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Proslogion

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Das Werk Proslogion (um 1080) von Anselm von Canterbury erlangte philosophiegeschichtlich Bedeutung, da es den ersten ontologischen Gottesbeweis enthält.

Inhaltsverzeichnis

Der ontologische Gottesbeweis

Anselm will in den Kapiteln II-IV des Proslogion die Existenz Gottes aufzeigen.

Seinen Gottesbeweis kleidet Anselm in ein Gebet. Er beginnt mit einem Bittgebet, Gott möge ihm die nötige Erkenntnis für sein Vorhaben schenken. Wie diese Umkleidung zu werten ist, ist kontrovers. Hin und wieder wird Anselm auch deswegen eine glaubenswissenschaftliche Position (s. intellectus fidei) zugeschrieben, welche betont: Verstehen einer Glaubenswahrheit ist nur aus dem Glauben möglich. Anders akzentuiert betonen einige Interpreten die autonome Stellung der Vernunft in der Durchdringung sämtlicher Glaubenswahrheiten.

Entsprechend wird auch unterschiedlich bewertet, ob seine Ausführungen als streng logischer Beweis beabsichtigt sind (und ob und unter welchen Prämissen sie schlüssig sind, ohnehin). Zentral für die Argumentation ist der Gottesbegriff: Gott ist etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann.

Anselm entfaltet seine Argumentation in drei Schritten. Anselm möchte einen fiktiven Tor widerlegen, der in seinem Herzen spricht, es gebe keinen Gott. Zunächst führt Anselm aus, dass auch ein Tor, der die Existenz Gottes leugne, zugeben müsse, dass, wenn er das Argument verstehe, Gott in seinem Verstand existiere (esse in intellectu), da in seinem Verstand sei, was er versteht.

Im zweiten Schritt argumentiert Anselm wie folgt: Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, könne nicht nur im Verstand existieren. Von etwas, das im Verstand existiere, kann auch gedacht werden, dass es in Wirklichkeit existiere (esse in re). Und etwas, von dem gedacht werden könne, dass es in Wirklichkeit existiere, ist größer als etwas, das nur im Verstand gedacht werden könne. Dem Begriff des Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, würde es widersprechen, wenn es nur im Verstand gedacht werden könnte, da es dann etwas gäbe, das größer wäre. Daraus folgert Anselm, dass Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, auch in Wirklichkeit existieren muss.

Im dritten Argumentationsschritt stellt Anselm die These auf, dass von Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht gedacht werden kann, dass es nicht existiert. Es kann nämlich gedacht werden, dass etwas existiert, das nicht nicht existieren kann. Das aber wäre größer als etwas, von dem gedacht werden kann, dass es nicht existiert. Dem Begriff des Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, würde es widersprechen, wenn etwas Größeres gedacht werden könnte, sodass die Nichtexistenz des Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht gedacht werden kann.

Nachdem Anselm seine Argumente dafür dargelegt hat, dass Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, in Wirklichkeit existiert, folgt ein Zwischengebet, in dem er dieses Etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, mit Gott identifiziert.

Seinen Gottesbeweis schließt Anselm mit einem Dankgebet.

Kritik

Ein Gegenargument zu Anselms Gottesbeweis wurde bereits zu seinen Lebzeiten vom Mönch Gaunilo von Marmoutiers vorgelegt. Zu den Implikationen eines Begriffs könne nicht die Existenz einer Sache zählen. So könnte etwa jemand den Begriff einer vollkommenen Insel bilden und in Analogie zu Anselms Beweis folgern, dass deren Vortrefflichkeit ihre Existenz beweise - was offenbar absurd wäre. Anselm entgegenete darauf, dass seine Argumentation einzig auf den anwendbar sei, über den hinaus Größeres nicht gedacht werden kann.

Ein zweites Gegenargument bezieht sich darauf, dass Anselm die Höherwertigkeit von notwendigem gegenüber kontingentem gegenüber unwirklichem Sein einfach voraussetze.

Ein drittes Gegenargument verneint, dass es nur ein einziges größtes Seiendes gibt: über jedes Etwas könne immer noch etwas Größeres gedacht werden. Anselms gegenteilige Annahme sei eine Glaubensvoraussetzung, für die nicht weiter argumentiert werde.

Literatur

Textausgaben

  • Proslogion: lateinisch/deutsch. Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Robert Theis. Stuttgart: Reclam 2005, ISBN 3-15-018336-7
  • Proslogion: Untersuchungen. Lat.-dt. Ausg. hg. von Franciscus Salesius Schmitt. Stuttgart- Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog 31995, ISBN 3-7728-0010-6
  • Volltext: Hansjürgen Verweyen: Nach Gott fragen: Anselms Gottesbegriff als Anleitung. (1978) (Erläuterung, Kritik, lat. Text und Übersetzung der Kap. 2-4)
  • Opera omnia. Hg. v. Franciscus Salesius Schmitt. Seckau u.a. 1938-1961, ergänzter Neudruck 1984, ISBN 3-7728-0011-4 Bd. 1, S. 89-139.

Sekundärliteratur

  • Christoph Asmuth: "Proslogion (lat.;Anrede)". In: Michael Eckert u.a. (Hgg.): Lexikon der theologischen Werke. Stuttgart: Kröner 2003 ISBN 3-520-49301-2, S. 600
  • Burkhard Mojsisch: Anselm von Canterbury. Gottesbeweise. In: Theo Kobusch (Hrsg.): Philosophen des Mittelalters. Eine Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 2000, S. 42-53.
  • Klaus Riesenhuber: Die Selbsttranszendenz des Denkens zum Sein. Intentionalitätsanalyse als Gottesbeweis in "Proslogion", Kap.2, in: Beckmann, Jan P., u.a. (Hrsg.): Philosophie im Mittelalter. Entwicklungslinien und Paradigmen, Hamburg 1987, 39-59.
  • Gangolf Schrimpf: Anselm von Canterbury, Proslogion II - IV. Gottesbeweis oder Widerlegung des Toren? Knecht. Frankfurt am Main 1994.
  • Harald Schöndorf: Ist der ontologische Gottesbeweis ein Fehlschluß? in: Doré, Joseph / Théobald, Christoph (Hrsg.): Penser la foi. Recherches en théologie aujourd'hui. Mélanges offerts à Joseph Moingt. Paris 1993, 991-1003.

Weblinks

  • Literatur über Proslogion in Bibliothekskatalogen: DNB, GBV
Wikipedia
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