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Purin

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Strukturformel
Bild:Purine chemical structure.png
Allgemeines
Name Purin
Andere Namen
  • 3,5,7-Triazaindol
  • 6H-Imidazo(4,5-d)pyrimidin
  • Abkürzung: R (Purin)
Summenformel C5H4N4
CAS-Nummer 120-73-0
SMILES C1(NC=N2)=C2C=NC=N1
Kurzbeschreibung ?
Eigenschaften
Molmasse 120,11 g/mol
Aggregatzustand fest
Dichte ?
Schmelzpunkt 216,5 °C
Siedepunkt ?
Dampfdruck ?
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung
Gefahrensymbole
keine Gefahrensymbole
R- und S-Sätze R: 22-24/25
S: ?
weitere Sicherheitshinweise
MAK ?
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Purin ist eine heterobicyclische aromatische organische Verbindung mit vier Stickstoffatomen. Purine sind neben Pyrimidinen wichtige Bausteine der Nukleinsäuren. Sie sind nicht essentiell, sondern werden vom menschlichen Körper selbst gebildet. Tierische Lebensmittel enthalten viele Purine, da diese in Haut und Innereien in hoher Konzentration enthalten sind. Beim Menschen werden sie zu Harnsäure abgebaut und über die Nieren ausgeschieden; bei verschiedenen anderen Tierarten erfolgt ein weitergehender Abbau (beispielsweise zu Allantoin bei Rindern). Daher leitet sich auch der Name von lat. purus = rein und acidum uricum = Harnsäure ab, da es das „reine“ Grundgerüst der Harnsäure ist, die 1898 von Emil Fischer erstmals synthetisiert wurde.

Inhaltsverzeichnis

Struktur

Das Molekül kann als kondensiertes Ringsystem, zusammengesetzt aus den beiden Heterozyklen Pyrimidin und Imidazol, aufgefasst werden. Deshalb lautet sein systematischer Name 7H-Imidazol[4,5-d]pyrimidin.

Bild:Purin1.png
Purin-Grundgerüst

Das 7H-Purin steht mit seinem Isomer, dem 9H-Purin, in einem tautomeren Gleichgewicht:

Bild:PurinTaut.png
Tautomerie des Purins

Abgeleitete Moleküle

Purine

Übersicht

Werden die Wasserstoff-Atome in den Positionen 2, 6 und 8 durch andere Moleküle ersetzt, ergeben sich verschiedene substituierte Purine:

Name Struktur Position 6 Position 2 Position 8
Adenin Bild:Purin1.png -NH2 -H -H
Guanin -OH -NH2 -H
Harnsäure -OH -OH -OH
Hypoxanthin -OH -H -H
Xanthin -OH -OH -H
6-Purinthiol -SH -H -H
6-Thioguanin -SH -NH2 -H

Tautomerie

Auf Grund der Molekül-Abschnitte mit dem Grundmuster N=C-X-H (mit X = O, S oder NH) besteht die Möglichkeit der Tautomerie. (Siehe dort Lactam-Lactim-, Thiolactam-Thiolactim- und Ketimin-Enamin-Tautomerie):

Bild:PurinTaut2.png
Tautomerie der Purine

Purin-Alkaloide

Vom Grundgerüst des Purins leiten sich auch einige Alkaloide ab:

Name Struktur R1 R2
Coffein Bild:PurinAlk.png -CH3 -CH3
Theobromin -H -CH3
Theophyllin -CH3 -H

Rezeptoren

Purine binden an spezifische Rezeptoren in der Zellmembran, sog. purinerge Rezeptoren. Es gibt ionotrope und metabotrope purinerge Rezeptoren. Der physiologische Agonist dieser Rezeptoren ist ATP.

Biologische Bedeutung

Bild:Zeatin.png
trans-Zeatin

Biosynthese

De novo-Biosynthese

Die Purine werden im Organismus nicht als freie Moleküle synthetisiert, sondern stets als Nukleotide. Ausgangsmolekül ist das α-D-Ribose-5-phosphat, ein Zwischenprodukt des Pentosephosphatzyklus. Darauf wird das Grundgerüst des Purins schrittweise aufgebaut, wobei verschiedene Moleküle die einzelnen Bestandteile liefern:

Kohlenstoffdioxid

(eine Aminosäure)
Bild:Asparaginsre.png
(eine Aminosäure)

Purin-Grundgerüst
Bild:THF2.png
Tetrahydrofolsäure (verkürzt)
Bild:THF1.png
Tetrahydrofolsäure

(eine Aminosäure)

Das Endprodukt dieser Synthesekette ist das Inosinmonophosphat (IMP), das Nukleotid des Hypoxanthins, welches in weiteren Schritten zu den Nukleotiden des Xanthinosins, Adenosins oder Guanosins umgebaut wird.

Wiederverwertung der Basen (Salvage-Pathway)

Hauptartikel: Salvage-Pathway

Beim Abbau der RNA entstehen neben den Mononukleotiden auch freie Basen und Nukleoside. Die Mononukleotide können dadurch wieder zurückgewonnen werden, dass die Purinbasen mit phosphorylierter Ribose und die Nucleoside durch Kinasen ihre Phosphatgruppe wieder erhalten.

Im Verbund mit Ribose / Desoxy-Ribose: Reduktion der Ribonukleotide

Um als Bausteine der DNA dienen zu können, muss die Ribose (Zucker) der Nukleotide am 2. C-Atom reduziert werden, die Hydroxyl-Gruppe wird durch ein Wasserstoffatom ersetzt (nun heißt die Ribose Desoxy-Ribose) und es entstehen die Desoxy-Ribonukleotide. Bei RNA (Überträger der DNA Information) hingegen wird Ribose und nicht Desoxy-Ribose als Zucker verwendet. RNA kommt gewöhnlich nicht als doppelsträngiges Molekül (wie DNA) vor.

Abbau der Basen

Von den Nucleosiden und Nucleotiden werden als erstes die Basen abgespalten. Diese werden zu Harnsäure oxidiert. Diese ist bei Landreptilien, Vögeln, vielen Insekten und Primaten das Endprodukt, das über den Harn ausgeschieden wird. Andere Tiere bilden aus der Harnsäure Allantoin, Harnstoff oder Ammoniak.

Medizinische Bedeutung

Krankheiten

Je nach Ort der Störung im Purin-Stoffwechsel ergeben sich verschiedene Krankheitsbilder:

  • Das Lesch-Nyhan-Syndrom ist auf eine Anhäufung von 5-P-Ribosyl-PP zurückzuführen, die zu einer übermäßigen Synthese von Purinen und damit auch zu einer Anhäufung von Harnsäure führt. Diese verursacht Gicht, geistige Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten.
  • Die Gicht ist eine Folge von Hyperurikämie, eine erhöhte Konzentration von Harnsäure im Blut (mehr als 0,4 mmol/l). Unterhalb dieser Konzentration stehen im Blut genügend Eiweiße zur Verfügung, um die in Wasser schwerlösliche Harnsäure zu transportieren und ihre Ausfällung zu verhindern. Ist der Harnsäure-Wert zu hoch, reicht dieses Schutz-System nicht mehr aus und es kommt zu Ablagerungen in Gelenken, Sehnenscheiden und Nierenmark.
  • SCID (schwerer kombinierter Immundefekt) ist auf eine 50fache Erhöhung der dATP-Konzentration zurückzuführen. Dadurch ist die empfindliche Balance in der Konzentration der DNA-Bausteine gestört und es kommt zu Störungen der DNA-Synthese, die vor allem die Zellen des Immunsystems (T- und B-Zellen) betrifft.

Arzneimittel

Purin-Derivate und Purin-Analoga spielen als Antimetaboliten eine Rolle: Azathioprin unterdrückt das Immunsystem, 8-Azaguanin, 6-Purinthiol und 6-Thioguanin werden gegen bestimmte Krebsformen eingesetzt, Allopurinol gegen Gicht. N-Hydroxy-Purin und Purin-N-Oxide wirken carcinogen (krebserregend).

Literatur

Siehe auch

Weblinks

  • MDR.de - Infos + Puringehalt einiger Lebensmittel
  • MedizInfo.de Lebensmitteltabellen für Purine und Harnsäure
  • PurinTabelle.de Lebensmitteltabellen für Purine und Harnsäure
Wikipedia
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