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Peter Palitzsch
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Peter Palitzsch (* 11. September 1918 in Deutmannsdorf bei Löwenberg in Niederschlesien; † 18. Dezember 2004 in Havelberg) war ein deutscher Theaterregisseur.
Palitzsch wuchs in Dresden auf, wo er das Gymnasium und eine kaufmännische Lehre an der Fachhochschule absolvierte. Der siebenundzwanzigjährige Werbegrafiker wurde nach kurzer Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs Gründungsmitglied des Roten Kreuzes der sowjetischen Besatzungszone in Dresden und arbeitete als Dramaturg an der Dresdner Volksbühne.
1947 von Bertolt Brecht entdeckt, begann Palitzsch als Grafiker und Dramaturg im neu gegründeten Berliner Ensemble, wo er mit Künstlern wie Ernst Busch, Paul Dessau, Hanns Eisler und Helene Weigel arbeitete und das Signet des Theaters erfand. 1955 stellte er sein Regiedebüt Der Tag des großen Gelehrten Wu vor, doch erlebte er erst 1959 den internationalen Durchbruch mitDer aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, bei dem er mit Manfred Wekwerth Regie führte und 1960 in Paris mit dem Preis der Vereinigung der Theater- und Musikkritiker ausgezeichnet wurde. Das Stück blieb mit seinem Hauptdarsteller Ekkehard Schall 15 Jahre im Spielplan des Theaters und erlebte 532 Aufführungen. Obwohl DDR-Bürger Brecht in der Bundesrepublik keine Publikumserfolge feiern konnte, inszenierte Palitzsch in Stuttgart und Wuppertal dessen Stücke: Die westdeutsche Uraufführung von Brechts Der Prozess der Jeanne d'Arc zu Rouen 1431 am 1. September 1961 wurde mit Drohbriefen, Polizeischutz und der obligatorischen Bild-Hetze zur antikommunistischen Presseschlacht. Am gleichen Tag erklärte Palitzsch aus Protest gegen den Mauerbau, dass er weder ans Berliner Ensemble noch in die DDR zurückkehren würde.
Er inszenierte noch im gleichen Jahr in Oslo Der kaukasische Kreidekreis mit der noch unbekannten Liv Ullmann, die fünf Jahre später zu Europas größtem Filmstar avancieren sollte, und erweiterte sein Spektrum um Autoren wie Samuel Beckett, Sean O'Casey, Harold Pinter und William Shakespeare. Sein besonderes Interesse galt jedoch immer der Gegenwartsdramatik, was zu gefeierten Uraufführungen von Stücken von Peter Turrini und Martin Walser führte und Palitzsch, neben Rudolf Noelte und Peter Zadek, zu den meistbeachteten Regisseuren der 1960er machte.
1966 wurde Palitzsch Direktor des Staatstheaters Stuttgart und schrieb mit seiner Ensemblearbeit, inspiriert von Lehrmeister Brecht, Theatergeschichte: Seine Inszenierungen der sechs Königsdramen Shakespeares und Tankred Dorsts Toller wurden internationale Sensationen, fanden Beifall, Ablehnung und lösten öffentlich geführte Diskussionen aus. Als Direktor des Schauspiels Frankfurt initiierte Palitzsch ab 1972 das Mitbestimmungsmodell, arbeitete mit den besten Schauspielern und Dramaturgen Deutschlands zusammen und schuf mit Emilia Galotti und Frühlings Erwachen Publikumserfolge. Trotz der Ermordung Hanns Martin Schleyers durch die RAF 1977 widerstand er dem politischen Druck und spielte Brechts Die Tage der Commune, doch auch die inneren Auseinandersetzungen der Arbeitsgruppe wurden aggressiver, so dass Palitzsch den Versuch abbrach, seine Frankfurter Jahre und das Amt des Direktors 1980 beendete. Er galt als einer der herausragendsten Regisseure des modernen europäischen Theaters.
In der folgenden Dekade arbeitete er an verschiedenen westdeutschen Bühnen, außerdem in Wien – wo er zahlreiche Arbeiten am Burgtheater herausbrachte –, Zürich, Rio de Janeiro, sowie in Oslo mit Liv Ullmann an Mutter Courage und ihre Kinder. Außerdem spielte er in Hans Neuenfels' Film Die Familie oder Schroffenstein eine Hauptrolle. Nach dem Fall der Mauer kehrte er 1992 an das Berliner Ensemble zurück, um bis 1995 die Intendanz mit Peter Zadek, Fritz Marquardt, Matthias Langhoff und Heiner Müller zu übernehmen. Zum 100-jährigen Geburtstag seines Lehrmeisters Bertolt Brecht inszenierte er 1998 am Berliner Ensemble den musikalischen Abend: Leben will ich, Eure Sonne schnaufen mit dem Schauspieler Volker Spengler, der Sängerin Maria Husmann und dem Musiker und Komponisten Simon Stockhausen. Seine letzte Inszenierung wurde das selbstverfasste Drei kurze Texte (mit tödlichem Ausgang), die 2003 in Luxemburg und Kassel uraufgeführt wurde. Nach 55 Jahren Theaterarbeit bekam Palitzsch am 6. September 2004 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit überreicht, 1991 war er bereits mit Theaterpreis Berlin ausgezeichnet worden.
Palitzsch starb am 18. Dezember 2004 im Alter von 86 Jahren an Lungenversagen.
Literatur
- Rainer Mennicken: Peter Palitzsch. Fischer Verlag 1993, Reihe: Regie im Theater, ISBN 3-596-11114-5
- Peter Iden: Peter Palitzsch - Theater muss die Welt verändern. Henschel Verlag, 2005, ISBN 3-894-87511-9
- Christoph Nix:Immer scheitern, besser scheitern. Zum 80. Geburtstag von Peter Palitzsch in: Tageszeitung vom 11. September 1998
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Palitzsch, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Theaterregisseur |
| GEBURTSDATUM | 11. September 1918 |
| GEBURTSORT | Zbylutow bei Lwówek Śląski, Niederschlesien |
| STERBEDATUM | 18. Dezember 2004 |
| STERBEORT | Havelberg |
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