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Polytechnische Oberschule

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Die Polytechnische Oberschule (POS) war die allgemeine Schulform im Schulsystem der DDR und umfasste zehn Klassen. Konzeptionell ist sie in etwa mit den integrativen Gesamtschulen vergleichbar, allerdings gab es keine Leistungsdifferenzierung, weder durch Differenzierungskurse, noch in der Form der Binnendifferenzierung, sodass der Klassenverband über die Schulzeit erhalten blieb.

Die Gründung der Polytechnischen Oberschule als Schulform aus dem bis dahin auch in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR noch üblichen System der Volksschule und den weiterführenden Oberschulen fällt in den Abschluss der Phase des Aufbaus der sozialistischen Schule (1949–1962).

Pädagogische Grundlage für die POS war das Konzept des polytechnischen Unterrichts, in dem sich idealerweise in allen Fächern theoretisch-durchdringendes und praktisch-umgestaltendes Tun verbinden sollten. An der Konzeption beteiligte Pädagogen der DDR formulierten dabei als Ziel, dass den Schülern „Liebe zur Arbeit“ nahegebracht werden sollte und dass man fächerübergreifend an Erfahrungen anknüpfen werde, die die Schüler während des Unterrichtstages in der Produktion gesammelt haben würden.

In Vorbereitung auf die Etablierung der POS wurde zunächst ohne langen Vorlauf für das Schuljahr 1958/59 eine neue Stundentafel eingeführt, die das neue Schulfach Einführung in die sozialistische Produktion in Industrie und Landwirtschaft, verbunden mit wöchentlich einem Tag praktischen Unterrichts in der Produktion enthielt. Im Januar 1959 wurden auf einer Tagung des Zentralkomitees der SED die Thesen „Über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik“ verabschiedet, die noch einmal die Umgestaltung des Schulwesens im Sinne des polytechnischen Unterrichts bekräftigten und sie programmatisch zu untermauern: „Es geht darum, die Schule in organisatorischer Weise zur sozialistischen Schule umzuwandeln. [...] Deshalb wird der Vorschlag unterbreitet, eine zehnklassige, allgemeinbildende polytechnische Oberschule aufzubauen.“ [Zitat aus: Über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik, Thesen des ZK der SED, in: Frenzel, René (Hg.): Die sozialistische Schule, Berlin 1960.] Auf Grundlage dieser Thesen und der Ergebnisse von mit viel Aufwand in die Öffentlichkeit getragenen Debatten verabschiedet die Volkskammer am 4. Dezember 1959 das Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik. Mit der Gründung der POS ging die Verabschiedung einer neuen Schulordnung am 12. November 1959 (die bereits die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben regelt) einher.

Zunächst umfasste das Regelsystem der POS nur die Klassen eins bis acht, das bedeutete, dass die nach und nach eingeführte 9. und 10. Klasse nicht zur Regelschulzeit zählte. Insbesondere in Städten gab es diese Klassenstufen, wenn auch nicht in jeder Schule. Erst Anfang der 1970er Jahre wurde mit einer nochmals umfassenden Neustrukturierung des Bildungssystems der DDR die Regelschulzeit auf 10 Jahre verlängert und somit auch die Klassen 9 und 10 in die POS integriert.

Inhaltsverzeichnis

Das Stufensystem der POS

Unterstufe

Nach der Einschulung waren die Schüler drei Jahre in der Unterstufe. Neben Deutsch und Mathematik wurde in den Fächern Schulgarten, Werken, Heimatkunde, Zeichnen, Musik und Sport unterrichtet. Als fakultatives Unterrichtsfach wurde (meist in der letzten Stunde) ab der 3. oder 4. Klasse Nadelarbeit angeboten, allerdings nicht überall. Der überwiegende Teil der Fächer wurde durch einen Unterstufenlehrer (dies waren fast ausschließlich Frauen) abgedeckt. Diese hatten in der DDR eine stark pädagogisch ausgerichtete Ausbildung an den Instituten für Lehrerbildung und unterrichteten in den Klassen 1 bis 4. Für Sport, Werken, Zeichnen, Schulgarten und Musik konnten aber auch Fachlehrer eingesetzt werden.

Viele Kinder der Unterstufe besuchten nach dem Unterricht den Hort, den es an jeder Schule gab und der die Hauptform der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder in der DDR war. Die Kinder wurden teilweise im selben Raum betreut, in dem sie vormittags Unterricht hatten, es gab jedoch auch eigenständige Hortanlagen außerhalb der Schulen. Mit der Schule zumeist eng verwoben war die Mitgliedschaft in der Pionierorganisation Ernst Thälmann, in die die meisten Schüler und Schülerinnen der 1. Klasse eintraten.

Für die Jungen und Mädchen in den sorbischen Grundschulen kam Deutsch als 1. Fremdsprache in der 1. Klasse hinzu.

Mittelstufe

Die Mittelstufe begann formal mit der 4. Klasse. Die 4. Klasse sollte eine Brückenfunktion zwischen Unterstufe und Mittelstufe übernehmen und die Schüler auf die ausdifferenzierten Unterrichtsfächer sowie auf ihre erste Fremdsprache vorbereiten. In den Schulen unterschied sie sich aber inhaltlich nicht von der Unterstufe. Auch unterrichteten die Unterstufenlehrer bis zur 4. Klasse, so dass praktisch die Mittelstufe erst mit der 5. Klasse anfing. In der 3. und 5. Klasse umfasste der Unterricht zusätzlich zum Sport, noch das Erlernen des Schwimmens.

Mit der Neustrukturierung des Bidungssystems in den späteren 1970er Jahren wurde die Mittelstufe als eigene Stufe abgeschafft und die Grundstufe ging von Klasse 1 bis 4. Der Übergang in die Oberstufe vollzog sich ab diesem Zeitpunkt fließend ab dem Wechsel in die 5.Klasse.

Der Lehrplan umfasste ab der 5. Klasse nun Deutsch, Mathematik, Biologie, Geografie, Geschichte, Kunsterziehung, Werkunterricht, Musik und Sport. Für alle Schüler verbindlich war Russisch als 1. Fremdsprache. Schulgarten, Werken und Heimatkunde wurden jetzt nicht mehr unterrichtet, dafür wurde das Fach Deutsch/Literatur in die Teilbereiche Rechtschreibung/Grammatik, Muttersprache, Ausdruck (mündlich und schriftlich) und Literatur differenziert. Ab der 6. Klasse kamen die Unterrichtsfächer Physik und Staatsbürgerkunde hinzu.

Oberstufe

Der Übergang von der Mittelstufe zur Oberstufe war nach den Schulreformen nach 1968/69 nicht mehr so deutlich. Dennoch wurde der Terminus bis Ende der 1970er Jahre beibehalten, und erst nach der letzten großen Umstruktuierung vollkommen aufgegeben.

In der 7. Klasse kamen Chemie und Staatsbürgerkunde als neue Fächer hinzu, zusätzlich konnte eine weitere Fremdsprache gewählt werden. Für den Wechsel zur EOS war diese notwendig, so dass Schüler, die das Abitur ablegen wollten, diesen fakultativen Unterricht auf jeden Fall besuchten. Auch andere Schüler konnten die zweite Fremdsprache wählen; allerdings wurde Schülern mit großen Problemen in Deutsch oder Russisch die Teilnahme oft erschwert oder auch verwehrt. In der Regel nahm ein großer Teil einer Klasse an diesem Unterricht teil.

Die meisten Schulen boten als zweite Fremdsprache Englisch an, einige auch Französisch oder sehr selten Spanisch. Mehrere zweite Fremdsprachen parallel wurden kaum angeboten. Dies ist zum einen mit einem Mangel an Französischlehrern zu begründen, zum anderen damit, dass die Englischkurse viel beliebter waren. Da aber etwa 15% der Abiturienten Grundkenntnisse in Französisch besitzen sollten, wurde deshalb an den sogenannten Französisch-Schulen kein Englisch gelehrt. Die Schüler, die später das Abitur ablegen wollten, mussten somit Französisch als zweite Fremdsprache lernen oder die Schule wechseln. Um den Klassenverband zu erhalten, wurde die zweite Fremdsprache in einer Randstunde - am Nachmittag oder auch in einer sogenannten nullten Stunde, das heißt vor Beginn des eigentlichen Unterrichts - gelehrt.

Ab der 7. Klasse wurde der Werkunterricht ersetzt durch Produktive Arbeit (PA), die Einführung in die sozialistische Produktion (ESP, eine Einführung in Bereiche wie Konstruktion, Mechanik, Elektronik, Mikroelektronik) und Technisches Zeichnen (TZ, 7. bis 8. Klasse) und den in den späten 1980ern hinzugekommenen Informatikunterricht, bei dem Grundkenntnisse in der BASIC-Programmierung vermittelt wurden. Für diesen Fächerbereich war - vor allem bis 1970 - auch die Bezeichnung UTP (Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion) üblich. Insgesamt nahm dieser Bereich des Unterrichtes jetzt wöchentlich vier Unterrichtsstunden ein. Dabei wechselte meist der PA-Unterricht mit den theoretischen Fächern wöchentlich. Die Gestaltung des PA-Unterrichts variierte je nach den örtlichen Gegebenheiten stark. Er fand in landwirtschaftlichen oder Industrie-Betrieben im Umfeld der Schule statt und konnte eine Fortführung des Werkunterrichts in einer Lehrwerkstatt oder - in der Regel ab Klasse 9 - auch ein Einsatz in der realen Produktion sein.

Ab der 9. Klasse wurde seit 1978 das obligatorische, aber nicht benotete Fach Wehrunterricht - zumeist als Blockveranstaltung - gelehrt. Dieses beinhaltete eine vormilitärische Ausbildung in Form von Unterricht über die Grundlagen der sozialistischen Landesverteidigung, der teilweise von NVA-Offizieren gehalten wurde. Der Unterricht beinhaltete am Ende der 9. Klasse ein zweiwöchiges Wehrlager für die Jungen und einen Lehrgang in Zivilverteidigung (unter anderem Ausbildung in Erster Hilfe) für die Mädchen und diejenigen Jungen, die nicht in das Wehrlager fuhren. Dies war in den ersten Jahren noch die Mehrheit der Jungen, da es noch nicht genug Plätze im Wehrlager gab. Gegen Ende der DDR-Zeit nahmen fast alle Jungen am Wehrlager teil. Diese wurden größtenteils auf den Anlagen und mit Ausrüstungsgegenständen der Gesellschaft für Sport und Technik durchgeführt. Die Struktur in den Wehrlagern ähnelte sehr der einer militärischen Einheit. Als Gruppenführer wurden vorwiegend Schüler, die den Offiziers- oder Unteroffiziersberuf ergreifen wollten und als Zugführer zumeist Offiziersschüler der NVA eingesetzt.

In der 8. Klasse erfolgte für die Mehrheit der Jugendlichen der Wechsel von den Pionieren zur einzigen staatlichen Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ), ebenso wie die staatlich organisierte Jugendweihe mit 14 Jahren.

In der 10. Klasse gab es außerdem das neue Unterrichtsfach Astronomie, Kunsterziehung war jedoch nicht mehr auf der Stundentafel enthalten.

Unterrichtsfächer (tabellarisch)

Unterrichtsfächer an der POS waren (Stand Anfang bis Ende der 1980er Jahre):

Klasse 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
Naturwissenschaftlich-
technische Fächer
Mathematik xxxxxxxxxx
Heimatkunde xxxx
Biologie xxxxxx
Geographie xxxxxx
Physik xxxxx
Chemie xxxx
ESP xxxx
TZ xx
Astronomie x
Sprachen
Deutsch xxxxxxxxxx
Russisch xxxxxx
2. Fremdsprache (fakultativ) xxxx
Gesellschafts-
wissenschaftliche
Fächer
Geschichte xxxxxx
Staatsbürgerkunde xxxx
Künstlerisch-
musische Fächer
Zeichnen/Kunsterziehung xxxxxxxxx
Musik xxxxxxxxxx
Fächer mit praktischer
oder körperlicher
Betätigung
Sport xxxxxxxxxx
Schulgartenunterricht xxxx
Werkunterricht xxxxxx
Produktive Arbeit xxxx
Wehrunterricht xx

Schulabschluss

Am Ende der 10. Klasse legten die Schüler eine zentrale Abschlussprüfung ab. Diese bestand aus vier DDR-weit einheitlichen schriftlichen Prüfungen in den Fächern Russisch (im Februar), Deutsch, Mathematik und einem naturwissenschaftlichen Wahlfach (Biologie, Chemie oder Physik). Außerdem musste jeder Schüler die Sportprüfung absolvieren. Die Zahl der mündlichen Prüfungen lag in der Regel zwischen zwei und fünf und war damit nur in der Mindest- und Höchstanzahl festgelegt. Die jeweilige Anzahl der mündlichen Prüfungen legte dann die Prüfungskommission der Schule fest. Mindestens zwei mündliche Prüfungen waren obligatorisch vorgeschrieben, und wurde durch die Prüfungskommission festgelegt. Die weiteren Prüfungsfächer konnten aber vom Schüler frei gewählt werden. Hierbei konnten die Schüler mündliche Prüfungen in weiteren selbst gewählten Fächern beantragen, wenn sie sich dadurch eine Verbesserung der Gesamtnote erhofften. Dies war auch in den schriftlichen Prüfungsfächern möglich, um beispielsweise eine misslungene schriftliche Prüfung durch eine mündliche Prüfung auszugleichen. Bei der Festlegung durch die Prüfungskommission konnten die Fachlehrer in Absprache mit ihren Kollegen eine mündliche Prüfung für einen Schüler festlegen, wenn seine Zensuren aus dem Schuljahr keine eindeutige Bewertung ermöglichten. Bei der Bildung der Zeugnisnote in den Prüfungsfächern, basierend auf der Gesamtnote aus dem Schuljahr und der Prüfungsnote, gab bei Abweichungen zwischen beiden Noten die Prüfungsnote in der Regel den Ausschlag.

Das Abschlusszeugnis enthielt neben den Einzelnoten in den Fächern ein Gesamtprädikat (Mit Auszeichnung; Sehr gut; Gut; Befriedigend; Genügend; Ungenügend), das sich aus dem Notendurchschnitt ergab. Der Abschluss der 10. Klasse (POS) berechtigte zur Aufnahme einer qualifizierten Berufsausbildung zum Facharbeiter und einem Studium an einer Fachschule (Krankenschwester, Unterstufenlehrer und Krippen- bzw. Kindergartenerzieher galten ab den 1970er Jahren als Fachschulausbildungen). Der Staat garantierte die Zuteilung eines Ausbildungsplatzes für jeden Schulabgänger. Wer die Lernziele nicht erreichte oder frühzeitig in das Berufsleben einsteigen wollte, konnte bis in die 1970er Jahre mit dem Abschluss der 8. Klasse ausscheiden, was allerdings die Lehrzeit um ein Jahr verlängerte. In den späteren Jahren war das vorzeitige Beenden der POS nach der achten oder seltener nach der neunten Klasse auf Antrag der Eltern und Zustimmung der Schule ebenfalls möglich, wurde aber seltener praktiziert. Mit den entsprechenden Abgangszeugnissen konnte eine Berufsausbildung in bestimmten Berufen, vorwiegend in den Bereichen Industrieproduktion, Handwerk und Landwirtschaft, absolviert werden, die dann allerdings mit der besonderen Einstufung als Teilfacharbeiter endete.

Ein Abschlusszeugnis der POS wird heute in der Regel als dem Realschulabschluss gleichwertig anerkannt. Ein Abgangszeugnis der 9. Klasse der POS wird heutzutage einem Hauptschulabschluss gleichgestellt, ebenso ein Abgangszeugnis der 8. Klasse in Verbindung mit einem darauf folgenden Facharbeiterzeugnis.

Allgemein war das Niveau der Schulbildung an der POS im mathematisch-naturwissenschaftlichen, geisteswissenschaftlichen und technischen Bereich höher als das an einer heutigen Realschule und in den sprachlichen Fächern etwa zu heutigem Standard gleich, wobei der Unterschied darin liegt, dass sechs Jahre lang Russisch als erste Fremdsprache gelehrt wurde und Englisch nur vier Jahre gelernt werden konnte, wobei die Teilnahme daran freiwillig war.

Schüler, die das Abitur ablegen wollten, wechselten bis 1981 in der Regel nach der 8. oder auch nach der 10. Klasse an die Erweiterte Oberschule (EOS). Alternativ dazu gab es in der DDR die Berufsausbildung mit Abitur. Schüler, die eine technische Fachrichtung an einer Fachschule oder einer Ingenieurhochschule studieren wollten, wählten häufig diesen Weg. Neben einem Abitur hatte man nach dreijähriger Lehrzeit eine mehr oder weniger intensive Berufsausbildung in dem ausgewählten Beruf. Der Berufspraxis wurde dabei nur unwesentlich weniger Stellenwert zugemessen als bei einer ‚normalen‘ Lehre, da die Schüler meist nach der Lehrausbildung auch in dieser Fachrichtung studierten.

Studenten, die diesen Bildungsweg wählten, hatten zwar mit ihren Erfahrungen in der praktischen Arbeit einen erheblichen Vorteil gegenüber EOS-Schülern, mussten die Abiturfächer Biologie bzw. Chemie für bestimmte naturwissenschaftliche Studienrichtungen jedoch an Volkshochschulen belegen.

Neben der Berufsausbildung mit Abitur gab es an einigen Spezialschulen das Abitur mit Berufsausbildung. Bei dieser stand das Abitur im Vordergrund, aber zusätzlich erreichten die Schüler eine Berufsausbildung.

Schüler, die an einem Studium im (sozialistischen) Ausland interessiert waren, besuchten die ABF II in Halle.

Schüler der Einschulungsjahrgänge 19541958 legten neben dem Abitur 19661970 nach einer gleichzeitig erfolgten Berufsausbildung die Facharbeiterprüfung ab.

Spezialisierung

Neben den ‚normalen‘ Schulen gab es verschiedene so genannte Spezialschulen unterschiedlicher Richtungen. Dies waren vor allem die Russischschulen, die Kinder- und Jugendsportschulen, die Spezialschulen mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Richtung und die Spezialschulen für Musik. Auf diese konnten Schüler kommen, die auf dem entsprechenden Gebiet besonders gute Leistungen zeigten; dies musste an manchen Schulen in einer Aufnahmeprüfung nachgewiesen werden. Ein Platz an einer Spezialschule war auch deshalb begehrt, da diese personell und finanziell besonders gut ausgestattet waren und der Übergang auf eine solche Schule oft vor der 9. Klasse erfolgte. Nachdem 1984 die Erweiterte Oberschule erst mit der 11. Klasse begann, gewannen manche Spezialschulen weiter an Reiz, da sich an diesen der Beginn mit der 9. Klasse nicht veränderte. An den Spezialschulen wurde in den Spezialfächern deutlich intensiver und mit einer erhöhten Stundenzahl unterrichtet.

Die Russischschulen (oder so genannte R-Klassen) begannen mit der 3. Klasse. Von Beginn an, also zwei Jahre vor der ‚normalen‘ Schule, und viel intensiver wurde die russische Sprache unterrichtet. Diese Schulen waren relativ weit verbreitet und konnten auch ohne Internat besucht werden. Relativ selten gab es solche Schulen auch für die französische oder englische Sprache. Weiterhin gab es in jedem Bezirk eine mathematisch-naturwissenschaftliche Spezialschule, auf die besonders mathematik- oder physikbegabte beziehungsweise -interessierte Schüler kamen.

Im Rahmen der staatlichen Sportförderung kam den Kinder- und Jugendsportschulen mit angeschlossenem Internat eine besondere Bedeutung zu, auf die Kinder je nach Sportart in verschiedenen Jahrgangsstufen wechseln konnten. Anders als bei den anderen Spezialschulen, war hier ein Rückgang - bei nicht mehr genügender sportlicher oder auch schulischer Leistung - auf die Heimatschule durchaus normal.

In Berlin, Weimar, Dresden und Halle gab es außerdem noch so genannte Spezialschulen für Musik. Die Schüler sollten direkt auf ein Studium an einer Musikhochschule vorbereitet werden. An diese Schulen wechselten die Schüler mit der 6. Klasse.

Sonstiges

Ein Unterrichtstag bestand aus durchschnittlich sechs Unterrichtsstunden, die am Vormittag unterrichtet wurden. Mittel- und Oberstufenschüler hatten eine durchschnittliche wöchentliche Unterrichtszeit von circa 30 bis 36 Schulstunden. Doppelstunden (90 Minuten) gab es nur in den oberen Klassen zur Durchführung geschlossener Themen (Experimente), zum Schreiben von umfangreichen Klassenarbeiten beziehungsweise Aufsätzen, in den Fächern mit praktischer oder körperlicher Betätigung oder zur Vorbereitung der schriftlichen Prüfungen. Nachmittagsunterricht mit ein bis zwei Unterrichtsstunden (7. und 8. Stunde) an einigen Wochentagen begann mit der 7. Klasse. Bis zur Wende im Herbst 1989 war der Sonnabend normaler Schultag, meist wurde jedoch nur verkürzter Unterricht, in den unteren Klassenstufen zwei bis drei und in den höheren nicht mehr als fünf Stunden, gegeben. Offiziell wurde am 5. März 1990 der Sonnabend als Unterrichtstag abgeschafft, einige Schulleiter taten dies jedoch (meist in Rücksprache mit den zuständigen Schulämtern) schon früher. Der Unterrichtsbeginn variierte je nach Schule zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Im Ausnahmefall, der sogenannten nullten Stunde (Beginn beispielsweise 6:40 Uhr bei normalem Schulbeginn um 7:30 Uhr), konnte er jedoch noch früher liegen.

Im DDR-Fernsehen wurden am Vormittag und frühen Nachmittag regelmäßig Schulfernsehsendungen für die folgenden Fächer ausgestrahlt und öfter wiederholt:

  1. Chemie
  2. Geschichte
  3. Heimatkunde
  4. Literatur
  5. Physik
  6. Staatsbürgerkunde
  7. Russisch (Мы говорим по-русский - Wir sprechen Russisch)
  8. Geographie
  9. Englisch (English for you).

Zur Unterstützung gab es für den Russischunterricht die Zeitschrift по свету und für den Mathematikunterricht die Zeitschrift alpha.

Nachdem lange Zeit der Rechenschieber und das Tafelwerk als Rechenhilfe verwendet wurden, wurde ab dem Schuljahr 1984/85 (beginnend mit den 11. Klassen der EOS) und ab dem Schuljahr 1987/88 in der 7. Klasse der POS, der Schultaschenrechner SR-1 eingesetzt, der für subventionierte 123 Mark der DDR (frei 800 Mark) erworben werden konnte oder (wenn auch nur sehr selten) von der Schule zur Verfügung gestellt wurde. 1987 fanden die letzten Abschlussprüfungen der 10. Klasse in Mathematik statt, welche ausschließlich mit dem Rechenschieber und Logarithmentafeln bewältigt werden mussten. In den Zwischenjahrgängen wurde der Taschenrechner zentral ab dem Schuljahr 1987/88 parallel zu Rechenschieber und Tafelwerk eingeführt.

Änderungen in der Zeit der Wende

In der Zeit unmittelbar nach der politischen Wende 1989/1990 wurden die Fächer ESP und Produktive Arbeit durch das Fach Technik ersetzt. An die Stelle von Staatsbürgerkunde trat das Fach Gesellschaftskunde; das Fach Wehrunterricht entfiel. In dieser Übergangsphase bestand die POS als Oberschule je nach Bundesland noch ein oder wenige Jahre nach der Wiedervereinigung weiter und führte mit dem erfolgreichen Abschluss der 10. Klasse zur mittleren Reife, dem Zeugnis der Realschule.

Literatur

  • René Frenzel (Hg.): Die sozialistische Schule. Berlin 1960
  • Helmut Klein: Lernen für das Leben. Berlin, 1980
  • Heinz-Elmar Tenorth, Sonja Kudella, Andreas Paetz: Politisierung im Schulalltag der DDR. Durchsetzung und Scheitern einer Erziehungsambition. Weinheim 1996
  • Horst Schaub, Karl G. Zenke,: Wörterbuch Pädagogik. 4. Auflage, November 2000

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