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Pretiosa
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Die Pretiosa (lat. die Kostbare) ist die drittälteste und zweitgrößte Glocke des achtstimmigen Geläutes im Südturm des Kölner Domes. Zwei noch ältere, aber wesentlich kleinere Glocken („Wandlungs“- und „Angelusglocke“) befinden sich im Dachreiter über der Vierung.
Die Pretiosa wurde 1448 durch Heinrich Brodermann und Christian Cloit in Köln gegossen und – nach der bereits 1418 geschaffenen Dreikönigenglocke – im noch unfertigen Südturm der Kathedrale aufgehängt. Der Guss war schwierig und gelang erst beim dritten Mal.
Die Glocke hat ein Gewicht von etwa 10 500 kg, einen Durchmesser von 240 cm und eine Schlagringstärke (d.h. unterste Wandstärke) von 20,7 cm. Ihr Nominal/Schlagton ist g° (+1/16); bis zum Jahre 1874 war sie die größte Glocke des Domes.
Geweiht wurde die Glocke auf die Dompatrone, den heiligen Petrus, die Muttergottes und die Heiligen Drei Könige, deren Grab sich im Dom befindet. Einzelreliefs und die Glockeninschrift weisen auf diese Patronate hin, in der Inschrift sind außerdem die Glockengießer genannt.
Der festliche Klang der Pretiosa ist im Verlauf des Kirchenjahres zu allen Pontifikalämtern, an den Vorabenden und vor den Hochämtern der Hochfeste und Feiertage zu hören, soweit diese Aufgabe nicht die Petersglocke übernimmt. Stirbt ein Kölner Domherr oder Weihbischof, kündet auch davon die Pretiosa.
Vor dem Hintergrund, dass die Pretiosa seit mehr als fünfhundert Jahren Gläubige zum Gottesdienst ruft, so kann gesagt werden, dass diese Glocke ein Stück begreifbare und hörbare Kirchen- und Weltgeschichte darstellt.
Die jüngere „Schwester“ der Pretiosa ist die 1449 gegossene Speciosa.
Inhaltsverzeichnis |
Inschrift der Pretiosa
INSIGNIS ◊ STATUS ◊ ECCLESIE ◊ OROVIDUSQUE ◊ SENATUS * CONCILII ◊ SANCTE ◊ PARILES ◊ UOTIS ◊ CIUITATIS * HUIUS ◊ CUM ◊ RELIQUIS ◊ GEMINI ◊ SEXUS ◊ DEO ◊ NOTIS * DENUO ◊ CONFLARI ◊ DANT ◊ ME ◊ SIMUL ◊ ET ◊ REOUARI * SUMME ◊ CHRISTIFERE ◊ PETRI ◊ REGUM ◊ SUB ◊ HONORE ◊ * ◊ * ◊ * ◊ * CANTUM ◊ REDDO 24 ◊ CHORIS ◊ UETITUM ◊ PRO ◊ SINGULIS ◊ HORIS * MILLE ◊ QUADRINGENTIS ◊ QUADRAGENIS ◊ OCTO ◊ DONATIS * DUM ◊ SONO ◊ TRISTATUR ◊ DEMON ◊ XPS (Christus) ◊ UENERATUR * BRODERMAN ◊ HEINRICH ◊ CLOIT ◊ CHRISTIAN ◊ HANT ◊ GEMACHET ◊ MICH * ◊ *
Blüten (hier: *) und Rosetten (hier: ◊) dienen als Wort und Verstrennungszeichen.
Übersetzung: Der ausgezeichnete Stand der Kirche und der umsichtige Senat mit den Wünschen des Rats dieser heiligen Stadt sich vereinend, zusammen mit den übrigen dieser beiden Stände, die Gott unterscheidet, ließen mich wiederum gießen und erneuern, der Christusträgerin, Petrus und den Königen zu Ehren. Ich bringe dem Chor den Gesang zum Stundengebet zurück. Dreimal umgeformt, beim vierten als kostbar gepriesen. 1448 waren gegeben. Der Teufel wird betrübt, wenn ich erklinge, aber Christus verehrt. Heinrich Broderman und Christian Cloit haben mich gemacht.
Siehe auch
Quellen
- Schaeben, J.: Domglocken. In Kölner Domblatt (6/7), Köln 1952.
- Kaltenbach, J.: Die Pretiosa. In Kölner Domblatt (31/32), Köln 1970.
- Seidler, M.: Die Kölner Domglocken (Dokumentations-CD mit ausführlichem Booklet, 2. Aufl.), Köln 2000.
Weblinks
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