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Pierre de Ronsard

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Pierre de Ronsard (* 6. September 1524 auf Schloss La Poissonnière/Vendômois; † 27. Dezember 1585 in Croix-Val/Vendômois) war ein französischer Schriftsteller.

Ronsard gilt heute als der bedeutendste französische Lyriker der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Als Sohn aus altem adeligen Haus wurde er mit 9 aus dem heimatlichen Vendômois nach Paris zum Besuch des Collège de Navarre geschickt, aber nach sechs Monaten heimgeholt. Mit 12 kam er zurück in die Hauptstadt, diesmal um Page am Hof von Franz I. zu werden. Dort diente er zunächst dem Kronprinzen, dem Dauphin, der aber bald starb, und dann kurz dem dritten Sohn des Königs, Charles. Hiernach begleitete er 1537 die soeben mit dem schottischen König verheiratete Prinzessin Madeleine nach Schottland und blieb dort zwei Jahre. Mit 14 zurück in Paris, wurde er wieder Page bei Charles, reiste aber auch nochmals nach Schottland.

Mit 16, er hatte gerade einen Diplomaten ins Elsass begleitet, erlitt er eine Krankheit, von der eine Schwerhörigkeit zurückblieb. Hierdurch gezwungen, die eigentlich angestrebte Offiziers- und/oder Höflings- und Diplomatenkarriere aufzugeben, ließ er sich die niederen Weihen erteilen, um Kirchenpfründen besetzen zu können. Zugleich trieb er humanistische Studien, übte seine Feder und gründete 1549 mit einem wenig älteren Freund, Joachim du Bellay, und fünf anderen Pariser Literaten den Dichterkreis der „Pléiade“ (Siebengestirn).

Als Autor begann Ronsard mit Lyrik nach dem Vorbild der antiken Dichter Pindar, Horaz und Anakreon sowie neulateinischer Autoren der Zeit. 1550-52 publizierte er zwei Sammelbände Oden (Les quatre premiers livres des Odes und Le cinquième livre des odes), womit er diese Gattung in der französischen Literatur etablierte, ohne sie jedoch auf erhabene Inhalte festzulegen, wie das später geschehen wird.

1552 erschien Les Amours (=die Lieben/Liebschaften), eine in mehreren Neuauflagen erweiterte Sammlung von petrarkistischen Gedichten, meist Sonetten, die sich als von einer gewissen Cassandre Salviati inspiriert ausgeben, die Ronsard 1545 in Blois in einer ähnlich poetischen Szene erblickt haben will wie Dante seine Beatrice oder Petrarca seine Laura.

In den nächsten Jahren veröffentlichte er weitere, thematisch und formal sehr unterschiedliche Gedichtsammlungen: 1553 Le Livret des folâtries (=Büchlein der Späße), 1554 Le Bocage (=der Hain), 1555 Mélanges (=Vermischtes) sowie Hymnes, 1556 Continuation (=Fortsetzung) des Amours und Nouvelles (=neue) continuations des Amours, deren Texte nicht mehr um Cassandre kreisen, sondern um eine gewisse Marie.

Spätestens hiernach war Ronsard unbestrittener Chef der Pléiade-Gruppe, zumal er auch 1554 dem König Heinrich II. das Projekt eines Epos um den legendären Frankreichgründer Francus (die spätere Franciade) unterbreiten durfte. 1558 erhielt den Titel „conseiller et aumônier du roi“ (königlicher Rat und Almosenier) und übernahm die Rolle eines Hofdichters, der zu vielerlei Anlässen vielerlei Gelegenheitsgedichte produzierte.

1560 bekam er von dem neuen jungen König Franz II. mehrere Pfründen zugewiesen, so dass er finanziell erfreulich unabhängig war. Im gleichen Jahr ließ er eine erste Gesamtausgabe seiner Werke erscheinen.

Als Anfang 1562 die ständigen Spannungen zwischen Katholiken und Reformierten in offenen Bürgerkrieg einmündeten, engagierte sich Ronsard als gefürchteter Pamphletist auf Seiten der katholisch gebliebenen Krone, u.a. in den Discours sur les misères de ce temps (=Reden über die Nöte der heutigen Zeit, 1562) und der Rémontrance au peuple de France (=Mahnung an das franz. Volk, 1562) oder der Réponse aux injures et calomnies de je ne sais quels prédicants et ministreaux de Genève (=Antwort auf die Beleidigungen und Verleumdungen irgendwelcher Genfer Prediger und Priesterlinge, 1563). Auch begleitete er 1564 den neuen jungen König Karl IX. und die Königinmutter Katharina von Medici auf zweien ihrer Befriedungsreisen in die Provinz.

Anschließend zog er sich jedoch aus der Politik wieder zurück und publizierte 1565 den Gedichtband Élégies, mascarades et bergeries (=Elegien, Maskeraden und Schäfergedichte). Ab dieser Zeit weilte er immer häufiger und länger in seiner Pfründe Saint-Cosme in der Touraine, wo er 1567 eine vergrößerte Gesamtausgabe seiner Werke fertigstellte.

1569 wendete er sich endlich dem schon seit 1554 projektierten Versepos La Franciade zu, mit dem er dem konfessionell polarisierten und vom immer wieder aufflammenden Religionskrieg zerrissenen Frankreich ein nationales Epos zu schenken gedachte. Allerdings schaffte er trotz intensiver Bemühung schließlich nur 4 von 24 geplanten Gesängen, die er 1572 in den Druck gab. Offensichtlich konnten er selbst und auch die humanistisch gebildeten seiner Leser sich nicht mehr identifizieren mit der erst im Mittelalter erfundenen Figur jenes angeblichen Hektor-Sohnes Francus, der sich zusammen mit dem späteren legendären Rom-Gründer Aeneas aus dem eroberten Troja gerettet haben sollte, um seinerseits "Francia" und sogar die Dynastie der Kapetinger zu gründen. Auch verbreitete sich unter den Franzosen dank der erfolgreichen Schrift Recherches de la France (1560) von Étienne Pasquier zunehmend die Vorstellung, Frankreichs Wurzeln seien eher bei den Galliern als bei den Franken zu suchen.

Nach dem Scheitern der Franciade überarbeitete Ronsard seine vorhandenen Werke im Hinblick auf eine neue (die inzwischen fünfte) Gesamtausgabe. Diese erschien 1578 und enthielt als überraschendes neues Element die Sonnets pour Hélène (=Sonette für H.), mit denen Ronsard ein spätes Come-back als Liebeslyriker feierte.

Nachdem er im 17. und 18. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit geraten war, entdeckten die Romantiker zumindest den im engeren Sinne lyrischen Teil seines Schaffens wieder. Die späteren Literarhistoriker wiesen ihm den Platz in der Literaturgeschichte zu, der ihm gebührt.

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