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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen
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Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist ein am Bodensee gelegenes archäologisches Freilichtmuseum mit angeschlossenem Museumsbau in der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen im Bodenseekreis in Baden-Württemberg, das archäologische Funde und Nachbauten von Pfahldörfern aus der Stein- und Bronzezeit präsentiert. Bereits 1922, dem Entstehungsjahr, zählte es 6.000 Besucher. Heute sind es bis zu 290.000 Besuchern pro Jahr, darunter mehr als 100.000 Schüler, somit zählt es zu den größten Freilichtmuseen Europas. Dem Pfahlbaumuseum ist ein wissenschaftliches Forschungsinstitut angeschlossen.
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Museum
Das Museum umfasst zwei Hauptgebäude, das so genannte „Alte Museum“ und das „Neue Museum“. Im Alten Museum, dem historischen Ausstellungsraum, sind Hunderte archäologischer Originalfunde der frühen Ausgrabungen vor Unteruhldingen und Sipplingen bis 1930 zu sehen. Das alte Ausstellungsgebäude wurde 1934 durch den Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde errichtet und zeigt Originalfunde der Stein- und Bronzezeit.[1]
Seit 1996 gibt es das behindertengerecht gestaltete Neue Museum mit Ausstellungs-, Magazin-, Forschungs- und Vortragsräumen. Darin befindet sich ebenfalls ein Taucher-Aquarium mit Bodenseefischen und einer nachgestellten Unterwasserausgrabungsszene. Die Ausstellung präsentiert Ausgrabungsfunde, maßstabsgetreue Modelle der Pfahlbauzeit, Bilder von Pfahlbauten aus aller Welt und Forschungsgeschichtliches. Im Gebäude befinden sich zudem der Museumsshop und Sonderausstellungsbereiche.
Im Obergeschoss des Neuen Museums befindet sich das wissenschaftliche Forschungsinstitut, eine Bibliothek mit etwa 22.000 Bänden und Laboreinrichtungen. Die Archive umfassen einen großen fotografischen Sammlungsbestand, das Schriften- und Dokumentenarchiv und circa 300.000 archäologische Funde.
Zum Museumskomplex gehört weiterhin eine Holzwerkstatt.
Rekonstruktionen
Das Freilichtmuseum umfasst mehrere Rekonstruktions-Abschnitte und wurde seit der Museumseröffnung 1922 mehrfach umgebaut und erweitert. Dies geschah zuletzt 2006/2007. Seit 1922 haben über 10 Millionen Besucher die Pfahlbauhäuser besucht.
Die Steinzeithäuser „Riedschachen“
Die Idee zur Errichtung dieser ersten beiden Häuser in Unteruhldingen wurde vom Überlinger Landrat Hermann Levinger 1921 gefasst und unterstützt nach einem Vortrag Hans Reinerths über die Ausgrabungen am Federsee. Die Steinzeithäuser „Riedschachen“ sind Rekonstruktionen der neolithischen Siedlung Riedschachen bei Bad Schussenried und wurden nach den Wünschen des Unteruhldinger Bürgermeisters Sulger im Uferbereich auf Pfählen errichtet, da eine Rekonstruktion am Ufer, das 1922 Reichsbahngelände war, nicht möglich war. Das jungsteinzeitliche Moordorf um 4000 v. Chr. wurde erst kurz davor archäologisch untersucht. Die Rekonstruktion war eine Zusammenarbeit des Unteruhldinger Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde mit dem Urgeschichtlichen Forschungsinstitut in Tübingen.
Mit der Errichtung des Steinzeitdorfes „Sipplingen“ am Ufer 1938 sollten die beiden Häuser abgerissen werden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte dies jedoch.
Das bronzezeitliche Dorf „Bad Buchau“
Das plattformgetragene Dorf der spätbronzezeitlichen Siedlung „Bad Buchau“ sind idealisierende Rekonstruktionen aus der Zeit zwischen 1923 und 1931, die auf Grundlage der Ausgrabungen der Wasserburg Buchau (circa 1050 v. Chr.) am Federsee gestaltet wurden.
Heute umfasst die Plattform drei Blockhäuser und zwei Häuser mit Lehmflechtwand. Die Häuser sind gänzlich schilfgedeckt. Die Vorstellung einer durchgehenden Plattform spiegelt die im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa vorherrschende Lehrmeinung von Pfahlbausiedlungen wieder. Sie zeigt das Haus des Bronzegießers mit freistehendem Schmelzofen, das Haus des Dorfältesten, das Haus des Töpfers mit ebenfalls freistehendem Töpferofen, das Haus eines Hirten und ein Vorratshaus.
Das steinzeitliche Dorf „Sipplingen“
Das steinzeitliche Dorf „Sipplingen“ ist eine aus sechs Pfahlhäuser mit umgebender Palisade bestehende Seeufersiedlung. Sie wurde zwischen 1938 und 1940 nach dem Vorbild der Ausgrabungen vor Sipplingen am Bodensee, einem Dorf der Jungsteinzeit (um 3500 v. Chr.), errichtet. Mit dieser Rekonstruktion wurde die Theorie von den Ufer-Pfahlbauten zum ersten Mal maßstabsgetreu umgesetzt.
Vom Ufer her kommend betritt man es durch eine Wehranlage. Die Rekonstruktion zeigt das Haus des Fischers und des Töpfers. Im Anschluss befindet sich das Weberhaus, das Haus des Steinhauers und des Holzschnitzers. Zentrum des Steinzeitdorfes bildet die Dorfhalle.
„Hornstaad-Haus“ und „Arbon-Haus“
Beide Häuser aus den Jahren 1996 und 1998 sind Rekonstruktionen von Steinzeithäuser, die aus Forschungsgründen errichtet wurden.
Das „Hornstaad-Haus“ hat seinen historischen Ursprung in einer steinzeitlichen Siedlung (um 3912 v. Chr.[2]) mit rund 40 Häusern in Hornstaad-Hörnle am Ufer der Hörispitze, die durch einen Brand zerstört wurde, und wurde vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1980/1983 bis 1993 ausgegraben. Die Errichtung war eine Forschungsarbeit von drei bis vier Personen, die etwa zwei Monate an diesem aus Holz, Gras und Lehm bestehenden Haus bauten. Die Forschungsarbeit richtete sich vor allem an Fragen zur Belastbarkeit und Haltbarkeit eines solchen Gebäudes. Eine anschließende Bewohnung des Hauses durch einen Mitarbeiter des Museums war Teil des Experimentes. Der von Besuchern „Uhldi“ genannte Mitarbeiter entwickelte sich zum Besuchermagnet und bewohnt seitdem periodisch das Haus. Die Erfahrungsberichte werden in der Vereinszeitschrift „Plattform“ publiziert.
Das „Arbon-Haus“ wurde nach den Ausgrabungsergebnissen in der steinzeitlichen Siedlung Arbon-Bleiche III im Kanton Thurgau (Schweiz) gebaut. Das Haus wurde im Original 3376 v. Chr. erbaut und 3370 v. Chr. durch einen Brand zerstört. Nach dem archäologischen Befund erhielt die Rekonstruktion ein Schindeldach aus bis zu zwei Meter langen Weißtannenbrettern und unterscheidet sich dadurch von den anderen Häusern des Museums, die mit Schilf und Gras gedeckt sind.
Das bronzezeitliche Dorf „Unteruhldingen“
Das bronzezeitliche Dorf „Unteruhldingen-Stollenwiesen“ besteht aus fünf Gebäuden und einem Palisadenabschnitt, das museumspädagogisch die Themen Wohnen und Handwerk, Umwelt und Tiere, sowie Kult und Religion aufgreift. Sie wurden zwischen 1999 und 2002 im Rahmen eines Europa-Projektes erbaut. Auf 400 Quadratmetern Fläche wurde versucht, ein Abbild eines Bronzezeitdorf von vor rund 3000 Jahren mit ursprünglich rund 80 Häuser zu schaffen. 27 Figuren mit ihrer prähistorischen Ausrüstung sind Zeugnis reger Handelsbeziehungen bis in die Salz- und Kupferbergwerke der Alpen und weiter nach Italien. Kult und Religion werden im so genannten Kulthaus, ein mit Götzenfiguren aus Holz ausgestattetes Haus, bei einer priesterlichen Beschwörung am Bestattungswagen einer wohlhabenden Person gezeigt.
SWR-Steinzeitdorf
Die bisherigen Häuser wurde für die Saison 2007 um die Originalhäuser der Fernsehserie „Steinzeit - Das Experiment. Leben wie vor 5000 Jahren“ erweitert. Die Produktion des Südwestrundfunks in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und in Zusammenarbeit mit dem Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, dem Landesmuseum Schleswig, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und dem Universitätsklinikum Freiburg, im Sommer 2006 versetzte 13 Personen für zwei Monate zurück in das Leben einer Sippe der Jungsteinzeit. Das Filmset, ein originalgetreu rekonstruiertes kleines Pfahlbaudorf, wurde im „Himmelreichmoos“ in Erbisreute-Fuchsenloch bei Schlier (Landkreis Ravensburg)[3] speziell für diese Zwecke errichtet und im Anschluss nach Uhldingen verbracht. Dort wurden die drei Steinzeithäuser am Ufer wieder aufgebaut.
Publikationen
Seit 1992 erscheint Plattform. Zeitschrift des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde e. V. Unteruhldingen (ISSN 0942-685X). Die Zeitschrift ist Nachfolger der Vorzeit-Hefte für Vor- und Frühgeschichte, Volks- und Heimatkunde (ZDB 1175794-2
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) von 1988, deren Vorgänger waren Vorzeit. Zeitschrift für Vor- und Frühgeschichte, Volksforschung und Heimatkunde (ZDB 505434-5
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) von 1963 und Vorzeit am Bodensee. Mitteilungen zur Vor- und Frühgeschichte und Heimatkunde des Bodenseeraumes (ZDB 505426-6
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) von 1952.
Siehe auch
Anmerkungen
- ↑ Bei diesen Ausgrabungen kamen zum ersten Mal naturwissenschaftlichen Methoden der Botanik und der Zoologie zu tragen.
- ↑ Dendrochronologische Untersuchungen der Hölzer ergaben eine Datierung zwischen 3915 und 3910 v. Chr.
- ↑ Georg Wex: Ich könnte immer so leben. Südkurier.de. 26. September 2006
Literatur
- Pfahlbaumuseum Unteruhldingen. Führer durch das Museum. In: Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen Band 1. Zanker. Markdorf. ISSN 0946-0519
- Lernort Pfahlbauten. In: Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen Band 2. Zanker. Markdorf. ISSN 0946-0519
- Museumsgeschichte. In: Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen Band 3. Zanker. Markdorf. ISSN 0946-0519
- Archäologische Freilichtmuseen in Europa. Veröffentlichung der Vereinigung European EXchange on Archaeological Research and Communication (EXARC) und des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen. In: Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen Band 5. Zanker. Markdorf. ISSN 0946-0519
- Gunter Schöbel: Der Uhldinger Zeitweg...10 000 Jahre Geschichte rund um Unteruhldingen. In: Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen Band 6. Zanker. Markdorf 2005. ISSN 0946-0519
Onlinepublikation:
- Carolin Kolhoff: Kaugummis und alte Hüte. Das Leben am Bodensee vor 6.000 Jahren. In: MONUMENTE online. Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. November 2006
Weblinks
- Website des Pfahlbaumuseum Unteruhldingen
- Pfahlbaucam
- Projekt Delphi - Zeitinsel
- Pfahlbaumuseum Unteruhldingen auf der Webseite der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V. (ZUM)
Koordinaten: 47° 43' 33.70" N, 9° 13' 39.50" O
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