Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Räuber
Aus Kefk.
Ein Räuber ist eine Person, die einen Raub begeht oder begangen hat. Im Unterschied zum Dieb hat der Räuber dabei Gewalt angewandt oder damit gedroht, diese anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis |
Unterscheidung der Räuber
- nach Ort des Raubes (Straßenräuber, Seeräuber)
- nach Art des Fachgebiets ( Kunsträuber, Grabräuber)
- nach Art des Ausführung (Bankräuber, Handtaschenräuber)
Geschichtliches
Räuber gab und gibt es zu allen Zeiten. Grabräuber waren bereits in pharaonischer Zeit in Ägypten bekannt und Menschenräuber kennt man aus vorrömischer Zeit mit dem legendären Raub der Sabinerinnen. Im Neuen Testament ist vom barmherzigen Samariter die Rede, der einem Menschen half, der unter die Räuber fiel. Auch der anstelle von Jesus zum Pschafest freigelassene Barrabas war ein Räuber.
Auch Seeräuber oder Piraten gab es seit dem Altertum, die schon damals von griechischen und römischen Flotten bekämpft wurden.
Berühmtester deutscher Seeräuber war Klaus Störtebeker.
Durch Staaten legalisierte Seeräuber, die sogenannten Freibeuter, wie Francis Drake wurden zur Aufbesserung der Staatsfinanzen eingesetzt.
Bis ins Spätmittelalter hinein waren Räuber oft in Räuberbanden organisiert. Diese stellten oftmals autoritär geführte Gemeinschaften dar, die auch noch im 17. und bis ins 18. Jahrhundert bestanden. Eine derartige Räuberbande bestand meist aus einem Räuberhauptmann und dessen Gefolgsleuten, die durch einen Schwur auf den Tod miteinander verbunden waren. Die Mitglieder der Räuberbande waren zuvor meist Aussätzige, Ausgestoßene oder Deserteure und Vogelfreie.
Meist waren die Räuber früherer Jahrhunderte Verzweifelte, die keinen anderen Ausweg sahen um zu überleben.
Auch heute noch gibt es in armen Ländern Afrikas Räuberbanden und Piratenüberfälle in Südostasien.
Bekannte Räuber
Bekannte Räuber und Räuberbanden waren:
- Lips Tullian
- Nikol List
- Philipp Witt
- Carl Wallmann, genannt Räuberhauptmann Rose
- Jakob Reinhard, genannt Hannikel
- Johann Baptist Herrenberger, genannt Konstanzer Hanß
- Robin Hood
- Fra Diavolo, ein italienischer Straßenräuber
- Ned Kelly, ein berühmt berüchtigter australischer Straßenräuber
- Johannes Bückler, genannt Schinderhannes
- Xaver Hohenleiter, genannt Der Schwarze Veri (Oberschwaben)
- Christian Andreas Käsebier, der Friedrich dem Großen sogar die Stadt Prag "gestohlen" haben soll
- Franz Troglauer
- Mathias Kneißl, genannt Kneißl Hias
- Matthias Klostermayr, genannt Bayerischer Hiasl
- Johann Georg Grasel - der (falsche) österreichische Robin Hood
- Wenzel Babinsky - böhmischer Räuber
- Schwarze Garde
- Simon Kramer
- Johannes Karasek
- Janoschick, ein slowakischer Volksheld aus den Beskiden
- Mathias Weber, genannt Der Fetzer
- Karl Stülpner, genannt Robin Hood des Erzgebirges oder auch Sächsischer Robin Hood
- Nikola Šuhaj, ein populärer ukrainischer Räuber in den Waldkarpaten.
- Pintea Viteazul, rumänischer "Robin Hood"
- Große Fränkische Diebes- und Räuberbande, auch "Fürther Diebes- und Räuberbande" oder "Meusel-Bande" genannt. Wurde 1798 zerschlagen.
Räuber in der Literatur
Im Ausgang des 18. Jahrhunderts entstand eine sich rasch verbreiternde Gattung des Unterhaltungsromans, der sogenannte Räuberroman. Hervorgerufen wurde das Interesse einmal durch die neuerwachte Beschäftigung mit dem Mittelalter, zum anderen durch die Dramen von Goethe (Götz von Berlichingen, die Figur eines Raubritters) und Schiller (Die Räuber). Die Räuberromane jener Zeit hoben das in Schillers Karl Moor angelegte Bild vom großen Kerl und Ideal des edlen Verbrechers noch hervor und ließen ihre Räuber und Räuberbanden zwar gegen die Gesetze, aber für die Gerechtigkeit handeln. Zu nennen sind hier vor allem Johann Heinrich Daniel Zschokkes Roman Abällino, der große Bandit (1793) und Christian August Vulpius Buch Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann (1798).
Zu den Räubern als literarische Gestalten zählen vor allem:
- Ali Baba und die vierzig Räuber (Märchen aus 1001 Nacht)
- Die Räuber, Friedrich Schiller (1782, Uraufführung)
- Das Wirtshaus im Spessart (Erzählungen von Wilhelm Hauff, gleichnamige Erzählung auch verfilmt) (1828 Buch)
- Die Räuberbande, Leonhard Frank (1914)
- Der Räuber Hotzenplotz (Kinderbuch von Otfried Preußler) (1962/1970/1973)
- Die drei Räuber (Bilderbuch von Tomi Ungerer) (1963)
- Ronja Räubertochter (Jugendbuch von Astrid Lindgren, auch verfilmt) (1981 Buch)
Belegt ist, dass zumindest die von Hauff erwähnten Spessarträuber existierten und vor allem Händler auf dem sogenannten Eselsweg und der Birkenhainer Landstraße, die Salz und andere Güter transportierten, ausraubten und für die Kaufleute ein Lösegeld verlangten. Anzumerken ist, dass vor allem im 20. Jahrhundert die Räuberromantik oftmals für Kinder wieder verharmlosend dargestellt und in manchen Werken auch pädagogisch relativiert wurde.
"Moderne" Räuber
Im 19. und 20 Jahrhundert wurden vor allem Postkutschenüberfälle und spektakuläre Bankräuber durch Presse und audiovisuelle Medien bekannt. Zu nennen sind hier Verbrecher wie die bankraubenden Dalton-Brüder oder John Dillinger. Auch der legendäre Postraub, der in den 60er Jahren in England verübt wurde, fällt darunter.
In Süddeutschland war Johannes Bückler, der "Schinderhannes" aus dem Hunsrück des späten 18. Jahrhunderts, das Vorbild für Bernhard Kimmel und seine nach ihm benannte Kimmel-Bande, die von 1957 bis 1961 im Pfälzer Wald Raubzüge und Einbrüche unternahmen.
Handtaschenräuber in Großstädten sind im Zuge der Beschaffungskriminalität nahezu alltäglich.
Redewendungen
Umgangssprachlich ist eine Reihe von Redewendungen gebräuchlich, z. B.
- Hier sieht es aus wie in einer Räuberhöhle = hier ist es sehr unordentlich
- Erzähle keine Räuberpistolen = erzähle keine (unwahren, übertriebenen) Geschichten
- Räuberzivil anhaben = der Situation unangemessen, nachlässig gekleidet sein
Im politischen Leben gerne zitiert wird Augustinus' Vergleich von Staaten ohne Rechtsstaatlichkeit mit Räuberbanden: Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia? Quia et latrocinia quid sunt nisi parva regna? (De Civitate Dei, Liber IV,4); sinngemäße Übersetzung "Nimm die Rechtsstaatlichkeit weg, was sind Staaten wenn nicht große Räuberbanden? Denn was sind Räuberbanden anderes als Staatswesen im Kleinen?"
Als Räuber bezeichnet man in der Biologie auch ein Tier, das sich ein anderes zum Opfer macht, siehe oben Begriffserklärung, Räuber-Beute-Beziehung, Raubtier.
Siehe auch
Bankraub - Grabräuber - Mundraub - Raub - Räuber und Gendarm - Räuberische Erpressung - Räubersynode - Raubkrieg - Raubritter - Raubtier - Seeräuber
Literatur
- Thomas Grünewald: Räuber, Rebellen, Rivalen, Rächer. Studien zu "latrones" im Römischen Reich. Steiner, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07489-9.
- Werner Riess: Apuleius und die Räuber. Ein Beitrag zur historischen Kriminalitätsforschung. Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-5150-7826-9 (Heidelberger Althistorische Beiträge und Epigraphische Studien, Band 35).
Weblinks
- Beruf: Räuber - Vom Bandenwesen zur Schillerzeit
- Johann Benjamin Weissenbruch: Ausführliche Relation von der famosen Ziegeuner-, Diebs-, Mord- und Rauber-Bande, welche den 14. und 15. November Ao. 1726 zu Giessen durch Schwerdt, Strang und Rad, respective justificirt worden (Digitalisat)
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort R%C3%A4uber, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
