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Polsterpfeife
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Eine Polsterpfeife ist ein physikalisches Modell zur Erzeugung und Erklärung von akustischen Schwingungen. Beispielsweise werden beim Anblasen einer offenen Röhre geeigneter Größe die menschlichen Lippen (Polster) in Schwingung versetzt - daher stammt die Bezeichnung Polsterpfeife. In der Regel sind Musikinstrumente dieser Gattung die einzigen, deren Tonerzeuger ein menschliches Organ ist. Dieses Prinzip verwenden Blechblasinstrumente oder ähnliche Instrumente aus Holz (Alphorn, Didgeridoo, Zink). Das verwendete Material spielt dafür keine Rolle, da es keine funktionell bedeutsame Eigenschwingung ausführt.
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Funktionsweise
Eine grundlegende Funktion der Polsterpfeife ist der Bernoulli-Effekt. Die verschlossenen, seitwärts angespannten Lippen (-Polster) werden durch den erzeugten Lungenluftdruck geöffnet. Die Druckdifferenz inner- und außerhalb des Lippenbereichs wird damit schlagartig ausgeglichen. Durch die nunmehr zwischen den Lippen beschleunigt strömende Luft entsteht hier ein Unterdruck, der wieder zum Lippenverschluß führt (Bernoulli-Kraft). Diese werden aber durch den gleichbleibenden Anblas-Luftdruck sofort wieder gesprengt usw. Das Schwingen ergibt sich also aus der Kombination von Anblasdruck und Lippenspannung nicht jedoch, wie gelegentlich angenommen, aus einer gleichfrequenten Anregung der Lippenmuskeln durch Nervenimpulse.
Die Polsterpfeife als Modell für die menschliche Stimme
Die Polsterpfeife gilt als stark vereinfachtes Modell für die menschliche Stimme. Dabei bilden die Stimmlippen die Polster. Umfangreiche Untersuchungen mit Hilfe einer speziellen Polsterpfeife zum Anblasdruck und Tonhöhe wurden von Wethlo [1] seit 1913 durchgeführt. Eine Wethlo'sche Polsterpfeife wurde jüngst wieder gefunden und restauriert. Hoffmann [2] konnte sie mit einem Pharynx-Modell koppeln und damit artikulierte, stimmähnliche Laute erzeugen. Moderne Vorstellungen zur Funktion der Stimme gehen weiterhin als myoelastisch-aerodynamische Theorie der Lauterzeugung von polsterpfeifenähnlicher Funktion aus, wobei allerdings mit sehr komplexen Mehrmassenmodellen anstelle einfacher Polster gearbeitet wird.
Literatur
- Der Musik-Brockhaus, Wiesbaden: Brockhaus; Mainz: Schott, 1982, ISBN 3-7653-0338-0
Weblinks
- [1] englische Seite zur Physik der Polsterpfeife (mit Animationen)
- ↑ Wethlo,F.: Versuche mit Polsterpfeifen.- Passow-Schaefers Beiträge für die gesamte Physiologie 6(3): 268-280 (1913)
- ↑ Hoffmann, R., Mehnert, D., Dietzel, R., Kordon, U.: Acoustic Experiments with Wethlo's Larynx Model.- Grazer Linguistische Studien 62 (2004)
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