hörz nochmals ein Uhrwerk gefertigt, das bis heute seinen Dienst verrichtet.
Figuren
Mit dem Mechanismus der Uhr sind verschiedene bewegliche Figuren verbunden. Links und rechts steht je ein Engel, die sich beide kurz vor dem Stundenschlag drehen. Der rechte Engel bläst eine Posaune, der linke dreht eine Sanduhr und zählt durch Bewegen seines Zepters die Glockenschläge. Unter dem Stundenkreis stehen zwei vergoldete Widder einander gegenüber. Sie richten sich bei jedem Stundenschlage etwas auf und stoßen mit den Köpfen zusammen. In einer Nische befindet sich ein Hahn, der um die vierte, achte und zwölfte Stunde kräht und die Flügel entfaltet.
Tafel mit Versen
Unterhalb des Uhrengiebels ist eine Tafel mit folgenden Versen:
- Im Anfang Gott im höchsten Thron
- Schuoff durchs Wortt Himmel, Erd, Sonn und Mon
- Ins Firmament zwei Lichter stellt.
- Die uns Tag, Jaar und Monden zellt.
- Darumb das Werk ward angestellt.
- Mit gewissen Gang und schönen Gmeld.
- Der Sonnen Cirkh in gewisser Zahl.
- Durch zwölf Zaichn all Jaar ein mahl.
- Der mittl Gang zu Nacht und Tagen
- Stund,Viertel und Minut thut zaigen.
- Des Mons Schein so würtdt groß´und klein
- Würdt zaigen die höchst Scheib allein.
- Die Bilder seind g´stellt in Werk
- Weil jedes hat sein eigen Gemerk
- Der widdr Kampf die klärlich deutt
- Dass mit der zeitt, Zeitt hab ein Streitt.
- Die Uhr der Engel schnell umbwend.
- Bedeutt dein Stund am letzten End.
- Dann mit dem hellen Gschrei der Hahn
- Ermahnt dicc dass du Böse solls getan,
- Des Engels gross Posauen Thon,
- dass bald künfftig sei Gottes Sohn
- Der beruffen würdt zur Seligkeit.
- der an ihn glaubt in dieser Zeit.
Quellen
- ↑ EIN MITTELALTERLICHER MARKT IN HEILBRONN Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“10. Jahrgang / Nummer 7. Samstag , 11. Juli 1964
- ↑ EIN MITTELALTERLICHER MARKT IN HEILBRONN Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“10. Jahrgang / Nummer 7. Samstag , 11. Juli 1964
- ↑ EIN MITTELALTERLICHER MARKT IN HEILBRONN Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“10. Jahrgang / Nummer 7. Samstag , 11. Juli 1964
- ↑ ANNO 1535 VERBRAN DAS ALTE RATHHAUS Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“9. Jahrgang / Nummer 9. Samstag , 28. September 1963
- ↑ Friedrich Dürr: Chronik der Stadt Heilbronn 741-1895 1986 Stadtarchiv Heilbronn Seite 22
- ↑ Dr. Christard Schrenk : von Helibrunna nach Heilbronn Stuttgart Theiss-Verlag 1998 Seite 29 (Von der Stadt zur Reichsstadt- Heilbronn im 14. Jahrhundert)
- ↑ ANNO 1535 VERBRAN DAS ALTE RATHHAUS Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“9. Jahrgang / Nummer 9. Samstag , 28. September 1963
- ↑ EINE UNBEKANNTE GROßHOFANLAGE : DREI VERGESSENE STEINHÄUSER IM HERZEN DER ALTSTADT (Kirchbrunnenstraße) Schwaben und Franken: Heimatgeschichtliche Beilage der „Heilbronner Stimme“12Jahrgang / Nummer 11 Samstag, 12. November 1966
Koordinaten: 49° 08' 33" , 09° 13' 06" O
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