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Radikale (Chemie)

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Als Radikale bezeichnet man Atome oder Moleküle mit mindestens einem ungepaarten Elektron, die meist besonders reaktionsfreudig sind. Radikale werden mit einem 'Punkt' dargestellt, z. B. Stickstoffmonoxid (NO), der das freie Elektron symbolisiert. Siehe auch freie Radikale.

Bild:Gombergradikaldimer.svg
Struktur des Gombergradikaldimer

Bedingt durch ihre hohe Reaktivität existieren Radikale meistens nur sehr kurze Zeit (< 1 Sekunde). Ausnahmen sind stabilisierte Radikale, z. B. Triphenylmethylradikale (Gomberg-Radikal). Diese stehen in Lösung mit ihren Dimeren im Gleichgewicht. Dieses Dimer ist nicht Hexaphenylethan, wie oftmals angenommen wird, sondern die in der Abb. gezeigte Verbindung. Auch in der Natur kommen stabile Radikale vor. So beinhaltet zum Beispiel das Enzym 'Ribonukleotidreduktase' ein Tyrosylradikal, welches eine Halbwertszeit von 4 Tagen aufweist.

Radikale spielen eine wichtige Rolle bei bestimmten Oxidationsprozessen, bei Polymerisationen und bei manchen Substitutionsreaktionen. Besonders leicht lassen sich Radikale aus Halogenmolekülen (z. B. Chlor, Cl-Cl) oder di-tert.-Butylperoxid durch Bestrahlung mit UV-Licht gewinnen.

Bekannte Beispiele

  • Disauerstoff O2 - das Sauerstoffmolekül enthält zwei ungepaarte Elektronen (Biradikal O-O; die Lewis-Formel O=O ist nicht korrekt) und bildet sich im Magnetfeld als paramagnetisches Triplett ab. Allerdings ist die Reaktionsfähigkeit dieses Biradikals beschränkt, da die beiden ungepaarten Elektronen in verschiedenen Orbitalen vorkommen und nicht denselben parallelen Spin haben (siehe auch Pauli-Prinzip)

Historische Bedeutung

Als sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Theorie durchsetzte, dass alle Materie aus Atomen aufgebaut ist (siehe John Dalton), wurde von bedeutenden Chemikern wie Lavoisier und Wöhler der Begriff Radikal verwendet, um mehratomige Moleküle zu bezeichnen, die sich in chemischen Reaktionen wie Einzelatome verhielten.[1] Zum Beispiel verhält sich das Cyanat-Ion, das aus drei Atomen aufgebaut ist, häufig wie ein Chlorid-Ion. Andererseits verhält sich ein Ammonium-Ion, das aus fünf Atomen besteht, oft wie ein Ion eines Alkalimetalls. Deshalb wurden beispielsweise Cyanat- und Ammonium-Ionen als Radikale bezeichnet. Siehe auch: Radikaltheorie.

Quellen

  1. J. Buckingham: "Chasing the Molecule", 2004, 259 Seiten. ISBN 0-7509-3345-3
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