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Philosophieren

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Sinnbild des philosophischen Diskurses: Reflexion (l.) und Dialog (r.)

Das Philosophieren ist als permanentes In-Frage-Stellen von „Gott und der Welt“ eine allgemein-menschliche Tätigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Das Wort Philosophie kommt aus der altgriechischen Sprache, wobei philein lieben und sophia die Weisheit bedeutet. Bei Herodot wird von den Reisen berichtet, die einer auf der Suche nach einer gewissen sophia machte. Wer die Weisheit liebt, wäre dieser Etymologie zufolge ein Philosoph. So wird das Wort in der Zeit nach Sokrates oft gebraucht. Wer sich als „Freund der Weisheit“ ausgibt, hofft auf Gehör bei Bürgern und Herrschern.

Geschichte

In der Geschichte der Philosophie waren Ziele und Methoden des Philosophierens stets selbst ein philosophisches Thema. Man könnte sogar behaupten, jeder bedeutende Philosoph habe seine eigene Auffassung davon. Eine Marksteine seien im Folgenden bezeichnet.

Die Sokrates betrieb den Disput mit seinen Mitbürgern als Lebensaufgabe. Entgegen dem sokratischen Anspruch, das Gespräch als eine „Hebammenkunst“ zu führen, in welcher der Diskussionspartner selbst zur Einsicht kommt, wird der sogenannte sokratische Dialog oft als bloßes literarisch konstruiertes Scheingespräch betrachtet: das Gegenüber scheint nur Stichwortgeber für die Meinung des Philosophen zu sein. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ - mit dieser Formulierung deutet Sokrates an, dass das angebliche Wissen der meisten Menschen bloße Meinung darstellt, da es nicht auf echten Gründe beruht. - Eine moderne, kritische und selbstkritische Position, die jedoch für gewöhnlich nicht im Sinne des Skeptizismus ausgelegt wird. Dass die in solchem Philosophieren zutage tretenden Einsichten nicht immer und von jedem gerne aufgenommen werden, macht die Hinrichtung des Sokrates deutlich.

Bild:Sanzio 01 Plato Aristotle.jpg Für Aristoteles steht am Anfang der Philosophie das „Staunen“ (thaumazein): „Denn Verwunderung veranlaßte zuerst wie noch jetzt die Menschen zum Philosophieren“ („δια γαρ το θαυμάζειν οι ανθτρωροι και το πρωτον ηρξαντο φιλοσοφειν“, Aristoteles, Met. A 2, b 982 12). Ähnliches findet sich bei Platon: „Denn Verwunderung ist die Haltung eines Philosophen und Philosophie fängt mit Verwunderung an“ („μάλα γάρ φιλοσόφου τουτο το θαυμάζειν, ου γαρ άλλη αρχη φιλοσοφιας η αυτη“ Platon, Theaitetos 155 d). Die griechische „theoría“ (wörtlich: die Schau), mit dem Aristoteles „das Geschäft der Philosophen“ bezeichnete, hat auch den Aspekt eines kontemplativen Denkens. Diesen Aspekt betont etwa die platonische „Ideenschau“. Auch Augustinus versteht unter Philosophie die „schauende Bewegung“ (ratiocinatio) des menschlichen Geistes. Nachklänge davon könnten noch in der „Wesensschau“ in der phänomenologischen Philosophie des 20. Jahrhunderts ausgemacht werden. Dass es ewige Wahrheiten gibt, die im Philosophieren „geschaut“ werden betont die sogenannte Philosophia perennis (perennis: forwährend). In anderem Sinn ruft Ludwig Wittgenstein in seinen „Philosophischen Untersuchungen“ sich selbst auf: „Denk nicht, sondern schau!“.

Platon betrieb Philosophie freilich auch im Sinne einer systematischen Wahrheitsfindung und gründete dazu die Akademie.

Immanuel Kant verlagerte also das philosophische Interesse vom System auf die Methode bzw. von der Vernunft-Dogmatik (Rationalismus) auf die Vernunft-Kritik (Kritizismus). Dies entspricht ganz seiner Maxime, man könne nicht Philosophie, sondern „nur philosophieren lernen“.

Dieser methodischen und selbstkritischen Akzentuierung entsprechend lässt sich Philosophieren auch als Bezugnahme des Denkens auf sich selbst verstehen. Philosophie wäre dann eine Beobachtung zweiter Ordnung: sie beschäftigt sich weniger mit den Gegenständen als mit unserem Vermögen, sie zu erkennen.

Diese „selbstkritische“ Ausrichtung kann man auch bei Hegel sehen. Philosophieren ist bei ihm eine „Wissenschaft von der Erfahrung des Bewusstseins“ (eine „Phänomenologie des Geistes“) - mit einem Wort: Spekulation. Der Beobachtungsgegenstand, mit dem sich Philosophie als Wissenschaft für Hegel einzig betreiben ließ, ist also das Beobachten selbst. Diese Selbstzugnahme findet sich auch im Ausdruck „Intellektuelle Anschauung“, der für Denker des Deutschen Idealismus zentral ist.

Philosophieren erfordert in vielem auch eine handwerkliche Schulung. Auf diese konzentrieren sich beispielsweise oft auch mathematisch interessierte Logiker. In der Neuzeit ist beispielsweise Leibniz für viele heute noch interessante Beiträge zur Logik bekannt.

Siehe auch

Literatur

  • Annemarie Pieper: Selber denken: Anstiftung zum Philosophieren. 5. Aufl. Reclam, Leipzig 2002, ISBN 3-379-01585-7 (RUB 1585)
  • Jay F. Rosenberg: Philosophieren: Ein Handbuch für Anfänger. 5. Aufl. Klostermann, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-465-03460-0 (Klostermann Seminar 18)
  • Josef Pieper: Was heißt philosophieren? Johannes, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-89411-385-5 (Neue Kriterien 6)
  • Thorsten Paprotny: Philosophieren: Eine Anleitung, über sich und das Leben nachzudenken. WBG, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-17498-4
  • Hans Lenk: Praxisnahes Philosophieren: Eine Einführung. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 1999, ISBN 3-17-015791-4 (Kohlhammer Philosophie)
  • Annegret Stopczyk: Nein danke, ich denke selber: Philosophieren aus weiblicher Sicht. Aufbau, Berlin 2000. ISBN 3-7466-8046-8 (AtV 8046)
  • Hans Wohlgemuth: Was heißt philosophieren lernen? Ein Versuch unter besonderer Berücksichtigung der philosophiedidaktischen Position Kants und ein Beitrag zur Didaktik und Methodik des Schulfaches Philosophie, Schwerpunkt: Ethik. Lang, Frankfurt am Main u.a. 2000, ISBN 3-631-35639-0 (Europäische Hochschulschriften; Reihe 20; Philosophie 605)
  • Polylog: Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren. Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie, Wien 2000ff. ISSN 1616-2943

Weblinks

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