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Polyvinylpyrrolidon
Aus Kefk.
Polyvinylpyrrolidon (PVP; CAS: 9003-39-8) ist ein Polymer der Verbindung Vinylpyrrolidon. PVP ist ein hygroskopisches, amorphes Pulver mit weißer bis hellgelber Farbe. Die Molmassen der handelsüblicher Polymere liegt im Bereich von ca. 2500 bis 750 000 g/mol. Aufgrund seiner Struktur besitzt PVP keinen Schmelzpunkt, sondern nur eine Glasübergangstemperatur, welcher abhängig vom Polymerisationsgrad zwischen 130-170°C liegt. PVP löst sich sowohl in Wasser als auch in einer Vielzahl organischer Lösungsmittel. In stark sauren Lösungen hydrolysiert der Lactam-Ring zur Aminosäure-Gruppe. Unter alkalischen Bedingungen und erhöhter Temperatur vernetzen die Ketten zu wasserunlöslichen Produkten. Der Ausgangsstoff Vinylpyrrolidon ist als kanzerogen der Kategorie 3 eingestuft, das Polymer ist jedoch für den Menschen unbedenklich.
Handelsübliche Bezeichnungen sind vor allem Povidone, PVP oder Periston. Unterschieden wird hier beispielsweise zwischen:
- Povidone K-30
- Povidone K-90
Der K-Wert stellt eine in der Kunststoffindustrie übliche Klassifikation dar und steht in direktem Zusammenhang mit dem mittleren Molekulargewicht des Polymers. Damit lässt sich aus dem K-Wert indirekt auf den Grad der Polymerisation und damit die Kettenlänge schließen.
Verwendung
- Polyvinylpyrrolidon wird als Hilfsstoff in der pharmazeutischen Industrie verwendet. Er dient in Medikamenten (speziell Tabletten) in der Regel als Bindemittel und kann die Freisetzung des Wirkstoff in den Körper beeinflussen. Die quervernetzten Produkte steuern den Zerfall der Tablette. Verwendung in Augentropfen gegen 'trockenes Auge'. Des Weiteren verwendete man es früher in der Notfallmedizin als sogenannten Blutplasmaexpander. Als Iod-Tinktur (Handelsname: Betaisodona) hat sich PVP-Jod, das zu den Iodophoren zählt, in der medizinischen Wundbehandlung durchgesetzt.
- In Lebensmitteln wird es vor allem als Binde- und Verdickungsmittel, Stabilisator und Überzugsmittel verwendet. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Bezeichnung E 1201 ohne Höchstmengenbeschränkung ausschließlich für Nahrungsergänzungsmittelpillen/-dragees zugelassen.
- Bei Color-Waschmitteln, soll PVP als Farbübertragungsinhibitor beim Waschvorgang die Übertragung von Farbstoffen auf andere Textilien verhindern.
- Es wird in Shampoos als Verdickungsmittel, in Haarsprays und in Zahnpasten eingesetzt.
- In Klebstoffen alter Briefmarken und Briefumschlägen enthalten.
Derivate
Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP), auch Crospovidon genannt, ist vernetztes Polyvinylpyrrolidon. Als Lebensmittelzusatzstoff (E 1202) wird PVPP als technischer Hilfsstoff in der Getränkeindustrie verwendet. Als Stabilisierungsmittel bindet es unerwünschte Gerbstoffe in Wein, Bier und Säften, welche anschließend abgefiltert werden können.
