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Priscian

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Priscianus Caesariensis oder Priscian, der lateinische Grammatiker, lebte um 500 und starb wohl zu Beginn der Herrschaft des Kaisers Justinian I. (527-565).

Leben

Dass Priscian bereits um 500 wirkte, wird durch das Lobgedicht belegt, das er an den oströmischen Kaiser Anastasios I. (491-518) richtete, und weil die Manuskripte seiner Institutiones grammaticae eine Nachschrift enthalten, die mitteilt, dass das Werk 526 oder 527 von Flavius Theodorus, einem Schreiber im kaiserlichen Sekretariat, kopiert wurde. Zu dieser Zeit spielte Latein auch im Oströmischen Reich noch eine wichtige, wenn auch abnehmende Rolle.

Drei kleinere Abhandlungen widmet er Symmachus, dem Schwiegervater des Anicius Manlius Severinus Boëthius. Cassiodor, überschreibt einige Auszüge aus Priscian mit der Feststellung, dass er in Konstantinopel zu seiner (Cassiodors) Zeit gelehrt habe (Keil, Gr. Lat. vii. 207).

Sein Beiname Caesariensis deutet nach Niebuhr und anderen auf Caesarea in Mauretania als Herkunfsort hin. Priscians Lehrer war Theoctistus, der ebenfalls eine Institutio artis grammaticae schrieb. Priscian wird von mehreren britischen Schreibern des 8. Jahrhunderts zitiert - Aldhelm, Beda Venerabilis, Alkuin – und wurde benutzt von Rabanus Maurus aus Fulda und Servatus Lupus aus Ferrières.

Es gibt kaum eine Bibliothek in Europa, die keine Kopie seines Werkes, von dem es rund tausend Manuskripte gibt, im Bestand hat oder hatte. Der größere Teil davon besteht lediglich aus den Büchern I bis XVI (manchmal Priscianus major genannt); wenige enthalten (neben den drei Büchern Ad Symmachum) die Bücher XVII und XVIII (Priscianus minor); wenige beide Teile. Die frühestens Manuskripte stammen aus dem 9. Jahrhundert, nur einige Fragmente sind etwas älter. Alle hingegen stammen sie letztendlich von der Kopie ab, die Theodorus erstellte.

Die Institutiones grammaticae sind eine systematische Darstellung der lateinischen Grammatik, dem Konsul und Patrizier Julian gewidmet, den manche mit dem Autor des bekannten Auszugs von Justinians Novellae (einem Teil des Codex Iuris Civilis) gleichsetzen, doch scheint dieser Jurist einige Zeit später als Priscian gelebt zu haben. Die Institutiones sind in achtzehn Bücher aufgeteilt, von denen die ersten sechzehn sich hauptsächlich mit Klang, Wortbildung und Flexionen befassen, die letzten beiden, die etwa ein Drittel bis ein Viertel des Gesamtwerks darstellen, mit der Syntax.

Priscian informiert in seinem Vorwort darüber, dass er diejenigen Grundregeln der Griechen Aelius Herodianus und Apollonios Dyscolos ins Lateinische übernommen habe, die ihm angemessen erschienen, und sie um die lateinische Grammatik ergänzt habe. Er hat viele Fragmente, die ansonsten verloren gegangen wären, überliefert, zum Beispiel von Ennius, Pacuvius, Lucius Accius, Gaius Lucilius, Cato and Varro. Die Autoren, die er am häufigsten zitiert, sind jedoch vor allem Vergil, dann Terenz, Cicero und Plautus, schließlich Lucan, Horaz, Juvenal, Sallust, Statius, Ovid, Livius und Persius.

Sein Fleiß bei der Sammlung von Formen und Beispielen ist groß und methodisch. Seine Ausdrucksweise ist etwas schwierig, aber vernünftig und klar; er ist frei von allem, was man Barbarei nennen könnte, aber natürlich nicht von Usancen des späten Latein.

Die Mängel seiner Arbeit können in vier Punkte zusammengefasst werden:

  1. Priscian behandelt eingestandenermaßen griechische Autoren und griechische Grammatik als oberste Autoritäten, und berücksichtigt zu wenig, dass jede Sprache eine eigene Geschichte und eine eigene Gesetzlichkeit hat.
  2. Es gab keine wissenschaftliche Untersuchung der Phonetik, und folglich werden die Veränderungen in den Sprachen rein mechanisch behandelt: zum Beispiel i verändert sich zu a, wie in genus, generis, generatum; zu o, wie in sasi, saxosus; q wird zu s, wie in torqueo, torsi, etc.
  3. Die Auflösung eines Wortes in Wurzel oder Stamm und ungebeugte oder abgeleitete Affixe war ein völlig unbekannter Gedanke, und die Formregeln basieren oft auf unwichtigen Phänomenen: zum Beispiel sollte Venus wie andere Eigennamen auf us den Genitiv Veni haben, doch hat es, so als sei es ein Verb, Veneris. Ador hat keinen Genitiv aufgrund eines Regelkonflikts; zumal Neutra auf or eine kurze vorletzte Silbe haben (zum Beispiel aequor, aequoris), und adoro, wovon es abgeleitet ist, eine lange.
  4. Die praktische Bedeutung der Flexionen wird nicht erkannt, und ihr syntaktischer Gebrauch wird behandelt als sei er willkürlich oder zufällig. Dies als allgemeine Regel für deklinierbare Wörter niedergelegt, die, wenn sie sich auf ein und die gleiche Person beziehen, den gleichen Kasus, Genus und Numerus haben müssen, wird bei Priscian ergänzt um die Aussage, dass bei transitiven Wörtern verschiedene Numeri benutzt werden können, zum Beispiel doceo discipulos, docemus discipulum.

Oft gibt er eine Regel zu allgemein oder eingeengt an, und tastet dann nach Einschränkungen beziehungsweise Erweiterungen. Seine Etymologien sind selbstverständlich manchmal äußerst wild: zum Beispiel caelebs von caelestium vitam ducens, b statt eines konsonantischen u, weil ein Konsonant nicht vor einem anderen stehen kann; deterior vom Verb detero, deteris, potior (als Adjektiv) von potior, potiris; arbor von robur; verbum von verberatus aeris etc. Auch in griechischen Usancen liegt er nicht immer richtig.

Priscians drei kurze, Symmachus gewidmete Abhandlungen gehen über Maße und Gewichte, die Metriken bei Terenz, und einige rhetorische Elemente (übersetzte Übungen von Hermogenes). Er schrieb auch De nomine, pronomine, et verbo (eine Kurzfassung von Teilen seiner Institutiones), und eine interessante Probe des Grammatikunterrichts in Schulen in der Gestalt einer vollständigen Syntaxanalyse durch Frage und Antwort zu den ersten zwölf Zeilen der Aeneis (Partitiones xii. versuum Aeneidos principalium). Die Metrik wird zuerst besprochen, jeder Vers wird untersucht, und jedes Wort gründlich und lehrreich begutachtet. Eine Abhandlung über Betonungen wurde früher Priscian zugeschrieben, was aber von heutigen Gelehrten aufgrund des Themas und der Sprache zurückgewiesen wird.

Er schrieb auch zwei nicht bemerkenswerte Gedichte, nämlich eine Lobschrift auf Anastasius in 312 Hexametern mit einer kurzen jambischen Einleitung, und eine wortgetreue Übersetzung in 1087 Hexametern von DionysiosPeriegesis, einem geographischen Überblick über die Welt.

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