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Praktizismus
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Der Praktizismus bezeichnet eine einseitige Auffassung des Verhältnisses von Theorie und Praxis.
Der Praktizismus verabsolutiert die praktische Seite der produktiven und sozial-historischen Tätigkeit des Menschen bei gleichzeitiger Unterschätzung ihrer theoretischen Seite. Die Vertreter des Praktizismus sehen nur die unmittelbaren Ergebnisse der praktischen Tätigkeit der Menschen, ignorieren die relative Selbständigkeit der Theorie und ihre Fähigkeit, weitergehende Folgen der praktischen Tätigkeit vorauszusehen und als Orientierungsmittel für die Praxis zu dienen.
Die Vertreter des Praktizismus bewerten die Entwicklung der Theorie in Abhängigkeit davon, inwieweit sie unmittelbar praktisch anwendbar ist. Das negative Verhältnis im Praktizismus zur Theorie führt dazu, daß er von der Konjunktur, von zufälligen, zeitweiligen Faktoren der Praxis abhängig ist. Damit geht das Verständnis für die allgemeine Perspektive der Entwicklung verloren.
Im Praktizismus fehlt das Verständnis z.B. der Rolle der Gesellschaftwissenschaften bei der Bildung von Inhalten der Vorausschau und Motivation der gesellschaftlichen Entwicklung. Da im Praktizismus faktisch eine theoretische Orientierung negiert wird, führt er in der Politik zu Prinzipienlosigkeit und Opportunismus. Durch das Bestreben, das Gebiet der Theorie nur auf die Probleme zu reduzieren, die unmittelbar parktische Bedeutung besitzen, wird im Praktizismus die Sphäre der theoretischen Erkenntnis eingeengt und begrenzt damit die Perspektiven der Entwicklung der Praxis.
