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Platonischer Mythos
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Als platonischer Mythos (griech. μύθoς, vgl. Mythos) wird eine meist fiktionale Erzählung bezeichnet, die Platon in sein Werk einflicht, um einen Sachverhalt anschaulicher bzw. auf allegorische Weise darzustellen. Die literarische Gattung der Erzählung kann ganz verschieden sein: Ein Mythos, ein Gleichnis, eine Metapher oder auch ein Gedankenexperiment. Die literarischen Personen, die diese Erzählungen in Platons Dialogen vortragen, bezeichnen diese Erzählungen i.d.R. als wahr, weisen aber auch auf deren mythischen Charakter hin.[1]
Platons bekanntester aber auch umstrittenster Mythos ist der von Atlantis.[2] Dort schildert Platon eine mächtige, aber im Inneren maroden Seemacht, die der idealstaatlich aufgebauten Landmacht "Athen" unterliegt und anschließend untergeht. Platon tut dies, um einen Beweis für die Tauglichkeit von seinem Konzept des idealen Staates zu erbringen.[3] Es gibt jedoch Stimmen, die in Atlantis keinen platonischen Mythos, sondern im Kern eine historische Überlieferung sehen wollen, so z.B. Wilhelm Brandenstein.[4]
Ein weiterer sehr bekannter Mythos handelt vom Ring des Gyges.[5] Platon bediente sich hier einer bei Herodot[6] überlieferten Anekdote über die Machtergreifung des Lyderkönigs Gyges, die er mit einigen mythischen Elementen ausschmückt und um einen magischen Ring ergänzt, der seinen Träger unsichtbar mache. Gyges – ursprünglich ein einfacher Hirte – nutzt den Ring, um den regierenden Lyderkönig Kandaules zu töten und selbst den Thron zu besteigen. Die Botschaft der Geschichte ist, dass Menschen von Natur aus immer zu unmoralischen Handlungen neigen, wenn ihnen keine Strafe droht.
Der große Schlussmythos von Platons Politeia (613e ff.) lässt den Pamphylier ER aus der Unterwelt unter die Lebenden zurückgelangen, um ihnen über seine Erlebnisse dort und die Verhältnisse im Jenseits zu berichten. Platon gibt so dem Begriff der Gerechtigkeit, um den es ihm in seinem Werk über den Staat geht, eine kosmische Dimension. Dieser Mythos hat Cicero in seinem Werk über den Staat zu dem vergleichbaren Traum des Scipio ("Somnium Scipionis") angeregt.
Referenzen
- ↑ Vgl. z.B. der Mythos von Theuth, Phaidros 274c, oder der Mythos von Er, Politeia 821c.
- ↑ Vgl. Platons Dialoge Timaios und Kritias.
- ↑ Vgl. z.B. Heinz-Günther Nesselrath: Platon und die Erfindung von Atlantis, K.G. Saur Verlag, München/Leipzig 2002
- ↑ Vgl. Brandenstein 1951.
- ↑ Vgl. Politeia 359c ff.
- ↑ Herodot Historien I 8-13
Literatur
- Wilhelm Brandenstein, Atlantis, Wien 1951.
- B. E. Carter: The Function of the Myth of the Earthborn in the Republic. In: CJ 48 (1952), 297-302. (engl.)
- Perceval Frutiger: Les mythes de Platon. Paris 1930. (fr.)
- Markus Janka/Christian Schäfer (Hrsg.): Platon als Mythologe. Neue Interpretationen zu den Mythen in Platons Dialogen. Darmstadt 2002. ISBN 3-534-15979-9
- Walter Hirsch: Platons Weg zum Mythos. Berlin 1971. ISBN 3-11-002413-6
- Kathryn A. Morgan: Myth and Philosophy from the Presocratics to Plato. Cambridge 2000. ISBN 0-521-62180-1 (engl.)
- G. Müller: Die Mythen der platonischen Dialoge. In: Nachrichten der Giessener Hochschulgesellschaft 32 (1963), 77-92.
- Karl Reinhardt: Platons Mythen. In: Carl Becker (Hrsg.), Vermächtnis der Antike, Göttingen 21989, 219-296. ISBN 3-525-25719-8
- John A. Stewart: The Myths of Plato. London 1905. (engl.)
- Peter Stöcklein: Über die philosophische Bedeutung von Platons Mythen. In: Philologus Suppl. 30.3, 1937.
- Hans W. Thomas: Epekeina. Untersuchungen über das Überlieferungsgut in den Jenseitsmythen Platons. Würzburg 1938.
- Walter Willi: Versuch einer Grundlegung der platonischen Mythopoiie. Zürich 1925.
Weblinks
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