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Personengeschichte

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Die Personengeschichte ist Teilbereich der Geschichtswissenschaft. Sie erforscht historische Einzelschicksale sowie das Verhältnis zwischen Person und Gemeinschaft.

Entwicklung

Besonders seit den 1960er Jahren wurde sie als unvereinbar mit der Strukturgeschichte gesehen. Das war darauf zurückzuführen, dass die seit dem 19. Jahrhundert bis dahin übliche personalisierende Geschichtsdarstellung in der Regel Persönlichkeiten derart betonte, dass bedeutende historische Personen idealisiert oder gar heroisiert wurden (Imanuel Geiss). Hauptsächlich nahmen „große“ Persönlichkeiten eine herausragende Stellung ein, wobei vor allem „geistige Führer, Staatsmänner, Erfinder, Entdecker, Glaubenshelden […] wegen ihres besonderen erzieherischen Einflusses […] lebendig“ (Joachim Rohlfes) gemacht werden sollten. Der einfache „kleine“ Mensch (nicht nur der Mann) als politisch Agierender und gesellschaftliche Strukturen (also die Strukturgeschichte) wurden bei der Personalisierung völlig außer Acht gelassen. Historische Prozesse wurden unzulässig (auf Einzelne) reduziert und vereinfacht, individualisiert und entpolitisiert (Michael Sauer). Demnach können die Hauptprobleme der Personalisierung dahingehend benannt werden, dass sie die Rolle und Bedeutung der „Massen“ unterschätzte und die Strukturgeschichte vernachlässigte. Das war in der Auffassung vieler damaliger Historiker problematisch, weil das zu Anpassungsbereitschaft und Manipulierbarkeit führen würde.

Historiker und Geschichtsdidaktiker wie Klaus Bergmann machten in diversen Schriften darauf aufmerksam, dass sich die Personalisierung, vor allem, wenn sie gleich gesetzt wird mit Heroisierung, besonders nachteilig auf das Geschichtsbewusstsein der Menschen auswirke. Dem setzte er 1972 ein eigenes Konzept, die Personifizierung, entgegen, das eine Verbesserung darstellen sollte, aber dennoch nicht das erstrebenswerte Prinzip sei. Unter diesem Begriff ist generell die Darstellung von Geschichte an „namenlosen“ handelnden und leidenden Personen, den so genannten „kleinen Leuten“, und aus deren Sicht zu verstehen (Michael Sauer). Gleichzeitig repräsentieren diese Personen bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen. Das bedeutet nicht, dass nun vorrangig untere oder unterpriviligierte Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt des Interesses rücken sollten, sondern vielmehr, dass Gruppen, die nur generalisierend und abstrahierend beschrieben werden können, anhand von Persönlichkeiten ein Gesicht bekommen. Dabei spielt nicht die Person als Individuum die entscheidende Rolle, sondern die Person als Typus, als Stellvertreter für die ganze Gruppe. So kann z.B. die vorher vermisste Alltagsgeschichte in die Geschichtsdarstellung miteinfließen.

Heutzutage untersucht die Personengeschichte einzelne Personen in ihrem historischen Umfeld. Das Leben und Wirken von Personen und Personengruppen (wie z.B. Familien und andere soziale Gruppen, Berufsgruppen, konfessionelle Gruppierungen) in ihrer Zeit stehen im Mittelpunkt der Forschung, weil davon ausgegangen wird, dass es Personen und die von Personen geformten sozialen Gruppen sind, aus denen sich Gesellschaften bilden. So werden Persönlichkeiten und Strukturen nicht mehr als ein sich ausschließender Gegensatz gesehen, sondern als ein „interdependentes Verhältnis, bei dem das eine ins andere greift“ (Joachim Rohlfes). Das Motto lautet also nicht Strukturen oder Persönlichkeiten, sondern Strukturen und Persönlichkeiten.

Literatur

  • Bergmann, Klaus, Personalisierung im Geschichtsunterricht- Erziehung zu Demokratie?, Stuttgart 1972.
  • Ders., Personalisierung und Personifizierung, in: Ders., Geschichtsdidaktische Beiträge zu einer Theorie historischen Lernens, Schwalbach/Ts. 2000 (2. Auflage), S. 158-161.
  • Ders., Personalisierung, Personifizierung, in: Klaus Bergmann u.a. (Hrsg.), Handbuch der Geschichtsdidaktik, Düsseldorf 1985 (3. Auflage), S. 268-271.
  • Bosch, Michael (Hrsg.), Persönlichkeit und Struktur in der Geschichte, Düsseldorf 1977.
  • Rohlfes, Joachim, Ein Herz für die Personengeschichte? Strukturen und Persönlichkeiten in Wissenschaft und Unterricht, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 50 (1999) Heft 5/6, S. 305-320.
  • Sauer, Michael, Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Velber 2004 (3. Auflage), S. 73-76.
  • Speckmann, Thomas, Die Welt als Wille und Vorstellung. Chancen und Probleme einer biografischen Geschichtsschreibung des „kleinen Mannes“ , in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 53 (2003) Heft 7/8, S. 412-426.

Weblinks

Wikipedia
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