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Pflegediagnose

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Mit Pflegediagnosen werden pflegebegründende Aspekte, die sowohl körperliche, seelische als auch soziale Bezüge haben können, beschrieben bzw. bewertet. Pflegerische Diagnostik ist ein Bestandteil des Pflegeprozesses, sie unterscheidet sich von der ärztlichen Diagnosefindung. Mit einer eigenen Fachsprache sollen international einheitliche typische Pflegephänomene definiert werden, die pflegerisch erkennbar, benennbar und behandelbar sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pflegediagnose?

Zu dieser Frage gibt es viele Antworten aus den verschiedensten Lagern.

Eine der Ersten war von McManus (1951):

„Pflegediagnose ist die Identifizierung des Pflegeproblems und das Erkennen seiner zusammenhängenden Aspekte.“

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Laut North American Nursing Diagnosis Association (NANDA, dt. Nordamerikanischer Verband für Pflegediagnosen) (1999):

„[...] eine Pflegediagnose [...] eine klinische Beurteilung der Reaktion eines Individuums, einer Familie oder einer Gemeinschaft auf aktuelle oder potentielle Gesundheitsprobleme/Lebensprozesse dar. Pflegediagnosen bilden die Grundlage für eine definitive Behandlung zur Erreichung von Ergebnissen für welche die Pflegeperson verantwortlich ist.“

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Nach Abderhalden (1995):

„[...] eine Pflegediagnose [...] eine möglichst kurze, prägnant formulierte, fachlich fundierte, auf systematisch erhobenen, subjektiven und objektiven Daten abgestützte charakterisierung und Beurteilung der pflegerelevanten Probleme/Ressourcen von Pflegeempfängern/-innen, welche so differenziert ist, das sie Fachpersonen aus der Pflege wesentliche Anhaltspunkte über Art und Ausmaß des Pflegebedarfs liefert und eventuell als grobe Handlungsorientierung dienen kann. Außerdem gibt er zwei Sichtweisen des Ausdruckes Pflegediagnosen an. In theoretisch-konzeptuellen Bedeutung ist eine Pflegediagnose eine Wissenseinheit, ein Baustein pflegerischen Fachwissens und/oder eine Benennung für eine solche Wissenseinheit. In der klinisch-praktischen Bedeutung ist sie die Bezeichnung für den zweiten Schritt des Pflegeprozesses.“

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Fischer definiert etwas pragmatischer.

„Pflegeleistungen sollen gemessen werden, um zu sagen ‚was die Pflege tut‘; Pflegediagnosen sollen verwendet werden, um zu sagen ‚warum sie dies tut‘.“

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Mortensen sagt:

„Pflegediagnosen können als Phänomene beschrieben werden, welche Gesundheitsprobleme und Gesundheitszustände umfassen, auf welche die Pflege jeweils einwirkt: vorbeugend, beeinflussend oder fördernd.“

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European Nursing Care Pathway (ENP):

„Unter einer Pflegediagnose wird in ENP® ein sprachlicher Ausdruck für eine professionelle Beurteilung pflegerelevanter Aspekte, des Gesundheitszustands und dessen psychischen, physiologischen und entwicklungsbedingten Auswirkungen oder der Reaktion auf Gesundheitsprobleme bei einem konkreten Individuum (Betroffenen) verstanden, auf dessen Grundlage die Entscheidungen über Pflegeziele und Interventionen getroffen werden.“

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Diese Zitate zeigen auch, dass Pflegediagnosen ganz unterschiedlich benutzt werden können. Am verbreitetsten ist die Benutzung einer Sammlung von Diagnosen als eindeutige Fachsprache, um damit nächste Schritte im Pflegeprozess einzuleiten und schließlich auch abrechnen zu können (Ähnlichkeit zu den DRG´s). Diese Pflegediagnosen beschreiben Patientenzustände aus der Sicht von Pflegekräften. Durch die Zuordnung von Pflegetätigkeiten zu Diagnosen wird ein Abrechnungssystem ermöglicht, dem die pflegerische Arbeit und nicht die ärztliche Diagnose im ICD als Abrechnungssystem zugrunde liegt.

Arten von Pflegediagnosen

Es lassen sich folgende Arten von Pflegediagnosen unterscheiden:

  • Aktuelle Pflegediagnosen definieren eine Situation, die, vergleichbar den medizinischen Diagnosen, durch Symptome nachweisbar und überprüfbar ist. Sie beinhalten den Pflegediagnosetitel, ätiologische Faktoren und Symptome.
  • Hochrisiko- oder Gefährdungspflegediagnosen beziehen sich auf eine noch nicht eingetretene, aber mögliche Situation. Sie geben der Pflege Hinweise, eine Gefährdung für den Bewohner/Patienten zu erkennen und entsprechenden Maßnahmen frühzeitig einzuleiten (z. B. Prophylaxe).
  • Syndrompflegediagnosen fassen aktuelle und Hochrisiko- oder Gefährdungspflegediagnosen zu einem Syndrom zusammen.
  • Wellness-Pflegediagnosen dienen der allgemeinen Gesundheitsförderung einer Person. Sie bieten den so beratenen Menschen z. B. die Möglichkeit eines verbesserten Ernährungsverhaltens, einer verbesserten Elternschaft oder eines verbesserten Familienlebens.

Der diagnostische Prozess (nach Cox)

Die wesentlichen Elemente, die eine Pflegeperson für die Formulierung ihrer Diagnosen angeblich benötigt, sind Wahrnehmung, kognitive Verarbeitung, Beschreibung und Mitteilung des Wahrgenommenen. Dazu geht sie nach Cox folgende Schritte:

  • Sammlung der Daten
  • Identifizierung der allgemeinen Probleme
  • Nochmalige Zusammenfassung der Daten (Clusterung gemäß der identifizierten Probleme)
  • Evtl. Sammlung weiter Daten (problemorientiertes Assessment)
  • Generierung mehrerer diagnostischer Hypothesen
  • Überprüfung der diagnostischen Hypothesen
  • Auswahl der akkuratesten Pflegediagnose
  • Validierung der Pflegediagnose
  • Formulierung der diagnostischen Aussage

Kurze Geschichte der Pflegediagnosen

Die Pflegeplanung geht zurück auf die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. In den USA erschienen ab 1960 die ersten Artikel über Pflegeplanung in Fachzeitschriften. Die Einführung erfolgte ab etwa 1970. Die Idee kam dann nach Großbritannien, wo die Methode den dortigen Verhältnissen angepasst wurde. Die Einführung in den USA und Großbritannien erfolgte, weil die Pflegekräfte die Pflegeplanung als Methode zur Qualitätssteigerung sahen. In den USA wurde die Pflegeplanung auch als Instrument gesehen, dem Beruf mehr Ansehen zu bringen.

Die Pflegeplanung wurde durch das Erscheinen des Buches Pflegeplanung von Fiechter und Meier (1981) vorangetrieben. Bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Modell der Pflegediagnosen von verschiedenen Autoren verwendet. Wie oben beschrieben, erfolgte die Implementierung erst etwa 20 Jahre später, bereits 1967 wurde von Helen Yura und Mary Walsh das erste Buch über die Pflegeplanung in 4 Schritten (Einschätzen, Planen, Umsetzen, Auswerten) herausgegeben.

1973 erfolgte die erste Konferenz der American Nursing Association (ANA). Es wurden die Standards of Nursing Practice herausgegeben. Pflegediagnosen wurden als autonomer Teil der Krankenpflege anerkannt. Ab dieser Zeit kommen die Pflegediagnosen oft in der Literatur zur Krankenpflege vor. 1982 wird die NANDA offiziell gegründet und eine Taxonomie empfohlen. In der Zwischenzeit hat sich auch der Pflegeprozess etwas differenziert, in jetzt 5 Stufen: Einschätzung (Assessement) -> Pflegediagnose -> Planung -> Umsetzung -> Auswertung. In den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden auch europäische Bestrebungen Pflegediagnosentaxonomien zu entwickeln. Die ENDA, ACENDIO, DIHNR -> TELENURSE, ICNP, ICF (ICIDH), ISO.

Klassifikationssysteme

Die Entwicklung von Pflegediagnosen ist insbesondere in Kontext der Entwicklung von Klassifikationen in der Pflege zu verstehen. Diese dienen entweder

  • als übergeordneter, fachsprachlicher Referenzrahmen
z.B. International Classification of Nursing Practice®, European Nursing Care Pathway®,
z. B. NANDA Taxonomy II, Nursing Interventions Classification (NIC), Nursing Outcomes Classification (NOC).

Den höchsten Bekanntheits- und Verbreitungsgrad hat dabei bislang die Klassifikation der NANDA erreicht. Dortiges Hauptbemühen ist es, durch Crossmapping die Taxonomy II zunehmend mit NIC, NOC und dem ICNP zu verlinken und somit ein Klassifikationssystem zu entwickeln.

Darüber hinaus existieren international noch weitere Klassifikationen, die sich aber nicht wirklich durchsetzen konnten. Z. B. die Home Health Care Classification von V.K. Saba, die speziell für den Bereich der häuslichen Pflege entwickelt wurde.

Beispiele aus der Altenpflege

Die Beispiele von Pflegediagnosen aus der Altenpflege beziehen sich auf einen ATL-/ AEDL-Teil-Bereich (Alltagsaktivitäten - Pflegemodell)

ATL Essen und trinken können

ATL Soziale Beziehungen und Bereiche sichern und gestalten

ATL Sich bewegen können

  • Beeinträchtigte Bett-Mobilität
  • Beeinträchtigte Transferfähigkeit (Bett-Stuhl etc.)
  • Beeinträchtigte Rollstuhl-Mobilität
  • Beeinträchtigte Gehfähigkeit

Literatur

  • Marylinn E. Doenges, Mary F. Moorhouse, Alice C. Geissler-Murr: Pflegediagnosen und Maßnahmen. Pflegeprozess. 1. korr. Nachdr. der 3. vollst. überarbeit. u. erweit. Auflage, Verlag Hans Huber, Bern. 2002. ISBN 3-456-82960-4
  • Marjory Gordon: Handbuch Pflegediagnosen. Das Buch zur Praxis. 4. Auflage. Urban & Fischer, München, Jena. 2003. ISBN 3-437-26442-7
  • Marjory Gordon, Sabine Bartholomeyczik: Pflegediagnosen. Theoretische Grundlagen. 1. Auflage. Urban & Fischer, München, Jena 2001, ISBN 3-437-26380-3
  • Mary C. Townsend: Pflegediagnosen und Maßnahmen für die psychiatrische Pflege. 2. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern. 2006, ISBN 3-456-83944-8
  • Wolfram Fischer: Diagnosis Related Groups (DRGs) und Pflege. Grundlagen, Codierungssysteme, Integrationsmöglichkeiten. Verlag Hans Huber, Bern 2002. ISBN 3-456-83576-0
  • Wolfram Fischer: Die Bedeutung von Pflegediagnosen in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsstatistik 2. Aufl. Wolfertswil. 1999. ISBN 3-9521232-4-2
  • Michael Herrmann, Jürgen Georg: NANDA-Pflegediagnosen. Definitionen und Klassifikation 2005-2006. Verlag Hans Huber, Bern. 2005. ISBN 3-456-83322-9
  • Jürgen Hollick, Andrea Kerres: Pflege im DRG- System. DRGs - Pflege – Pflegediagnose. Spitta Verlag, Balingen. 2005. ISBN 3934211003
  • Ingrid Kollak, Margret Georg: Pflegediagnosen. 3. Aufl. Mabuse-Verlag. 1999. ISBN 3933050189 (Tagungsband)
  • Berta Schrems: Der Prozess des Diagnostizierens in der Pflege. UTB, Heidelberg. 2003. ISBN 3825224686

Weblinks

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Pflegediagnose, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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