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Politischer Aschermittwoch

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Der Politische Aschermittwoch bezeichnet traditionell am Aschermittwoch stattfindende lokale oder regionale Versammlungen der großen deutschen Parteien, bei denen es meist zu einem derben rhetorischen Schlagabtausch kommt. Seinem Ursprung nach ist er eine bayerische Institution, man findet ihn heute aber auch in anderen Bundesländern. Im engeren Sinne versteht man unter dem Begriff die bayrischen Landestreffen von CSU, SPD, FDP, Grünen, ödp, Linkspartei und Republikanern. Nach weitgehend einhelliger Meinung ist das Ziel der in Bierzeltatmosphäre stattfindenden politischen Reden, die sich durch farbige Wortwahl und heftige Attacken gegen den politischen Gegner auszeichnen, weniger, neuartige politische Konzepte zu präsentieren oder detaillierte Sachkritik vorzubringen, sondern vielmehr, die eigenen Reihen zu schließen, Parteianhänger zu motivieren und den politischen Gegner zu verunsichern.

Die Wurzeln des politischen Aschermittwochs liegen im 16. Jahrhundert: 1580 trafen sich bayrische Bauern erstmals in Vilshofen zum Vieh- und Rossmarkt und feilschten dabei nicht nur über die Preise, sondern diskutierten auch heftig die Themen des Tages, darunter seit dem 19. Jahrhundert auch die königlich-bayerische Politik. Das Jahr 1919, als der Bayerische Bauernbund erstmals zu einer Kundgebung aufrief, gilt aber als eigentliches Geburtsjahr. Von 1919 bis zu Beginn der NS-Diktatur war der Politische Aschermittwoch vor allem das Forum verschiedener Bauernparteien. Dann war der Aschermittwoch ausschließlich das Forum der NSDAP. Erst 1946, als die Bayernpartei die Gründungsveranstaltung des Ortsvereins auf den Aschermittwoch legte, war die Aschermittwochskundgebung wieder in demokratischer Hand. Als die CSU schließlich 1953 unter der Führung von Franz Josef Strauß ihren ersten politischen Aschermittwoch durchführte, wurde der politische Aschermittwoch endgültig zu einer bundesweit bekannten Institution; die alljährlichen Aschermittwochskundgebungen waren daraufhin vor allem durch die Auseinandersetzung zwischen Bayernpartei und CSU bestimmt. Der Niedergang der Bayernpartei und der Erfolg der CSU zeigte allmählich seine Wirkungen. Während die Kundgebungen der Bayernpartei immer mehr an Attraktivität verloren, gewann die CSU immer mehr an Publikumsgunst. Schließlich war 1975 der Wolferstetter Keller in Vilshofen nicht mehr geeignet, die Zuhörermassen zu fassen und die CSU musste in diesem Jahr nach Passau in die Nibelungenhalle ausweichen. Inzwischen findet das traditionelle Aschermittwochstreffen der CSU in der Dreiländerhalle in Passau statt (die Nibelungenhalle war inzwischen abgerissen worden). Das Treffen SPD findet nun am traditionellen Ort, im Wolferstetterkeller in Vilshofen an der Donau statt. Daneben finden kleinere Treffen der Grünen, der FDP und der Linkspartei in Passau statt. Die Bayernpartei veranstaltet ihr Aschermittwochstreffen in Vilshofen.

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Der Politische Aschermittwoch der CSU 2007 in der Dreiländer Halle in Passau

FDP, Grüne und Linkspartei veranstalten allerdings wie andere Landesverbände der SPD und der CDU daneben weitere Aschermittwochstreffen an unterschiedlichen Standorten außerhalb Bayerns. So findet die wichtigste Aschermittwochsversammlung der Grünen im baden-württembergischen Biberach an der Riß statt. Der Politische Aschermittwoch der CDU in Volkmarsen gilt mittlerweile als die größte derartige Veranstaltung nach Passau. Roland Koch (2001 und 2003), Friedrich Merz (2002), Angela Merkel (2004), Peter Müller (2005) und Christian Wulff (2006) sind einige der prominenten Redner bei der mit weit mehr als 3000 Besuchern frequentierten Veranstaltung. Kennzeichnend für die historische Entwicklung des Politischen Aschermittwochs ist eine allmähliche "Universialisierung": Er löste sich zunächst von seiner rein bäuerlichen Tradition und entwickelte sich zu einem parteipolitischen Forum. Mehr und mehr beteiligten sich alle deutschen Parteien am Politischen Aschermittwoch. Er löste sich auch von der engen territorialen Bindung: War zunächst Vilshofen der gewohnte Austragungsort, wanderte die CSU nach Passau ab und löste langfristig damit eine territoriale Ausweitung des Aschermittwochs aus: Er ist bis nach Schleswig-Holstein vorgedrungen. Die Universalisierung bezieht sich auch auf die politischen Themen und das erreichte Publikum. Zum einen wird ein größeres Publikum vor Ort erreicht und andererseits ist das Medieninteresse an den verschiedenen Veranstaltungen enorm gewachsen. Damit wird auch ein großes "mediales Publikum" erreicht. Dieses Medieninteresse hat auch eine neue Funktion des Politischen Aschermittwochs kreiert: Der Aschermittwoch hat sich zum "alternativen Politikforum" entwickelt. Zahlreiche Demonstrationen und politische Happenings begleiten die Aschermittwochskundgebungen der großen Parteien.


Literatur

  • Barbara Wasner: Der Politische Aschermittwoch seit 1919. Wissenschaftsverlag Rothe, Passau 1999. ISBN 3-927575-79-8

Siehe auch

Wikipedia
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