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Pogrom
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Unter einem Pogrom (m. o. n) versteht man eine gewaltsame Massenausschreitung gegen Mitglieder einer religiösen, nationalen, ethnischen oder andersartigen (etwa durch Nutzung fiktiver Kriterien geschaffenen) Minderheit einer Nationalität oder Bevölkerung, verbunden mit Plünderung und Misshandlungen bis hin zu Mord und Genozid.
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Begriff
Der Begriff stammt aus dem Russischen und bedeutet übersetzt Verwüstung, Zerstörung, Krawall (погрóм, abgeleitet von громить = demolieren, zerstören).
Historie
Pogrome im Mittelalter
Der Begriff wird zunächst verwendet für die Judenverfolgungen im Mittelalter durch die Christen. Diese Judenverfolgungen waren religiös motiviert: Im Laufe der Jahrhunderte nach Jesu Kreuzigung verschärfte sich die Ansicht, dass "die Juden" insgesamt am Tode Jesu schuld waren und insofern „Gottesmörder“ seien. Auch für die Pest-Epidemie im 14. Jahrhundert waren "die Juden" wieder die Sündenböcke in ganz Europa. Erleichtert wurden diese Massenverfolgungen durch die für Christen als Besonderheiten der jüdischen Religionsgemeinschaft erscheinenden "anderen" Lebensformen und deren (meist erzwungenem) Zusammenleben in Ghettos.
Besonders während der Zeit der Kreuzzüge kam es in verschiedenen deutschen Städten, so etwa in Worms und Speyer, zu Judenpogromen (so z. B. der Pogrom in 1096 in Köln, deren Toten auch heute noch gedacht wird, siehe auch: Deutscher Kreuzzug). Nicht nur "religiöse", sondern auch wirtschaftliche Gründe spielten eine Rolle: Juden durften nicht Mitglied einer Handwerkerzunft oder Kaufmannsgilde (die ja auch christliche Gemeinschaften waren) werden und kein Land erwerben. Also blieb ihnen oft nur noch der Trödelhandel und der Geldverleih. Dies machte die Christen häufig neidisch und missgünstig, da ihnen selbst Geldgeschäfte durch die Bibel verboten waren. Besonders in Hunger- und Notzeiten wurden die Juden oft als "Wucherer" angeklagt.
Pogrome in der Neuzeit und in Osteuropa
Bohdan Chmelnyzkyj, 1654 Gründer des Kosakenstaates, war auch für antisemitische Übergriffe berüchtigt. Während dieser Kämpfe sollen Pogrome über 100.000 Polen und jüdischen Russen das Leben gekostet haben.
Juden-Pogrome traten sodann im zaristischen Russland (heute Polen, Ukraine, Weißrussland, Bessarabien) in regelmäßigen Abständen auf. Als erstes Pogrom der modernen Zeit gilt das Juden-Pogrom von Odessa, 1821. Über die Gründe ist nichts näher bekannt, anzunehmen ist allerdings, dass ihnen antisemitische Ressentiments zugrunde lagen, da sich in Pogromen massenhaft irrationale Bedrohungsvorstellungen ausleben. Zwischen 1903 und 1906 kamen bei Pogromen in Russland schätzungsweise 2000 jüdische Russen ums Leben. Besonders bekannt wurden die Pogrome von Kischinew in der heutigen moldawischen Hauptstadt Chişinău. Sie wurden wohl zumindest teilweise von der russischen Regierung bewusst geschürt. Aufgrund dieser Ereignisse kam es zu einer ersten größeren Auswanderungswelle russischer Juden nach Palästina.
„Reichskristallnacht“ und Holocaust
Später wurden auch staatlich ausgelöste Verfolgungsaktionen gegen Juden als Pogrome bezeichnet, beispielsweise 1938 die Novemberpogrome 1938 (umstritten auch „Reichskristallnacht“ genannt, siehe nationalsozialistische Diktatur in Deutschland). Weil die fabrikmäßigen Massenmorde von Juden in/aus ganz Europa durch die Nazis selbst mit dem Wort Genozid nur unzureichend zu fassen war und über jeden Pogrom der Geschichte bis heute weit hinaus ging, wurde dafür das Wort "Shoa" in der Nachkriegszeit für die Nazimorde neu definiert.
Pogrome in der Nachkriegszeit und in der Gegenwart
Einer der letzten, vielleicht sogar der letzte antijüdische Pogrom in Europa fand 1946 im polnischen Kielce (Pogrom von Kielce) statt.
Besonders in Ost- und Südosteuropa kommt es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Notlage wieder verstärkt zu antijüdischen Ausschreitungen, so etwa vor einigen Jahren in Moldawien.
Rückblickend werden heute auch vergleichbare Ereignisse des Altertums als Pogrom bezeichnet.
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