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Deutsche Minderheit in Polen

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Die Deutsche Minderheit in Polen zählt laut der Volkszählung von 2002 152.897 Angehörige, was einen Anteil von 0,381 % an der Gesamtbevölkerung Polens ausmacht. Von diesen Personen besitzen 147 094 auch die polnische Staatsangehörigkeit. Die Deutschen in Polen leben insbesondere in der Woiwodschaft Oppeln und im westlichen Teil der Woiwodschaft Schlesien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vor dem Zweiten Weltkrieg

Die Wurzeln der Deutschen im heutigen Staatsgebiet Polens reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Aufgrund der mittelalterlichen deutschen Kolonisierung entstanden die Neustämme der Schlesier, Pommern und Ostpreußen in den Gebieten Ostpreußen, Danzig, Pommern, Ostbrandenburg und Schlesien, die teilweise innerhalb, teilweise außerhalb des Alten Reiches lagen und später auch Teil des deutschen Staates wurden. Andere deutschstämmige Siedlungsgruppen, z.B. in den Gegenden bei Posen, Lodsch und Kattowitz, befanden sich über lange Zeiträume der Geschichte hinweg, spätestens nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung der Zweiten Polnischen Republik außerhalb des deutschen Staates und stellten seitdem eine deutsche Minderheit in Polen dar.

Die stärkste Partei der deutschen Minderheit vor dem Zweiten Weltkrieg war die 1931 gegründete Jungdeutsche Partei in Polen, die Mitte der 1930er Jahre ca. 50.000 Mitglieder zählte. Die meisten Deutschen lebten damals im an Polen abgetretenen Teil des früheren Westpreußen, in Posen sowie im 1922 an Polen abgetretenen Ostoberschlesien. Darüber hinaus existierten deutsche Minderheiten in der Region Łódź und in Wolhynien.

Während des Zweiten Weltkrieges

Nach dem Polenfeldzug 1939 entstand der Volksdeutsche Selbstschutz, eine paramilitärische Organisation, die ihre Mitglieder hautpsächlich aus Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen rekrutierte, und an zahlreichen Massenmorden an der polnischen und jüdischen Bevölkerung beteiligt war.[1] Von den etwa 740.000 Angehörigen der deutschen Minderheit im Vorkriegspolen gehörten etwa 80.000 - 100.000 (10,8 - 13,5%) dem Volksdeutschen Selbstschutz an[1]

Vertreibung und Leben nach dem Zweiten Weltkrieg

Schnell nach dem Krieg wurde klar, dass die Alliierten das Problem der deutschen Minderheit in Polen durch Aussiedlung lösen wollten. Die Sowjetunion hatte aber andere Vorstellungen und gab unter Schaffung vollendeter Tatsachen die von ihr eroberten Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße an Polen ab, um eine „polnische Westverschiebung“ zu gewährleisten, bei der die Sowjetunion weite Teile Ostpolens annektierte, das polnische Staatsgebiet aber auf Kosten der deutschen Ostgebiete kaum verkleinert wurde. Somit hatte Polen Gebiete übernommen, die bis zu diesem Zeitpunkt mit ca. 9 Millionen Deutschen besiedelt waren und sich wie folgt aufteilten:

Von diesen 9 Millionen konnten 3,6 Millionen fliehen oder wurden Opfer sog. „wilder Vertreibung“. Ein Teil der restlichen 5,4 Millionen wurde für Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt oder in Arbeitslagern in Polen bis 1949/50 gefangen gehalten. Bei diesen Verschleppungen und Gefangennahmen kamen ca. 1,6 Millionen Deutsche Menschen ums Leben.

Aufgrund der Potsdamer Beschlüsse 1945 sollte es zur Ausweisung weiterer 3,5 Millionen Deutschen kommen, wobei die Ausweisung diesmal in „humaner und ordnungsgemäßer“ Weise ablaufen sollte, was in der Praxis aber völlig anders aussah. Durch den Hass der polnischen Bevölkerung auf die Deutschen, der sich aufgrund der Diskriminierung der polnischen Bevölkerung im preußischen Staat und der Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges entwickelte [1] [1], und teilweise zusätzlich geschürt wurde, besetzte die polnische Bevölkerung (aus Zentral- und Ostpolen) die zurückgelassenen Heimatstätten der Deutschen und vertrieb sie von Haus und Hof. Deutsche mit polnischer Abstammung (größtenteils Oberschlesier bzw. Masuren) hatten die Möglichkeit, sich "verifizieren" zu lassen. Wer "verifiziert" wurde, erhielt die polnische Staatsangehörigkeit und konnte unter relativ erträglichen Bedingungen (gesetzlich verordnete Diskriminierung etc.) in seiner Heimat bleiben. Jedoch wurde von den "Verifizierten" verlangt, sich "zum Polentum zu bekennen" und die wie auch immer geartete deutsche Herkunft zu verleugnen. Die deutsche Sprache durfte in der Öffentlichkeit nicht benutzt werden. [1] Diejenigen, die die Verifizierung ablehnten, teilten dasselbe Schicksal wie die anderen Deutschen: Zwangsarbeit, Lagerhaft, Ausweisung. [1]

1951 gab es noch etwa 170.000 Deutsche mit polnischer Abstammung, die trotz allen Drucks die Verifizierung ablehnten. Ihnen wurde laut Beschluss der polnischen Regierung die polnische Staatsangehörigkeit von Amts wegen verliehen. Hiernach kam es zur Einstellung der gesetzlich verordneten Diskriminierung deutscher Bevölkerung und der Ausweisung etc., da es nach Lesart der polnischen Behörden keine Deutschen in Polen mehr gab.

Die nun noch überlebenden bzw. verbliebenen Deutschen (ca. 350.000) wurden von Polen als wichtige Arbeitskräfte angesehen; sie besiedelten bis 1955 hauptsächlich die Gebiete Niederschlesien, das Industriegebiet Waldenburg und Hinterpommern. Es kam zur Eingliederung und Assimilation der deutschen Bevölkerung. Dies machte sich durch den Bau deutscher Schulen sowie durch den Vertrieb deutscher Bücher bemerkbar. Des Weiteren wurde eine deutsche Tageszeitung in Polen ins Leben gerufen. Von 1955 bis 1959 kam es erstmals zu einer Familienzusammenführung von den damals geflohenen bzw. vertriebenen und den in Polen verbliebenen Deutschen. Bei dieser Familienzusammenführung wurden ca. 250.000 Deutsche nach West-Berlin und ca. 40.000 in die ehemalige DDR umgesiedelt. Durch diese Maßnahme kam es in Polen zu einer Minderheit der nicht verifizierten Deutschen. Die Zahl der deutschen Bevölkerung betrug 1960 unter 50.000, was die Einstellung der Eingliederung und kulturellen Förderung der Deutschen zur Folge hatte.

Auf Grund des „Warschauer Vertrages“ kam es 1970 erneut zu einer Familienzusammenführung von Deutschen aus Polen (diesmal die zuvor verifizierten Deutsch-Polen). Nach polnischen Statistiken gab es Ende der 70er Jahre ca. 500.000 bis 1 Million aussiedlungswillige Deutsche. Der Hauptgrund hierfür war das Schicksal der Deutschen in Polen nach dem Kriegsende. Auf die Frage, wieso die hier Betroffenen nicht direkt nach dem Krieg geflohen sind, gibt es verschiedene Antworten. Zum einen hatten viele die Hoffnung, dass es nach dem Krieg eine Zusammenführung der alten Gebiete des deutschen Reiches und dem noch übrigen Deutschland gäbe, und zum anderen gab es viele Alteingesessene, die ihre Dorfgemeinschaft erhalten wollten. Weitere Gründe für die Auswanderung waren der Wunsch als „Deutsche unter Deutschen“ zu leben, die Familienzusammenführung, mehr Freiheit und Ordnung zu genießen, eine bessere Zukunft für die Kinder zu sichern, wirtschaftliche Vorteile zu haben, die nationale Identität zu wahren sowie die Verweigerung der Minderheitenrechte im kulturellen Bereich Polens.

In den Jahren zwischen 1950 und 1989 gelangten rund 1,2 Mio. Deutsche aus Polen und ihre Familienangehörigen in die Bundesrepublik Deutschland als Aussiedler. Laut Bundesvertriebenengesetz blieben Heimatverbliebene und ihre Nachfahren, die vor 1945 in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 lebten, deutsche Staatsbürger, im Sinne des Artikels 116 GG, da die Betroffenen unfreiwillig zu polnischen oder sowjetischen Staatsbürgern wurden, wobei die Nationalität der Person keine Rolle spielte. Nach deutschem Recht konnten die Betroffenen nämlich nur dann ihre deutsche Staatsangehörigkeit verlieren, wenn sie selbst oder ein Vorfahr, von dem sie ihre Staatsbürgerschaft hätten ableiten können, freiwillig die Staatsangehörigkeit eines anderen Landes angenommen hätten. Bei den o.g. Sammel- und Zwangseinbürgerungen konnte aber von einer solchen Freiwilligkeit keine Rede sein.

Die deutsche Staatsbürgerschaft wird heute auf Antrag vom Bundesverwaltungsamt festgestellt und nicht etwa zugesprochen. Bis 2005 haben auf diese Weise etwa 288.000 Bürger in Polen, insbesondere in Oberschlesien und Masuren, die Bestätigung erhalten, von Geburt an die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen.

Gegenwart

Aktuelle Zahlen (Volkszählung 2002)

Region Gesamteinwohnerzahl Davon Deutsche Prozentualer Anteil
Polen38 230 080152 897 0,381
Woiwodschaft Niederschlesien2 907 2122 158 0,074
Woiwodschaft Kujawien-Pommern2 069 321 717 0,034
Woiwodschaft Lublin2 199 054 112 0,005
Woiwodschaft Lebus1 008 954 651 0,064
Woiwodschaft Lodz2 612 890 325 0,012
Woiwodschaft Kleinpolen3 232 408 261 0,008
Woiwodschaft Masowien5 124 018 574 0,011
Woiwodschaft Oppeln1 065 043 106 855 10,033
Woiwodschaft Karpatenvorland2 103 837 116 0,006
Woiwodschaft Podlachien1 208 606 85 0,007
Woiwodschaft Pommern2 179 900 2 319 0,106
Woiwodschaft Schlesien4 742 874 31 882 0,672
Woiwodschaft Heiligkreuz1 297 477 70 0,005
Woiwodschaft Ermland-Masuren1 428 357 4 535 0,317
Woiwodschaft Großpolen3 351 915 1 013 0,03
Woiwodschaft Westpommern1 698 214 1 224 0,072

Rechtliche Anerkennung und Infrastruktur

Bild:Zweisprachige Gemeinden OS.png
Gemeinden, in denen Deutsch als Hilfssprache eingeführt wurde, bzw. Gemeinden, die die Voraussetzung dafür erfüllen

Bis 1990/91 wurde die deutsche Minderheit offiziell vom polnischen Staat ignoriert und erhielt erst mit dem Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991 ihre vollen Rechte als Nationale Minderheit nach KSZE-Standard sowie eine Vertretung im polnischen Parlament (Sejm). Seitdem bemüht sich auch die polnische Seite, die Anerkennung von Minderheitenrechten der zwei Millionen in Deutschland lebenden Polnischstämmigen zu erreichen – bis jetzt vergeblich (siehe auch; Polnische Minderheit in Deutschland), wobei die meisten Polen während der letzten 150 Jahre nach Deutschland eingewandert sind. Bei den Deutschen in Polen hingegen handelt es sich mehrheitlich um die sich zum Deutschtum bekennenden „alteingesessenen“ Schlesier, also eine Nationale Minderheit, vergleichbar mit den Sorben in Deutschland.

Nahe der Grenze zu Deutschland, beispielsweise in Stettin (Szczecin) und in den Hauptgebieten der dt. Minderheit um Oppeln (Opole) und in Oberschlesien sowie in Breslau (Wrocław), gibt es mehrere deutsche Kindergärten, zahlreiche Schulen mit verstärktem „muttersprachlichem Unterricht“ in Deutsch sowie eine kleinere Anzahl von zweisprachigen Grund- und Hauptschulen sowie Gymnasien. In vielen Gemeinden (so Gogolin) stellt die deutsche Minderheit den Bürgermeister oder Ortvorsteher, in zwei Kreisen (so in Oppeln-Land) hat sie die absolute Mehrheit.[1]

Mehrsprachige Ortsschilder und Amtsbezeichnungen dürfen nach polnischem Recht ab einem Minderheitsanteil von mindestens 20% in der jeweiligen Gemeinde oder Stadt verwendet werden. Dabei werden die Ergebnisse der polnischen Volkszählung von 2002 herangezogen, wonach 28 Gemeinden, nämlich Biała, Bierawa, Chrząstowice, Cisek, Dobrodzień, Dobrzeń Wielki, Głogówek, Izbicko, Jemielnica, Kolonowskie, Komprachcice, Krzanowice, Lasowice Wielkie, Leśnica, Łubniany, Murów, Olesno, Pawłowiczki, Polska Cerekiew, Popielów, Prószków, Radłów, Reńska Wieś, Strzeleczki, Tarnów Opolski, Turawa, Ujazd, Walce sowie Zębowice diesen Anteil von Deutschen unter der Gesamtbevölkerung erreichen. In den für die deutsche Minderheit wichtigen Gemeinden Gogolin und Strzelce Opolskie (Groß Strehlitz) ist dies jedoch nicht der Fall.[1] Bis auf Krzanowice, das der Woiwodschaft Schlesien angehört, sind alle anderen Gemeinden Teil der Woiwodschaft Oppeln.

Offiziell zweisprachig sind seit 2006 jedoch nur die Gemeinden Biała, Chrząstowice, Izbicko, Jemielnica, Kolonowskie, Lasowice Wielkie, Leśnica, Prószków, Radłów, Reńska Wieś, Strzeleczki, Ujazd und Walce[1], die dementsprechende Gemeinderatsbeschlüsse verabschiedet haben.

Organisation

Die deutsche Minderheit in Polen ist in mehreren Verbänden, Vereinen und anderen Organisationen organisiert, wobei die größte von ihnen die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien mit dem Hauptsitz in Oppeln ist[1]. Eine andere große Organisation ist die Deutsche Gemeinschaft Versöhnung und Zukunft mit dem Hauptsitz in Kattowitz, die nach eigenen Angaben 11.112 „Beitragzahlende Mitglieder“ zählt und als einzige nicht von der deutschen Bundesregierung finanziert wird [1]. Zwischen diesen beiden Organisationen herrscht eine gewisse Konkurrenz und sowohl deren Ziele als auch Grundsätze weichen teilweise stark voneinander ab. So ist die Deutsche Gemeinschaft Versöhnung und Zukunft auch für nichtdeutschstämmige Mitglieder (etwa 4,2 %) offen, die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen hingegen nimmt nur deutschstämmige Mitglieder auf.

Deutschsprachige Medien Polens

Radio

Zeitungen

Online

Anmerkungen und Verweise


Siehe auch

Literatur

  • Scholtz-Knobloch, Till: Die deutsche Minderheit in Oberschlesien - Selbstreflexion und politisch-soziale Situation unter besonderer Berücksichtigung des so genannten „Oppelner Schlesiens (Westoberschlesien)“ – Görlitz 2002; ISBN 3-935330-02-2
  • Brzezina, Maria: Polszczyzna niemców [Die polnische Sprache der Deutschen], Warschau/Krakau 1989, ISBN 83-01-09347-1
  • Kneip, Mathias: Die deutsche Sprache in Oberschlesien, Dortmund 1999, ISBN 3-923293-62-3
  • Rabagliati, Alastair: A Minority Vote. Participation of the German and Belarussian Minorities within the Polish Political System 1989–1999, Krakau, 2001, ISBN 83-88508-18-0
  • Urban, Thomas: Deutsche in Polen – Geschichte und Gegenwart einer Minderheit, München 2000, ISBN 3-406-45982-x

Weblinks

Wikipedia
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