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Peter Heywood
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Peter Heywood (* 6. Juni 1772 in Douglas auf der Isle of Man; † 10. Februar 1831 in London) war britischer Seeoffizier. Bekannt wurde er durch die Meuterei auf dem unter dem Befehl von William Bligh stehenden Schiff Bounty und den nachfolgenden Prozess gegen die nach England zurückgebrachten Meuterer auf der HMS Duke im Hafen von Portsmouth im September 1792.
Inhaltsverzeichnis |
Biografie
Kindheit und Jugend
Peter Heywood wurde am 6. Juni 1772 in der Nunnery in Douglas auf der Isle of Man geboren und zwei Tage später getauft. Im Kirchenregister von St. Matthew’s in Douglas, in dem die Taufen seiner älteren Geschwister Mary, James und Elizabeth verzeichnet sind, findet sich kein ihn betreffender Eintrag; es gibt jedoch einen im Kirchenregister von St. James’ in Whitehaven. Dort heißt es unter Taufen anno 1772, 19. Dezember: Peter, Sohn von Peter John & Elizabeth Haywood am 8. Juni 1772 privat in Douglass in der Isle of Mann getauft. Aus Whitehaven wurde auch das beglaubigte Duplikat angefordert, das er dem Gericht in Portsmouth vorlegte, um im Prozess gegen die Meuterer sein Alter nachzuweisen. Er stammte aus einer nordenglischen Landadelsfamilie, die bis ins 11. Jh. zurückverfolgt werden kann und aus dem Ort Heywood in der Nähe von Manchester kam. Sein Vater Peter John Heywood war erst Second Deemster auf der Isle of Man, dann Anwalt in Whitehaven und später Seneschall des Herzogs von Atholl. Seine Mutter Elizabeth Spedding stammte aus einer reichen und angesehenen Familie aus Cumberland. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie von der Isle of Man nach Whitehaven in Cumberland um, wo Peters Vater als Anwalt und Geldverleiher tätig war. Einige Jahre später wurde Peter erst nach Nantwich, einer kleinen Stadt in Chesire geschickt, um dort von Reverend Hunter unterwiesen zu werden, dann ging er auf die in der Nähe von Whitehaven gelegene St. Bee’s Grammar School.
Die Bounty-Expedition
Am 11. Oktober 1786 trat Peter Heywood im Alter von 14 Jahren als Kapitänsdiener in die Royal Navy ein. Als bekannt wurde, dass eine Expedition unter dem Kommando von Leutnant William Bligh in die Südsee segeln sollte, um auf Tahiti Brotfruchtpflanzen zu sammeln und nach Jamaika zu bringen, gelang es Peter durch Vermittlung von Richard Betham, der sowohl ein Bekannter der Heywoods als auch William Blighs Schwiegervater war, sich als acting midshipman einen Platz an Bord der HMS Bounty zu sichern. Er trat seinen Dienst im August 1787 an. Am 23. Dezember 1787 stach die Bounty von Spithead aus in See. Während der Reise schrieb Peter Heywood mehrere Briefe nach Hause. Ein am Kap der Guten Hoffnung abgeschickter Brief wurde am 26. November in der Cumberland Pacquet, einer wöchentlich in Whitehaven erscheinenden Zeitung abgedruckt. Aus ihm geht hervor, wie begeistert er von der Reise und den vielen neuen Eindrücken ist. Auch der Aufenthalt auf Tahiti lässt ihn nicht unbeeindruckt.
Weil es der Bounty, die in westlicher Richtung nach Tahiti segeln sollte, aufgrund des verspäteten Aufbruchs nicht gelungen war, das Kap Hoorn zu umrunden, hatte Bligh Kurs aufs Kap der Guten Hoffnung genommen und Tahiti erst Ende Oktober 1788 erreicht. Fünf Monate vergingen, in denen Brotfruchtbäume und andere Pflanzen an Bord gebracht und günstige Winde für die Reise in die Karibik abgewartet wurden. Als die Bounty am 4. April 1789 in See stach, war die Disziplin, die schon auf der Hinfahrt ein Problem gewesen war, auf dem Tiefpunkt angelangt und Bligh, der immer öfter mit Fletcher Christian und anderen Offizieren aneinander geriet, nicht der Mann, das Ruder wieder herumzureißen. Als Peter Heywood am Abend des 27. April 1789 um acht Uhr seine Wache begann, wies John Fryer, der 1. Steuermann ihn an, auf dem Vorschiff Ausschau zu halten. Um halb eins wurde er von Edward Young abgelöst – eine halbe Stunde zu spät, denn die Mittelwache begann um Mitternacht. Um vier begann Fletcher Christian als Offizier vom Dienst die Morgendwache, zu der Midshipman John Hallet gar nicht erst erschien. Er zog es vor weiterzuschlafen, und Thomas Hayward legte sich kurz nach Wachantritt zu einem Nickerchen auf eine Waffenkiste. Während der Wache zu schlafen war ein schweres Vergehen, das streng geahndet wurde. Doch nichts geschah, und am frühen Morgen des 28. April drangen der wachhabende Deckoffizier Fletcher Christian und vier weitere Männer in Blighs Kabine ein und enthoben ihn seines Kommandos.
Als Peter an diesem Morgen aufwachte sah er Matthew Thompson mit einem blanken Entersäbel in der Hand auf der Waffenkiste am Hauptniedergang sitzen. Erstaunt, dass Thompson, der Mittelwache gehabt hatte, nicht schlief, sondern bewaffnet Wache hielt, stand er auf, um in Erfahrung zu bringen, was das zu bedeuten habe, und erfuhr, dass Fletcher Christian das Schiff an sich gebracht und den Captain in Gewahrsam genommen habe, um ihn als Gefangenen nach England zu bringen. Nachdem er von Thompson die Erlaubnis erhalten hatte, an Deck zu gehen, zog er sich an und folgte Cole und Purcell über den vorderen Niedergang aufs Vordeck. Vom Bootsdeck aus sah er Bligh nicht weit vom Kompasshaus mit auf dem Rücken gefesselten Händen neben Christian auf dem Achterdeck stehen. In der einen Hand hielt Christian Blighs Fessel, in der anderen ein Bajonett. Noch etwas weiter und hinüber auf die andere Seite gehend, wurde er Zeuge, wie Christian Hayward, der mit Hallet zwischen den beiden Vierpfündern auf dem Achterdeck stand, anwies, ins Boot zu steigen, und Hayward den Tränen nah darum bat, an Bord bleiben zu dürfen. Doch Christian wiederholte den Befehl und richtete ihn auch an John Hallet. Aus Angst, denselben Befehl zu bekommen, falls er seiner angesichtig würde, hielt Peter sich im Hintergrund, denn inzwischen hatte er auf die Frage, warum das Boot zu Wasser gelassen würde, von einem der Meuterer erfahren, dass Bligh nach Tofoa geschickt werden solle und alle, die nicht auf Mr Christians Seite seien, ihn entweder begleiten oder an Bord bleiben sollten, um nach Tahiti gebracht und unter den dortigen Eingeborenen ausgesetzt zu werden. Weil nicht nur Hayward und Hallet, sondern auch John Fryer darum baten, auf der Bounty bleiben zu dürfen und die Eingeborenen auf Tofoa für ihre Grausamkeit berüchtigt waren, beschloss er, an Bord zu bleiben und mit der Bounty nach Tahiti zu segeln, um dort auf ein englisches Schiff zu warten, das in jedem Fall ausgeschickt werden würde, wenn die Bounty länger als erwartet ausblieb. Sein Freund George Stewart stimmte ihn jedoch mit dem Hinweis um, dass, wenn er bliebe, er die gleiche Schuld auf sich lade wie die Meuterer, auch wenn er an der Meuterei völlig unbeteiligt sei. Er überredete ihn, mit nach unten zu gehen, um ein paar Dinge zusammenzupacken und zu Bligh ins Boot zu steigen. Obwohl Peter, der Reaktionen der anderen Offiziere eingedenk, im Stillen immer noch zögerte, folgte er Stewart zum Niedergang. Sie waren kaum unten, als Churchill Thompson zurief, sie nicht wieder nach oben zu lassen, bis er den Befehl dazu gebe, und als Stewart trotzdem nach oben wollte, setzte Thompson ihm die Pistole auf die Brust, un als sie endlich wieder an Deck durften, war das Beiboot schon weit achtern aus.
Aufenthalt auf Tubuai und Tahiti
Im unendlich weiten Pazifik war Tahiti der Ort, wo die Royal Navy zuerst nach den Meuterern und der Bounty suchen würde, und darüber, dass nach ihnen suchen würde, bestand nicht der geringste Zweifel. Aus diesem Grund segelte Fletcher Christian nach Tubuai, einer Insel südlich von Tahiti. Da es auf Tubuai jedoch kaum etwas Essbares gab, kamen die Meuterer überein, nach Tahiti zu segeln, und sich dort mit Schweinen und Hühnern zu versorgen. Peter Heywood und George Stewart hofften auf eine Gelegeheit zur Flucht, die sich jedoch nicht ergab, weil immer scharf aufgepasst wurde. Wieder auf Tubuai, geriet die Situation mehr und mehr außer Kontrolle. Christian verfügte über noch weniger Autorität als Bligh und befand sich in einer weitaus prekäreren Situation. Seine Komplizen meinten genauso viele Rechte zu haben wie er und waren nicht geneigt, sich ihm zu unterwerfen. Schon nach kurzer Zeit drohte alles in Chaos und Gewalt abzurutschen, und durch den Aufenthalt der Meuterer auf Tubuai und Tahiti zog sich eine blutige Spur. Gewalttätigkeiten sowohl untereinander als auch den Eingeborenen gegenüber waren an der Tagesordnung. Am späten Abend des 9. August 1789 segelte die schwedische Brigg Mercury an Tubuai vorbei. Die Bounty sah die Besatzung in der Dunkelheit nicht, dafür aber Feuerstellen am Strand. Zwei Kanonenschüsse wurden abgefeuert, doch nichts regte sich, und die Mecury segelte weiter. Einige Wochen später beschloss ein Teil der Männer, die Tubuai zu verlassen und nach Tahiti zu gehen, wofür sie die Mehrheit der Stimmen bekamen. Das Vorhaben wurde am 22. September in die Tat umgesetzt, und nachdem in der Matavai-Bucht geankert worden war, fanden Peter Heywood und George Stewart Aufnahme bei einem tahitianischen Freund.
Dass Heywood, Stewart, Coleman, McIntosh, Norman, Byrne und Morrison sich für Tahiti entschieden, mag nicht weiter überraschen. Eigenartigerweise stimmten aber auch Männer wie Churchill und Thompson, die bei der Meuterei keinen Zweifel daran gelassen hatten, auf welcher Seite sie standen, sowie Hillbrant, Ellison, Sumner, Milward, Musprat, Skinner und Burkitt für Tahiti. Nur Adams, Brown, Martin, Mckoy, Mills, Quintal, Williams und Young blieben bei Fletcher Christian, der kaum, dass die Abtrünnigen von Bord waren und ihre Habe an Land geschafft hatten, in See stach und Tahiti für immer verließ.
Wie schon auf Tubuai hinterließen die Meuterer auch auf Tahiti eine blutige Spur. Thompson, der nicht vor Vergewaltigung und Mord zurückschreckte, Churchill und Brown, ein Seemann und notorischer Unruhestifter, der am 12. August wegen einer Gewalttätigkeit von der Mercury auf Tahiti ausgesetzt worden war [1], gingen skrupellos zu Werke, ob nun als Dreigestirn gegen andere oder in wechselnden Konstellationen gegeneinander. Die Situation eskalierte, als Thompson Churchill in einem angeblich von Brown ausgelösten Streit erschoss und von Churchills tahitianischen Freunden zu Tode gesteinigt wurde. Von den Weißen weinte ihnen keiner eine Träne nach, und die meisten Tahitianer waren ebenfalls erleichtert, die beiden los zu sein. In dem später auf Batavia geschriebenen Brief an seine Mutter geht Peter nicht auf diese Ereignisse ein. Anderthalb Jahre Tahiti werden hier in ein paar Sätzen abgehandelt. "Während unseres Aufenthaltes wurden wir von den Eingeborenen mit einer kaum zu übertreffenden Großzügigkeit und Menschlichkeit behandelt. Es gab einige Kämpfe mit ihren Feinden, aber ich wurde immer von einer nie versagenden Vorsehung beschützt. Um es kurz zu machen — wir blieben bis Ende März 1791 dort, und am 26. dieses Monats erschien die Pandora."
[1] Kapitäne von Handelsschiffen hatten das Recht, aufrührerische bzw. gewalttätige Seeleute auszusetzen.
Die Pandora
Am Montag, den 25. Oktober 1790 berichtete die Times auf der dritten Seite von einem Kriegsgerichtsverfahren auf der Royal William gegen Leutnant Bligh, der inzwischen nach England zurückgekehrt war. Von der Admiralität über den Hergang der Ereignisse während der Meuterei und zum Verlust der Bounty befagt, wurde in allen Punkten freigesprochen. Der anschließend wegen anmaßendem Verhalten angeklagte Schiffszimmermann wurde mit einem Verweis entlassen. Admiral Barrington saß dem Gericht vor, das aus den Admirälen Roddam, Sir John Jervis, Sir Alexander Hood, Elliott, Hotham, Gower, Cornish, Goodall, Sawyer und Campbell und den Kapitänen Sir Roger Curtis und Onflow bestand. Am nächsten Tag erfuhr der Leser ebenfalls auf Seite drei, dass die Lords der Admiralität die mit vierundzwanzig Kanonen ausgestattete Fregatte Pandora mit einer besonderen Mission nach Tahiti beauftragt hatten, um dort nach der Bounty und den Meuterern zu suchen. Acht Monate nach Blighs Rückkehr stach die Pandora am 7. November 1790 in Spithead in See. An Bord befand sich auch Leutnant Thomas Hayward, der die Bounty-Reise als Midshipman mitgemacht hatte. Auf der Fahrt entdeckte Edwards am 16. März 1791 das zu den Pitcairn-Inseln gehörende Eiland Ducie und am nächsten Tag die Insel Marutea. An Pitcairn selbst segelte er vorbei, ohne die Insel zu sichten. Am 23. desselben Monats erreichte er Tahiti und ging mit der Pandora in der Matavai-Bucht vor Anker.
Joseph Coleman, Peter Heywood und George Stewart paddelten mit Kanus zur Pandora und gingen an Bord, bevor Boote ausgesetzt wurden. Für Kapitän Edwards waren sie jedoch trotz aller Unschuldbeteuerungen Meuterer. Als er sie eingehend befragt hatte, wurden sie in Eisen gelegt und in einen auf dem Achterdeck befindlichen Verschlag gesperrt, den sie Pandora’s Box tauften. Die übrigen Bounty-Leute wurden nach mehrtägiger Suche aufgespürt und ebenfalls in Eisen gelegt und eingesperrt. Hitze und Gestank waren schier unerträglich, durch die beiden kleinen, mit Eisengittern versehenen Luken im Schott drang kaum frische Luft in das Gefängnis, und die beiden als Toiletten dienende Bottiche sorgten mit ihren Ausdünstungen für einen pestilenzartigen Gestank. Auf dem Dach des Gefängnisses hielten zwei Posten ständig Wache, und vor dem Schott stand ein Midshipman. Die drei hatten nicht nur die Aufgabe, die Gefangenen unter ständiger Beobachtung zu halten, sondern auch darauf zu achten, dass niemand von der Mannschaft mit den Gefangenen sprach und die Gefangenen sich nicht untereinander auf tahitianisch unterhielten.
"Am 8. Mai verließen wir Tahiti und segelten zu den Freundschaftsinseln, wo wir ungefähr sechs Wochen ohne Erfolg nach der Bounty suchten und leider einen kleinen Kutter mit fünf Mann Besatzung verloren. Nachdem wir mehrere Inseln entdeckt hatten, verloren wir auch den Kontakt zu dem auf Tahiti gebauten Schoner, der von Captain Edwards als Tender beschlagnahmt worden war. (Auf ihm befanden sich ein Offizier und acht oder neun Mann, und er wurde für verloren erklärt.)Von den Freundschaftsinseln steuerten wir westwärts und gerieten Anfang August in die Riffe von Neu-Holland. Es gelang nicht, eine Passage für die ewig unglückliche Pandora zu finden, und da der Himmel ihren Untergang beschlossen hatte, wurde sie am 29. August um halb acht von einer Strömung auf ein Riff getrieben, wo sie von der schweren Brandung fast zermalmt wurde." [1]
Gemeint ist das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens, ein riesiges Labyrinth aus Korallenriffen, das damals noch weitestgehend unerforscht war. Nach zwei Tagen Erkundung und Ausloten schien eine sichere Durchfahrt gefunden. Doch Edwards hielt in der rasch heraufziehenden Dämmerung nicht den genauen Kurs, und als das Schiff beidrehen sollte, wurden plötzlich fünfzig Faden und gleich darauf an steuerbord nur noch drei Faden gemessen, und alle hektischen Befehle und Manöver waren vergebens. Der Aufprall war so heftig, dass das Wasser in nur fünf Minuten auf achtzehn Zoll stieg, und nach weiteren fünf Minuten standen vier Fuß Wasser im Laderaum. Ununterbrochen schlugen die Wellen auf die Pandora ein und warfen sie hin und her, und während der starke Seegang das Schiff langsam zu zermalmen begann, wurde ein Mann von einer Kanone, die sich aus ihrer Halterung gelöst hatte, zu Tode gequetscht. Erst als alle Kanonen über Bord geworfen waren, glitt die Pandora mit steigender Flut über das Riff in ein Felsbassin und kam in vierzehn oder fünfzehn Faden zum Stehen. Sie war jedoch so beschädigt, dass sie jeden Moment auseinanderzubrechen drohte. Noch in der Nacht wurden die Boote klar gemacht und die Gefangenen Coleman, Norman und McIntosh wurden aus den Eisen gelassen und zu den Pumpen geschickt. Die anderen Gefangenen boten ihre Hilfe an und baten darum, auch aus den Eisen befreit zu werden. Doch ihr Flehen verklang ungehört. An Händen und Füßen gefesselt waren sie dazu verdammt, tatenlos die hektischen Befehle, die verzweifelten Schreie, die hastigen Schritte, das Heulen des Windes in der Takelage und das Rauschen der Brandung anhören zu müssen. Eine der Pumpen fiel aus, das Wasser stieg immer schneller, und an den Niedergängen wurde ununterbrochen per Hand geschöpft. Doch was oben mit Eimern ausgeschüttet wurde, kam unten durch das Leck doppelt und dreifach wieder herein. Kurz vor Tagesanbruch stieg die Angst ins Unerträgliche. Das Wasser stand zwischen den Decks, und alles deutete darauf hin, dass das Schiff sinken würde. Weil die Boote wegen des starken Seegangs in einiger Entfernung zum Schiff bleiben mussten, wurde alles, was schwamm, über Bord geworfen, damit die die Männer sich daran festhalten konnten, bis sie von den Booten aufgelesen wurden. Beim Abnehmen der Rahen, aus denen ein Floss gebaut werden sollte, wurde ein Mann von einer herabstürzenden Rahe erschlagen. Das Steuerrruder und ein Teil des Hecks brach weg, Männer sprangen über Bord und auf dem Dach des Gefängnisses waren Schritte zu hören: Edwards und seine Offiziere gingen zu den Strickleitern am Heck. "Das Wasser stand bereits bis zum Süll, als wir ihn noch einmal um Gnade anflehten, woraufhin er den Korporal [2] anwies, die Luke zu öffnen und den Waffenschmied [3] in den Verschlag zu lassen, um einige Gefangene freizulassen." So beschreibt Peter diesen hochdramatischen Augenblick. Den Ausgang der Aktion wartete Edwards nicht ab. Während Hodges die ersten Gefangenen [4] aus den Hand- und Fußeisen befreite und diese sogleich mit dem halb blinden Byrne, der ungefesselt gewesen war, nach draußen drängten, schwamm Edwards bereits zu seiner Pinasse. Peter entkam der Todesfalle als einer der Letzten. Er sprang ins Wasser, und als er wieder hoch kam, ragten nur noch die Rahen des Toppmastes aus dem Wasser. Splitternackt klammerte er sich an eine Planke und schwamm zu einem kleinen Eiland, bis ein Boot ihn eine halbe Stunde später auflas. "Als wir auf der kleinen, sandigen Koralleninsel an Land gingen, stellten wir fest, dass zehn von uns und neunundachtzig von der Pandora gerettet und dreißig Mann ertrunken waren, vier von ihnen Gefangene und unter ihnen mein unglücklicher Kamerad, Mr Stewart. Eine Inspektion der geretteten Vorräte ergab, dass zwei oder drei Säcke Brot, zwei oder drei Becher Wasser und etwas Wein vorhanden waren; drei Tage lang fristeten wir unser Leben von zwei Weingläsern Wasser und zwei Unzen Brot pro Tag." Der aus Hannover stammende Heinrich Henry Hillbrant hatte in Pandora’s Box sein feuchtes Grab gefunden, George Stewart und John Sumner waren von einer herabfallenden Gangway erschlagen worden und Richard Skinner mit Eisenschellen an den Händen ertrunken.
Mit einem aus vier Booten bestehenden Geschwader nahm Captain Edwards denselben Kurs wie Bligh. Am 13. September sichteten sie Timor, und am darauffolgenden Tag konnten sie sich bei den Eingeborenen mit Wasser und kleinen Fischen versorgen. Am 16. ankerten sie unterhalb der Festung von Coupang, in der die Bounty-Gefangenen die kommenden Wochen verbrachten und von den holländischen Aufsehern besser behandelt wurden als auf der Pandora von Edwards. Obwohl sie an den Füßen angekettet waren, konnten sie herumlaufen und sich aus Palmblättern Hüte flechten – eine Fertigkeit, die sie von den Eingeborenen auf Tahiti gelernt hatten. Von dem Geld aus dem Verkauf der Hüte erwarben sie ein paar einfache Kleidungsstücke. Auf der Rembang segelten sie nach Java, wo sie in Samarang die Resolution wiederfanden. Am 7. November 1791 erreichen sie Batavia, die Hauptniederlassung der Holländischen Ostindienkompanie, wo Edwards die Resolution verkaufte und die 300 Guineen Prisengeld unter der Pandora-Besatzung aufteilte. Was vom Meer wie ein tropisches Paradies unter Sonne und Palmen anmutete, erwies sich aus der Nähe als wahres Pesthaus. Durch die umliegenden Sümpfe und das feuchtheiße Klima war Batavia so von Moskitos verseucht, dass in den kommenden Wochen sechzehn Männer von der Pandora am Fieber starben, unter ihnen William Oliver, der einundzwanzig Jahre alte Steuermannsmaat, der die Resolution befehligt hatte. Was als Strafe gedacht war, erwies sich für die Gefangenen als Segen. Abgesehen von Coleman, Norman und McIntosh, die etwas besser behandelt wurden, durften die Bounty-Leute in dieser Zeit nur zwei Mal an Deck, und der Umstand, dass sie in einem auf Reede liegenden Schiff eingesperrt waren, schützte sie vor den Moskitos, unter denen die Pandora-Leute an Land litten. Von den Gefangenen starb kein einziger am Fieber. Auf Batavia schrieb Peter den langen Brief an seine Mutter, der über die Meuterei auf der Bounty, das Leben in der Südsee, die Ankunft der Pandora auf Tahiti, das Unglück am Great Barrier Reef und die Fahrt im offenen Boot nach Timor berichtet. Unterdessen vereinbarte Edwards mit der Holländischen Ostindienkompanie, die Pandora-Besatzung auf mehrere holländische Schiffe zu verteilen. Er selber begab sich mit den Bounty-Gefangenen auf die Vreedenburgh, die am 25. Dezember 1791 in Richtung Südafrika in See stach. Leutnant Larkin und zwanzig Pandora-Leute waren schon einen Monat zuvor mit der Swan aufgebrochen. Der Rest der Pandora-Besatzung folgte Edwards in zwei weiteren holländischen Schiffen. Am 18. März erreichte die Vreedenberg das Kap der Guten Hoffnung und ankerte in der Tafelbucht, nicht weit von der Gorgon, einer britischen Fregatte mit 44 Kanonen unter dem Kommando von Captain John Parker, die Edwards und die Bounty-Gefangenen aufnahm und nach England brachte.
[1] Das Kommando über die Resolution erhielt William Oliver. [2] William Rodrick [3] Joseph Hodges, Waffenschmiedsmaat [4] Muspratt und Skinner
Der Prozess gegen die Meuterer
Nach ihrer Ankunft wurden die Gefangenen auf der in Portsmouth liegenden Hector inhaftiert, und so lange das Kriegsgerichtsverfahren nicht abgeschlossen war, durfte Peter keinen Besuch von Angehörigen erhalten. Aber er durfte Briefe schreiben, die im Heywood-Manuskript erhalten sind, und seine Schwester Nessy und sein Onkel James Modyford Heywood sowie sein Onkel Commodore Thomas Pasley setzten sich in den nächsten drei Monaten unermüdlich für ihn ein und versorgten ihn mit allem Nötigen. Auch wenn die Haftbedingungen auf der Hector aus heutiger Sicht zu wünschen übrig ließen, wurden die Gefangenen der Bounty dort vergleichsweise gut behandelt und die Vorschriften so großzügig wie möglich ausgelegt. Peter äußerte wiederholt, dass Captain Montague und seine Offiziere ihm viele Freundlichkeiten erwiesen.
Der Prozess gegen die Meuterer von der Bounty fand vom 12. bis 18. September 1792 in Portsmouth an Bord der HMS Duke statt. Das Gericht bestand aus
- Vizeadmiral Lord Hood, der den Vorsitz führte, Capt. Sir Andrew Snape Hammond, Capt. John Colpoys, Capt. Sir George Montagu, Capt. Sir Roger Curtis, Capt. John Bazeley, Capt. Sir Andrew Snape Douglas, Capt. John Thomas Duckworth, Capt. John Nicholson Inglefield, Capt. John Knight, Capt. Albemarle Bertie and Capt. Richard Godwin Keats.
In Abwesenheit von Captain Bligh, der sich auf einer zweiten Brotfrucht-Reise befand, traten als Zeugen von der Bounty auf:
- John Fryer, William Cole, William Peckover, William Purcell, Thomas Hayward, John Hallet und John Smith
und von der Pandora
- Captain Edwards und der 1. Offizier John Larkin.
Angeklagt waren
- Peter Heywood (19, Seekadett), Thomas Burkett (30, Vollmatrose), Michael Byrne (33, Vollmatrose), Joseph Coleman (39, Waffenschmied), Thomas Ellison (22, Vollmatrose), Thomas McIntosh (33, Zimmermannsgehilfe), John Millward (26, Vollmatrose), James Morrison (22, Bootsmannsmaat), William Muspratt (Alter unbekannt, Vollmatrose) und Charles Norman (31, Zimmermannsgehilfe).
Im Heywood-Manuskript befindet sich eine Niederschrift der Ereignisse aus Peters Sicht. Sie beginnt damit, dass er seine Unschuld beteuert und erklärt, vor ihrem Stattfinden weder etwas von der Meuterei, noch anderen damit zusammenhängenden Umständen gewusst zu haben, und dann die Ereignisse am Morgen des 28. April 1789 beschreibt, die beim Prozess von den meisten Zeugen bestätigt wurden. Nur Hayward und Hallet wichen in einigen Punkten davon ab, und offenbar hat vor allem Hallets Aussage dazu geführt, dass Peter schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde.
"Nachdem alle Zeugen zu Peters Gunsten ausgesagt und seine Unschuld in einem solchen Maße beteuert hatten, dass an seinem Freispruch überhaupt kein Zweifel bestand, erklärte er ungefragt, dass er an Deck beobachtet habe, wie Bligh Peter angesehen und mit ihm gesprochen habe. Was er sagte, konnte er aufgrund der zwanzig Fuß betragenden Entfernung nicht hören, und obwohl Peter noch weitere zwanzig Fuß entfernt war (also eine Entfernung von vierzig Fuß zwischen Bligh und meinem Bruder lag), fuhr er fort, dass Peter über Blighs Worte gelacht und sich verächtlich abwendet habe. Außer Hallet sah kein anderer Zeuge Peter lachen; im Gegenteil, alle stimmten darin überein, dass seine Miene an diesem Tag außerordentlich betrübt gewesen sei. Leider verfehlte diese Gemeinheit nicht ihre Wirkung auf das Gericht, und die Verhandlung schloss mit diesem schrecklichen Urteil." [Nessy Heywood am 6. Oktober 1792 aus London an ihre Schwester Mary]
Die Gesetze der Royal Navy waren überaus streng und besagten, dass derjenige, der sich bei einer Meuterei neutral verhielt, d.h. keinesfalls an ihr beteiligt war, ebenso schuldig war wie die Meuterer selbst, und diese Angeklagten konnten auch nicht auf ein milderes Urteil hoffen. Es gab nur den Freispruch oder die Todesstrafe. Allerdings sah das Kriegsrecht einen königlichen Gnadenerlass vor, mit dem die Todesstrafe aufgehoben werden konnte. In Peters Fall sprach sich das Gericht einstimming für diese Empfehlung aus. Am Samstag, den 27. Oktober 1792 leitete Sir Andrew Snape Hammond in seiner Eigenschaft als Befehlshaber das Hafens von Portsmouth zur Mittagszeit das bei ihm eingegangene Schreiben der Admiralität mit der Begnadigung und der Weisung, Peter Heywood und James Morrison freizulassen, an Captain George Montagu weiter, der unverzüglich den Befehl gab, alle nötigen Vorbereitungen zur Entlassung der beiden Gefangene zu treffen. William Musprat, der ebenfalls zum Tode verurteilt wurde, erhielt einen vierzehntägigen Aufschub bis zum Abschluss der Beratung der Richter über die Aussage von Charles Norman, dem Zimmermannsgehilfen der Bounty, der nach seinem Freispruch als Zeuge zugelassen wurde. Thomas Burkett, Thomas Ellison und John Millward wurden am nächsten Vormittag an Bord der Brunswick im Hafen von Portsmouth gehängt.
Laufbahn in der Royal Navy
Ruhestand
Literatur
- Christiane Conway: Letters from the Isle of Man - The Bounty-Correspondence of Nessy and Peter Heywood. The Manx Experience, Isle of Man 2005. ISBN 1-873120-77-X
Verfilmungen
Die Bounty von 1984, mit Mel Gibson als Fletcher Christian, Anthony Hopkins als William Bligh und Daniel Day-Lewis als John Fryer.
Weblinks
- http://www.lareau.org/bounty
- Pitcairn Islands Study Center contains materials relating to the Mutiny on the Bounty
- Bounty Projekt Berlin, Kinder entdecken die Bounty
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Heywood, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Seeoffizier |
| GEBURTSDATUM | 6. Juni 1772 |
| GEBURTSORT | Douglas auf der Isle of Man |
| STERBEDATUM | 10. Februar 1831 |
| STERBEORT | London |
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